Drawsko Pomorskie

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Drawsko Pomorskie
Wappen von Drawsko Pomorskie
Drawsko Pomorskie (Polen)
Drawsko Pomorskie
Drawsko Pomorskie
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Drawsko Pomorskie
Fläche: 22,00 km²
Geographische Lage: 53° 32′ N, 15° 48′ OKoordinaten: 53° 32′ 0″ N, 15° 48′ 0″ O
Einwohner: 11.781
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 78-500
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZDR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK20 StargardGdynia
DW 148 Starogard Łobeski ↔ Drawsko Pomorskie
DW 175 Drawsko Pomorskie ↔ Choszczno
Schienenweg: PKP-Linie Nr. 210: Bahnstrecke Chojnice–Runowo Pomorskie
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 32 Ortschaften
13 Schulzenämter
Fläche: 344,00 km²
Einwohner: 16.485
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3203023
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Zbigniew Ptak
Adresse: ul. Gen. Wł. Sikorskiego 41
78-500 Drawsko Pomorskie
Webpräsenz: www.drawsko.pl



Drawsko Pomorskie (deutsch: Dramburg) ist eine Kreisstadt und Stadt- und Landgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Westpommern und hat etwa 12.000 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Hinterpommern, im Gebiet des Pommerschen Höhenrückens in der Pommerschen Schweiz. Drawsko Pomorskie wird vom Oberlauf des Flusses Drage berührt, östlich erstreckt sich ein großes Waldgebiet. Südlich der Stadt liegt der Wuckersee (Jezioro Okra). Stettin ist etwa 100 km westlich entfernt.

Im Süden der Stadt befindet sich ein großer Truppenübungsplatz, der oft von NATO-Truppen benutzt wird.

Stadtgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dramburg auf einer Landkarte von 1905
Häuser an der Hauptstraße

Vom 7. bis in das 13. Jahrhundert hinein befand sich am Oberlauf des Flusses Drage, wenige Kilometer nördlich des Lübbesees eine slawische Befestigungsanlage. Nachdem die brandenburgischen Kurfürsten um die Mitte des 13. Jahrhunderts das Gebiet von Polen erworben hatten, beauftragten sie im Rahmen ihrer Besiedelungsbestrebungen 1254 Belbucker Mönche mit der Gründung eines Klosters. Die Pläne scheiterten jedoch, da der vorgesehene Ort zu weit vom Stammkloster entfernt lag und den Mönchen das Land wegen seiner Wildnis als ungeeignet erschien. Die Brandenburger hielten jedoch an ihren Plänen fest, und da sich in der Nähe der Burg eine Siedlung entwickelt hatte, erhielten die Prenzlauer Ritter Arnold, Konrad und Johann von Golz von den Markgrafen den Auftrag, den Ort zu einer Stadt zu entwickeln. Durch Ansiedlung deutscher Einwanderer gelang es ihnen, die Ortschaft so weit auszubauen, dass ihr 1297 die brandenburgischen Markgrafen Otto III. und Konrad I. sowie dessen Söhne das Magdeburger Stadtrecht verleihen konnten.[2] Um die Entwicklung der Stadt weiter zu fördern, erließ ihr Markgraf Ludwig I. von 1338 bis 1350 alle Abgaben. 1350 wurde die Stadt der Adelsfamilie von Wedell als Lehen überlassen. Am 13. Februar 1368 war Dramburg Schauplatz des Friedensschlusses zwischen dem brandenburgischen Markgrafen Otto dem Finner und dem polnischen König Kasimir III. Inzwischen hielt der Zustrom von Siedlern an, sodass sich am Ende des 14. Jahrhunderts am südlichen Drageufer die Dramburger Neustadt entwickelte. 1400 verkaufte Markgraf Sigismund (der spätere Kaiser Sigismund) die Stadt zusammen mit der gesamten Neumark an den Deutschen Orden, der seine Herrschaft jedoch nur bis 1455 ausübte.

