Dorothy L. Sayers

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Dorothy Leigh Sayers ['sɛ:ə̯z], auch: [ˈseiəz] (* 13. Juni 1893 in Oxford; † 17. Dezember 1957 in Witham, Essex) war eine englische Schriftstellerin, Essayistin und Übersetzerin. Ihre Kriminalromane, die scharfsinnige, einfühlsame Milieuschilderungen der 1920er- und 1930er-Jahre enthalten, haben ihren Ruf als eine der herausragenden „British Crime Ladies“ begründet. Ihr Werk war zum Zeitpunkt ihres Todes weitgehend in Vergessenheit geraten. Wiederentdeckt wurde ihr Werk zunächst im Rahmen der Frauenbewegung der späten 1960er Jahre. Eine Verarbeitung ihrer Lord Peter Wimsey-Romane für eine Fernsehserie, die die BBC zu Beginn der 1970er Jahre produzierte und ab 1973 ausstrahlte, machte sie einem weiten Leserkreis erneut bekannt.[1] Diese Romane gelten heute als wichtige Werke der klassischen Detektivgeschichte, wie sie vor allem von britischen Autoren im Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen verfasst wurden. Die britische Zeitung The Guardian nahm 2009 zwei ihrer Kriminalromane, nämlich Der Tote in der Badewanne (1923) und Mord braucht Reklame (1933) in die Liste der tausend Romane auf, die jeder gelesen haben sollte.[2]

Leben[Bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten]

Dorothy Sayers wurde 1893 in einem Haus in der Brewer Street in Oxford geboren, wo ihr Vater, Reverend Henry Sayers, Kaplan und Direktor der Christ Church Cathedral School war[3], einer dem College Christ Church benachbarten Privatschule für die Chorknaben des Christ Church Cathedral-Chor. Ihre Mutter Helen Mary Leigh war Tochter eines Anwalts, die mütterliche Familie zählte zum englischen Landadel mit einer nachweisbaren Familiengeschichte bis zurück zur Herrschaft Heinrichs des III.[4] Dorothy Sayers war die einzige Tochter des Ehepaars, im Haushalt der Sayers lebten außer mehreren Dienstboten auch zwei Tanten sowie ihre Großmutter väterlicherseits. Obwohl Sayers letztlich nur die ersten vier Jahre ihrer Kindheit in Oxford verbrachte, erinnert sie sich in dem autobiografischen Fragment My Edwardian Childhood deutlich an Einzelheiten wie Ausflüge mit ihrem Kindermädchen auf das Universitätsgelände, das Schlägen der Glockentürme sowie den Schäferhund, der dem Christ Church Cathedral-Chor gehörte.[5] 1897 nahm ihr Vater eine Pfarrstelle im Osten Englands an, in der Nähe der Ortschaft Huntingdon. Die Oxforder Dienstboten, die Mutter von Henry Sayers sowie eine der Tanten zogen mit der Familie um. Die Pfarrei lag weitgehend isoliert. Sayers wurde zu Hause von ihren Eltern sowie einer Reihe von Gouvernanten erzogen. Sie konnte bereits mit etwas mehr als vier Jahren lesen. Ihr Vater begann sie ab ihrem sechsten Lebensjahr in Latein zu unterrichten und dank ihrer Gouvernanten erlernte sie ein ausgezeichnetes Französisch sowie passables Deutsch. Ihr Unterricht konzentrierte sich auf Literatur, Sprachen und Musik, dagegen wurde sie in Mathematik und Naturwissenschaften kaum unterrichtet.[6] Von ihrem Vater scheint sie musikalisches Talent geerbt zu haben. Er gab ihr ab ihrem sechsten oder siebten Lebensjahr Geigenunterricht, später lernte sie auch Klavier spielen und erhielt Gesangsunterricht. Sayers wuchs weitgehend isoliert von gleichaltrigen Kindern auf - Klassenschranken verhinderte, dass sie in der Pfarrgemeinde Spielkameraden fand. Als Erwachsene beklagte sie ihre verhätschelte Kindheit, in der sie nahezu ausschließlich von weitaus älteren Personen umgeben war.[7]

Internat und Studium[Bearbeiten]

Das Internat Godolphin im Jahr 2006
Das Somerville College im Jahr 2006

Ihre Eltern entschieden sich im Sommer 1908, ihre Tochter auf das Mädcheninternat Godolphin in Salisbury zu schicken. Damit sollte ihr der Weg für eine universitäre Ausbildung geebnet werden. Ihre Schulausbildung begann im Januar 1909. Während sie sehr belesen und gut in Sprachen ausgebildet waren, lag sie vor allem in Mathematik weit hinter gleichaltrigen Mädchen zurück. Sie erwies sich weder als sonderlich populär unter ihren rund 200 Mitschülerinnen noch unter ihren Lehrern. Sie wurde als begabt, jedoch oberflächlich beurteilt und galt als unfähig, mit Kritik umzugehen.[8] Sayers spielte im Schulorchester die erste Geige und spielte im Schultheater mit, fand aber nur wenige enge Freunde. Sie wurde auf Wunsch ihrer Eltern gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen im Jahre 1910 konfirmiert. Jahre später erinnerte sie sich daran, dass diese Erfahrung, die sie nur widerwillig über sich ergehen ließ, zu einer über lange Jahre bestehenden Skepsis gegenüber Religion führte, da sie diesen Schritt nur als einen einer sinnentleerten Tradition entsprechenden empfand.[9] Während einer Masern-Epidemie im Frühjahr 1911 erkrankte sie zusätzlich an einer lebensbedrohlichen doppelseitigen Lungenentzündung, die eine lange Genesungsphase im Krankenhaus und in der elterlichen Pfarrei nach sich zog. Die zu diesem Zeitpunkt knapp 18-jährige Sayers verlor durch die Krankheit auch all ihre Kopfhaare und kehrte im Herbst 1911 eine Perücke tragend an ihr Internat zurück, wurde aber wenig später von den Eltern von der Schule genommen als eine Scharlachepidemie ausbrach. Sie schloss ihre Schulausbildung per Fernunterricht ab und bereitete sich auf die Bewerbung für eines der Stipendium am Somerville College in Oxford vor. Das Somerville College war damals eine der beiden Colleges, die Frauen offen standen. Ihr Studium nahm sie im Herbst 1912 auf. Sie studierte klassische und moderne Sprachen und erlangte 1915 den Abschluss First Class Honours in mittelalterlichem Französisch.[10] Anders als am Internat fand Sayers in Oxford Gleichgesinnte. Mit einer anderen Studentin gründete sie im ersten Semester die „Mutual Admiration Society“, eine kleine Gruppe von am Schreiben interessierten Studentinnen, mit denen sie über lange Jahre Verbindung hielt. Einem Mitglied dieser Gruppe, nämlich Muriel „Jim“ Jäger, widmete Sayers ihren ersten Kriminalroman Der Tote in der Badewanne (1923).[11]

Erste Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges überraschte sie während eines Frankreichaufenthalts. Als Freiwillige half sie zunächst, belgische Kriegsflüchtlinge unterzubringen, Nach dem Studienabschluss plante sie zunächst, für das Rote Kreuz als Krankenpflegerin in Frankreich zu arbeiten. Aus dem Plan wurde jedoch nichts und sie ging auch nicht auf das Angebot ihres Vaters ein, ihr ein Postgraduiertenjahr in Oxford zu finanzieren. Sie arbeitete statt dessen an Lyrik, zwölf ihrer Gedichte wurden im Dezember 1915 im Rahmen einer Anthologie publizierte. Ein Jahr später erschien ihr erster eigener Gedichtband Op. I.,[12] der von dem Oxforder Verleger Basil Blackwell herausgegeben wurde, der auch erster Verleger von Aldous Huxley sowie Osbert und Sacheverell Sitwell war.[13] Weitere Gedichte konnte sie in anderen Publikationen unterbringen. Es war jedoch offensichtlich, dass sie sich eine Arbeitsstelle suchen musste, wollte sie nicht weiterhin im Haus ihrer Familie leben. Sie fand schließlich eine Lehrerstelle an einer Mädchenschule in Kingston upon Hull, einer Industriestadt an der Küste der Nordsee. Der kriegswichtige Hafen dieser Stadt war wiederholt Angriff deutscher Bombardements, bei denen Sayers in Kellern immer wieder Zuflucht suchen musste. Bedingt durch die psychischen Belastungen begann sie erneut, ihre Kopfhaare zu verlieren. Nachdem Sayers in Kingston upon Hull zwei Semester unterrichtet hatte, intervenierte ihr Vater. Er hatte eine besser bezahlte Pfarrstelle übernommen und dieses zusätzliche Einkommen erlaubte ihm ein Handel mit Basil Blackwell: Wenn Blackwell seine Tochter im Verlagsgeschäft ausbildete, würde er für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Sayers nahm dies willig an: Die Stelle erlöste sie von der wenig geliebten Lehrtätigkeit und sie konnte nach Oxford zurückkehren. 1918 erschien im Verlag Blackwell außerdem ihre zweite Gedichtsammlung Catholic Tales and Christian Songs.[14] Im Mai 1918 endete Sayers Tätigkeit für Blackwell. Es ist unklar, ob Basil Blackwell - der sein Verlagsgeschäft ab diesem Zeitpunkt auf die Veröffentlichung von Lehrbüchern umstellte - Sayers kündigte oder ob sie ihn aus eigenem Antrieb verließ. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie mit dem Editieren von Texten, ein paar journalistischen Tätigkeiten und Nachhilfe.

Die Lord Peter Wimsey-Romane[Bearbeiten]

Sayers begann etwa um 1919 über das Schreiben von Kriminalromanen nachzudenken. Sie arbeitete zu dieser Zeit als Assistentin an einem privaten Jungeninternat in Verneuil, Normandie. Grund für diesen Aufenthalt war eine (letztlich unerwidert bleibende) Verliebtheit in Captain Eric Whelpton, der an dieser Schule arbeitete. Zum Lehrkörper gehörte auch Charles Crichton, ein Eton-Absolvent und ehemaliger Kavallerieoffizier. Obwohl Sayers und Crichton einander nicht besonders schätzten, hat insbesondere Sayers Biografin auf Parallelen zwischen dem Leben Crichtons und dem fiktiven Lord Peter Wimsey hingewiesen.[15] Bevor Crichton während der Kriegszeit sein Vermögen verlor, hatte er in London unweit der fiktiven Adresse Wimseys gelebt, dieselben Clubs frequentiert, aktiv am sozialen Leben in London teilgenommen, war regelmäßiger Gast in englischen Landhäusern gewesen und einen exzentrischen Butler mit Namen Bates beschäftigt, der während der Zeit des Ersten Weltkrieges sein Offiziersbursche war. Während ihrer Zeit in Verneuil befasste sich Sayers außerdem ausführlich mit Kriminalromanen und diskutierte brieflich mit Freunden wie George Douglas Howard Cole die Idee, ein Schreibsyndikat zu gründen, die gemeinsam Kriminalromane verfassten. Vergleichbare Schreibsyndikate gab es bereits - die populäre, in Pulp-Magazinen veröffentlichte Sexton Blake-Reihe wurde von dutzenden Autoren verfasst.[16]

Im September 1920 kehrte Sayers nach London zurück und war trotz einiger Übersetzungsaufträge zunächst weitgehend auf die finanzielle Hilfe ihres Vaters angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.[17] Sie nahm schließlich vorübergehend wieder eine Tätigkeit als Lehrerin an, befasste sich aber an ihren Samstagen im Lesesaal des British Museums mit Kriminologie. An ihre Mutter schrieb sie im Januar 1921:

„Mein Kriminalroman beginnt heiter mit dem Fund einer toten korpulenten Dame, die in einer Badewanne liegt und nichts trägt außer ihrem Kneifer“[18]

Angetrieben von ihrer Freundin Muriel Jaeger arbeitete sie während des gesamten ersten Halbjahrs 1921 an ihrer Kriminalgeschichte weiter, während eines Aufenthalts bei ihren Eltern im Sommer dieses Jahres beendete sie ihre Arbeit an Der Tote in der Badewanne mit Lord Peter Wimsey als Protagonisten. Wenig später fand sie eine Stelle als Werbetexterin in der Werbeagentur S. H. Bensons in London und ihr zeitweiliger Begleiter, der Schriftsteller John Cournos, vermittelte ihr einen Kontakt mit dem US-amerikanischen Literaturagenten Boni and Liveright, die diesen Roman an den britischen Verlag Fisher Unwin verkauften und in den USA als Fortsetzungsreihe im People's Magazine platzierten. John Cournos, der mit Sayers brach, weil sie sich dem Geschlechtsverkehr mit ihm verweigerte, ist gleichzeitig das Vorbild für die Figur des Philip Boyes in dem 1930 veröffentlichten Kriminalroman Starkes Gift (Strong Poison). Für die Figur ist die Bereitschaft einer Frau zum vorehelichen Geschlechtsverkehr der Test, inwieweit eine Frau bereit ist, sich seinem Willen zu unterwerfen.[19]

Uneheliche Mutter[Bearbeiten]

Zu Weihnachten stellte Sayers ihren Eltern Bill White vor. Anders als Cournos war dieser ohne jegliche literarische Ambitionen. White arbeitete gelegentlich als Autoverkäufer und -mechaniker. Im Juni 1923 wusste Sayers, dass sie von White schwanger war, der ihr erst jetzt gestand, dass er mit einer anderen Frau verheiratet war.[20] In den 1920er Jahren hatte es erhebliche Konsequenzen, Mutter eines unehelichen Kindes zu werden. Sayers entschied sich gegen eine Abtreibung, gleichzeitig gelang es ihr sowohl gegenüber ihren Freunden, ihren Eltern als auch ihrem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft geheim zu halten. Erst zwei Monate vor der Niederkunft ließ sie sich von ihrem Arbeitgeber beurlauben, hielt ihre Eltern mit einer Ausrede fern und brachte am 3. Januar 1924 in einem Entbindungsheim in Southbourne einen Sohn zur Welt, den sie auf den Namen John Anthony taufte. Kurz vor der Niederkunft hatte sie an ihre Cousine Ivy Amy Shrimpton geschrieben, die gemeinsam mit ihrer Mutter Pflegekinder aufzog. Sie hatte zuvor vorgegeben, bei dem fraglichen Kind handele es sich um das Kind einer Freundin. Erst nachdem ihre Cousine zustimmte, das Kind aufzunehmen, gestand sie ihr die volle Wahrheit.[21] Ihre Arbeit in der Werbeagentur nahm sie wenig später wieder auf, von White trennte sie sich wenige Monate nach der Geburt. Fast zeitgleich wurde ihr zweiter Kriminalroman Diskrete Zeugen (Clouds of Wittens, erschienen 1926) fertig. Sayers stand diesem Werk, dass sie sich mühselig abgerungen hatte, immer distanziert gegenüber, weil sie es an die schwierigen Jahre 1922 bis 1924 erinnerte. in einem Brief an John Cournos, einer der wenigen Personen, denen sie gegenüber ihr uneheliches Kind eingestand, nannte sie es ein verfluchtes Buch — verbunden mit jeder Form von Demütigung und Elend.[22]

