Dr. Willmar Schwabe

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Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel
Unternehmenslogo von Dr. Wilmar Schwabe
Rechtsform Konzern, Unternehmensverbund, GmbH & Co. KG (Mutterunternehmen)
Gründung 11. Dezember 1865 (Geschäftsfähigkeit) 1. Januar 1866 (Inbetriebnahme)
Sitz Karlsruhe, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 3.600 (2016)
Umsatz 900 Mio. EUR (2016)
Branche Phytopharmaka
Nahrungsergänzungsmittel
Gesundheitsvorsorge
Selbsthilfe
Website www.schwabe.de
Stand: 31. Dezember 2016 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2016

Die Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG (kurz Schwabe) ist das Mutterunternehmen der Schwabe-Gruppe, auch als Unternehmensgruppe Schwabe oder Schwabe-Konzern bekannt,[1] der aus weltweit 93 Gesellschaften mit insgesamt 3.600 Mitarbeitern besteht, davon 1.405 in Deutschland, darunter um die 700 beim Hauptunternehmen (Stand: 31. Dezember 2016).[2] Schwerpunkt des Konzerns ist die Gesundheits- und die pharmazeutische Industrie mit einer Spezialisierung auf Heilpflanzenkunde und Homöopathie beruhende Fertigarzneimittel, den Phytopharmaka bzw. Homöopathika, Nahrungsergänzungsmittel heilpflanzlichen Ursprungs sowie Zusatzleistungen für eine ganzheitliche Gesundheitsvorsorge und Selbsthilfe, wie z. B. Trainingsprogramme für mentale und körperliche Fitness.[3]

In der Erforschung, Entwicklung und Herstellung von Phytopharmaka, Homöopathika sowie Nahrungsergänzungsmittel nimmt die Schwabe-Gruppe eine weltweit führende Position ein und wird daher auch als Phytokonzern bezeichnet.[3][4][5] Im Jahr 2015 erwirtschaftete Schwabe einen Konzernumsatz von rund 900 Millionen Euro.[2] Auf den Bereich Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmittel entfielen 740 Millionen Euro, der Export- und Auslandsanteil lag bei 75 Prozent. Der Forschungsaufwand lag bei 32 Millionen Euro. Der Forschungsschwerpunkt sind heilpflanzliche Spezialextrakte.[2]

Gegründet 1866 in Leipzig gehört Schwabe zu den ältesten pharmazeutischen Unternehmen in Europa.[6] 1946 verlegte es seinen Hauptsitz nach Karlsruhe.[7] In den 1980er- und 1990er-Jahren formierte sich das Unternehmen durch Firmengründungen, Erwerb und Beteiligungen zur weltweit agierenden Großunternehmen.[7] Es befindet sich in Familienbesitz in fünfter Generation und ist einer der traditionsreichsten Pharmaunternehmen Deutschlands.[3][8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1834–1865: Prägender Hintergrund der Familie Schwabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruftplatte mit Grabskulptur und Reliefs von Willmar Schwabe und Frau Luise auf dem Neuen Johannisfriedhof, jetziger Standort: Lapidarium, Alter Johannisfriedhof, Leipzig.[9] Künstlerisch außergewöhnlich wertvoll im Jugendstil von Josef Mágr 1908 gestaltet.[9]

Die heutige Schwabe-Gruppe geht auf ein Offizin zur Herstellung homöopathischer Heilmittel zurück, die von Willmar Schwabe gegründet wurde, Sohn des Apothekenbesitzers Carl Robert Schwabe.[9] Die ersten Jahre im Vogtland verlebend, siedelte die Familie Schwabe nach Dresden über, wo sie Miteigentümer der „Drogerie- und Farbwarenhandlung Gehe & Co.“ war, die 1834 als „Drogerie- und Farbwarenhandlung Gehe & Schwabe“ gegründet wurde.[9]

Davon geprägt, absolvierte Willmar Schwabe nach dem Gymnasium eine Apothekerlehre in der Dresdner Marienapotheke, in dieser lernte er Luise Eder kennen, die Tochter des Apothekenbesitzers, die er 1870 heiraten sollte.[9] Danach ging Schwabe für einige Zeit nach Bielefeld, wo er als Assistent in der Aschhoff‘schen Apotheke sein Wissen vervollkommnete. Daraufhin wandte er sich nach Leipzig, um an der Universität Pharmazie zu studieren. Während jener Zeit lernte Schwabe die homöopathischen Lehren Samuel Hahnemanns kennen, dessen überzeugter Anhänger er wurde. 1861 legte Schwabe sein Staatsexamen mit dem Prädikat „Vorzüglich“ ab, worauf er mit seiner Dissertation über Cinchonin 1863 mit 24 Jahren die Doktorwürde erwarb.[9]

Auf Grund dieses akademischen Grades, die zu jener Zeit noch selten war, sowie seines guten Studienabschlusses überließen die Leipziger Apotheker 1863 Schwabe die Verwaltung ihrer „Homöopathischen Dispensieranstalt der vereinigten Apotheker zu Leipzig“.[9] Erkennend, dass mit der Bereitung von Heilmitteln und deren Großhandel mehr Geld zu verdienen war als mit dem Einzelverkauf, plante er bald selbst die Gründung eines derartigen Unternehmens. Sicherlich trug dazu auch bei, dass sein Vater bereits Teilhaber eines Unternehmens war. Bestimmt dadurch zudem vermögend, beantragte Schwabe 1865 in Leipzig ein „Grosso- und Exportgeschäft homöopathischer Fabrikate“ eröffnen zu dürfen.[9]

Schwabe hatte in seinem Antrag angegeben, sein Unternehmen erst 1866 gründen zu wollen, was wohl nur geschah, um vorläufig seine Stellung in der Homöopathische Dispensieranstalt zu behalten.[10] Dennoch wurde Schwabe, nach verschiedenen amtlich vorgegebenen Schritten, wie die Begutachtung des Antrages durch den Stadtbezirksarzt Hugo Sonnenkalb und dessen Genehmigung durch das sächsische Ministerium des Inneren,[9] durch den Stadtphysikus schon am 10. November 1865 auf das neue Unternehmen verpflichtet.[10] Am 5. Dezember zeigte er dem Leipziger Handelsgericht die Gründung seiner Firma „Homöopathische Central-Officin Dr. Willmar Schwabe in Leipzig“ an. Das Amtsgericht bestätigte das 2 Tage darauf, während die amtliche Bekanntgabe im Leipziger Tageblatt am 11. des Monats erfolgte. Damit war das Unternehmen geschäftsfähig. Mit dieser Firmengründung erfolgte der Ausstieg von Schwabe als Verwalter der Homöopathischen Dispensieranstalt.[10] Seitdem wird das Unternehmen von der Familie Schwabe bereits in fünfter Generation maßgeblich gestaltet.[9]

