Dorfprozelten

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Dorfprozelten
Dorfprozelten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dorfprozelten hervorgehoben

Koordinaten: 49° 47′ N, 9° 23′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Höhe: 141 m ü. NHN
Fläche: 11,34 km2
Einwohner: 1770 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 156 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97904
Vorwahl: 09392
Kfz-Kennzeichen: MIL, OBB
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 118
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil[2]
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulgasse 2
97904 Dorfprozelten
Website: www.dorfprozelten.de
Erste Bürgermeisterin: Lisa Steger (CSU[3])
Lage der Gemeinde Dorfprozelten im Landkreis Miltenberg
AschaffenburgLandkreis AschaffenburgLandkreis Main-SpessartHohe Wart (gemeindefreies Gebiet)Gemeindefreies Gebiet ForstwaldGemeindefreies Gebiet Hohe BergCollenbergDorfprozeltenAltenbuchWörth am MainWeilbach (Bayern)Sulzbach am MainStadtprozeltenSchneeberg (Unterfranken)RüdenauRöllbachObernburg am MainNiedernbergNeunkirchen (Unterfranken)MönchbergMömlingenMiltenbergLeidersbachLaudenbach (Unterfranken)Klingenberg am MainKleinwallstadtKleinheubachKirchzellHausen (bei Aschaffenburg)GroßwallstadtGroßheubachFaulbachEschau (Unterfranken)Erlenbach am MainElsenfeldEichenbühlBürgstadtAmorbachAmorbachHessenBaden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Dorfprozelten ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg und eine der ältesten Siedlungen am Untermain.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Region Bayerischer Untermain. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich mit 474 m ü. NN südlich von Wildensee, der niedrigste liegt im Main auf 129 m ü. NN. Durch Dorfprozelten führt der Fränkische Marienweg.

Gemarkung Dorfprozelten

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfprozelten hat ein Ortsteil[2] mit zwei Orten:[4]

Es gibt nur die Gemarkung Dorfprozelten, in dessen Südwesten das Forsthaus[5] Kollenberg liegt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markt
Eschau
Gemeinde
Collenberg
Nachbargemeinden Stadt
Stadtprozelten
Stadt
Freudenberg
Stadt
Wertheim

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name setzt sich aus dem mittelhochdeutschen Wort brat, das Braten oder Fleisch bedeutet und dem althochdeutschen selde für Haus zusammen. Bratselde bedeutet demnach etwa so viel wie Ort, an dem Reisende speisen können; etwa eine Herberge. Der Zusatz Dorf sowie die zeitweise verwendeten Wörter Alten, Unter und Nieder wurden zur Unterscheidung von Stadt- und Langenprozelten hinzugefügt.[6]

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[6]

  • 1009 Brotselden
  • 1248 Altinbrotselden
  • 1311 Bratselden daz dorf
  • 1317 Niderm Bratselden
  • 1320 Unterprotzelten
  • 1359 Nidernprotselden
  • 1370 Dorf Brotselden
  • 1379 Brotselden daz dorffe
  • 1483 Dorffbrotselden
  • 1594 Dorffprocelden
  • 1694 Dorff Proceld
  • 1881 Dorfprozelten

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer chronikalen Aufzeichnung aus dem 14. Jahrhundert wird erwähnt, dass der Mainzer Erzbischof Willigis im Jahre 1009 die Weihe eines Gotteshauses in „Brotselden“ vorgenommen hat.

Der Ort im Erzstift Mainz wurde laut Reichsdeputationshauptschluss 1803 ein Teil des neugebildeten Fürstentums Aschaffenburg des Fürstprimas von Dalberg, mit welchem (nun ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) es 1814 schließlich an Bayern fiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1862 wurde das Bezirksamt Marktheidenfeld gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Dorfprozelten lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Dorfprozelten war nun eine der 47 Gemeinden im Landkreis Marktheidenfeld. Mit der Auflösung des Landkreises Marktheidenfeld kam Dorfprozelten am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg.

1978 schloss sich die Gemeinde der neu gegründeten Verwaltungsgemeinschaft Stadtprozelten an. Zum 1. Januar 1994 wurde Dorfprozelten wieder aus dieser entlassen.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort beherbergte bis in die 1970er Jahre eine große Sandsteinindustrie. Dorfprozeltener Steinhauer waren unter anderem am Bau des Winterpalais in Sankt Petersburg, des Mainzer Doms, des Reichstags in Berlin und vieler anderer bedeutender Bauwerke beteiligt. Der Abbau des Sandsteins förderte auch die Schifffahrt, welche Dorfprozelten für einige Zeit zum größten Binnenschifferdorf Deutschlands werden ließ. Heute beherbergt Dorfprozelten verschiedene Industriezweige. Unter anderem siedelte sich ein großer Automobilzulieferer an. An den Hängen des Mains wird mit dem „Dorfprozeltener Predigtstuhl“ auch ein hervorragender Frankenwein angebaut.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 1639 Einwohner
  • 1970: 1627 Einwohner
  • 1987: 1741 Einwohner
  • 1991: 1794 Einwohner
  • 1995: 1870 Einwohner
  • 2000: 1972 Einwohner
  • 2005: 1933 Einwohner
  • 2010: 1797 Einwohner
  • 2015: 1761 Einwohner
  • 2016: 1770 Einwohner
  • 2017: 1790 Einwohner[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Wahl am 15. März 2020 ergab sich folgende Mandatsverteilung im Gemeinderat:[8]

Die Wahlbeteiligung betrug 75,57 %.

Erste Bürgermeisterin ist Lisa Steger (CSU); sie wurde am 15. März 2020 mit 52,49 % der gültigen Stimmen gewählt. Ihr Vorgänger war von Mai 2008 bis April 2020 Dietmar Wolz (Freie Wähler).[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Dorfprozelten
Blasonierung: „Geteilt von Rot und Silber; oben ein sechsspeichiges silbernes Rad, unten ein durchgehendes schwarzes Kreuz; im Schildfuß blaue Wasserwellen.“[9]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 gab es in der Gemeinde 945 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 788 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Einpendler um 157 Personen größer als die der Einpendler. 18 Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es vier landwirtschaftliche Betriebe.

Größter Arbeitgeber ist der Magna-Konzern.

Weinanbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage Dorfprozeltener Predigtstuhl umfasst zwölf Hektar Anbaufläche, wobei elf Hektar dem Staatlichen Hofkeller Würzburg gehören und ein Hektar von dem Weinbau Prechtl im Nebenerwerb bewirtschaftet wird. Zwei Drittel der Fläche sind mit Rotweinen bestockt: Frühburgunder, Domina, Spätburgunder und St. Laurent. Der Rest gehört den Weißweinen mit Bacchus, Sauvignon blanc, Müller-Thurgau und Scheurebe.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2018):

  • Eine Kindertageseinrichtung mit 87 Plätzen und 58 Kindern
  • Eine Grundschule mit fünf Klassen und 93 Schülern

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorfprozelten am Main – Ein Dorf im Wandel seiner 1000jährigen Geschichte – Teil 1 (Georg Veh, Walter Arnold, Josef Weiß, Werner Zöller, Elsa Lang, 1995)
  • Dorfprozelten am Main – Ein Dorf im Wandel seiner 1000jährigen Geschichte – Teil 2 (Georg Veh, 2002)
  • Dorfprozelten – Schüler, Schulmeister, Schulhäuser 1600–1998 (Georg Veh, 1998)
  • Der „Kindsmord“ von Dorfprozelten (Georg Veh, 1994)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dorfprozelten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b http://www.suedspessart.de/home/dorfprozelten
  3. a b Grußwort. Gemeinde Dorfprozelten, abgerufen am 11. Juni 2020.
  4. Dorfprozelten in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 13. Juni 2020.
  5. Forsthaus Kollenberg in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 10. August 2017.
  6. a b Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 57 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. https://www.statistikdaten.bayern.de/genesis/online/data?operation=ergebnistabelleUmfang&levelindex=2&levelid=1542698403961&downloadname=12411-001
  8. Ergebnis Gemeinderatswahl 2020 abgerufen am 13. Juni 2020
  9. Eintrag zum Wappen von Dorfprozelten in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte