Doris von Sayn-Wittgenstein

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Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein (* 1. Oktober 1954[1] als Doris Ulrich[2] in Arolsen[3]) ist eine deutsche Politikerin der Partei Alternative für Deutschland (AfD). Sie wurde bei der Landtagswahl 2017 in den Landtag von Schleswig-Holstein gewählt und ist seit dem 8. Juli 2017 Landessprecherin der AfD Schleswig-Holstein.[4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürstin von Sayn-Wittgenstein wuchs als Tochter eines Postsekretärs und einer aus Schlesien heimatvertriebenen Mutter auf.[2][5] Sie hat zwei Schwestern, darunter die Schauspielerin Heike Ulrich, und einen Bruder, den Regisseur Armin Ulrich.[6][2] Sie studierte von 1973 bis 1980 Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg. Nach ihrem Referendariat beim Landgericht Heidelberg (Stammdienststelle) mit Stationen an der Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer und bei einer amerikanischen Rechtsanwaltskanzlei wurde sie am 21. Februar 1983 als Rechtsanwältin zugelassen[7] und arbeitet als solche nach eigenen Worten „seit 34 Jahren an der Familienrechtsfront“.[8]

Mit ihrer Kanzleianschrift in Dossenheim (bei Heidelberg) ist sie auch jetzt noch in Deutsche Anwaltauskunft[9] und im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer[7] zu finden, nachdem sie 2016 nach Schleswig-Holstein gekommen ist[10] und nun in Schwentinental im Kreis Plön wohnt.[11] Von ihrem ersten Ehemann, der Ägypter gewesen sein soll, wurde sie geschieden.[12][13]

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr amtlicher Nachname Fürstin von Sayn-Wittgenstein ist wiederholt Gegenstand medialer Berichterstattung gewesen, da er einer früheren Nebenlinie des deutschen Adelshauses Sayn-Wittgenstein entspricht. Nach Fürstin von Sayn-Wittgensteins eigener Aussage hat sie in ihrer seit Jahrzehnten geschiedenen ersten Ehe „Doris Ulrich“ geheißen und „Ulrich“ sei auch der Nachname ihres Mannes gewesen. Bei ihrer zweiten Ehe habe sie beschlossen, ihren „Geburtsnamen“ zu tragen.[14] Nach Presse-Recherchen hieß sie nach ihrer Geburt jedoch „Doris Ulrich“ und diesen Nachnamen habe dann auch ihr erster Mann angenommen. Ihre ehemaligen Klassenkameraden geben an, sie habe bereits beim zehnjährigen Klassentreffen 1983 den Namen „von Sayn-Wittgenstein“ geführt.[14][15]

Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn erklärte, Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein gehöre für ihn „nicht zur Familie“.[16] Auch Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe distanzierte sich und verwies in einer Stellungnahme darauf, dass die Stammlinie der Fürsten von Sayn-Wittgenstein bereits erloschen sei und alle Träger dieses Nachnamens entweder als Erwachsene adoptiert worden seien oder von einem solchen Adoptierten abstammten.[17] Die Süddeutsche Zeitung bezog sich ebenfalls auf Nachkommen adeliger Familien und schrieb, dass eben dieser Nachname „mit dem ‚von‘ am Anfang […] seit geraumer Zeit von Titelhändlern zu hohen Preisen verkauft“ werde.[18]

Mögliche Nähe zur Reichsbürgerbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Sojka initiierte den als der Reichsbürgerbewegung nahestehend betrachteten Verein „Die Deutschen“. 2009 wurde Fürstin von Sayn-Wittgenstein von ihm für einen Vorstandsposten gewonnen, für die „Vereinigung“ Die Deutschen stellte Sojka beim IGH einen „Antrag auf Feststellung des Nichtbestehens der BRD“. Allerdings starb der eigentliche Vorantreiber Sojka noch im selben Jahr.[19] Der Verein „Die Deutschen“ gab 2009 zu seiner Gründung eine Pressemitteilung heraus, in der Sojka und Fürstin von Sayn-Wittgenstein im Gründungsvorstand genannt werden. Fürstin von Sayn-Wittgenstein erklärte 2017, sie wisse nicht, wie ihr Name dahingekommen sei.[20] Zwar hätte Sojka sie für einen Vorstandsposten im Verein gewonnen, jedoch erinnere sie sich nicht an eine Gründungsveranstaltung.[21] Eine Gesinnungsnähe zur Reichsbürgerbewegung bestreitet Sayn-Wittgenstein, auch Klaus Sojka habe nicht zu dieser gehört.[22] Es sei damals auch um ungeklärte Eigentumsfragen der nach dem Zweiten Weltkrieg Vertriebenen gegangen. Auch nach der deutschen Wiedervereinigung betrachtet Sayn-Wittgenstein die Frage nach der Entschädigung der Vertriebenen aus den früheren deutschen Ostgebieten als offen und verweist auf ihre verstorbene Mutter, der man in den 1990er Jahren aus Bonn bestätigend mitgeteilt habe, dass bezüglich des bei der Vertreibung hinterlassenen Vermögens noch nicht alles geklärt sei, es momentan politisch aber nicht opportun sei, diese Frage zu regeln.[23]

Tätigkeiten nach Eintritt in die AfD; Wahl zur Landessprecherin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doris von Sayn-Wittgenstein trat im März 2016 in die AfD ein. Nach eigener Aussage konnte sie mit der einst von Bernd Lucke gegründeten AfD nicht viel anfangen.[24] Vom 16. April 2016 bis zum 21. Mai 2017 war sie Beisitzerin im Landesvorstand der AfD Schleswig-Holstein.[25] Sie wurde im Oktober 2016 auf dem Landesparteitag in Henstedt-Ulzburg auf den dritten Platz der Landesliste für die Landtagswahl gewählt.[26] Bei der Landtagswahl 2017 wurde sie über die Landesliste in den Landtag von Schleswig-Holstein gewählt. Auf dem Landesparteitag am 8. Juli 2017 wurde Doris von Sayn-Wittgenstein zur neuen Landessprecherin der AfD Schleswig-Holstein gewählt. Sie erhielt 68 % der Stimmen und setzte sich damit gegen den bisherigen Amtsinhaber Jörg Nobis durch.[27]

Überraschend kandidierte sie am 2. Dezember 2017 beim AfD-Bundesparteitag in Hannover für den Bundesvorsitz.[28] Doris von Sayn-Wittgenstein wurde zwar nicht gewählt, verhalf aber dem rechten Parteiflügel Der Flügel um Björn Höcke dazu, den als gemäßigt geltenden Berliner AfD-Vorsitzenden Georg Pazderski an der Bundesspitze zu verhindern.[8] Nach zwei Abstimmungen ohne klares Ergebnis zogen beide Kandidaten zurück, und Alexander Gauland stellte sich als Kompromisskandidat zur Wahl.[29][30]

Seit Ende 2017 nimmt sie an den Fraktionsversammlungen ihrer Partei nicht mehr teil (Stand 23. Januar 2018), da sie sich gemobbt fühlt.[31]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf ihren Wahlplakaten zur Landtagswahl 2017 warb sie mit dem Spruch „Heimat statt Multi-Kulti“. Als politische Überzeugung nennt sie „Homogenität“ und „Identifikation“. Die in Deutschland, Österreich und Frankreich vom Verfassungsschutz beobachtete rechtsextreme Identitäre Bewegung möchte sie nicht „in Bausch und Bogen verdammen“.[32]

Auf dem AfD-Parteitag am 2. Dezember 2017 in Hannover appellierte Doris von Sayn-Wittgenstein an den Stolz der Partei: „Ich wünsche nicht, dass ich Koalitionsgespräche anbieten muss, sondern dass die anderen um Koalitionsgespräche betteln.“[29] Ebenso vertrat sie dort die Ansicht, nur der Nationalstaat halte eine Demokratie am Leben, und benannte Vertreter der Antifa mit der unter Rechtsextremisten gebräuchlichen Bezeichnung „Antifanten“.[33]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sayn-Wittgenstein, Fürstin von, Doris. Landtagsinformationssystem Schleswig-Holstein, abgerufen am 5. Dezember 2017.
  2. a b c Elmar Schulten: Doris von Sayn-Wittgenstein: Unbekannte AfD-Frau stammt aus Bad Arolsen. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 11. Dezember 2017 (abgerufen am 12. Dezember 2017).
  3. Melanie Amann: Ich hieß zeitweise Ulrich. Spiegel Plus, 8. Dezember 2017. Abgerufen am 9. Dezember 2017.
  4. Doris von Sayn-Wittgenstein neue Landesvorsitzende der AfD in Schleswig-Holstein. In: afd-schleswig-holstein.de, abgerufen am 13. Juli 2017
  5. shz.de am 10. Juli 2017: Doris von Sayn-Wittgenstein: „Deutschland ist so unbeliebt wie nie zuvor“ (abgerufen am 12. Dezember 2017)
  6. Klassenkameraden und Lehrer erinnern sich: Doris von Sayn-Wittgenstein: Die unbekannte Fürstin stammt aus Bad Arolsen, Waldecksches Landeszeitung, 11. Dezember 2017
  7. a b Bundesweites amtliches Rechtsanwaltsverzeichnis, abgerufen am 12. Dezember 2017
  8. a b Doris von Sayn-Wittgenstein: AfD-Kandidatin, die selbst der Parteiführung unbekannt war. In: Süddeutsche Zeitung, 4. Dezember 2017
  9. https://anwaltauskunft.de/anwaltssuche/doris-sayn-wittgenstein-lgqvj
  10. Portrait der neuen AfD-Vorsitzenden: Doris von Sayn-Wittgenstein, SHZ vom 10. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017
  11. Zugelassene Landeslisten zur Landtagswahl 2017. (Memento des Originals vom 20. Dezember 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schleswig-holstein.de Der Landeswahlleiter, 24. März 2017, abgerufen am 5. Dezember 2017 (PDF; 196 kB).
  12. AfD-Frontfrau Fürstin von Sayn-Wittgenstein: Ich hieß zeitweise Ulrich. Spiegel Online, 8. Dezember 2017, Der Spiegel 50/2017
  13. Adelstitel: AfD-Politikerin Sayn-Wittgenstein: Ich hieß früher Ulrich. WAZ, 8. Dezember 2017
  14. a b Melanie Amann: Fürstin Doris Ulrich. In: Der Spiegel, 50/2017 (online)
  15. Elmar Schulten: Doris von Sayn-Wittgenstein: AfD Politikerin stammt aus Bad Arolsen. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. 11. Dezember 2017
  16. Jörn Wenge: Diskussion um AfD-Politikerin: „Ich vermute, dass sie adoptiert worden ist.“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 5. Dezember 2017
  17. Malte Arnsperger: Adels-Krieg um AfD-Mitgliedschaft: Fürst Schaumburg attackiert Fürstin von Sayn-Wittgenstein. In: Focus, 14. September 2016
  18. Jens Schneider: Profil – Doris von Sayn-Wittgenstein. In: Süddeutsche Zeitung. 4. Dezember 2017
  19. Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. Dezember 2017, AfD-Fürstin hat Vergangenheit in der Reichsbürger-Szene, online@1@2Vorlage:Toter Link/m.haz.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (abgerufen am 9. Dezember 2017)
  20. shz.de am 7. Dezember 2017, Reichsbürger-Vorwurf. Kritik an AfD-Landeschefin online (Memento des Originals vom 8. Dezember 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.shz.de (abgerufen am 9. Dezember 2017)
  21. AfD-Fürstin hat Vergangenheit in Reichsbürger-Szene, in: Göttinger Tageblatt v. 07.12.2017 (Memento des Originals vom 29. Dezember 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.goettinger-tageblatt.de
  22. AfD-Fürstin hat Vergangenheit in Reichsbürger-Szene, in: Göttinger Tageblatt v. 07.12.2017 (Memento des Originals vom 29. Dezember 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.goettinger-tageblatt.de
  23. WeltN24 am 7. Dezember 2017: AfD-Landeschefin bestreitet Nähe zu »Reichsbürgern« (abgerufen am 12. Dezember 2017)
  24. Sympathie fürs Rechtsradikale. In: neues deutschland, 4. Dezember 2017
  25. Arnold Petersen: Proteste und Polizei bei Dreikönigstreffen der AfD. In: Lübecker Nachrichten. 8. Januar 2017, abgerufen am 8. Mai 2017.
  26. Matthias Hoenig: Viel Zoff und ein Spitzenkandidat auf AfD-Parteitag. In: welt.de. 17. Oktober 2016, abgerufen am 8. Mai 2017.
  27. AfD: Sayn-Wittgenstein neue Frau an der Spitze. In: ndr.de. 9. Juli 2017, abgerufen am 9. Juli 2017.
  28. Chaotischer Parteitag: AfD wählt Gauland zum Ko-Vorsitzenden. In: faz.net. 2. Dezember 2017, abgerufen am 2. Dezember 2017.
  29. a b Alexander Gauland wird Parteichef neben Jörg Meuthen. In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 2. Dezember 2017.
  30. AfD-Parteitag: Patt zwischen Doris von Sayn-Wittgenstein und Georg Pazderski. In: sueddeutsche.de. 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 2. Dezember 2017]).
  31. Doris von Sayn-Wittgenstein: Die Fraktion mobbt mich
  32. Götz Bonsen: Doris von Sayn-Wittgenstein: „Deutschland ist so unbeliebt wie nie zuvor“. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 10. Juli 2017, abgerufen am 30. November 2017.
  33. Sabine am Orde: Bundesparteitag der AfD in Hannover: Noch weiter nach rechts gerückt. www.taz.de, 3. Dezember 2017