Dragon V2

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Dragon V2 | Crew Dragon
Dragon V2.jpg
Modell der Dragon-V2-Kapsel
Beschreibung
Entwicklungsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: SpaceX
Besatzung: 7 Personen
Erstflug: 6. Mai 2015 (Pad-Abort-Test)
November 2018 (Unbemannter Orbitalflug, geplant)
April 2019 (Bemannter Orbitalflug, geplant)[1]
Status: Testphase
Trägerrakete: Falcon 9, Falcon Heavy
Technische Daten
Höhe: 6,1 m
Durchmesser: 3,7 m
Innenvolumen: 10 m³
Masse: 4.200 kg

Die Dragon V2 (Dragon Version 2) oder auch Crew Dragon ist ein wiederverwendbares Raumschiff für den Transport von maximal sieben Astronauten[2] und der zweite Raumschifftyp der Dragon-Serie[3][4] des privaten US-Raumfahrtunternehmens SpaceX. Gründer Elon Musk stellte am 29. Mai 2014 die erste bemannte Raumkapsel des Raumfahrtunternehmens vor.[5] Zukünftig soll sie Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS transportieren, genau wie die CST-100 Starliner von Boeing. Als Trägerrakete dient eine Falcon 9. Ein Startabbruchtest, bei dem das Raumschiff allein mit den eigenen SuperDraco-Triebwerken bis in 1.500 Meter Höhe flog, wurde am 6. Mai 2015 erfolgreich durchgeführt. Für November 2018 ist ein erster unbemannter orbitaler Testflug vorgesehen, danach ein Startabbruchtest im Flug. Der erste bemannte Flug ist für April 2019 geplant.[6]

Im Februar 2017 gab SpaceX bekannt, dass es einen Auftrag erhalten habe, mit einer Dragon V2 Weltraumtouristen um den Mond zu befördern. Der Raumflug soll etwa eine Woche dauern.[7]

Im September 2014 vergab die NASA auf Basis des vorgestellten Modells der Dragon V2 einen Auftrag zum Bau des Raumschiffes einschließlich eines Demonstrationsfluges mit NASA-Astronauten in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar. Nach erfolgreichem Flug und Zertifizierung durch die NASA sollen zwei bis sechs Missionen beauftragt werden. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des NASA-Entwicklungsprogrammes Commercial Crew Transportation Capability (CCtCap).[8]

Technik und besondere Leistungsmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cockpit und Bedienerführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum der Dragon V2

Kommandant und Copilot können die Kapsel über ein herunterklappbares Touchscreen-Bedienfeld steuern, das zwei Bildschirme als Datenausgabe und ein Steuerfeld sowie einen Joystick zur Flugsteuerung und, ergänzend als Backup zur Bedienung lebenswichtiger und sicherheitsrelevanter Steuergrößen, Knöpfe und Drehregler beinhaltet.[4]

Andockfähigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benötigt die reine Frachtversion der Dragon-Serie zum Andocken an die ISS noch deren Greifarm, so soll die Dragon V2 sowohl automatisch als auch gesteuert im freien Flug an die ISS andocken können.[5]

Hitzeschild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hitzeschild auf der Unterseite der Kapsel, der ein Verglühen des Raumschiffs beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verhindert, besteht aus einer Weiterentwicklung des PICA-X-Hitzeschildes (Phenolic Impregnated Carbon Ablator), den SpaceX für die Dragon V1 entwickelt hat und in eigener Produktion herstellt.[9][10]

Präzise geregelte Landungsmöglichkeit und Notfallrettung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dragon V2 Animation

Das Raumschiff sollte in der Lage sein, „überall auf dem Land mit der Präzision eines Helikopters zu landen“.[11] Hierzu sind acht sogenannte SuperDraco-Triebwerke in die Kapsel integriert. Die acht Triebwerke können auch als Startrettungssystem eingesetzt werden und ersetzen somit die klassische Rettungsrakete. Ein trotzdem vorhandener Fallschirm sollte nur bei einem Notfall geöffnet werden.

Das Raumschiff sollte zunächst mit Fallschirmen gebremst werden und anschließend wassern. Später war eine Landung ohne Fallschirmeinsatz auf vier Stützfüßen vorgesehen. Die Abbremsung kurz vor dem Aufsetzen sollten die SuperDracos übernehmen.

Stand 19. Juli 2017 werden die Pläne zu Landungen an Land gestrichen. Die Triebwerke bleiben für das Startrettungssystem an Bord, sollen aber nicht mehr zum Abbremsen verwendet werden. Die Position der Stützfüße wurde verändert, sodass der Hitzeschild nicht gefährdet wird. Anlass für die Änderungen sind die hohen Sicherheitsanforderungen der NASA.[12][13]

Testflüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur vollständigen Einsatzbereitschaft wird die Dragon V2 vier Testflüge absolvieren, zwei davon dienen dem Test des Rettungssystems, welches bei einer Fehlfunktion der Trägerrakete die Besatzung aus dem Gefahrenbereich bringen soll. Die anderen beiden gehen in den Erdorbit, einmal unbemannt und der letzte bemannt.

Pad Abort Test[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dragon V2 Pad Abort Test

Beim Pad Abort Test am 6. Mai 2015 wurde erstmals das Rettungssystem der Dragon erprobt, dazu zündete eine Dragon V2 in Cape Canaveral von einem einfachen Startgestell aus ihre acht SuperDraco-Motoren, um mit bis zu 6 g Beschleunigung aufzusteigen und nach etwa zwei Minuten an Fallschirmen im Ozean zu wassern. Die Kapsel wurde geborgen und untersucht und sollte für den nächsten Testflug wieder aufgearbeitet werden. Es befanden sich ein Crashtest-Dummy und Messgeräte an Bord, um die Belastungen für Raumschiff und Crew zu messen. Da seit dem Bau der Pad Abort Test-Kapsel schon einige Zeit vergangen ist und mittlerweile einige Änderungen an der Technik stattfanden, wird die Kapsel nun doch nicht mehr wie ursprünglich geplant für den In-Flight Abort Test verwendet.[14]

In-Flight Abort Test[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim In-Flight Abort Test, der zunächst für Herbst 2015 geplant war, dann aber auf einen Zeitpunkt nach dem ersten unbemannten orbitalen Testflug verschoben wurde, wird die Dragon V2 aus dem orbitalen Testflug (SpX-DM1) [14] auf einer Erststufe einer Falcon 9 starten und nach etwa einer Minute Flugzeit, zum Zeitpunkt der größten aerodynamischen Belastung, eine Fehlfunktion der Trägerrakete simulieren und die Dragon ihre SuperDraco-Motoren zünden, um das Raumschiff aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Anschließend soll die Dragon an Fallschirmen wassern und geborgen werden. Auch hier sollen ein Dummy und Messgeräte an Bord sein.

Orbitale Testflüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2018 sollte mit der Mission SpX-DM1 die Dragon zum ersten Mal unbemannt in den Orbit starten und zur ISS fliegen.[6][15] Im Dezember 2018 war dann mit SpX-DM2 die erste bemannte Mission zur ISS geplant. Anfang August 2018 gab die NASA neue Daten für die Flüge bekannt: Der unbemannte Erststart soll nun im November 2018 stattfinden, der bemannte Start im April 2019.[1] Verlaufen insgesamt vier Testflüge erfolgreich, ist die bemannte Dragon V2 nach NASA-Vorschriften einsatzbereit und kann den regulären Crewtransport zur ISS beginnen.

Als NASA-Testpiloten für den ersten bemannten Flug der Dragon V2 wurden am 3. August 2018 Robert Behnken und Douglas Hurley nominiert, der erste reguläre Flug (First Mission) wird von Victor Glover und Michael Hopkins durchgeführt.[16][17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dragon V2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Loren Grush: Boeing and SpaceX delay first crucial test flights of new passenger spacecraft again. In: The Verge. Vox Media, 2. August 2018, abgerufen am 4. August 2018.
  2. SpaceX enthüllt erste bemannte Raumkapsel Dragon V2. futurezone.at, 30. Mai 2014, abgerufen am 4. Juni 2014.
  3. Raumfahrttaxi : SpaceX präsentiert das neue Raumschiff "Dragon V2". Die Welt, 30. Mai 2014, abgerufen am 4. Juni 2014.
  4. a b Raumfahrt: SpaceX stellt wiederverwendbare Raumfähre Dragon V2 vor. Golem.de, 30. Mai 2014, abgerufen am 4. Juni 2014.
  5. a b Martin Holand: Dragon V2: SpaceX stellt Raumkapsel für bemannte Raumflüge vor. heise online, 30. Mai 2014, abgerufen am 4. Juni 2014.
  6. a b Anna Heiney: NASA’s Commercial Crew Program Target Test Flight Dates. NASA, 11. Januar 2018, abgerufen am 11. Januar 2018 (englisch).
  7. SpaceX bringt Touristen zum Mond. Abgerufen am 27. Februar 2017.
  8. NASA news, September 16, 2014, RELEASE 14-256: NASA Chooses American Companies to Transport U.S. Astronauts to International Space Station abgerufen am 18. September 2014
  9. Elon Musk bei der Vorstellung des Dragon V2 ab Minute 3.03; https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=yEQrmDoIRO8
  10. SpaceX Dragon spacecraft facts. Spaceflight Now, abgerufen am 4. Juni 2014 (englisch).
  11. Elon Musk bei der Vorstellung des Raumschiffs am 29. Mai 2014 ab Minute 2.24; https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=yEQrmDoIRO8
  12. Hans-Christian Dirscherl: Elon Musk ändert Pläne zur Mars-Landung. In: PC-WELT. (pcwelt.de [abgerufen am 22. Juli 2017]).
  13. Loren Grush: Elon Musk suggests SpaceX is scrapping its plans to land Dragon capsules on Mars. 19. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  14. a b Stephanie Martin: More Fidelity for SpaceX In-Flight Abort Reduces Risk. nasa.gov, 1. Juli 2015, abgerufen am 1. Juli 2015 (englisch).
  15. Launch Schedule. Spaceflight Now, 17. Dezember 2017, abgerufen am 21. Dezember 2017 (englisch).
  16. NASA: NASA Assigns First Crews to Fly Commercial Spacecraft. 3. August 2018, abgerufen am 5. August 2018 (englisch).
  17. NASA: NASA Assigns Crews to First Test Flights, Missions on Commercial Spacecraft. In: NASA Press Release 18-067. 3. August 2018, abgerufen am 5. August 2018 (englisch).