Drei Affen

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Dieser Artikel behandelt die drei Affen aus einem japanischen Sprichwort, zum gleichnamigen Film siehe Drei Affen (Film).
Die drei Affen von Nikkō

Die drei Affen (jap. 三猿, sanzaru/san’en oder 三匹の猿, sanbiki no saru) haben ihren Ursprung in einem japanischen Sprichwort und stehen dort für den Umgang mit Schlechtem.

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spruch „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ wird in Japan als mizaru, kikazaru, iwazaru (見ざる、聞かざる、言わざる) ausgedrückt. Es handelt sich einer gängigen Erklärung zufolge um die Paraphrase einer Erläuterung aus dem 12. Buch der Analekten des Konfuzius gegenüber seinem Schüler Yan Yuan (auch Yan Hui genannt) über das Wesen der „Sittlichkeit“ (chinesisch , Pinyin rén ‚Menschlichkeit‘):

「非禮勿視,非禮勿聽,非禮勿言,非禮勿動」

「fei li wu shi, fei li wu ting, fei li wu yan, fei li wu dong」

„Was nicht dem Gesetz der Schönheit [= angemessenes Verhalten] entspricht, darauf schaue nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, darauf höre nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, davon rede nicht; was nicht dem Gesetz der Schönheit entspricht, das tue nicht.“

Kungfutse: Lun Yu. Gespräche. Buch 12[1]

Im klassischen Japanisch wird die grammatische Form ざる (zaru) (Verneinung einer Tätigkeit) ähnlich ausgesprochen wie Affe (, saru). Daher ergibt sich die Verbindung der Affen mit dem moralischen Leitsatz im Japanischen aus einem zufälligen Wortspiel. Wohl auch in diesem Zusammenhang entstand der Glaube von den drei Affen Mizaru (見ざる), Kikazaru (聞かざる) und Iwazaru (言わざる), die den Göttern an den Kalendertagen des „Metall-Affen“ (kōshin 庚申) über die Menschen berichten sollen. Um diesen Bericht zu verhindern, entstand der Brauch des kōshin-machi, der sich allmählich zu einem religiösen Kult entwickelte. (Als Herr der Drei Affen wurde dabei eine synkretistische Gottheit namens Grüngesichtiger Vajra, Shōmen Kongō 青面金剛, identifiziert.) Dieses Brauchtum ist heute selbst in Japan kaum mehr bekannt, hat aber zur allgemeinen Verbreitung des Drei-Affen Motivs geführt.

Vier Affen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vier weise Affen

Manchmal wird noch ein vierter Affe, Shizaru genannt (しざる; von shisaru (四猿, „vier Affen“)), dargestellt. Er bedeckt mit beiden Händen seinen Unterleib und hat die Bedeutung „Tu nichts Böses!“, „Habe keinen Spaß!“, „Habe keinen Sex!“.[2] „Meist dreht es sich bei Vier-Affen-Figuren um die drei traditionellen Affengebärden plus eine mehr oder weniger sexuelle Gebärde. Im Englischen heißt es als Beschriftung fast immer ‘See no evil!’ ‘Hear no evil!’ ‘Speak no evil!’ ‘Have no fun!’. Natürlich aber kann es auch einmal ‘Think no evil’ oder ‘Take no evil’ heißen, und das vierte Äffchen mit seinem verschmitzten Lächeln auf einer Geburtstagskarte könnte wohl auch ‘Have fun’ signalisieren.“[3]

Heute sind die Affen in Japan als Minai, Kikanai, Iwanai und Shinai (-nai ist die moderne Verneinungsform) bekannte Glücksbringer.

Die drei Affen in der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein berühmtes Drei-Affen-Motiv stammt aus dem 17. Jahrhundert und befindet sich nahe der Stadt Nikkō auf der japanischen Hauptinsel Honshū, etwa 140 Kilometer nördlich von Tokio. Es ist als Fassadenschnitzerei an einem eher unscheinbaren Gebäude – einem ehemaligen Stall für heilige Pferde – auf dem Gelände des Tōshōgū-Schreins zu finden.

Bedeutungswandel in der westlichen Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die drei Affen in Japan eigentlich die Bedeutung „über Schlechtes weise hinwegsehen“ haben, werden sie in der westlichen Welt eher als „alles Schlechte nicht wahrhaben wollen“ interpretiert. Aufgrund dieses negativen Bedeutungswandels gelten die drei Affen daher häufig als Beispiel für mangelnde Zivilcourage oder bedingungslose Loyalität.

Wolfgang Mieder macht auf einen Artikel Lutz Röhrichs aus dem Jahre 1957 in der Fachzeitschrift Fabula aufmerksam. