Dorothea von Montau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das Inklusorium der hl. Dorothea in Marienwerder

Dorothea von Montau (eigentlich Dorothea Swartze) (* 6. Februar 1347 in Groß Montau; † 25. Juni 1394 in Marienwerder) war eine Eremitin und Mystikerin. Sie wird in der römisch-katholischen Kirche als Heilige verehrt und gilt als Patronin des Deutschen Ordens und Preußens.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorothea von Montau entstammte einer vermögenden Bauernfamilie.[1] Als Siebenjährige wurde sie bei einem Unfall mit kochendem Wasser verbrüht und starb fast.[2] Bereits in der Kindheit begann Dorothea damit, sich Kasteiungen und asketische Übungen aufzuerlegen. Sie führte vor dem Kreuz Kniefälle (Venien) unter Anleitung ihrer Mutter aus[3] und wollte in der Fastenzeit keine Milchspeisen zu sich nehmen,[4] obwohl sie dem Alter nach noch nicht zum Fasten verpflichtet gewesen wäre. Darüber hinaus berichtet ihr Biograph von Selbstverbrühungen, extremem Fasten, Verwundung der Füße, Schlafen in der Kälte und weiteren Praktiken.[5]

Auf Drängen ihrer Familie heiratete sie einen Waffenschmied aus Danzig. Der Ehe entstammten neun Kinder, von denen nur eine Tochter (die später Ordensfrau in Kulm wurde) überlebte. Kurz nach der Hochzeit hatte Dorothea von Montau die ersten Visionen. In ihren Berichten über diese mystischen Erfahrungen heißt es

„[…] von großer Wollust wurde Leib und Seele hinfließend, und die Seele floß von großer hitziger Liebe und Wollust gerade so wie ein Erz, das geschmolzen war, und wurde eins im Geiste mit unserem lieben Herrn.“[6]

Nach dem Tode ihres Ehemannes im Jahre 1389 oder 1390 siedelte Dorothea nach Marienwerder über. Dort begegnete sie dem Domdekan und Deutschordenspriester Johannes Marienwerder, ihrem zukünftigen Beichtvater und Biographen.

1391 wurde ihr in Danzig die Verbrennung als Hexe angedroht, da sie angeblich im Glauben irrte. Ihr wurden die in ihren Beichtgesprächen berichteten Visionen vorgehalten. Eine drohende Verbrennung konnte ihr Beichtvater Johannes von Marienwerder gerade noch verhindern.[7]

Dorothea verschenkte ihr Vermögen und zog sich bis zu ihrem Lebensende als Reklusin in eine Zelle zurück, die an den Gebäudekomplex des Domes von Marienwerder angebaut worden war.[8]

Verehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Papst Paul VI. sprach Dorothea von Montau 1976 heilig; der kurz nach ihrem Tode angestrengte und vom Deutschen Orden unterstützte Heiligsprechungsprozess war seit dem Jahre 1404 nicht weiter betrieben und erst 1955 wieder aufgenommen worden. Dorotheas Leben wurde von Johannes Marienwerder beschrieben und das Buch 1492 in Marienburg von Jakob Karweyse gedruckt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dorothea von Montau – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Dinzelbacher (1994), S. 349.
  2. „Als die selige Dorothea das 7. Lebensjahr erreichte, da geschah es durch ein Versäumnis, daß sie mit siedendem Wasser so sehr übergossen wurde, daß ihre Mutter, so sehr gequält im großen Mitleid, sie in einer Wiege wiederbeleben mußte.“ Aus: Dorothea v. M. (1863), S. 209; neuhochdeutsche Übertragung aus Frenken (2002), S. 232.
  3. Nach Marienwerder in: Max Toeppen (Hrsg.): Das Leben der heiligen Dorothea von Johannes Marienwerder. In: Scriptores rerum Prussicarum (Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit). Band 2. Hirzel, Leipzig 1863, S. 204.
  4. Vgl. Frenken (2002), S. 232.
  5. Vgl. Frenken (2002), S. 231 ff.
  6. Dorothea v. M. (1863), S. 238, neuhochdeutsche Übertragung aus Frenken (2002), S. 20.
  7. Gottes Nähe unmittelbar erfahren: Mystik im Mittelalter und bei Martin Luther, herausgegeben von Berndt Hamm, Volker Leppin und Heidrun Munzert, 2007, Tübingen, ISBN 978-3-16-149211-2, S. 335.
  8. Peter Dinzelbacher: Christliche Mystik im Abendland. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zum Ende des Mittelalters. Schöning, Paderborn u. a. 1994. S. 351.