Dorothea von Montau

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Die Zelle Dorothea in Marienwerder

Dorothea von Montau (* 6. Februar 1347 in Groß Montau; † 25. Juni 1394 in Marienwerder) ist eine katholische Heilige. Sie ist Patronin des Deutschen Ordens und Preußens.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorothea von Montau entstammte einer vermögenden Bauernfamilie.[1] Als Siebenjährige wurde sie von ihrer Mutter mit kochendem Wasser übergossen.[2] Bereits in der Kindheit begann Dorothea ihre lebenslange Askese. Sie führte Kniefälle (Venien) aus und verweigerte in der Fastenzeit Milchspeisen.[3] Dorothea verbrachte ein Leben in permanenter Kasteiung, das bedeutete eine andauernde Misshandlung des eigenen Körpers aus vorgeblich religiösen Gründen. Dazu gehörten Selbstverbrühungen, extremes Fasten, Verwundung der Füße, Schlafen in der Kälte und weitere Praktiken.[4]

Auf Drängen ihrer Familie heiratete sie einen Waffenschmied aus Danzig. Der Ehe entstammten neun Kinder, von denen nur eine Tochter (später eine Nonne in Kulm) überlebt hat. Kurz nach der Hochzeit hatte Dorothea von Montau die ersten religiösen Visionen. Ihre religiösen Erfahrungen gestaltete sie durch permanente Verwendung von Hitzemetaphern:

„(...) von großer Wollust wurde Leib und Seele hinfließend, und die Seele floß von großer hitziger Liebe und Wollust gerade so wie ein Erz, das geschmolzen war, und wurde eins im Geiste mit unserem lieben Herrn.“[5]

Nach dem Tode ihres Ehemannes im Jahre 1389 oder 1390 siedelte Dorothea nach Marienwerder über. Dort begegnete sie im Domdekan und Deutschordenspriester Johannes Marienwerder ihrem zukünftigen Beichtvater und Biographen.

1391 wurde ihr in Danzig die Verbrennung als Hexe angedroht, da sie angeblich im Glauben irrte. Ihr wurden die in ihren Beichtgesprächen berichteten Visionen vorgehalten. Eine drohende Verbrennung konnte ihr Beichtvater Johannes von Marienwerder gerade noch verhindern.[6]

Sie verschenkte ihr Vermögen und blieb freiwillig, als Reklusin, bis zum Lebensende in einer Zelle eingeschlossen, die an den Gebäudekomplex des Domes von Marienwerder angebaut worden war.

Die Heiligsprechung erfolgte im Jahre 1976, nachdem der kurz nach dem Tode der Frau angestrengte und vom Deutschen Orden unterstützte Heiligsprechungsprozess im Jahre 1404 abgebrochen wurde. Dorotheas Leben wurde von Johannes Marienwerder beschrieben und das Buch 1492 in Marienburg von Jakob Karweyse gedruckt.

Günter Grass beschreibt das Leben der Dorothea von Montau aus Sicht ihres verbitterten Ehemanns in seinem Roman Der Butt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Dinzelbacher (1994), S. 349.
  2. „Als die selige Dorothea das 7. Lebensjahr erreichte, da geschah es durch ein Versäumnis, daß sie mit siedendem Wasser so sehr übergossen wurde, daß ihre Mutter, so sehr gequält im großen Mitleid, sie in einer Wiege wiederbeleben mußte.“ Aus: Dorothea v. M. (1863), S. 209; neuhochdeutsche Übertragung aus Frenken (2002), S. 232.
  3. Vgl. Frenken (2002), S. 232.
  4. Vgl. Frenken (2002), S. 231 ff.
  5. Dorothea v. M. (1863), S. 238, neuhochdeutsche Übertragung aus Frenken (2002), S. 20.
  6. Gottes Nähe unmittelbar erfahren: Mystik im Mittelalter und bei Martin Luther, herausgegeben von Berndt Hamm, Volker Leppin und Heidrun Munzert, 2007, Tübingen, ISBN 978-3-16-149211-2, S. 335.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dorothea von Montau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien