Dragomir Ilic

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Dragomir „Dragan“ Ilic (* 16. August 1925; † 18. Juni 2004 in Bremen), kyrillisch Драгомир Илић, war ein serbisch-jugoslawischer Fußballtorhüter. Von 1949 bis 1961 absolvierte die Oberliga-Institution beim SV Werder Bremen in der damals erstklassigen Fußball-Oberliga Nord 311 Ligaspiele[1]. Er nimmt damit in der ewigen Rangliste der Oberliga-Nord-Spieler mit Hans Hagenacker gemeinsam den 3. Rang ein.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als im Dezember 1948 Werder-Stammtorhüter Karlheinz Höger plötzlich beschloss, sich dem von seinem Vater Karl trainierten SC Peine anzuschließen, kam Werder das Glück zur Hilfe: Just zu dieser Zeit gastierte nämlich in Bremen eine Mannschaft, die sich „Weiße Adler“ nannte, mit ehemaligen serbischen Kriegsgefangenen bestückt war und in ihrem Gehäuse einen Mann stehen hatte, der in Sachen Sprungkraft, Fangsicherheit und Reaktionsvermögen seinesgleichen suchte: Dragomir Ilic. Auf Werder Seite setzte man sofort alles in Bewegung, um Ilic an die Weser zu lotsen – was nach einigem Hin und Her schließlich auch gelang.[2] Ilic's Weg führte aus einem Lager für Displaced Persons in Ostholstein zu Werder Bremen in die Oberliga Nord. Ilic war während des Zweiten Weltkriegs als Soldat in italienische und britische Gefangenschaft geraten und 1947 per Lazarettzug nach Deutschland transportiert worden, wo er schließlich in einem Flüchtlingslager bei Großenbrode, wo er beim dortigen SV auch einige Spiele absolvierte, in der Nähe von Lübeck landete. Seine Torhüterlaufbahn hatte beim BSK Belgrad angefangen.

Am 16. Januar 1949 bei einem 2:1-Auswärtserfolg bei Bremerhaven 93 stand er erstmals in einem Punktspiel im Tor von Werder. Höger war letztmals am 12. Dezember 1948 bei einem 2:2-Heimremis gegen Concordia Hamburg in Reihen der Grün-Weißen aufgelaufen. Im Sommer 1949 unterschrieb Ilić allerdings einen Profivertrag beim 1. FC Saarbrücken. Dieser bestritt als Verein aus der damals autonomen Region Saarland – vormals von Frankreich besetzt – seine Partien in der französischen Division 2. Laut Presseberichten erhielt Ilić ein Handgeld von 12.000 Deutschen Mark. Er kam in einem einzigen Freundschaftsspiel zum Einsatz, bevor Werder erwirkte, dass der Vertrag für ungültig erklärt wurde und seinen Torwart zur Saison 1949/50 letztendlich selbst als Vertragsspieler verpflichtete.

Der Jugoslawe war bis Anfang der 1960er Jahre lange Zeit erster Torwart der Mannschaft und absolvierte für Werder mehr als 300 Einsätze in der Oberliga Nord. Dort wurde er mit dem Verein dreimal hintereinander (1959, 1960, 1961) Norddeutscher Vizemeister. Im Februar 1951 prallte Ilić während eines Spieles gegen den FC St. Pauli mit dem rechten Außenläufer Harald Stender zusammen, der sich beim anschließenden Sturz auf den gefrorenen Boden einen doppelten Schädelbasisbruch zuzog, aber nach drei Monaten wieder genesen war. Ilić selbst blieb unverletzt. Seine ersten Spiele in der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft konnte er erst am Ende seiner Karriere bestreiten, Werder zog erst unter Trainer Georg Knöpfle als Vizemeister 1959 in der Oberligära in diese Meisterschaftsendrunde ein. Der 34-Jährige absolvierte im Mai und Juni alle sieben Spiele (Qualifikationsspiel und sechs Gruppenspiele), erlebte aber trotz persönlich guter Leistungen nur einen 5:2-Erfolg in der Gruppenphase im Heimspiel gegen den FK Pirmasens. Eintracht Frankfurt war hochüberlegen und gewann auch die deutsche Meisterschaft.[3] 1961 nahm Dragomir Ilić seinen Abschied. In der ersten Saison der Bundesliga, 1963/1964, reaktivierte man ihn jedoch kurzzeitig, da sich noch vor dem ersten Spieltag hintereinander die sechs ersten Torhüter des Vereins verletzt hatten. Ilić absolvierte zwischen dem 5. Oktober 1963 und dem 18. Januar 1964 noch vier Spiele in der neuen Liga (drei Siege, eine Niederlage) und beendete danach endgültig seine Karriere. Bei seinem zweiten Bundesligaeinsatz am 7. Dezember 1963 zeigte er bei einem 3:1-Auswärtserfolg bei Preußen Münster eine ausgezeichnete Leistung. In der Bundesliga Chronik 1963/64 ist notiert[4], dass sich „Keeper Ilic beim Powerplay von Münster nach dem Anschlusstreffer, regelmäßig als Endstation erwies“ und im Lexikon über die Bundesliga-Torhüter ist zusätzlich festgehalten[5], „dass der Torhüter durch zahlreiche Glanzparaden den 3:1-Sieg gerettet hätte und Trainer Multhaup voll des Lobes über seinen alten Kämpen gewesen wäre.“

Beruflich war Ilic als Tabakwarengrossist in Bremen tätig. Er verstarb im Juni 2004.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jens R. Prüß (Hrsg.): Spundflasche mit Flachpaßkorken. Die Geschichte der Oberliga Nord 1947–1963. Klartext Verlag. Essen 1991. ISBN 3-88474-463-1. S. 239
  2. Lorenz Knieriem, Hardy Grüne: Spielerlexikon 1890–1963. S. 166
  3. Klaus Querengässer: Die Deutsche Fußballmeisterschaft, Teil 2: 1948–1963. Agon Sportverlag. Kassel 1997. ISBN 3-89609-107-7. S. 112–114
  4. Ulrich Merk, Andre Schulin: Bundesliga Chronik 1963/64. Agon Sportverlag. Kassel 2004. ISBN 3-89784-083-9. S. 85
  5. B. F. Hoffmann: Das große Lexikon der Bundesligatorhüter. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. Berlin 2003. ISBN 3-89602-526-0. S. 163