Drüsiges Springkraut

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Drüsiges Springkraut
Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera), Blütenregion mit Früchten

Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera), Blütenregion mit Früchten

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Balsaminengewächse (Balsaminaceae)
Gattung: Springkräuter (Impatiens)
Art: Drüsiges Springkraut
Wissenschaftlicher Name
Impatiens glandulifera
Royle
Blumenbank von Drüsigem Springkraut.
untypisch dünner Stängel und typischer 3-zähliger Blattquirl des Drüsigen Springkrauts.
Aufspringende Kapsel des Drüsigen Springkrauts
Aufgesprungene Kapselfrucht des Drüsigen Springkrauts.
Drüsiges Springkraut wuchert in einem Waldstück in Oberbayern

Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), meist Indisches Springkraut oder Himalaya-Balsamine, auch Bauernorchidee genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Balsaminengewächse (Balsaminaceae). Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegt auf dem Indischen Subkontinent, als Zierpflanze wurde es im 19. Jahrhundert auch in Nordamerika und Europa eingebürgert. Es wächst vor allem in feuchten Wäldern, Auen- und Uferlandschaften mit hohem Nährstoffgehalt, zumindest am Oberrhein auch in Naturschutzgebieten.

In Europa wird das Indische Springkraut vielerorts als invasiver Neophyt bekämpft, da es als eine Bedrohung für andere Pflanzenarten, ja ganze Pflanzengesellschaften in deren Lebensraum betrachtet wird.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Drüsige Springkraut ist eine einjährige Pflanze (ein Therophyt), die in kürzester Zeit Wuchshöhen von über 2 Meter erreichen und so andere Pflanzen schnell überdecken kann. Es benötigt für sein schnelles Wachstum eine ausreichende Wasserversorgung. Die dicken, aber hohlen Stängel verzweigen sich oben reichlich. Die vielen ganz überwiegend dreizählig-quirlständigen Laubblätter sind eilanzettlich, scharf gezähnt aber weich, 6 bis 25 cm lang und 18 bis 65 mm breit. Die Blattstiele sind 30 bis 35 mm lang. Das Kraut besitzt unangenehm riechende Drüsen, welche sich an Blattstiel und Blattgrund befinden.

Der aufrechte, insektenfreundliche, traubige Blütenstand ist raumgreifend üppig verzweigt. Die purpurroten, rosa oder weißen, stark süßlich duftenden Blüten sind etwa 3 bis 4 cm lang und hängen locker an dünnem Blütenstiel aus der Achsel eines stieldrüsigen Blattes herab. Die Blütezeit reicht ungefähr von Juni bis Oktober (spätestens bis zum ersten Frost). An einer Pflanze sind oft gleichzeitig Knospen, Blüten und reife Kapseln vorhanden. Von den drei Kelchblättern ist das untere kronblattartig und gespornt. Von den fünf Kronblättern ist das obere größer und die übrigen kleiner, paarweise verwachsen.

Die meist 14 bis 18 mm (selten bis 50 mm) langen Kapselfrüchte schleudern, wenn sie reif sind, auf kleinsten Druck oder Erschütterung (vorbeifahrende Lastwagen!) hin die Samen wie kleine Schrotkugeln heraus. Dabei sind die Seiten der Kapselfrucht elastisch und rollen sich wie winzige, sich windende Schlangen zurück. Die kugeligen Samen weisen einen Durchmesser von etwa 3 mm auf.

Die Pflanze wurzelt recht flach (bis maximal 20 cm) mit tausenden feinster Würzelchen.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Blüten sind vormännliche Rachenblumen. Sie werden meist durch Honigbienen, seltener durch Hummeln bestäubt. Der im Sporn verborgene Nektar ist mit einem Zuckergehalt von 48 % durchschnittlich süß, wird aber reichlich produziert. Mit 0,47 mg Nektar pro Pflanze und pro Stunde stellt das Springkraut etwa 40mal so viel Nektar her wie eine vergleichbare heimische Pflanze.[1] Noch entscheidender ist, dass die Pflanze auch einen sehr hochwertigen, ebenfalls zuckerhaltigen Pollen anbieten kann. Mit dieser Ausstattung und dem intensiven Duft schränkt sie die Möglichkeit zur sexuellen Vermehrung bei ihren einheimischen Standortkonkurrenten stark ein, zumal besonders Hummeln ein besonders gutes Langzeitgedächtnis für gute Futterquellen haben. Auch Selbstbestäubung ist möglich, aber wegen der ausgeprägten Vormännlichkeit selten.

Durch einen Schleudermechanismus, der schon durch Regentropfen ausgelöst werden kann, schleudern die Früchte ihre Samen bis zu sieben Meter weit weg (Saftdruckstreuer). Eine Pflanze produziert etwa 1600 bis 4300 Samen. Deren Keimfähigkeit (etwa 80 Prozent) bleibt mehrere Jahre erhalten. In Reinbeständen können bis zu 32000 Samen pro Quadratmeter Boden auftreten.

Als Fernausbreitung kommt auch Klebausbreitung und Wasserausbreitung durch wandernden Flusssand und Flusskies in Frage. Durch Hochwasser abgerissene Pflanzenteile können nach Anlandung im Boden wurzeln und neue Pflanzen bilden. Schließlich hat auch der Mensch in den letzten 30 bis 50 Jahren die Ausbreitung der Art gefördert: Zunächst wurde das Drüsige Springkraut als Gartenpflanze, gelegentlich auch wegen des reichlich produzierten Nektars als Bienenfutterpflanze aus der ostindischen Heimat importiert. Die Art kam 1839 nach England und wurde danach in vielen europäischen Gärten kultiviert.

Weiterhin wurden in dieser Zeit Silber-Weiden-Gebüsche in Pappelforste umgewandelt. In diesen Forsten fanden auf gestörtem Boden, z.B. in Überschwemmungsgebieten entlang der Bach- und Flussläufe, die Springkrautbestände optimale Wachstumsbedingungen. Es entstanden so Dominanzbestände mit einer Deckung von 75 bis 100 Prozent. Sogar Bestände der Großen Brennnessel (Urtica dioica) wurden gelegentlich so verdrängt.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Verbreitung dieser Pflanzenart reicht heute vom Indischen Subkontinent und Himalaya über Europa bis Nordamerika.

Das Indische Springkraut wurde anfangs als Zierpflanze verwendet, sie ist aber seit etwa 50 Jahren in weiten Teilen der Welt vollkommen eingebürgert, vor allem in Weiden-Auenwäldern, im Auengebüsch und an Ufern. Die Art liebt feuchte bis nasse, nährstoffreiche Böden an eher schattigen Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit, doch können sich diese Pflanzen auch an viel weniger günstigen Stellen etablieren und bald unduldsame Reinbestände bilden, sofern ihre reichlich erzeugten Samen z.B. mit Erdaushub in entsprechendes Gelände gelangen.

Nach Ellenberg ist sie eine Halblichtpflanze, ein Schwachsäure- bis Schwachbasezeiger, stickstoffreiche Standorte anzeigend und eine Unterklassencharakterart der Klebkraut-Brennnessel-Gesellschaften (Galio-Urticenea).

Das Indische Springkraut droht die einheimische Vegetation von ihren natürlichen Standorten zu verdrängen.

Ausbreitungsgeschichte[Bearbeiten]

Die ursprünglich aus dem Himalaya stammende Art wurde 1839 aus Kaschmir erstmals nach England importiert und gelangte von dort aus als Zierpflanze auf den europäischen Kontinent. Sie gehört damit zu den sogenannten hemerochoren Pflanzen, die ethelochor – also gezielt – eingeführt wurden.

Elf Jahre nach der Einführung als Gartenzierpflanze waren bereits erste wild vorkommende Pflanzen zu beobachten, in den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts konnten bereits Verwilderungen in Frankreich, an der deutschen sowie der niederländischen Nordseeküste festgestellt werden, bald auch am Oberrhein abwärts von Basel. Heute ist sie nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent verbreitet.

Bekämpfung[Bearbeiten]

Das Drüsige Springkraut wird vielerorts als standortfremd und verdrängend bekämpft, so im Bayerischen Wald, wo es sehr häufig geworden ist, durch den Bayerischen Wald-Verein oder in Oberstdorf durch den Verschönerungsverein. Das Indische Springkraut lässt sich verhältnismäßig einfach bekämpfen, da es einjährig ist, und die Verbreitung über die Samen erfolgt.[2] Bis zur Bildung der ersten Blüten verhindert ein tiefer Schnitt (Mahd) eine weitere Verbreitung. Das Springkraut lässt sich auch gut ausreißen. Diese Maßnahme muss vor der Samenreife durchgeführt werden. Da es an den Sprossknoten leicht zur Wiederbewurzlung kommt, sollten ausgerissene oder gemähte Pflanzen abgeräumt und kompostiert oder auf Wegen und Straßen zum raschen Verdorren ausgelegt werden.[3] Die bearbeiteten Flächen müssen jedoch weitere vier Jahre kontrolliert werden, denn der Samenvorrat im Boden kann insgesamt fünf Jahre keimfähig bleiben.[4] Die Verfütterung der Pflanzen an Rotwild im Gehege wird ebenso wie die Beweidung von Beständen mit Schafen als unproblematisch angesehen.

Es ist allerdings anzumerken, dass durch Verschleppung von Samen und Öffnung des Habitats für aggressivere Neophyten zumindest an Uferstandorten eine manuelle Bekämpfung des Springkrauts mehr Schaden als Nutzen anrichten kann.[5] Für Vorkommen der Pflanze an Landstandorten wie Wiesen oder Waldrändern gilt dies jedoch nicht.

Medizinische Bedeutung und Verwertung[Bearbeiten]

Alle Arten der Springkrautpflanzen sind in frischem Zustand leicht giftig. In der Volksmedizin hat diese Pflanze keinen besonderen Stellenwert. In manchen Regionen verwendet man diese Pflanzenart in hoher Dosierung als Brechmittel, in geringer Dosierung als harntreibenden Tee.[6]

Die Blüten lassen sich zu Gelee oder Parfait verarbeiten und die Samenkapseln können gedörrt verzehrt werden.[7]

Namensherkunft[Bearbeiten]

Die Pflanze besitzt einen Verbreitungsmechanismus, bei dem die reifen Samenkapseln unter anderem durch mechanischen Reiz aufspringen und die Samen weit herausgeschleudert werden. Daher stammt auch der Gattungsname. Die Drüsen an Blattstiel und Blattgrund geben dem Kraut den Namen Drüsiges Springkraut. Die andere Bezeichnung Indisches Springkraut ist auf das ursprüngliche ostindische Verbreitungsgebiet zurückzuführen.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den unter Literatur angegebenen Quellen, darüber hinaus sind folgende Einzelnachweise wiedergegeben:

  1. Das Leben der Hummeln im August, Aktion Hummelschutz. Abgerufen am 8. August 2011
  2. Vorsicht Pflanze! Wenn Grün zum Problem wird. (PDF; 290 kB), Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau - Veitshöchheimer Berichte aus der Landespflege, Abteilung Landespflege - Heft 101 - 2007, Seite 53-56
  3. Verdrängungswettbewerb Naturschutzbund Deutschland (NABU) - Naturschutz heute, Ausgabe 4/93, S. 36-39
  4. Bekämpfung des Indischen Springkrauts LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg - Naturschutz-Info 2007 Heft 3 - 2008 Heft 1, Seite 92-93
  5. Martin Hejda, Petr Pyšek: What is the impact of "Impatiens glandulifera" on species diversity of invaded riparian vegetation? In: Biological Conservation. 132(2), 2006, doi:10.1016/j.biocon.2006.03.025, S. 143-152 (HTML-Zusammenfassung)
  6. Siegrid Hirsch und Felix Grünberger: Die Kräuter in meinem Garten, Weltbild Verlag, 2006, ISBN 3-8289-2128-0
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGastronomie: Springkraut & Co.: Kräuterkoch Peter Becker macht aus Neophyten Salat. In: Badische Zeitung. 13.9.2011, abgerufen am 20.5.2015.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingo Kowarik: Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3924-3
  • Mario Ludwig, Harald Gebhard, Herbert W. Ludwig, Susanne Schmidt-Fischer: Neue Tiere & Pflanzen in der heimischen Natur. Einwandernde Arten erkennen und bestimmen. BLV, München 2000, ISBN 3-405-15776-5
  • Heinrich Hofmeister: Lebensraum Wald. Kessel, Remagen 2004, ISBN 3935638523
  • Dirk Albrodt: Illustrierte Enzyklopädie der Blütenessenzen, Reise Know-How Verlag, 1997, ISBN 3-89416-780-7
  • Volkmar Weiss: Die rote Pest aus grüner Sicht: Springkräuter - von Imkern geschätzt, von Naturschützern bekämpft. Graz: Leopold Stocker Verlag 2015, ISBN 978-3-7020-1506-0; darin S. 50-115: Das Rote Springkraut: Von Imkern geschätzt, von einigen Ökoaktivisten bekämpft

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drüsiges Springkraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Bilder[Bearbeiten]