Dr. Willmar Schwabe

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Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel

Rechtsform Konzern, Unternehmensverbund, GmbH & Co. KG (Mutterunternehmen)
Gründung 11. Dezember 1865
(Geschäftsfähigkeit)

1. Januar 1866
(Inbetriebnahme)

Sitz Karlsruhe, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Anke Balzer,
    Chief Commercial Officer
  • Joachim Thole,
    General Counsel und Head of Global HR
Mitarbeiterzahl 3.600 (2016)
Umsatz 900 Mio. EUR (2016)
Branche Phytopharmaka
Nahrungsergänzungsmittel
Gesundheitsvorsorge
Selbsthilfe
Website www.schwabe.de
Stand: 31. Dezember 2016

Die Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG ist eine Unternehmensgruppe bzw. ein Familienunternehmen in 5. Generation (Stand 2022) mit Sitz in Karlsruhe, Deutschland. Die Unternehmensgruppe Schwabe (oder auch Schwabe-Gruppe) betreibt Partner- und Tochterunternehmen in mehreren Ländern und stellt pflanzliche Arzneimittel und Phytopharmaka her. Gegründet wurde sie von Dr. Wilmar Schwabe (1839–1917) als Homöopathische Central-Officin in Leipzig[1].

Die Unternehmensgruppe beschäftigt weltweit über 4000 Mitarbeiter und erzeugt nach eigenen Angaben rund 900 Millionen Euro Umsatz[2]. Bekannte produzierte Produkte und Marken sind z. B. Umkaloabo® , Tebonin® , Pinimenthol® und mama natura.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1839–1865: Wilmar Schwabe und erste Firmengründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruftplatte mit Grabskulptur und Reliefs von Willmar Schwabe und Frau Luise auf dem Neuen Johannisfriedhof, jetziger Standort: Lapidarium, Alter Johannisfriedhof, Leipzig.[3] Künstlerisch außergewöhnlich wertvoll im Jugendstil von Josef Mágr 1908 gestaltet.[3]

Als Sohn einer Apothekerfamilie wurde Carl Emil Wilmar Schwabe am 15. Juni 1839 in Auerbach geboren. Ab 1853 begann er bereits mit 14 Jahren eine Apothekerlehrzeit in der Marien-Apotheke unter dem Apotheker Otto Eder. Anschließend wechselte er in die Bielefelder Apotheke des Ludwig Adolph Aschoff (1807–1861). Dieser zählte zu den „Direktoren des Apothekervereins im nördlichen Deutschland“ welches sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung von Pflanzen beschäftigte.

1861 begann Wilmar Schwabe an der Leipziger Universität das Studium der Pharmazie und legte 1862 das Pharmazeutische Staatsexamen ab. Später promovierte er an der Universität von Jena. Ab 1863 übernahm Schwabe die Verwaltung der Central-Apotheke Täschner & Co. In Leipzig, ab der er sich dann intensiv mit der Homöopathie beschäftigte. Bereits 1865 aber bat er die Stadt Leipzig um Erlaubnis zur Grosso- und Exportgeschäft für homöopathische Heilmittel errichten zu dürfen. Am 8. Dezember des gleichen Jahres erfolgte schließlich die Eintragung der „Firma homöopathische Central=Officin Dr. Wilmar Schwabe in Leipzig, Inhaber Herr Dr. phil. Carl Emil Schwabe daselbst“[1].

1865–1946: Pharmakopöe und erste Niederlassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Centralhalle um 1850, in der sich das „Homöopathische Central-Officin Dr. Willmar Schwabe“ befand.
Abbildung des Unternehmensgründers Willmar Schwabe (1839–1917) im Alter von 50 Jahren in der Leipziger Gerichtszeitung (1889)

Um dem Export-Geschäft mit den Arzneimitteln im Bereich der Homöopathie, auch außerhalb Deutschlands einen dauerhaften Auftrieb zu verleihen brachte Dr. Wilmar Schwabe 1972 sein Arzneibuch „Pharmacopoea homeopathica polyglottica“ in dreisprachiger Ausfertigung (deutsch, englisch, französisch) heraus. Dieses Buch sollte nicht nur die Seriosität im Hinblick auf die Herstellung dieser Arzneimittel dokumentieren, sondern auch die bis dahin „verwässerten Herstellvorschriften“ auf das eigentliche Vorgehen des Homöopathiebegründers Hahnemann zurückzuführen und zu vereinheitlichen. In den Nachfolgejahren wurde seine Pharmakopöe in weiteren Ländern publiziert, wenngleich es ab 1897 zu Meinungsdifferenzen mit dem Deutschen Apothekerverein (in der Schwabe von 1897 bis 1898 Mitglied war).[1]

Ab 1899 entstand eine niederländische Niederlassung, die vor allem während dem 1. Weltkrieg jene Staaten belieferte, die sich im Krieg mit dem Deutschen Reich befand.

Da die Central-Offizin in Leipzig an ihre räumliche Grenze gestossen war, wurde in Leipzig-Paunsdorf ein neues Fabrikationsgebäude errichtet und 1926 eingeweiht. In den Folgejahren wurde auf dem Firmengelände ein erster Pflanzengarten mit kontrolliertem Anbau angelegt, in denen unter anderem auch jene Pflanzen angebaut werden sollten die bisher lediglich als Wildsammlung erhalten werden konnten.[1]

Die Zaubernuss, auf der die 1878 erschienene erste phytopharma-zeutische Spezialität von Schwabe beruht, die Wund- und Heilsalbe „Hamamelis-Salbe-Schwabe“.

1946–1980: Verlegung nach Karlsruhe, Gründung DHU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme der Altstadt von Durlach, dem Karlsruher Stadtteil in dem Schwabe seinen Neuanfang startete
Pforte der Tochter Deutsche Homöopathie-Union (DHU)

Die Familie Schwabe siedelte am Ende des Zweiten Weltkrieges nach Karlsruhe in die Amerikanische Besatzungszone, wo sie auf dem Gelände des Unternehmens Gritzner passende Räume für den Wiederbeginn fanden und ihr Restunternehmen praktisch aus dem Nichts weiter führten und neu ausbauten.[4] 1947 wurde zudem mit dem Neuaufbau von Arzneipflanzenkulturen begonnen. Hierzu wurde 1977 in Staffort eine Lagerhalle erworben und in Nachfolgejahren zusätzliches Gelände gepachtet.

Die positive Entwicklung des Unternehmens erforderte 1951 die Notwendigkeit einer räumlichen Ausweitung auf dem heutigen Firmengelände neben dem Durlacher Bahnhof.

1961 erfolgte mit der Gründung der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) in Karlsruhe die Trennung der beiden Arbeitsbereiche Homöopathie und Phytopharmaka.[5] Die DHU übernahm ab diesem Zeitpunkt die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Homöopathika, das Unternehmen Schwabe konzentrierte sich vollständig auf die Forschung und Entwicklung von Phytopharmaka. Diese sollten bezüglich der technischen Daten zur Qualität und Herstellung als auch pharmakologischer und klinischer Dokumentationen den Maßstäben internationaler Arzneimittelbehörden genügen.[5]

1980–heute: Weg zur Unternehmensgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er- und 1990er-Jahren formierte sich das Unternehmen durch Firmengründungen, Erwerb und Beteiligungen im In- und Ausland zum weltweit agierenden „Unternehmensgruppe Schwabe“. 1980 wurde die Tochter Schwabe Extracta GmbH & Co. KG gegründet, die heute mit hochmodernen verfahrenstechnischen Anlagen und mit speziellen Extraktionsverfahren aus Arzneipflanzen Wirkstoffe für die pharmazeutische Herstellung gewinnt. 1986 wurde das Ettlingener Unternehmen W. Spitzner Arzneimittelfabrik GmbH übernommen[6] sowie ein Zusammenschluss mit der Omida AG getätigt.[7] Es folgte der Erwerb der ISO Arzneimittel GmbH & CO. KG 1987 aus Regensburg[8]. Der Firmensitz wurde sechs Jahre später nach Karlsruhe-Ettlingen verlegt.

Das Jahr darauf entstand die heutige Tochter Dr. Willmar Schwabe Business Services in Karlsruhe.[9] Sie wurde ursprünglich als „Logistik-Zentrum Dr. Willmar Schwabe gegründet“, um die Logistik- und IT-Aktivitäten der deutschen Unternehmen der Gruppe zentral und aus einer Hand zu organisieren. Seit 2011 werden hierin auch die Bereiche Personal, Finanzbuchhaltung, Kundenservice und Einkauf unternehmensweit gebündelt.

Seit 2003 werden auch zunehmend Nahrungsergänzungsmittel entwickelt und seit einigen Jahren unter dem Label Nature´s Way vertrieben.[5] Die UG Schwabe übernahm schließlich Ende 2012 die Produkte seines Tochterunternehmens Spitzner,[6] das Marketing wurde am Spitzner-Standort Ettlingen zusammengelegt, der Vertrieb komplett ausgelagert und an das Partnerunternehmen OTX Force GmbH, ebenfalls in Ettlingen ansässig, übergeben. Der Name Spitzner verschwand aus dem Markt, nur die Produktion läuft heute unter der Marke weiter.[6] Seit 2014 trägt der Anbaubetrieb in Staffort den Namen Terra Medica® und ist heute die mit ca. über 500 artenreichste Arzneipflanzenkultur Europas. 2016 übernahm die Schwabe-Gruppe das italienische Unternehmen Loacker Remedia, an welchem sie bereits seit 1991 beteiligt war.[10]

Das Unternehmen ist derzeit in über 60 Ländern rund um den Globus präsent, darunter auch in den USA, Mexiko, Indien, China und Russland.[11]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unternehmensgruppe (rechtlich auch als Konzern geltend) ist in mehreren Länderun rund um den Globus vertreten und betreibt mehrere Tochterunternehmen sowie Partnerunternehmen in Form von Joint Ventures, Lizenzpartnern, Plantagen und Extraktionsstellen. Neben der Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG in Karlsruhe als Stammsitz gibt es in Deutschland sechs weitere weitgehend selbständig operierende Partner- und Tochterunternehmen in unmittelbarer Nähe zum Hauptsitz, davon drei in Ettlingen. Diese sind:

  • Deutsche Homöopathie-Union DHU Arzneimittel (DHU), Karlsruhe
  • ISO-Arzneimittel GmbH & Co. KG, Ettlingen
  • Dr. Willmar Schwabe Business Services, Karlsruhe
  • Schwabe Extracta GmbH & Co. KG, Karlsruhe
  • Spitzner GmbH, Ettlingen
  • OTX Force GmbH, Ettlingen

Partner- und Tochtergesellschaften in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Homöopathie-Union DHU Arzneimittel (DHU)
Die 100%ige Tochter „Deutsche Homöopathie-Union“ ist zuständig für die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb von homöopathischen Arzneimittel. Sie ist deutschlandweit deren größter Hersteller. Die DHU verfügt über einen eigenen Arzneipflanzenanbau, der sich in kurzer Distanz zum Hauptsitz in Karlsruhe in Staffort befindet. Die DHU entstand 1961 aus dem Zusammenschluss der früheren Konkurrenten Dr. Madaus & Co. und Dr. Willmar Schwabe. Diese Firmenehe ging 1969 wieder auseinander, der Name blieb jedoch erhalten.[12]
ISO-Arzneimittel GmbH & Co. KG
ISO ist eine weitere Homöopatiesparte von Schwabe. Nach dem Erwerb des 1923 gegründeten Unternehmens im Jahr 1987 erfolgte die Verlegung des Firmensitzes 1993 von Regensburg nach Ettlingen in die Nähe zur Muttergesellschaft. ISO-Arzneimittel wird
Dr. Willmar Schwabe Business Services
Der „Schwabe Business Services“ bündelt zentral als interner Dienstleister die Bereiche Finanzbuchhaltung, Einkauf, Informationstechnik, Kundenservice, Logistik und Personal für die gesamte Schwabe-Gruppe in Deutschland.
Schwabe Extracta GmbH & Co. KG (SBS)
Die „Schwabe Extracta“ ist ein Wirkstoffhersteller, der aus Arzneipflanzen pflanzliche Wirkstoffe für die pharmazeutische Herstellung gewinnt.
W. Spitzner Arzneimittelfabrik GmbH
„Spitzner“ produziert Körperpflegeprodukte natürlichen Ursprungs für den Wellness- und Sport-Bereich. Alle Spitzner-Produkte werden ausschließlich in Ettlingen entwickelt und hergestellt. 2022 wurde bekanntgegeben, dass sich die Unternehmensgruppe von der Arzneimittelfabrik trennen möchte. Der Standort soll an einen Produzenten verkauft werden, der künftig nebst eigenen Produkten auch als Lohnhersteller für die bisher am Standort produzierten Produkte der Unternehmensgruppe Schwabe dienen soll[13].
OTX Force GmbH
Als Healthcare-Unternehmen unterstützt es seit Anfang 2013 als exklusiver Vertriebspartner die Vermarktung pharmazeutischer Schwabe-Produkte im OTC, RX oder OTX-Umfeld.[14] Dies gilt sowohl für die Außendienst­bearbeitung des Apotheken­marktes, als auch – mit einer separaten Linie – für die Betreuung von Haus- und Fachärzten für das gesamte Schwabe-Produktportfolio.[14]:

Tochtergesellschaften weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den sechs Partner- und Tochtergesellschaften in Deutschland hat die Unternehmensgruppe Schwabe weltweit mehrere Tochterunternehmen.[15]

  • Schwabe Pharma (UK) Ltd. (Marlow, England)
  • DHU Ibérica, S.A. (Tarragona, Spanien)
  • Schwabe Pharma Belgium (Kontich, Belgien), ehemals VSM BELGIUM bvba.
  • VSM Geneesmiddelen bv (Alkmaar, Niederlande)
  • Schwabe Pharma AG (Küssnacht am Rigi, Schweiz)
  • Schwabe Pharma Italia Srl (Egna, Italien), ehemals Loacker Remedia S.r.l.
  • Schwabe Austria GmbH (Wien, Österreich), ehemals Austroplant Arzneimittel GmbH
  • Schwabe Tschechische Republik s.r.o. (Prag, Tschechien)
  • Schwabe Slovakia s.r.o. (Bratislava, Slowakei)
  • Schwabe Hungary Kft (Budapest, Ungarn)
  • Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG (Moskau, Russland)
  • Schwabe Pharma México (Mexiko-Stadt, Mexiko), ehemals Laboratorios Farmasa, S.A. de C.V.
  • Schwabe North America Canada (Vancouver, Kanada)
  • Schwabe North America (Green Bay, Vereinigte Staaten)
  • Dr. Willmar Schwabe India Pvt. Ltd. (Noida, Indien)
  • Schwabe Pharma Asia Pacific Pte. Ltd. (Singapur)

Terra Medica®[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unternehmensgruppe betreibt nördlich von Karlsruhe, in der Nähe von Staffort einen eigenen, zertifizierten Arzneimittelanbau. Die Fläche beinhaltet nebst Freiland auch Gewächshäuser, Schattenhäuser und Teiche. Auf einer Fläche von insgesamt ca. 13 ha werden dabei seit 1976 über 500 verschiedene Pflanzen angebaut. Die benötigten Mengen reichen dabei, je nach Pflanze, von wenigen Kilogramm bis zu mehreren Tonnen. Bis zum Beginn der Corona-Pandemie wurden auf dem Gelände der Terra Medica Führungen durchgeführt, welche seitdem aber ausgesetzt werden mussten.[16]

Umkaloabo-Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 gründete die Unternehmensgruppe die Umkaloabo-Stiftung. Sie fördert und unterstützt Projekte für die schulische und berufliche Bildung südafrikanischer Kinder und Jugendlichen.[17]

Patentrechtliche Auseinandersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2008 hatte ein internationales Aktionsbündnis bestehend aus einer lokalen südafrikanischen Gemeinschaft, Mitbewerbern und mehreren Nichtregierungsorganisationen (NGO) Einspruch gegen ein Patent von Schwabe erhoben, das aus der Kapland-Pelargonie einen Extrakt für das Erkältungs­mittel „Umckaloabo®“ herstellt. Das Patent schütze das Herstellungsverfahren eines unter anderem durch Auszug mit Ethanol hergestellten Pelargonium-sidoides-Wurzelextrakt, der als Wirkstoff gegen Atemwegsinfekte zur Anwendung kommt. Der Herstellungsprozess für diesen Extrakt wurde von Schwabe entwickelt. Über ein im September 2002 angemeldetes und im Juni 2007 erteiltes Patent auf den Herstellungsprozess sicherte sich Schwabe einen europaweiten Schutz auf Herstellung und Verkauf des Extraktes bis 2022.