1865–1871: Gründungsphase und umkämpfte Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Centralhalle um 1850, in der sich das „Homöopathische Central-Officin Dr. Willmar Schwabe“ befand.
Abbildung des Unternehmens-gründers Willmar Schwabe (1839–1917) im Alter von 50 Jahren in der Leipziger Gerichtszeitung (1889)

Nachdem Ende 1865 die formale Unternehmensgründung erfolgte, ging die „Homöopathischen Central-Officin Dr. Willmar Schwabe in Leipzig“ am 1. Januar 1866 in der Centralhalle in Betrieb.[7][9] Der damals 26-jährige Willmar Schwabe wollte mit seinem Unternehmen heilpflanzliche Zubereitungen – zunächst Urtinkturen, wie sie für homöopathische Arzneimittel nach Samuel Hahnemann benötigt wurden – erforschen und in standardisierter Form herstellen. Dazu richtete er ein eigenes Institut ein mit dem Ziel, pharmazeutische Leitlinien festzulegen und sowohl analytische Verfahren als auch neuartige Kontrollen der Zwischen- und Endprodukte zu entwickeln.[7]

Mit seiner Forschung legte er damit den Grundstein für das, was heute Vorbild moderner pharmazeutischer Herstellungstechnologie ist und standardisierte die Herstellschritte und fasste sie einige Jahre später in dem weltweit anerkannten Standardwerk Pharmacopoea homoeopathica polyglottica zusammen, denn mit seinem Fabrikations und Versandbetrieb gründete er gleichzeitig auch einen Verlag mit Setzerei, Druckerei und Buchbinderei, der entsprechende Literatur verbreitete.[7][11] Nicht unwesentlich für den zukünftlichen Geschäftserfolg dürfte gewesen sein, dass Schwabe auch für die Verbreitung der Homöopathie-Lehre sorgte. Daneben begann Schwabe von Anfang an eine umfassende medizinische Bibliothek zusammen zu tragen.[9] Außerdem wurden hier durch den Verlag drei Fachzeitschriften herausgegeben, darunter die „Allgemeine homöopathische Zeitung“, das offizielle Organ des homöopathischen Zentralvereins Deutschlands, und die einflussreiche „Leipziger Populäre Zeitschrift für Homöopathie“.

Schwabe plante zudem seine Heilmittel im Inland nur an Apotheken zu verkaufen, hauptsächlich allerdings in großen Mengen nach Frankreich, England und Amerika zu exportieren.[10] Zusätzlich benötigte er für den kurzfristigen Absatz seiner Produkte, bis der internationale Markt erobert wäre, in Leipzig eine homöopathische Apotheke. Vermutlich war es so, dass seine früheren Arbeitgeber, die Eigentümer der Homöopathische Dispensieranstalt, in ihm einen Konkurrenten sahen und keine Arzneimittel von ihm kauften beziehungsweise verkauften. Dieses von Schwabe geplante Offizin sollte sofort als Apotheke privilegiert werden, da an dieser Bezeichnung ein größeres Prestige hing als an anderen Firmenbezeichnungen, wie Dispensieranstalt.[10]

Darum richtete er schon am 27. Februar 1866 in Leipzig die Bitte, ihm die Errichtung einer homöopathischen Apotheke zu gestatten.[10] Entsprechend der allgemein vorhandenen Bedenken gegenüber der Homöopathie, aber auch da wohl die Besitzer der Homöopathische Dispensieranstalt dagegen opponiert hatten, wurde der Antrag am 6. November 1866 abgelehnt. Sofort dagegen in Widerspruch gehend, lehnte diesen allerdings das zuständige sächsische Ministerium am 7. Februar 1867 mit der Begründung ab, dass „ein Bedürfnis nach einer zweiten homöopathischen Apotheke nicht vorläge“. Weitere Versuche von Schwabe sein Ziel zu erreichen folgten.[10]

1869 hatte sich für ihn dafür allerdings die Situation entscheidend geändert.[10] Denn in Preußen war eine Verordnung erlassen worden, die es den dortigen homöopathischen Ärzten zur Pflicht machte, ihren Bedarf an Urtinkturen und sonstigen homöopathischen Arzneimitteln nur aus wirklichen homöopathischen Apotheken zu beziehen. Dass sein Unternehmen schwere Absatzeinbuße erleiden und dadurch Leipzig Steuereinahmenverlieren würde, wollte man natürlich nicht. Nach einigen Verhandlungen kam es darum dazu, dass Schwabe, für seine Person, am 7. Dezember 1870 die Genehmigung für die Errichtung einer homöopathischen Apotheke erhielt. Am 17. Februar 1871 berichtete der Leipziger Tageblatt, dass Schwabe eine neue zweite homöopathische Apotheke unter dem Namen „Homöopathische Central-Apotheke zum Samuel Hahnemann“ eröffnet hatte.[10]

1871–1946: Wachstum zum Weltunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zaubernuss, auf der die 1878 erschienene erste phytopharma-zeutische Spezialität von Schwabe beruht, die Wund- und Heilsalbe „Hamamelis-Salbe-Schwabe“.

1878 entstand die erste phytopharmazeutische Spezialität, die Wund- und Heilsalbe „Hamamelis-Salbe-Schwabe“, die auf Zaubernuss beruht.[7] Im selben Jahr schon war es Schwabe gelungen, seinen schärfsten Konkurrenten, der zu seinem Ärger schon seit 1866 den Namen „Homöopathische Centralapotheke Täschner & Co.“ führen durfte, zu erwerben.[10] Ihre Verwaltung oblag weiterhin William Steinmetz, der zuvor die Offizin der Homöopathischen Dispensieranstalt als Pächter übernahm. Die Apotheke behielt in der Folge seinen bislang gehabten Namen, da das wahrscheinlich vertraglich so vereinbart war. Das Monopol für homöopathische Waren besaß Schwabe mit dieser Apotheke jedoch nicht, da man inzwischen allen neu konzessionierten Apotheken gestattet hatte Einrichtungen für die Homöopathie aufzuweisen. Um zumindest Marktführer zu sein, erwarb Schwabe 1880 darum die homöopathische Offizin von Theodor Markgraf.[10]

Durch Schwabe Engagement wuchsen die Fabrikation der Arzneisubstanzen und das Versandgeschäft sehr schnell an.[9] Im Rahmen einer Geschäftsneuorientierung eröffnete man 1891, im Jahr des 25-jährigen Geschäftsjubiläums, die ersten beiden Niederlassung mit den Firmenerzeugnissen in anderen Städten des Deutschen Reiches, immer weitere folgten. 1895 konnte in Amsterdam das erste Depot im Ausland eröffnet werden. Es folgte eins in São Paulo. In jedem der folgenden Jahre kam es in vielen Ländern zu weiteren zahlreichen Gründungen von Niederlassungen, sodass Schwabe sehr schnell zum führenden Weltunternehmen für homöopathische Produkte aufstieg und es kaum ein Land auf der Erde gab, wohin man diese nicht exportierte. Bis 1913 waren es zirka 750 Filialen weltweit. Späterhin sollte man sich allerdings entschließen den geschäftlichen Schwerpunkt wieder weg vom Verkauf, sondern so wie am Anfang auf die Herstellung und den Großversand von Präparaten zu legen.[9]

1917 verstarb Willmar Schwabe im Alter von 78 Jahren.[7] Sein gleichnamiger Sohn, der Apotheker und Hofrat war und sich schon seit 1908 als Mitbesitzer im Unternehmen tatkräftig einbrachte, übernahm das Großunternehmen und baute das Werk weiter aus für alles was die Homöopathie betraf.[7][9][10] Im Jahr 1926 besaß die Firma bereits mehr als 2.500 Niederlassungen im In- und Ausland.[9]

Unter seiner Leitung wurden die Vorläufer der heutigen chromatographischen Analytik eingeführt, die zur Kapillarelektrophorese gehörende Kapillar- und Kapillarlumineszenz-Analyse.[7] Nach dessen frühen Tod 1935 übernahmen die beiden Söhne,[10] der Arzt und Apotheker Willmar sowie der Apotheker und Diplomkaufmann Wolfgang Schwabe, die Leitung des Unternehmens bis 1946 und begannen seit 1940 parallel zu den homöopathischen Arzneimitteln verstärkt mit der Entwicklung von heilpflanzlichen Arzneimitteln.[7] 1943 wurde das erste Weißdornpräparat zur Verbesserung der nachlassenden Herzfunktion eingeführt.[7]

1946–1976: Enteignung und Verlegung nach Karlsruhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme der Altstadt von Durlach, dem Karlsruher Stadtteil in dem Schwabe seinen Neuanfang startete
Pforte der Tochter Deutsche Homöopathie-Union (DHU)

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es im Sinne der Reparationspolitik zur Enteignung des Unternehmens in der Sowjetischen Besatzungszone.[7][9] Die Familie Schwabe siedelte 1946 nach Karlsruhe in die Amerikanische Besatzungszone, wo sie auf dem Gelände des Unternehmens Gritzner passende Räume für den Wiederbeginn fanden und ihr Restunternehmen praktisch aus dem Nichts weiter führten und neu ausbauten.[12] Karlsruhe war den Schwabes nicht unbekannt, denn ein Auslieferungslager war hier längst angesiedelt, und außerdem hatte Wolfgang in Freiburg im Breisgau studiert.[13] Im neuen Werk im Stadtteil Durlach wurden die Forschungsaktivitäten neu initiiert und kontinuierlich ausgeweitet.[7] Die positive Entwicklung des Unternehmens brachte schon bald die Notwendigkeit einer räumlichen Ausweitung mit sich.[12] So wurde 1951 auf dem heutigen Firmengelände ein erster Neubau, das Verwaltungsgebäude mit Pforte, errichtet. Entsprechend dem kontinuierlichen Wachstum des Unternehmens hörte die Bautätigkeit auch in den folgenden Jahrzehnten nicht auf.[12]

1961 erfolgte mit der Gründung der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) in Karlsruhe die Trennung der beiden Arbeitsbereiche Homöopathie und Phytopharmaka.[7] Die DHU übernahm ab diesem Zeitpunkt die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Homöopathika, das Unternehmen Schwabe konzentrierte sich vollständig auf die Forschung und Entwicklung von Phytopharmaka. Diese sollten bezüglich der technischen Daten zur Qualität und Herstellung als auch pharmakologischer und klinischer Dokumentationen den Maßstäben internationaler Arzneimittelbehörden genügen.[7]

1965 wurde das erste Gingko-biloba-Präparat eingeführt.[7] Es enthielt den von Schwabe entwickelten und patentierten Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761. Die ausgezeichneten Daten hierzu haben Schwabe internationale wissenschaftliche Anerkennung verschafft.[7] Heute noch ist das Ginkgo-Präparat Tebonin mit dem Inhaltsstoff Bilobalid das meistverkaufte pflanzliche Arzneimittel, obwohl es bis heute keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine Wirksamkeit des Präparates gibt. Systematische Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration fanden keinen Beleg für eine Wirksamkeit bei Tinnitus[14] oder Demenz[15].