Am 13. April 1926 heiratete Sayers Oswald Arthur „Mac“ Fleming, einen Journalisten und Kriegsveteranen. Mac Fleming war bereits geschieden und hatte aus seiner ersten Ehe zwei Töchter. Sayers, die ihren Eltern ihren unehelichen Sohn nie eingestand, hatte zunächst die Sorge, dass diese die Ehe mit einem geschiedenen Mann - nach der Lehre der Church of England eine nicht anerkannte Verbindung - ablehnen würden. Ein Familienskandal um den Bruder ihres Vaters, der in flagranti beim Ehebruch ertappt worden war, trug dazu bei, dass diese die Verbindung akzeptierten, auch wenn sie an der Hochzeitszeremonie nicht teilnahmen.[23] Später adoptierten sie ihren Sohn[24], der jedoch nie in Sayers' Haushalt lebte. Er erfuhr erst kurz vor dem Tod seiner Mutter, wer „Tante Dorothy“ wirklich war.

Werk[Bearbeiten]

Dorothy L. Sayers (sie bestand auf dem „L.“) ist vor allem bekannt für ihren Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey. Dieser englische Aristokrat ist Protagonist einer Reihe von Kriminalromanen und Kurzgeschichten von hohem literarischem Rang. Die Wahl eines adeligen Amateurdetektivs ist zuvorderst ein literarischer Kunstgriff: Eines der grundlegenden Probleme von Kriminalromane des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war die soziale Schichtzugehörigkeit des ermittelnden Polizeiangestellten. Er gehörte typischerweise sozialen Schichten an, deren Mitgliedern ein verdecktes Ermitteln im oberen gesellschaftlichen Milieu unmöglich war: Sprache, unzureichende Kenntnisse von Umgangsformen und Bildung kennzeichneten sie als eindeutig nicht zu dieser Schicht zugehörig. Gleichzeitig trafen jedoch insbesondere Kriminalromane mit einer Handlung unter den Angehörigen der oberen Schichten auf ein besonderes Leseinteresse. Die US-amerikanische Autorin Anna Katharine Green führte mit ihrem Kriminalroman That Affair Next Door (erschienen 1897) erstmals eine Lösung dieses Problems ein, der von späteren Kriminalautoren mehrfach aufgegriffen wurde. Dem ermittelnden Polizeiinspektor wird eine weitere Figur an die Seite gestellt, die dieser Schicht angehört. Die Figur des Lord Peter Wimsey ist eine Abwandlung dieses Kunstgriffs. Lord Peter Wimsey ist in Dorothy Sayers Romanen die Hauptfigur, die durch Inspektor Parker ergänzt wird.[25]

Einige dieser Kriminalromane wurden in zwei Serien von der BBC verfilmt, die erste in den 1970er Jahren mit Ian Carmichael und die zweite 1987 mit Edward Petherbridge[26] in der Rolle des Lord Peter Wimsey. In einigen Wimsey-Krimis stellt Sayers ihrem Helden die Kriminalschriftstellerin und bald ebenfalls Amateurdetektivin Harriet Vane zur Seite, die den damals noch schwer durchsetzbaren, verpönten Anspruch des weiblichen Geschlechts auf Gleichberechtigung verkörpert. Im Laufe mehrerer Romane entwickelt sich eine Beziehung zwischen Vane und Lord Peter, die schließlich zur Hochzeit der beiden führt.

Dorothy L. Sayers' zweiter Detektiv ist Montague Egg. Mr. Egg ist reisender Vertreter für Weine und andere Spirituosen und sieht es gar nicht gerne, wenn einer seiner – zumeist wohlhabenden – Kunden das Zeitliche segnet. Von seinen Abenteuern handeln elf Kurzgeschichten (in: In the Teeth of the Evidence, Hangman’s Holiday).

Sayers gehörte 1928 zu den Gründungsmitgliedern des Detection Club, einer Vereinigung zur Förderung des klassischen Kriminalromans. Mitglieder mussten sich zur Einhaltung bestimmter Regeln verpflichten, die vor allem die Fairness gegenüber dem Leser gewährleisten sollten. Andere prominente Mitglieder waren z. B. Agatha Christie und G. K. Chesterton.