Während die Mitbewerber technische Patentierungskriterien nicht erfüllt sahen, machten die NGOs ethische Gründe für ihren Einspruch geltend. Bewohner von Lesotho und der Stadt Alice stellen laut Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) traditionell aus den Wurzeln der dort wachsenden Art Pelargonium sidoides Tinkturen gegen Atemwegsinfektionen und Tuberkulose her und warf dem Unternehmen eine „illegitime und illegale Monopolisierung einer genetischen Ressource aus dem südlichen Afrika und des traditionellen Wissens“ vor.[18] Basierend auf diesem Wissen habe Schwabe das Mittel Umckaloabo® entwickelt und verkaufe es erfolgreich zur Behandlung von akuter Bronchitis, Husten, Erkältung und anderen Atemwegleiden. Damit verdiene das Unternehmen am traditionellen Wissen der Südafrikaner, ohne diese angemessen am Gewinn zu beteiligen, kritisiert das Aktionsbündnis. Nach Angaben von Schwabe unterscheidet sich der bis zu 20 hochtechnische Schritte umfassende patentierte Extraktionsprozess bei Umckaloabo® völlig von der traditionellen Herstellung der Tinktur, wodurch sich bestimmte Wirkstoffe gewinnen und andere herausfiltern ließen und damit eine spezifische Inhaltsstoffzusammensetzung erhalten wird. Dadurch könne die Wirksamkeit und Verträglichkeit erhöht werden. Zudem würden Pelargonium-Extrakte seit dessen Einführung durch den zuvor an Tuberkulose erkrankten und dadurch erfolgreich behandelten englische Major Charles H. Stevens Anfang des 20. Jahrhunderts schon seit mehr als 100 Jahren in Europa genutzt.

Das Europäische Patentamt widerrief schließlich im Januar 2010 das Patent des Unternehmens vom Juni 2007. Das Patentamt begründete den Widerruf damit, dass es sich bei dem Verfahren zur Extraktion der Wirkstoffe aus patentrechtlicher Sicht nicht um eine Erfindung handele, da die Technik bereits „ausreichend vorbekannt“ gewesen sei. Dem Vorwurf der „illegitime und illegalen Monopolisierung“ stimmte das Patentamt jedoch nicht zu. Die Klage, der 2008 der Einspruch gegen das Patent vorausging, wurde neben den Mitbewerbern und der EED unter anderem von der Organisation Erklärung von Bern und dem African Centre for Biosafety unterstützt. Letzterer wertete die Entscheidung als großen „Erfolg im Kampf gegen Biopiraterie“.[19][20]

Schwabe kündigte zunächst an, Beschwerde gegen die Entscheidung einzulegen und sah das Problem in sehr technischen Einzelheiten, erklärte jedoch im April 2010, auf Rechtsmittel gegen das Urteil zu verzichten.[21] Begründet wurde dies mit dem Wunsch, nicht weiter zum Spielball einer von Schwabe nicht lösbaren Grundsatzdiskussion im Spannungsfeld zwischen dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) und Patentrecht zu werden, die sich teilweise widersprechen, obwohl das Patent ethisch und rechtlich korrekt sei.[22]

Zudem verzichtete Schwabe auf fünf von sieben Patenten zur Herstellung von Umckaloabo®. Mit dem Verzicht wollte sich Schwabe vor allem vom Vorwurf der Biopiraterie befreien und demonstrieren, dass es eine Diskussion ernst nimmt. Die verbliebenen zwei Patente schützen die Stabilisierung der flüssigen Darreichungsform und die Herstellung des Spezialextrakt EPs 7630®. Aus Firmensicht handelt es sich hierbei um technisches Know-how und damit eine erfinderische Eigenleistung. Gleichzeitig verkündete das Unternehmen, dass es sich noch mehr an der Biodiversitätskonvention orientieren werde, was unter anderem die Beteiligung der lokalen Gemeinden Südafrikas am Gewinn vorsieht. So wolle man sich neben sogenannten Benefit-Sharing-Abkommen noch mehr im sozialen Bereich engagieren, und zwar in Form einer noch 2010 gegründeten Stiftung. Als erstes Projekt soll ein Pfadfinder­zentrum in der östlichen Provinz Mpumalanga gebaut werden. Zudem wolle man sich an der Erhaltung der Wildbestände der Pflanze als auch der nachhaltigen Förderung des Entwicklungslandes mehr verpflichten.