1976–heute: Aufstieg zum Weltkonzern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1976 übernahmen der Diplombiochemiker Klaus-Peter Schwabe und 1977 der Diplomkaufmann Wolf-Dietrich Schwabe als Geschäftsführer die Leitung des Unternehmens.[7] Im selben Jahr erwarb man in Staffort eine Lagerhalle für getrocknete Arzneipflanzen. Das Gelände rund um die Halle wurde von der Gemeinde gepachtet. Schließlich entwickelte sich daraus ein Standort für den Anbau von heimischen Heilpflanzen. Zur Lagerhalle gehörte zudem ein Brunnenanlage, der für den Anbau genutzt wurde. 1978 wurden dort Ginkgo-Kulturen eingeführt.[13]

In den 1980er- und 1990er-Jahren formierte sich das Unternehmen durch Firmengründungen, Erwerb und Beteiligungen im In- und Ausland zum weltweit agierenden „Unternehmensgruppe Schwabe“. 1980 wurde die Tochter Schwabe Extracta GmbH & Co. KG gegründet, die heute mit hochmodernen verfahrenstechnischen Anlagen und mit speziellen Extraktionsverfahren aus Arzneipflanzen Wirkstoffe für die pharmazeutische Herstellung gewinnt. 1986 wurde das Ettlingener Unternehmen W. Spitzner Arzneimittelfabrik GmbH übernommen.[5] Es folgte der Erwerb der ISO Arzneimittel GmbH & CO. KG 1987 aus Regensburg.[16]

Das Jahr darauf entstand die heutige Tochter Dr. Willmar Schwabe Business Services in Karlsruhe.[17] Sie wurde ursprünglich als „Logistik-Zentrum Dr. Willmar Schwabe gegründet“, um die Logistik- und IT-Aktivitäten der deutschen Unternehmen der Gruppe zentral und aus einer Hand zu organisieren. Während der Fokus zunächst auf der Betreuung der nationalen Gruppenunternehmen lag, wurden im Verlauf der 1990er-Jahre immer mehr Aufgaben im internationalen Bereich übernommen und ausgebaut. Die erfolgreiche Organisation als interner Dienstleister stand dann auch Pate für die weitere Bündelung von Kompetenzen. Im Jahr 2011 wurde beschlossen, Personalabteilung, Finanzbuchhaltung, Kundenservice und Einkauf zentral und einheitlich für die Gruppenunternehmen in Deutschland zu gestalten und diese Verwaltungseinheiten in den Dr. Willmar Schwabe Business Services zu bündeln.[17]

1989 wurden in Staffort erstmal Gewächshäuser erbaut.[13] 1993 erfolgte die Verlegung des ISO-Firmensitzes nach Ettlingen in die Nähe zur Muttergesellschaft.[16] Seit 2003 werden auch Nahrungsergänzungsmittel entwickelt und vertrieben.[7] Schwabe verleibt sich schließlich Ende 2012 die Produkte seines Tochterunternehmens Spitzner ein.[5] Das Marketing wurde am Spitzner-Standort in Ettlingen zusammengelegt, der Vertrieb wurde komplett ausgelagert und an das Partnerunternehmen OTX Force GmbH aus Ettlingen übergeben. Der Name Spitzner verschwand aus dem Markt, nur die Produktion laufen heute unter der Marke weiter.[5] Seit 2014 trägt der Anbaubetrieb in Staffort den Namen Terra Medica® und ist heute die artenreichste Arzneipflanzenkultur Europas.[11][13]

Zwischen 2004 und 2016 verdoppelte der Konzern seinen Umsatz von rund 400 Millionen auf über 800 Millionen Euro.[4]

Heute ist das Unternehmen in über 60 Ländern der Welt präsentiert.[13]

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwabe-Konzern besteht weltweit aus 93 Gesellschaften, genauer aus einem Mutter- und mehreren Tochterunternehmen sowie Partnerunternehmen in Form von Joint Ventures, Lizenzpartnern, Plantagen und Extraktionsstellen. Neben der Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG in Karlsruhe als Zentrale gibt es in Deutschland sechs weitere weitgehend selbständig operierende Partner- und Tochterunternehmen in unmittelbarer Nähe zum Hauptsitz, davon drei in Ettlingen. Diese sind:

  • Deutsche Homöopathie-Union DHU Arzneimittel (DHU), Karlsruhe
  • ISO-Arzneimittel GmbH & Co. KG, Ettlingen
  • Dr. Willmar Schwabe Business Services, Karlsruhe
  • Schwabe Extracta GmbH & Co. KG, Karlsruhe
  • Spitzner GmbH, Ettlingen
  • OTX Force GmbH, Ettlingen

Partner- und Tochtergesellschaften in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Homöopathie-Union DHU Arzneimittel (DHU)
Die 100%ige Tochter „Deutsche Homöopathie-Union“ ist zuständig für die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb von homöopathischen Arzneimittel.[18] Sie ist deutschlandweit der größte Hersteller dieser und zählt weltweit zu den drei ganz Großen im Bereich der Homöopathie. Die DHU verfügt über einen eigenen Arzneipflanzenanbau, der sich in kurzer Distanz zum Hauptsitz in Karlsruhe in Staffort befindet. Geschäftsführer sind Peter Braun und Rainer Oschmann. Die DHU entstand 1961 aus dem Zusammenschluss der früheren Konkurrenten Dr. Madaus & Co. und Dr. Willmar Schwabe. Diese Firmenehe ging 1969 wieder auseinander, der Name blieb jedoch erhalten.[18]
ISO-Arzneimittel GmbH & Co. KG
ISO ist eine weitere Homöopatiesparte von Schwabe. Nach dem Erwerb des 1923 gegründeten Unternehmens im Jahr 1987 erfolgte die Verlegung des Firmensitzes 1993 von Regensburg nach Ettlingen in die Nähe zur Muttergesellschaft. Geschäftsführer ist Uwe Zind.
Dr. Willmar Schwabe Business Services
Der „Schwabe Business Services“ verantworten mit etwa 200 Mitarbeitern als interner Dienstleister die Bereiche Finanzbuchhaltung, Einkauf, Informationstechnik, Kundenservice, Logistik und Personal für die Schwabe-Gruppe in Deutschland.
Schwabe Extracta GmbH & Co. KG
Die „Schwabe Extracta“ ist ein Wirkstoffhersteller, der mit hochmodernen verfahrenstechnischen Anlagen und mit speziellen Extraktionsverfahren aus Arzneipflanzen pflanzliche Wirkstoffe für die pharmazeutische Herstellung gewinnt. Das Unternehmen hat etwa 100 Mitarbeiter.
W. Spitzner Arzneimittelfabrik GmbH
„Spitzner“ produziert Körperpflegeprodukte natürlichen Ursprungs für den Wellness- und Sport-Bereich. Alle Spitzner-Produkte werden ausschließlich in Ettlingen entwickelt und hergestellt.
OTX Force GmbH
Als Healthcare-Unternehmen unterstützt es seit Anfang 2013 als exklusiver Vertriebspartner die Vermarktung pharmazeutischer Schwabe-Produkte im OTC, RX oder OTX-Umfeld.[19] Dies gilt sowohl für die Außendienstbearbeitung des Apothekenmarktes, als auch – mit einer separaten Linie – für die Betreuung von Haus- und Fachärzten für das gesamte Schwabe Produkt-Portfolio.[19]

Tochtergesellschaften weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den sechs Partner- und Tochtergesellschaften in Deutschland hat Schwabe weltweit 16 weitere Töchter.[20]

Europa
  • Schwabe Pharma (UK) Ltd. (Marlow, England)
  • DHU Ibérica, S.A. (Tarragona, Spanien)
  • VSM BELGIUM bvba. (Kontich, Belgien)
  • VSM Geneesmiddelen bv (Alkmaar, Niederlande)
  • Schwabe Pharma AG (Küssnacht am Rigi, Schweiz)
  • Loacker Remedia S.r.l. (Blumau, Italien)
  • Austroplant Arzneimittel GmbH (Wien, Österreich)
  • Schwabe Tschechische Republik s.r.o. (Prag, Tschechien)
  • Schwabe Slovakia s.r.o. (Bratislava, Slowakei)
  • Schwabe Hungary Kft (Budapest, Ungarn)
  • Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG (Moskau, Russland)
Nord- und Mittelamerika
  • Laboratorios Farmasa, S.A. de C.V. (Mexiko-Stadt, Mexiko)
  • Schwabe North America Canada (Vancouver, Kanada)
  • Schwabe North America (Green Bay, Vereinigte Staaten)
Asien
  • Dr. Willmar Schwabe India Pvt. Ltd. (Noida, Indien)
  • Schwabe Pharma Asia Pacific Pte. Ltd. (Singapur)

Unternehmensführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwabe-Konzern wird global durch das Group Executive Team (GET) (Geschäftsführung) gesteuert.[21] Aufgabe des GET ist es, die Strategie des Konzerns zentral zu definieren, die Umsetzung der globalen Ziele sicherzustellen und dabei die Unternehmenswerte vorzuleben und einzufordern.[21]

Group Executive Team
Das Group Executive Team des Schwabe-Konzerns besteht aus fünf Mitgliedern:[21]

Jedes Mitglied des Teams ist für seinen Verantwortungsbereich international zuständig.[21] Die jeweils national Verantwortlichen eines Aufgabenbereichs berichten an das entsprechende Mitglied des Group Executive Teams.[21]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung Ort
1865 Leipzig
1926 Paunsdorf1
1946 Durlach2
1949 Durlach und Ettlingen3
1961 Durlach4
1976 Staffort5
1980 Durlach6
1987 Regensburg7
1988 Ettlingen8
1993 Ettlingen9
2012 Ettlingen10
1. Firmensitzwechsel
2. Neuanfang
3. Gründungsunternehmen W. Spitzner Arzneimittelfabrik
4. Gründungsunternehmen Deutschen Homöopathieschen-Union
5. Standort Arzneimittelkulturen
6. Gründungsunternehmen Schwabe Extracta
7. Gründungsunternehmen ISO Arzneimittel
8. Gründungsunternehmen Dr. Wilmar Schwabe Business Services
9. Firmensitzwechsel ISO Arzneimittel
10. Gründungsunternehmen OTX Force

Die Anfangs wechselnden Standorte lagen allesamt im oder am Rande des verkehrstechnisch gut angebundenen Leipziger Innenstadtring.[9] Die erste Produktionsstätte befand sich im Erdgeschoss der Centralhalle, An der Pleiße 3 b, heute Dittrichring Ecke Gottschedstraße. Das Geschäft boomte, und der Platz in der Halle reichte bald nicht mehr aus, so zog man nach einigen Jahren in die „Kleine Fleischergasse 23-24“. Der stetige wirtschaftliche Aufschwung des Unternehmens und des dadurch steigenden Platzbedarfs führte 1882 zu einem erneuten Firmensitzwechsel, sodass der Betrieb in die Querstraße 5 nahe dem Augustusplatz verlegt wurde. Dort hatte man ein vierstöckiges Gebäude im Renaissance-Stil mit Hinterhaus zu Verfügung. Die Herstellung der Arzneisubstanzen und der Versandhandel wuchs weiterhin sehr schnell an, sodass 1926 neue Fabrikgebäude in der Paunsdorfer Bahnhofstraße (ab 1928 Breitingstraße 54/56, heute Elisabeth-Schumacher-Straße) errichtet wurden, wodurch man nach 60 Jahren das Stadtzentrum verließ. Dort hatte man über den Paunsdorfer Bahnhof einen Anschluss an die Eisenbahnstrecke Leipzig–Geithain und zur Dresdner Strecke.[9]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es im Sinne der Reparationspolitik zur Enteignung des Unternehmens in der Sowjetischen Besatzungszone. Die Familie Schwabe siedelte 1946 nach Karlsruhe in die Amerikanische Besatzungszone, von wo sie ihr Restunternehmen weiter führten und neu ausbauten.[9] Der neue Firmensitz wurde in die unmittelbare Nähe des Durlacher Bahnhofs verlegt, in die heutige Wilmar-Schwabe-Straße-4, um somit weiterhin eine nahe Anbindung an das Eisenbahnnetz zu gewährleisten.[9] Heute befindet sich dort mit Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG die Zentrale und die 1980 gegründete Tochter Schwabe Extracta GmbH & Co. KG. Für den Personenverkehr sind beide entlang der Durlacher Allee über den S-Bahn-Haltepunkt Durlach Auer Str./Dr. Willmar Schwabe erreichbar. Mit der nahe gelegenen B 10 und der Autobahnanschlussstelle Karlsruhe-Durlach (AS 44) an der A 5 ist Schwabe direkt an das deutsche Straßen- und Fernstraßennetz angebunden. Weitere Anschlussstellen, über die Unternehmenssitz und Umgebung gut erreichbar sind, sind Karlsruhe-Nord (AS 43) und Karlsruhe-Mitte (AS 45). Zwischen Durlach und dem benachbarten Stadtteil Grötzingen kreuzen sich zudem die B 3 und B 10. Die Luftverkehrsanbindung erfolgt über den Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden, die Schifffahrtsanbindung über die Rheinhäfen von Karlsruhe, wo Umschlagsanlagen für Binnenschiffe vorhanden sind.