Der 1537 konvertierte ehemalige Franziskaner Faustinus Schliepe führte im selben Jahr die Reformation in Dramburg ein. Ab 1540 war der Johanniterorden Eigentümer der Stadt und blieb es bis zum Jahre 1808. Ein großer Brand zerstörte 1620 weite Teile der Stadt, nur fünf Häuser blieben unversehrt. Fünf Jahre später fielen zahlreiche Einwohner der Pest zum Opfer. Während des Dreißigjährigen Krieges fiel 1638 der schwedische Oberst Beer mit Plünderungen und Brandschatzungen über die Stadt her. Trotz dieser Katastrophen nahm Dramburgs Wirtschaft keinen größeren Schaden. Die Stadt hatte das Stapelrecht für das Kolberger Salz, das über die Drage transportiert wurde, Wollweber und Schumacher waren die bestimmenden Gewerke ausgangs des Mittelalters.

Als nach dem Ende der Befreiungskriege Preußen seine Territorialverwaltung neu ordnete, wurde Dramburg 1818 zur Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im pommerschen Regierungsbezirk Köslin erhoben. Die Pommersche Centralbahn erreichte 1877 die Stadt, die 1896 auch an das Saatziger Kleinbahnnetz angeschlossen wurde. Dies hatte zur Folge, dass sich mehrere Industriebetriebe des Holz- und Textilgewerbes ansiedelten. Vorteilhaft wirkte sich die Einrichtung der Hauptstation der Pommerschen Saatzucht Gesellschaft aus, die in Dramburg ihre Versuchsfelder betrieb.

Nach dem Ersten Weltkrieg, als viele Einwohner aus dem Gebiet des aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1920 eingerichteten Polnischen Korridor zuzogen, erweiterte sich Dramburg durch neue Wohngebiete im Süden der Stadt. Nach Auflösung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen 1938 kam Dramburg zum Regierungsbezirk Schneidemühl. Während des Zweiten Weltkrieges betrieb die SS eine große Kradfahrer- und Mechanikerschule. Sowjetische und polnische Truppen eroberten am 4. März 1945 die Stadt, deren Stadtzentrum während der Kämpfe zum großen Teil zerstört wurde.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Dramburg am 6. März 1945 zusammen mit Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt. Danach begann der Zuzug polnischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Bevölkerung bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. Soweit die deutschen Stadtbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

1950 erfolgte die Umbenennung in Drawsko Pomorskie. Bis 1975 war die Stadt Verwaltungszentrum eines Powiats. Nach der Verwaltungsreform von 1999 erhielt sie diesen Status zurück.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Drawsko Pomorskie
St. Marienkirche (bis 1945 evangelisch).
Jahr Einwohner Anmerkungen
1719 757 [3]
1750 1.312 [3]
1801 1.558 [3]
1816 1.808 darunter acht Katholiken und 49 Juden[3]
1831 2.667 darunter sieben Katholiken und 87 Juden[3]
1843 3.413 darunter drei Katholiken und 121 Juden[3]
1852 4.004 darunter zehn Katholiken und 169 Juden[3]
1861 4.847 darunter zehn Katholiken, 186 Juden und drei Mitglieder der Freien Gemeinde oder Deutschkatholiken[3]
1875 5626 [4]
1880 6.049 [4]
1890 5.923 darunter 38 Katholiken und 165 Juden[4]
1925 6.358 [4]
1933 7.314 [4]
1939 8.091 [4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen Partnerschaften mit den Städten[5]:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktplatz mit Pfarrkirche

Bedeutendstes Baudenkmal der Stadt ist die spätgotische Auferstehungskirche (kościół p.w. Zmartwychwstania Pańskiego) aus dem 15. Jahrhundert, eine dreischiffige Hallenkirche aus Backstein. Interessant ist die Geschichte des wuchtigen Frontturms, der seit dem Stadtbrand von 1620 auf einem schlichten Zeltdach eine Zwiebelhaube besaß, im 19. Jahrhundert diesen Aufsatz verlor und schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts seinen heutigen spitzen Turmhelm erhielt. Im Vorraum der Kirche (Turmhalle) befinden sich zwei große Buntglasfenster mit den Familienwappen v. Knebel-Doeberitz, v. Brockhausen, v. Griesheim, v. Zadow, v. Borcke und v. Grünberg. Diese waren bis 1945 die einflussreichsten Großgrundbesitzer des Kreises Dramburg. Die Fenster wurden 1914 anlässlich der Erneuerung der Turmhalle von den Familien gestiftet. Sie wurden in der Werkstatt W. Blaue, Berlin-Dahlem angefertigt. Durch Kriegseinwirkungen wurden sie stark beschädigt. Die Restaurierung hat der polnische Meister der Glasmalerei Krzysztof Mazurkiewicz, Köslin durchgeführt.

