Douglas Coupland

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Douglas Coupland, 2013

Douglas Coupland (* 30. Dezember 1961 in Rheinmünster-Söllingen) ist ein kanadischer Schriftsteller und bildender Künstler. Sein erzählerisches Werk wird ergänzt durch eine international anerkannte Tätigkeit als Designer und bildender Künstler. Sein erster Roman Generation X, der im Jahr 1991 erschien, wurde zu einem internationalen Bestseller und führte Begriffe wie McJob und Generation X in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Ein durchgehendes Merkmal von Couplands Romanen und Kurzgeschichte ist ihre Synthese von postmoderner Religiosität, Web 2.0, Sexualität und Popkultur.

Coupland lebt gemeinsam mit seinem Lebensgefährten David Weir in West Vancouver, British Columbia.[1] Er hat mittlerweile 15 Romane veröffentlicht und eine Biografie über Marshall McLuhan verfasst.[2] Coupland war 2006 und 2010 für den Scotiabank Giller-Preis und 2009 für den Writers' Trust Fiction Prize sowie 2011 für seine Biografie über McLuhan für den Hubert Evans Non-Fiction Prize nominiert.[3][4] Die britische Zeitung The Guardian nahm 2009 zwei seiner Erzählungen, nämlich Girlfriend in a Coma und Microsklaven in die Liste der 1000 Romane auf, die jeder gelesen haben muss.[5] 2013 wurde Coupland der Order of Canada verliehen, die höchste Auszeichnung, die kanadische Zivilpersonen erhalten können.

Leben[Bearbeiten]

Digital Orca, Skulptur von Douglas Coupland in Vancouver

Douglas Coupland wurde auf einem NATO-Stützpunkt in Deutschland geboren. Er war der zweite von insgesamt vier Söhnen, sein Vater Charles Thomas Coupland war im medizinischen Dienst der Royal Canadian Air Force beschäftigt, seine Mutter C. Janet Coupland war Hausfrau, verfügte aber über einen Abschluss in Vergleichender Religionslehre von der McGill University. Die Familie kehrte bereits 1965 nach Kanada zurück, wo der Vater eine Arztpraxis eröffnete. Coupland wuchs entsprechend in Vancouver in British Columbia auf. Seinen Familienhintergrund hat Coupland als ausgesprochen religiös bezeichnet.[6] Nach Abschluss der Highschool ging er an die McGill University, um dort ähnlich wie sein Vater Naturwissenschaften zu studieren. Er brach sein Studium jedoch nach einem Jahr ab und kehrte nach Vancouver zurück, wo er 1984 am Emily Carr College of Art and Design ein Bildhauerei-Studium abschloss.[7] Über seine Zeit an dem auf Granville Island liegenden College sagte er später:

„Ich… hatte dort die besten vier Jahre meines Lebens. Es war der eine Ort, an dem ich mich wirklich und vollständig zu Hause fühlte. Es war eine magische Ära zwischen Hippies und PC-Nerds. Jeder sprach mit jeden und Du konntest jeden alles fragen.[8]

Bis 1986 folgten Auslandsaufenthalte in Italien und Japan. An der Universität von Hokkaidō besuchte Coupland Kurse in Produktdesign. Es gelang ihm anschließend, sich in Tokyo als Designer zu etablieren. Er kehrte aus gesundheitlichen Gründen nach Kanada zurück. Dort stellte er seine Arbeiten 1987 unter dem Titel „The Floating World“ in der Vancouver Art Gallery aus. In den späten Achtzigern begann er für lokale Magazine zu schreiben, um damit seine Arbeit als Künstler zu finanzieren.[9] Daraus resultierte sein Erstlingswerk Generation X, welches ihn schlagartig berühmt machte und zum Sprachrohr einer Generation werden ließ. Zahlreiche weitere Veröffentlichungen untermauerten den Status des Kultautors. Daneben arbeitet er nach wie vor an Skulpturen und Installationen. 2004 schuf er das „Canada House“, eine Installation, die sich mit Stereotypen kanadischer Identität anhand von Alltagsgegenständen auseinandersetzte. 2005 schrieb er außerdem das Drehbuch zu dem Film „Everything's Gone Green“. Im selben Jahr outete sich Coupland als homosexuell.

Coupland ist unverändert als bildender Künstler tätig. Er schuf unter anderem im Rahmen eines Kunstprojekts die Skulptur Digital Orca, die 2010 auf dem Jack Poole Plaza in Vancouver aufgestellt wurde.

Werk[Bearbeiten]

Von 1989 bis 1990 lebte Coupland in einer Region der Mojave-Wüste, um dort einen Vertrag mit St. Martins Press zu erfüllen, der eigentlich bestimmte, dass Coupland ein Sachbuch über die Generation zu schreiben habe, die nach den Baby-Boomern auf die Welt kamen.[10] Statt dem Sachbuch entstand jedoch ein Roman, den Coupland den Tlitel Generation X gab.[11] Der Roman fand in Kanada zunächst keinen Verleger, schließlich konnte Coupland ihn 1991 bei einem US-amerikanischen Verlagshaus unterbringen.[12] Der Roman war kein sofortiger Erfolg, gewann jedoch allmählich eine große Leserschaft, die ihr Lebensgefühl in diesem Roman reflektiert sah. Gegen seinen eigenen Widerstand gelangte Coupland in den Ruf, ein Sprecher für diese konsumkritische Bevölkerungsschicht zu sein.[13] Der Roman Generation X wurde letztendlich ein Welterfolg, der Titel wurde zum sprichwörtlichen Begriff und namensgebend für eine vom Konsumwahn abgestoßene Bewegung. Das Buch schildert in anekdotenhafter Form den Selbstfindungsprozess dreier exemplarischer Vertreter der Generation X und ihr Streben, der zunehmenden Kommerzialisierung ein eigenes Wertesystem entgegenzustellen.

Douglas Coupland liest aus Eleanor Rigby (San Francisco, 2005)

1992 folgte der Roman Shampoo Planet. Er handelt von der Generation, die der Generation X nachfolgte und die jetzt gewöhnlich als Generation Y bezeichnet word.[11] In ihm wird eine Jugend dargestellt, die Statussymbole und Karrieredenken in den Vordergrund stellt, damit allerdings in starkem Widerspruch zu den der Hippie-Generation zugehörigen Eltern steht. Coupland ließ such kurz nach der Veröffentlichung permanent in Vancouver nieder. Er begründete diese Rückkehr in die Stadt seiner Kindheit damit, dass er seine drittes Lebensjahrzehnt damit verbracht habe, mach einem Ort zu suchen, der eine bessere Stadt als Vancouver sei, ihm aber jetzt klar werde, dass Vancouver der bestmögliche Lebensmittelpunkt sei.[14] Das 1993 erschienene Life After God schildert episodenhaft die Existenzängste der Generation X: Atomare Bedrohung, Zerstörung der Umwelt, Tod und die Suche nach Gott charakterisieren die assoziativ geformte Erzählung.

1995 veröffentlichte Coupland den satirischen Roman „Microserfs“ (von engl. serf, Leibeigener) über die Angestellten des Microsoft-Konzerns, der gleichzeitig den IT-Boom der Neunziger parodiert. Er erschien 1996 auf Deutsch unter dem Titel Microsklaven. Das Buch entstand aus einer Kurzgeschichte über Angestellte dieses Konzerns, die Coupland 1994 für das damals neu gegründete Magazin Wired geschrieben hatte. Während der Recherchen zu Mikrosklaven lebte Coupland für eine Wochen in Redmond, Washington, dem Hauptsitz von Microsoft, und anschließlich für vier Monate in Palo Alto, Silicon Valley um das Leben der Personen besser zu verstehen, die direkt an der Informationsrevolution beteiligt sind.[15][16][17] Er selbst verglich seine Recherchearbeiten mit der Vorgehensweise der bekannten Verhaltensforscherin Dian Fossey. Er habe die dort lebenden Personen so ähnlich intensiv und neugierig beobachtet wie Dian Fossey ihre Gorillas. Für ihn wäre alles von Interesse gewesen; Was sie in ihrem Handschuhfach aufbewahren, welche Art von Fastfood sie bevorzugen, welche Poster bei ihnen im Schlafzimmer hingen.[18] Coupland, der selber aus einer religiösen Familie stammte, nannte die "Jetzt"-Orientierung der von ihm beobachteten Personen besonders auffällig. Maschinen seien die Idole, die ihre Wünsche, Hoffnungen, Ziele und Träume beeinflussten. Als besonders verblüffend bezeichnete er es, dass sie sich nicht mit Fragen wie Tod und einem Leben nach dem Tod auseinandersetzen.[19]

1996 publizierte Coupland den Essay-Sammelband „Polaroids From The Dead“ (deutsch: Amerikanische Polaroids, 1998), in dem er abermals die gesellschaftlichen Veränderungen der Dekade unter die Lupe nahm. Die verschiedenen Themen, die Coupland in diesen Essays aufgreift, sind ein Besuch bei einem Konzert der Grateful Dead, Betrachtungen über den Film Harold and Maude, der Besuch eines deutschen Journalisten, den Jahrestag des Todes von Marilyn Monroe und über das Leben in der Stadt Brentwood während der Zeit des Mordprozesses gegen den ehemaligen Football-Spieler O. J. Simpson.

Im selben Jahr war Coupland auf einer Promotionstour durch Europa für seinen Roman Mikrosklaven. Die hohe Arbeitsbelastung sorgte für eine Lebensphase, die von Erschöpfung und Niedergeschlagenheit gekennzeichnet war.[20][21] Diese Erfahrungen spiegeln sich auch in seinem nächsten Roman Girlfriend in a Coma wider, den eine Abkehr von Couplands lakonischem Schreibstil kennzeichnet. Das 1998 auf Deutsch erschienene Buch ist ein apokalyptisches Märchen, welches die gescheiterten Träume der Protagonisten thematisiert. Im Jahr 2000 folgte Miss Wyoming, dessen deutsche Ausgabe unter demselben Titel 2003 erschien.

Eleanor Rigby greift 2004 abermals das Motiv radioaktiver Strahlung auf und erzählt die Geschichte einer Mittdreißigerin, deren Leben aus den gewohnten Bahnen bricht, nach dem ihr Sohn, den sie nach der Geburt zur Adoption frei gab, nach 20 Jahren in ihr Leben tritt.

Bei The Gum Thief (engl., 2007) rekrutiert sich das Personal aus den Angestellten und Kunden eines Büroartikel-Großmarkts. In die Haupterzählung eingewoben ist der fiktive Roman „Glove Pond“, den einer der Angestellten angelehnt an die Ereignisse seiner Kollegen Kapitel für Kapitel fortschreibt. In der Haupterzählung geht es darum, dass zwei Menschen am Tiefpunkt angekommen sind und sich dessen bewusst werden. Dann nehmen sie das ihnen entglittene Leben wieder in die Hand: Der eine, indem er den Roman „Glove Pond“ schreibt, die andere, indem sie ein Studium beginnt.

2009 veröffentlichte Coupland den Roman Generation A. Rückgreifend auf seinen Debüt mit Generation X unternimmt Coupland hier erneut den Versuch das Lebensgefühl einer zunehmend individualisierten Generation zwischen Youtube, Google und Twitter zu dokumentieren. Zu diesem Zweck integriert die Erzählung zahlreiche stilistische und gestalterische Elemente des Web 2.0. Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft: Bienen gelten als weltweit ausgestorben bis unvermittelt fünf Personen, verstreut über den gesamten Erdball, gestochen werden. Die fünf Protagonisten werden kurz nach diesem Vorfall auf abenteuerliche Weise gefangen genommen, isoliert, schließlich an einem entlegenen Ort zusammengebracht. Es gilt herauszufinden, was die Bienen dazu animierte, ebendiese Personen zu stechen.

In Player One beschreibt Coupland das Zusammentreffen verschiedener Charaktere in einer Flughafenbar. Ein nicht näher beschriebener Zwischenfall sorgt dafür, dass sie von der Außenwelt abgeschnitten sind und so ihre Verhaltensweisen und Einstellungen teils drastisch ändern.

Publikationen[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • Generation X, 1991, nominiert für den Books in Canada First Novel Award 1991
    • deutsch: übersetzt von Harald Riemann: Galgenberg Verlag, Hamburg, 1992, ISBN 3-87058-120-4.
  • Shampoo Planet, 1992
    • deutsch: übersetzt von Harald Riemann: Aufbau-Verlag, Berlin, 1994, ISBN 3-351-02272-7.
  • Life After God, 1994
    • deutsch: übersetzt von Harald Riemann: Aufbau-Verlag, Berlin, 1995, ISBN 3-351-02335-9.
  • Microserfs, 1995
    • deutsch: übersetzt als Microsklaven oder Micro-Sklaven von Tina Hohl: Hoffmann und Campe, Hamburg, 1996, ISBN 3-455-01173-X.
  • Girlfriend in a Coma, 1997
    • deutsch: übersetzt von Tina Hohl: Hoffmann und Campe, Hamburg, 1999, ISBN 3-455-01174-8.
  • Miss Wyoming, 2000
    • deutsch: übersetzt von Tina Hohl: Hoffmann und Campe, Hamburg, 2001, ISBN 3-455-01175-6.
  • God hates Japan, 2001 - erschien nur in Japan
  • All Families Are Psychotic, 2000
    • deutsch: übersetzt als Alle Familien sind verkorkst von Tina Hohl: Hoffmann und Campe, Hamburg, 2002, ISBN 3-455-01176-4.
  • Hey Nostradamus!, 2003
  • Eleanor Rigby, 2004
  • JPod, 2006
  • The Gum Thief, 2007
  • Generation A, 2009
    • deutsch: übersetzt von Clara Drechsler und Harald Hellmann, Tropen-Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-608-50110-0.
  • Player One, 2010
    • deutsch: übersetzt als Spieler Eins: Roman in 5 Stunden von Clara Drechsler und Harald Hellmann, Tropen Verlag bei Klett-Cotta, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-608-50114-8.
  • Worst.Person.Ever, 2013

Andere[Bearbeiten]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Douglas Coupland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Steven Kurutz: Saving the House Next Door. In: The New York Times. Abgerufen am 3. Februar 2014. 
  2. Extraordinary Canadians. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  3. John Vaillant, Douglas Coupland among writers nominated for BC Book Prizes | Afterword | National Post. Arts.nationalpost.com. 10. März 2011. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  4. BC Book Prizes. Bcbookprizes.ca. Abgerufen am 3. Februar 2014.
  5. 1000 Novels everyone must read: the definitive List, abgerufen am 4. Februar 2014.
  6. Wark, Penny."Trawling for Columbine". The Times, September 12th, 2003.
  7. Colman, David. "Take a Sharp Turn at Fiorucci". The New York Times, September 30, 2007.
  8. Jackson, Alan. "I didn't get where I am today without..." The Times, June 17, 2006. Im Original lautet das Zitat:"I ... had the best four years of my life. It's the one place I've felt truly, totally at home. It was a magic era between the hippies and the PC goon squads. Everyone talked to everyone and you could ask anybody anything."
  9. "The week in Reviews:Talkin' about his generation". The Observer, April 26, 1998.
  10. Barker, Pat. "Behind the Lines". The Times, October 9, 2007.
  11. a b Dafoe, Chris. "Carving a profile from a forgotten generation". The Globe and Mail, November 9, 1991.
  12. McLaren, Leah. "Birdman of BC". The Globe and Mail, September 28, 2006.
  13. Muro, Mark. "'Baby Busters' resent life in Boomers' debris". The Boston Globe, November 10, 1991.
  14. Coupland, Douglas. City of Glass
  15. Soriano, Cesar G. "DATELINE: Cyberspace and New York" The Washington Times, 28. Juni 1995
  16. Folmar, Kate. "Channeling the lives of Silicon Valley", The Globe & Mail, 1. Juni 1995.
  17. Grimwood, Jon Courtenay. "Nerds of the Cyberstocracy". The Independent, 13. November 1995.
  18. The New York Times Interview, 9. September 1994
  19. Mcclellan, Jim. "The Geek Factory". The Observer, 12. November 1995.
  20. Smith, Stephen. "Dictators and comas". The Globe and Mail, March 14, 1998.
  21. "Dealing with the X factor". The Age, July 30, 2005.