Die 1961 zur Produktion von Homöopathika gegründete Deutsche Homöopathie-Union (DHU) befindet sich ebenfalls in Durlach, etwa 2,5 Kilometer westlich vom Hauptsitz entfernt. Nur zwei Hausnummern weiter hat die 1988 gegründete Tochter Dr. Willmar Schwabe Business Services ihren Sitz. Beide liegen nahe Südtangente, einer Zubringerstraße der B 3 mit der A5.

Mit der Übernahme der 1949 gegründete W. Spitzner Arzneimittelfabrik 1986 gehörte auch die Produktionsstandorte in Durlach und Ettlingen zu Schwabe.[5] Durch den Erwerb der ISO Arzneimittel 1987 kam mit dem ISO-Werk eine weitere Produktionsstätte dazu.[16] 1993 erfolgte die Verlegung des ISO-Firmensitzes nach Ettlingen.[16] Durch die Vereinleibung von Spitzner Ende 2012 wurde unter anderem der Vertrieb ausgelagert und ging an die im selben Jahr in Ettlingen gegründete OTX Force über.[5]

Daneben besitzt Schwabe seit 1976 einen Betrieb für den Anbau von heimischen Heilpflanzen in Staffort.[22] Der 13 Kilometer nördlich von Karlsruhe liegende Ort wurde zum Standort, weil dort zunächst eine Lagerhalle für getrocknete Arzneipflanzen erworben wurde. Die Gelegenheit wurde genutzt, Gelände rund um die Lagerhalle von der Gemeinde zu pachten. Zur Lagerhalle gehörte eine Brunnenanlage, die für den Anbau genutzt werden konnte. Ein weiterer Vorteil war, dass das Gelände abseits von Verkehr und Industrieanlagen lag und damit auch unter Umweltgesichtspunkten optimal geeignet war. Seit 2014 trägt der Betrieb den Namen Terra Medica.[22]

Weitere Standorte in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell liegt der Schwerpunkt der ausländischen Standorte mit 11 Tochtergesellschaften, 16 Lizenzpartner, 2 Extraktionsstellen und einer Plantage in Europa.[20][23] Zu den Töchtern in Westeuropa gehören Unternehmen in Alkmaar (Niederlande), Kontich (Belgien) und in Marlow (England). Im deutschsprachigen Raum außerhalb der Bundesrepublik ist man durch die Schweizer Tochter Schwabe Pharma AG in Küssnacht am Rigi vertreten.[23] Dort haben auch die Partnerunternehmen Omida- und Piniol AG ihren Standort, die gemeinsam die Schwabe Gruppe Schweiz bilden.[24] In Österreich ist man mit der Tochter Austroplant Arzneimittel GmbH sowie den Partnern Dr. Peithner KG und Schwabe Central and Eastern Europe GmbH repräsentiert, die alle im Wiener Stadtteil Inzersdorf beheimatet sind.[25] Mit Repräsentanten in Prag, Bratislava, Budapest und Moskau beschäftigt Schwabe zudem vier Tochtergesellschaften in Mittel- und Osteuropa.[23] Im südeuropäischen Raum sind weiter zwei in Blumau (Italien) und im katalanischen Tarragona beheimatet.[23]

Die Lizenzpartner sind ebenfalls europaweit verteilt.[23] In Nordeuropa gibt es Partner in Schweden und Finnland, in Osteuropa in Litauen, Ukraine und Weißrussland, in Südeuropa in Spanien und Portugal. In der Kaukasusregion finden sich welche in Georgien, Armenien und Aserbaidschan sowie einer in der benachbarten Türkei. Die meisten Partner befinden sich mit Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien in Südosteuropa. Ein Partner hat zudem in Frankreich seinen Sitz.[23]

Zudem führt Schwabe eine Ginkgo-Plantage auf dem Weinbaugebiet von Bordeaux und je eine Extraktionsstelle in der Schweiz und Cork (Irland).[23][26][27]

Nordamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu einem der wichtigsten Auslandsmärkte haben sich die Vereinigten Staaten (USA) entwickelt.[20] Dort ist Schwabe mit dem Tochterunternehmen Schwabe North America in Green Bay vertreten.[23] In ihr sind die Nature’s Way Products, Inc und die Enzymatic Therapy, Inc. integriert.[28] Letztere hat dort ebenfalls ihren Firmensitz. Der Sitz der Nature’s Way befindet sich in Springville.[28] Eine Niederlassung existiert zudem in Lehi.[29] Außerdem befinden sich in Columbia (South Carolina) eine große Ginkgo-Plantage.[26] Neben dem Standort USA gibt es auch in Kanada eine Tochter von Schwabe, so die Schwabe North America Canada bzw. die Nature's Way Canada in Vancouver.[23][30]

Lateinamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit langem spielen neben Europa auch Süd- und Zentralamerika eine wichtige Rolle.[20] Insgesamt ist Schwabe mit 22 Gesellschaften in diesen Regionen vertreten, darunter ein Tochterunternehmen in Mexiko-Stadt, genauer in Colonia del Valle, einer der größten und angesehensten Wohnbezirke der Metropolregion.[23] Die restlichen Standorte sind Lizenzpartner, einer ist ebenfalls in Mexiko vertreten. In Zentralamerika finden sich je ein Partner in Costa Rica, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Panama. In Südamerika in der Andenregion (zwei in Kolumbien und Venezuela, jeweils einer in Bolivien, Ecuador und Peru). Daneben gibt es je ein Partnerunternehmen in São Paulo und Rio de Janeiro. Im Südkegel finden sich in Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay weitere Niederlassungen, wobei der Schwerpunkt hier auf zwei Unternehmen in der Provinz Buenos Aires liegt. Außerdem ist Schwabe mit einem Partner in der Dominikanischen Republik auch in der Karibik vertreten.[23]

Afrika und Nahost[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Afrika ist für den Konzern Südafrika von besonderer Bedeutung, weil hier die für das Unternehmen besonders bedeutende Kapland-Pelargonie in Plantagen angebaut werden.[23] Außerdem befindet sich in Kairo (Ägypten) der Sitz eines Lizenzpartners. Im Nahen Osten finden sich Partner in Libanon, Jordanien, Syrien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.[23] Aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien ist dort die Lage um das dortige Partnerunternehmen unklar.