Der Spatenstich des Pfadfinder­zentrum erfolgte 2010 in Nelspruit; es wurde bereits zwei Jahre später eröffnet. Es folgten weitere Kinderhilfsprojekte der Umckaloabo-Stiftung, die unter anderem von Axel Milberg und der Kunsthistorikerin, Designerin und Malerin sowie dessen Ehefrau Judith unterstützt wird. Daneben arbeitet das Unternehmen heute mit lokalen Behörden und Organisationen an der Überwachung der Bestände, bildet Sammler aus und engagiert sich beispielsweise in der Gesundheitserziehung. Derzeit ist Schwabe das einzige Unternehmen mit einer offiziellen Sammelgenehmigung in Südafrika und Lesotho. Zusätzlich hat das Unternehmen das Nagoya-Protokoll erfolgreich umgesetzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ulrich Meyer, Christoph Friedrich: 150 Jahre Dr. Wilmar Schwabe. Hrsg.: Dr. Wilmar Schwabe GmbH & Co KG. 1. Auflage 2016. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2016.
  2. Schwabe heute. Abgerufen am 19. März 2022.
  3. a b leipzig-lese.de: Dr. Willmar Schwabe – vom Apotheker zum weltweit agierenden Großunternehmer
  4. lz-schwabe.de: 60 Jahre dem Standort Karlsruhe treu – Firmenchronik Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel (Memento des Originals vom 6. Juni 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lz-schwabe.de
  5. a b c schwabe.de: Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG – ein Familienunternehmen mit Tradition! Wie alles begann…
  6. a b c apotheke-adhoc.de: Schwabe stampft Spitzner ein (Memento des Originals vom 17. September 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.apotheke-adhoc.de
  7. Über OMIDA. In: Omida. Abgerufen am 17. Februar 2021 (deutsch).
  8. iso-arzneimittel.de: Geschichte der ISO
  9. Industrie- und Handelskammer: Firmenjubiläen – 25 Jahre Schwabe Business Services@1@2Vorlage:Toter Link/www.karlsruhe.ihk.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. Apotheke Adhoc: Schwabe startet in Italien durch. Abgerufen am 19. März 2022 (deutsch).
  11. Schwabe weltweit. Abgerufen am 19. März 2022.
  12. Deutsche Homöopathie-Union: Über uns – Die DHU heute
  13. Produktion in Ettlingen: Schwabe-Gruppe will sich von Spitzner trennen. 26. Januar 2022, abgerufen am 19. März 2022.
  14. a b otx-force.de: OTX Force – Über uns
  15. schwabe.de: Weltweiter Spezialist für Phytopharmaka
  16. Terra Medica: Startseite. Abgerufen am 19. März 2022.
  17. Gute Bildung für Kinder in Afrika | Umckaloabo-Stiftung. In: Umckaloabo Stiftung. Abgerufen am 19. März 2022 (deutsch).
  18. Pressemitteilung des Evangelischen Entwicklungsdienstes: Eine ländliche Gemeinschaft in Südafrika setzt sich gegen Pelargonium-Patente und Biopiraterie zur Wehr (Memento des Originals vom 12. Mai 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eed.de, vom 7. Mai 2008.
  19. Europäisches Patentamt widerruft Pelargonium-Patent. In: entwicklungspolitikonline, abgerufen am 26. Januar 2010
  20. Patentamt widerruft Umckaloabo-Patent. In: stern.de, abgerufen am 28. Januar 2010
  21. Umckaloabo®-Hersteller reagiert mit Patentverzicht (Memento des Originals vom 27. November 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.deutsche-apotheker-zeitung.de, DAZ.online, 27. April 2010.
  22. Umckaloabo® in der Diskussion – Aktuelle Standortbestimmung und nachhaltige Perspektiven (Memento vom 19. März 2011 im Internet Archive), Pressemitteilung vom 27. April 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 49° 0′ 5,2″ N, 8° 27′ 53,4″ O