Daneben verdienen die Reste der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, der Marktplatz mit seiner teilweise erhaltenen historischen Bebauung sowie ein Fachwerk-Salzspeicher aus der Zeit um 1700 Beachtung.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drawsko Pomorskie liegt an der Droga krajowa 20 (ehemalige deutsche Reichsstraße 158) StargardGdynia. Des Weiteren führen von der Stadt aus die Woiwodschaftsstraßen (DW) DW 148 nach Starogard, die DW 173 nach Połczyn Zdrój sowie die DW 175 nach Choszczno.

Auch an die Bahnstrecke Chojnice–Runowo Pomorskie der Polnischen Staatsbahn (PKP) ist die Stadt angeschlossen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Doerstling (1859–1940), deutscher Maler
  • Gustav Bundt (1867–1949), deutscher Arzt, Medizinalbeamter und Politiker (DNVP)
  • Otto Pautsch (1873–1945), deutscher Lehrer, Landrat im Kreis Lebus
  • Hanna Stephan (1902–1980), deutsche Schriftstellerin
  • Fritz Manasse (1904–2006), deutscher Jurist
  • Ernst Moritz Manasse (1908–1997), deutscher Philosoph und Klassischer Philologe
  • Hans Wolter (1911–1978), deutscher Physiker, Professor an der Universität Marburg
  • Hans Ulrich Kempski (1922–2007), deutscher Journalist, Chefkorrespondent der Süddeutschen Zeitung
  • Horst Sagert (* 1934), deutscher Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner
  • Erhard Pachaly (1934–2012), deutscher Historiker, Professor an der Hochschule der Deutschen Volkspolizei
  • Dieter Nerius (* 1935), deutscher Sprachwissenschaftler
  • Sybille Volkholz (* 1944), deutsche Politikerin

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Drawsko Pomorskie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amt der Gemeinde und Stadt - Drawsko Pomorskie (Dramburg)

Die Stadt- und Landgemeinde Drawsko Pomorskie umfasst eine Fläche von 344 km² und zählt mehr als 16.000 Einwohner.

Die Gemeinde teilt sich in 13 Schulzenämter (sołectwo) auf:

  • Dalewo (Dalow)
  • Gudowo (Baumgarten)
  • Jankowo (Janikow)
  • Konotop (Köhntöpf)
  • Łabędzie (Labenz)
  • Linowo (Woltersdorf)
  • Mielenko Drawskie (Klein Mellen)
  • Nętno (Nuthagen)
  • Rydzewo (Rützow)
  • Suliszewo (Zülshagen)
  • Zagozd (Neu Schönwalde)
  • Zarańsko (Sarranzig)
  • Żółte (Schilde)

Diesen sind 32 Ortschaften zugeordnet, darunter:

  • Cianowo (Jakobsdorf)
  • Gajewko (Eichforst)
  • Gajewo
  • Golina
  • Karwice (Karwitz)
  • Krzynno
  • Kumki (Kümken)
  • Lasocin (Friedeald)
  • Olchowiec (Aalkist)
  • Oleszno (Welschenburg)
  • Roztoki (Wedellshof)
  • Suchowo (Zuchow)
  • Ustok (Heinrichsfelde)
  • Woliczno (Golz)
  • Zagórki (Hünenberg)
  • Zbrojewo (Hohenheide)
  • Ziemsko (Zamzow)
  • Żołcin (Neu Schilde)
  • Żołędowo (Mittelfelde)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Kratz; Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, S. 125–128 (Volltext).
  • Paul van Niessen: Die Geschichte der Stadt Dramburg – Festschrift zur Jubelfeier ihres sechshundertjährigen Bestehens, Microson Reprints, 1994 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1897), 451 Seiten.
  • Unser Pommerland, Jg. 13, H. 11–12: Kreis Dramburg.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Drawsko Pomorskie – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden der Verfassungs- und Rechtsgeschichte der5 deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 883.
  3. a b c d e f g h Gustav Kratz; Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, S. 127–128.
  4. a b c d e f http://www.verwaltungsgeschichte.de/dramburg.html#ew39dramadramb
  5. Drawsko Pomorskie: Współpraca z zagranicą[1]