Asien und Ozeanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwabe-Konzern ist auch in Asien und Ozeanien äußerst aktiv.[23] Insgesamt hat der Konzern in der Region zwei Tochterunternehmen, 17 Lizenzpartner und eine Plantage.[23] Seit langem spielt besonders Südostasien eine wichtige Rolle.[20] In Singapur ist eine Tochter beheimatet. Fünf weitere Partner finden sich in Jakarta (Indonesien), Kuala Lumpur (Malaysia) und Manila (Philippinen), sowie Bangkok (Thailand) und Vietnam. In Südasien ist der Konzern mit einer Tochter in der nordindischen Industriestadt Noida und mit einem Partner im westlich benachbarten Pakistan vertreten. Im ostasiatische Raum befinden sich Partner in Tokyo (Japan), Seoul (Südkorea) und Taiwan, sowie eine Ginkgo-Plantage in China und ein weiteres Partnerunternehmen in Guangzhou. Mit weiteren fünf Niederlassungen ist Schwabe in ganz Zentralasien vertreten, so mit Partnern in Astana (Kasachstan), Kirgisien und Tadschikistan, sowie in Turkmenistan und Usbekistan. Zwei weitere Standorte befinden sich in Brisbane (Australien) und Neuseeland.[23]

Nachfolgebetriebe in der DDR und deren weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der 1926 errichteten Betriebsstätte in Leipzig-Paunsdorf ging 1952 der VEB Homöopharm – Dr. Willmar Schwabe hervor, ab 1957 VEB Leipziger Arzneimittelwerk. Dieser wurde 1990 in die Leipziger Arzneimittelwerk GmbH umgewandelt, die wiederum 2000 durch die Riemser Arzneimittel AG mit Sitz in Greifswald übernommen wurde und 2013 an die Prange Gruppe weiterveräußert wurde.[31]

Patentrechtliche Auseinandersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2008 hatte ein internationales Aktionsbündnis bestehend aus einer lokalen südafrikanischen Gemeinschaft, Mitbewerbern und mehreren Nichtregierungsorganisationen (NGO) Einspruch gegen ein Patent von Schwabe erhoben, dass aus der Kapland-Pelargonie einen Extrakts für das Erkältungsmittel Umckaloabo® herstellt. Das Patent schütze das Herstellungsverfahren eines unter anderem durch Auszug mit Ethanol hergestellten Pelargonium-sidoides-Wurzelextrakt der als Wirkstoff gegen Atemwegsinfekte zur Anwendung kommt. Der Herstellungsprozess für diesen Extrakt wurde von Schwabe entwickelt. Über ein im September 2002 angemeldetes und im Juni 2007 erteiltes Patent auf den Herstellungsprozess sicherte sich Schwabe einen europaweiten Schutz auf Herstellung und Verkauf des Extraktes bis 2022.

Während die Mitbewerber technische Patentierungskriterien nicht erfüllt sahen, machten die NGOs ethische Gründe für ihren Einspruch geltend. Bewohner von Lesotho und der Stadt Alice stellen laut Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) traditionell aus den Wurzeln der dort wachsenden Art Pelargonium sidoides Tinkturen gegen Atemwegsinfektionen und Tuberkulose her und warf dem Unternehmen eine „illegitime und illegale Monopolisierung einer genetischen Ressource aus dem südlichen Afrika und des traditionellen Wissens“ vor.[32] Basierend auf diesem Wissen hat Schwabe das Mittel Umckaloabo® entwickelt und verkaufe es erfolgreich zur Behandlung von akuter Bronchitis, Husten, Erkältung und anderen Atemwegleiden. Damit verdiene das Unternehmen am traditionellen Wissen der Südafrikaner, ohne diese angemessen am Gewinn zu beteiligen, kritisiert das Aktionsbündnis. Nach Angaben von Schwabe unterscheidet sich der bis zu 20 hochtechnische Schritte umfassende patentierte Extraktionsprozess bei Umckaloabo® völlig von der traditionellen Herstellung der Tinktur, wodurch sich bestimmte Wirkstoffe gewinnen und andere herausfiltern ließen und damit eine spezifische Inhaltsstoffzusammensetzung erhalten wird. Dadurch könne die Wirksamkeit und Verträglichkeit erhöht werden. Zudem würden Pelargonium-Extrakte seit dessen Einführung durch den zuvor an Tuberkulose erkrankten und dadurch erfolgreich behandelten englische Major Charles H. Stevens Anfang des 20. Jahrhunderts schon seit mehr als 100 Jahren in Europa genutzt.

Das Europäische Patentamt widerrief schließlich im Januar 2010 das Patent des Unternehmens vom Juni 2007. Das Patentamt begründete den Widerruf damit, dass es sich bei dem Verfahren zur Extraktion der Wirkstoffe aus patentrechtlicher Sicht nicht um eine Erfindung handele, da die Technik bereits „ausreichend vorbekannt“ gewesen sei. Dem Vorwurf der „illegitime und illegalen Monopolisierung“ stimmte das Patentamt jedoch nicht zu. Die Klage, der 2008 der Einspruch gegen das Patent vorausging, wurde neben den Mitbewerbern und der EED unter anderem von der Organisation Erklärung von Bern und dem African Centre for Biosafety unterstützt. Letzterer wertete die Entscheidung als großen „Erfolg im Kampf gegen Biopiraterie“.[33][34]

Schwabe kündigte zunächst an, Beschwerde gegen die Entscheidung einzulegen und sah das Problem in sehr technischen Einzelheiten, erklärte jedoch im April 2010, auf Rechtsmittel gegen das Urteil zu verzichten.[35] Begründet wurde dies mit dem Wunsch, nicht weiter zum Spielball einer von Schwabe nicht lösbaren Grundsatzdiskussion im Spannungsfeld zwischen dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) und Patentrecht zu werden, die sich teilweise widersprechen, obwohl das Patent ethisch und rechtlich korrekt sei.[36]

