Doula

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Doula Jéssica Macêdo berät die schwangere Luciana Rodovalho zu Positionen, Übungen und Pflege, die ihr helfen sollen, sich in der Schwangerschaft wohler zu fühlen. Wehen sollen durch Baden, die „Hengst“-Position und Ballunterstützung gelindert werden.

Eine Doula (von altgriechisch δούλη doúlē, deutsch ‚Dienerin, Sklavin, Magd‘) ist eine nichtmedizinische Helferin. Sie steht einer werdenden Mutter vor, während und nach der Geburt emotional und körperlich zur Seite.

Geschichte des Berufsbildes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der westlichen Kultur wurde das Konzept der Doula zunächst in den USA wiederbelebt. Der Begriff wurde 1969 in einer anthropologischen Studie von Dana Raphael verwendet. Die Schülerin von Margaret Mead hatte den Begriff Doula von einer älteren griechischen Frau übernommen.[1] In den USA gibt es seit jeher nur sehr wenige Hebammen in den Krankenhäusern.[2] Wenn es keine Komplikationen gibt, werden Mütter kurz nach der Geburt nach Hause entlassen.[3] In Deutschland und Österreich waren Doulas in den 2010er Jahren noch nicht sehr bekannt. In der Schweiz hat sich der Bekanntheitsgrad deutlich vergrößert.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unterstützung von Schwangeren hat eine jahrtausendealte Tradition. Doulas verstehen sich als Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbett­begleiterin. Sie kümmern sich vor, unter und nach der Geburt eines Kindes um die Frau, unterstützen den Partner und helfen beiden, emotional mit der Situation zurechtzukommen.[4] Während der Geburt können sie eine kontinuierliche 1:1-Betreuung gewährleisten. Dabei übernehmen Doulas keine medizinischen Tätigkeiten und ersetzten weder Hebamme noch ärztliche Geburtshelfer. In manchen Kulturen sind neben der Hebamme eine oder mehrere Doulas zur Unterstützung bei der Geburt anwesend.

Die praktische Unterstützung von Eltern und Neugeborenen nach der Geburt einschließlich der Versorgung der Geschwisterkinder ist eher Teil der häuslichen Wöchnerinnen- und Säuglingspflege. Im Vergleich dazu befasst sich eine Doula mit emotionalen Geschehnissen vor und unmittelbar nach der Geburt. Die Schwangere nimmt selbst Kontakt zu einer Doula auf und bezahlt diese privat.[5] Die Kosten für eine Doula werden in Deutschland nicht von den Krankenkassen getragen.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Doula erhält ihre Ausbildung in Kursen, die etwa über ein Jahr gehen. Bestandteil der Ausbildung sind praktische Erfahrungen.

Doulas arbeiten haupt- oder nebenberuflich. Als grundlegende Voraussetzung für die Tätigkeit wird weithin angesehen, dass eine Doula selbst ein Kind geboren hat. Einige Vereine in der Schweiz, Österreich und Deutschland bieten die Ausbildung nur für Frauen an. Seit 2017 gibt es aber auch Ausbildungsmöglichkeiten für Männer und für Frauen ohne Geburtserfahrung. Es gibt vereinzelt männliche Doulas.[6][7] Die Ausbildung zur Hebamme steht hingegen auch Männern vorbehaltlos offen. In Deutschland gab es 2010 einen einzigen männlichen Entbindungspfleger.[8]

In Deutschland und Österreich wird die Doula-Ausbildung von privaten Vereinen organisiert. Die Zugangsvoraussetzungen sind unterschiedlich, und die Ausbildung ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht staatlich organisiert. Sie muss privat bezahlt werden. Da der Begriff Doula nicht geschützt ist, ist es auch ohne Ausbildung möglich Doula zu sein.

Im Gegensatz dazu kennt die Hebammenausbildung mit Hebammengesetzen in Deutschland und Österreich auch Studienangebote mit Bachelorabschlüssen.

Doula-Vereinigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein DONA International ist die größte und älteste Doula-Vereinigung weltweit. Sie besteht seit 1992 und hatte bis 2019 mehr als 12.000 Doulas in mehr als 50 Ländern zertifiziert.[9] In Österreich, Deutschland und der Schweiz gibt es mehrere Doula-Vereinigungen und mehrere Anbieter für eine Doula-Ausbildung.

Begriffliche Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In abweichender Wortverwendung wird eine Begleitung am Ende des Lebens (Sterbebegleitung) bisweilen auch als „Doula“ bezeichnet.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amy L. Gilliland: Beyond holding hands: the modern role of the professional doula. J Obstet Gynecol Neonatal Nurs 31 (2002), S. 762–769, PMID 12465873 doi:10.1177/0884217502239215
  • Marshall H. Klaus, John H. Kennell, Phyllis H. Klaus: Doula, der neue Weg der Geburtsbegleitung. Mosaik Verlag, München 1995.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maggie Jones: Dana Raphael Opened Up the Mysteries of Nursing – The New York Times. In: nytimes.com. 21. Dezember 2016, abgerufen am 12. Januar 2019 (englisch).
  2. Sabrina Ebitsch: Beruf der Woche: Doulas – Bis zum schönen Ende. In: zeit.de. 6. August 2009, abgerufen am 10. Januar 2019.
  3. Christina Horsten: Deutsche Doula in New York: Hebamme in einem Land ohne Hebammen. In: aerztezeitung.de. 27. Dezember 2018, abgerufen am 10. Januar 2019.
  4. Claudia Hamburger: Geburtsbegleitung: Was macht eigentlich eine Doula? In: t-online.de. 12. September 2018, abgerufen am 10. Januar 2019.
  5. Positionspapier zum Thema Doulas in Deutschland. (PDF; 43,07 kB) In: hebammenverband.de. Deutscher Hebammenverband e.V, September 2010, abgerufen am 10. Januar 2019.
  6. Haushalt: Männliche Doula?? In: forum.wireltern.ch. Abgerufen am 10. Januar 2019.
  7. Yaniv Kubovich: Birth instructor suspected of sexually abusing patients – Haaretz – Israel News. In: haaretz.com. 27. Dezember 2010, abgerufen am 10. Januar 2019 (englisch).
  8. Susanne Kailitz: Männliche Hebammen: Allein unter Frauen. In: zeit.de. 8. Juli 2010, abgerufen am 10. Januar 2019.
  9. About DONA International. In: dona.org. Abgerufen am 10. Januar 2019 (englisch).
  10. Michele C. Balas, Melissa Gale, Sarah H. Kagan: Delirium Doulas. An Innovative Approach to Enhance Care for Critically Ill Older Adults. In: ccn.aacnjournals.org. August 2004, abgerufen am 12. Januar 2019 (englisch).