Sayers selbst befand ihre Übersetzung von Dantes Göttlicher Komödie ins Englische als ihre beste Arbeit.

Sie schrieb auch religiöse Essays und Schauspiele. 1937 schrieb sie im Auftrag der „Friends of the Cathedral“ (Freunde der Kathedrale von Canterbury) das Schauspiel „The zeal of thy house“ (Der Eifer für dein Haus), das – wie T. S. Eliots „Murder in the Cathedral“ (1935) und Charles Williams' „Thomas Cranmer of Canterbury“ (1936) – in der Kirche aufgeführt wurde. Am bekanntesten ist wohl die Hörspielreihe „Zum König geboren“ (The Man Born to Be King), die im Auftrag der BBC entstand.

Weltanschaulich gilt sie als eine christliche Humanistin.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1996 Rusty Dagger Auszeichnung für den besten Roman der 30er Jahre der britischen Crime Writers’ Association (CWA) für The Nine Tailors (dt.: „Die neun Schneider“. Wunderlich, Tübingen 1958. Seit 1980 auch unter dem Titel Der Glocken Schlag)
  • 2007 Archie Goodwin Award Auszeichnung für das schriftstellerische Lebenswerk der amerikanischen Nero Wolfe Society

Publikationen[Bearbeiten]

Lord-Peter-Wimsey-Romane[Bearbeiten]

  • Whose Body?, T. Fisher Unwin, 1923 (Der Tote in der Badewanne, auch „Ein Toter zu wenig“)
  • Clouds of Witness, T. Fisher Unwin, 1926 (Diskrete Zeugen, auch „Lord Peters schwerster Fall“)
  • Unnatural Death, Ernest Benn, 1927. The Dawson Pedigree in den USA (Keines natürlichen Todes)
  • The Unpleasantness at the Bellona Club, Ernest Benn, 1928 (Ärger im Bellona-Club, auch „Es geschah im Bellona-Club“)
  • Strong Poison, Gollancz, 1929 (Starkes Gift, auch „Geheimnisvolles Gift“)
  • Five Red Herrings, Gollancz, 1931, in den USA Suspicious Characters (Fünf falsche Fährten, auch „Fünf rote Heringe“)
  • Have His Carcase, Gollancz, 1932 (Zur fraglichen Stunde, auch „Mein Hobby: Mord“)
  • Murder Must Advertise, Gollancz, 1933 (Mord braucht Reklame)
  • The Nine Tailors, Gollancz, 1934 (Der Glocken Schlag, auch „Die neun Schneider“; Hintergrundinformationen: Vgl. Wechselläuten.)
  • Gaudy Night, Gollancz, 1935 (Aufruhr in Oxford)
  • Busman's Honeymoon, Gollancz, 1937 (Hochzeit kommt vor dem Fall, auch „Lord Peters abenteuerliche Hochzeitsfahrt“)
  • Thrones, Dominations, 1998 (In feiner Gesellschaft. Lord Peters letzter Fall; postum, nach einem unfertigen Manuskript vervollständigt von Jill Paton Walsh)

Walshs Roman A Presumption of Death, 2002 (Mord in mageren Zeiten; auch „Lord Peters allerletzter Fall“) basiert auf den Figuren und den während des Zweiten Weltkriegs im 'Spectator' erschienenen „Wimsey Papers“ von Dorothy L. Sayers.

Sammlungen von Kurzgeschichten[Bearbeiten]

  • Lord Peter Views the Body, Gollancz, 1928 (Der Mann mit den Kupferfingern, auch „Die Katze im Sack“), Kriminalstories
  • Hangman's Holiday, Gollancz, 1933 (Das Bild im Spiegel, auch „Der Mann, der Bescheid wußte“)
  • In the Teeth of the Evidence, 1939 (Figaros Eingebung, auch „Feuerwerk“)
  • Striding Folly, 1972 (3 Geschichten, deutsch nicht in dieser Zusammenstellung erschienen)