Zudem verzichtete Schwabe auf fünf von sieben Patenten zur Herstellung von Umckaloabo®. Mit dem Verzicht wollte sich Schwabe vor allem vom Vorwurf der Biopiraterie befreien und demonstrieren, dass es eine Diskussion ernst nimmt. Die verbliebenen zwei Patente schützen die Stabilisierung der flüssigen Darreichungsform un die Herstellung des Spezialextrakt EPs 7630®. Aus Firmensicht handelt es sich hierbei um technisches Know-how und damit eine erfinderische Eigenleistung. Gleichzeitig verkündete das Unternehmen, dass es sich noch mehr an der Biodiversitätskonvention orientieren werde, was unter anderem die Beteiligung der lokalen Gemeinden Südafrikas am Gewinn vorsieht. So wolle man sich neben sogenannten Benefit-Sharing-Abkommen noch mehr im sozialen Bereich engagieren, und zwar in Form einer noch 2010 gegründeten Stiftung. Als erstes Projekt soll ein Pfadfinderzentrum in der östlichen Provinz Mpumalanga gebaut werden. Zudem wolle man sich an der Erhaltung der Wildbestände der Pflanze als auch der nachhaltigen Förderung des Entwicklungslandes mehr verpflichten.

Der Spatenstich des Pfadfinderzentrum erfolgte 2010 in Nelspruit und wurde bereits zwei Jahre eröffnet. Es folgten weitere Kinderhilfsprojekte der Umckaloabo-Stiftung die unter anderem von Axel Milberg und der Kunsthistorikerin, Designerin und Malerin sowie dessen Ehefrau Judith unterstützt wird. Daneben arbeitet das Unternehmen heute mit lokalen Behörden und Organisationen an der Überwachung der Bestände, bildet Sammler aus und engagiert sich beispielsweise in der Gesundheitserziehung. Derzeit ist Schwabe das einzige Unternehmen mit einer offiziellen Sammelgenehmigung in Südafrika und Lesotho. Zusätzlich hat das Unternehmen das Nagoya-Protokoll erfolgreich umgesetzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Finance: CFO-Meldungen: HSH Nordbank, DER Touristik, Voith
  2. a b c schwabe.de: Dr. Willmar Schwabe – Daten und Fakten
  3. a b c schwabe.de: Willkommen bei Dr. Willmar Schwabe
  4. a b Pharmazeutische Zeitung: Schwabe baut um
  5. a b c d e f apotheke-adhoc.de: Schwabe stampft Spitzner ein
  6. gesundheit.com: Schutz gefährdeter Heilpflanzen durch kontrollierten Anbau
  7. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s schwabe.de: Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG – ein Familienunternehmen mit Tradition! Wie alles begann…
  8. apotheke-adhoc.de: APOTHEKE ADHOC: Zeitenwende bei Schwabe
  9. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u leipzig-lese.de: Dr. Willmar Schwabe – vom Apotheker zum weltweit agierenden Großunternehmer
  10. a b c d e f g h i j k l m leipzig-lese.de: Die ersten homöopathischen Apotheken in Leipzig
  11. a b dhu-globuli.de: 150 Jahre Globuli Original DHU – Zeit, Danke zu sagen!
  12. a b c lz-schwabe.de: 60 Jahre dem Standort Karlsruhe treu – Firmenchronik Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel
  13. a b c d e pressreader.com: „Wir bleiben Karlsruhe treu“ – 150 Jahre Arzneimittel von Willmar Schwabe
  14. http://www.cochrane.org/CD003852/ENT_ginkgo-biloba-for-tinnitus
  15. http://www.cochrane.org/CD003120/DEMENTIA_there-is-no-convincing-evidence-that-ginkgo-biloba-is-efficacious-for-dementia-and-cognitive-impairment
  16. a b c d iso-arzneimittel.de: Geschichte der ISO
  17. a b Industrie- und Handelskammer: Firmenjubiläen – 25 Jahre Schwabe Business Services
  18. a b Deutsche Homöopathie-Union: Über uns – Die DHU heute
  19. a b otx-force.de: OTX Force – Über uns
  20. a b c d e schwabe.de: Weltweiter Spezialist für Phytopharmaka
  21. a b c d e schwabe.de: Führungsteam der Unternehmensgruppe Dr. Willmar Schwabe
  22. a b terramedica.de: Aus Staffort wird Terra Medica®
  23. a b c d e f g h i j k l m n o p schwabepharma.com: Schwabe World-wide (Englisch)
  24. schwabepharma.com: Schwabe Gruppe Schweiz
  25. austroplant.at: Wer wir sind
  26. a b Stephan Brown: Ginkgo Biloba: Storey Country Wisdom Bulletin, A-231. Sports Publishing LLC, Vereinigte Staaten 2000, ISBN 1-58017-280-6, S. 13.
  27. Teris A vanBeek: Ginkgo Biloba. Harwood Academic Publishers, Amsterdam 2000, ISBN 90-5702-488-8, S. 114.
  28. a b enzymatictherapy.com: Schwabe, World Leader in Herbal Manufacturing Will Acquire Enzymatic Therapy through Nature’s Way Holding, Inc (Englisch)
  29. naturesway.com: Contact Us (Englisch)
  30. natureswaycanada.ca: Nature's Way Canada (Englisch)
  31. LAW-Website
  32. Pressemitteilung des Evangelischen Entwicklungsdienstes: Eine ländliche Gemeinschaft in Südafrika setzt sich gegen Pelargonium-Patente und Biopiraterie zur Wehr, vom 7. Mai 2008.
  33. Europäisches Patentamt widerruft Pelargonium-Patent. In: entwicklungspolitikonline, abgerufen am 26. Januar 2010
  34. Patentamt widerruft Umckaloabo-Patent. In: stern.de, abgerufen am 28. Januar 2010
  35. Umckaloabo®-Hersteller reagiert mit Patentverzicht, DAZ.online, 27. April 2010.
  36. Umckaloabo® in der Diskussion – Aktuelle Standortbestimmung und nachhaltige Perspektiven, Pressemitteilung vom 27. April 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 49° 0′ 5″ N, 8° 27′ 53″ O