Andere Krimis[Bearbeiten]

zusammen mit Robert Eustace:

  • The Documents in the Case, Ernest Benn, 1930 (Die Akte Harrison, auch „Der Fall Harrison“)

Beteiligung an Kettenromanen des Detection Clubs:

  • The Floating Admiral, 1931 (Die letzte Fahrt des Admirals)
  • Six Against the Yard, 1936
  • Double Death: a Murder Story 1939 (Doppelter Tod)[27]

Religiöse Werke[Bearbeiten]

  • The Greatest Drama Ever Staged und The Triumph of Easter, London 1938. („Das größte Drama aller Zeiten“ darin enthalten „Der Triumph von Ostern“)
  • Creed or chaos? (rel. Essays) 1940
  • Strong Meat. [A religious tract.] 1940
  • The Devil to pay 1939 (gleichfalls für die Freunde der Kathedrale von Canterbury)
  • The Other Six Deadly Sins. An address given to the Public Morality Council London 1943
  • The Man Born to be King. A play-cycle on the life of our Lord and Saviour Jesus Christ. Written for broadcasting, etc., Gollancz, London, 1943. (Zum König geboren), Hörspiel.
  • The Just Vengeance rel. Schauspiel London 1946
  • Unpopular opinions. (rel. Essays) London 1946 u.ö.
  • Creed or Chaos? and other essays in popular theology London 1947 u.ö.
  • Homo Creator. Eine trinitarische Exegese des künstlerischen Schaffens. Schwann 1953

Gedichte[Bearbeiten]

  • Op 1, Blackwell, 1916.
  • Catholic Tales and Christian Songs, Blackwell, 1919.

Jugendliteratur[Bearbeiten]

  • Even the Parrot, Methuen, 1944

Essays[Bearbeiten]

  • Begin Here, Gollancz, 1940
  • The Mind of the Maker, Methuen, 1942
  • Unpopular Opinions, Gollancz, 1946
  • The Lost Tools of Learning, 1947 [1]

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Tristan in Brittany: being the fragments of The Romance of Tristan written by Thomas the Anglo-Norman. Drawn into the English by Dorothy Leigh Sayers.With an introduction by George Saintsbury. Ernest Benn, London, 1929.
  • The Comedy of Dante Alighieri, the Florentine (La Divina comedia, göttliche Komödie). Übersetzt in Versen von Dorothy L. Sayers, fertiggestellt von Barbara Reynolds, Penguin, Harmondsworth, 1949-62.
    • Hell, 1949
    • Purgatory, 1955
    • Paradise (Barbara Reynolds), 1962
  • La Chanson de Roland. The song of Roland. (Rolandslied), Penguin, Harmondsworth, 1957 (ihr letztes Werk)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 161.
  2. 1000 Novels everyone must read: the definitive List, abgerufen am 4. Februar 2014.
  3. B. Reynolds: Dorothy L. Sayers. Her Life and Soul. Hodder & Stoughton, London u. a. 1993, S. 13.
  4. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 163.
  5. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 163.
  6. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 165.
  7. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 167.
  8. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 169.
  9. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 170.
  10. B. Reynolds: Dorothy L. Sayers. Her Life and Soul. Hodder & Stoughton, London u. a. 1993, S. 78.
  11. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 174.
  12. Op. I., Volltext (englisch)
  13. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 174.
  14. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 177.
  15. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 178.
  16. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 178.
  17. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 179.
  18. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 180. Im Original lautet das Zitat: My Detektive story begins brightly, with a fat lady found dead in her bath with nothing on but her pince-nez.
  19. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 182.
  20. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 184.
  21. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 184.
  22. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 188.
  23. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 189.
  24. B. Reynolds: Dorothy L. Sayers. Her Life and Soul. Hodder & Stoughton, London u. a. 1993, S. 277.
  25. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery, S. 9.
  26. A Dorothy L. Sayers Mystery in der Internet Movie Database (englisch)
  27. Doppelter Tod (1988) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek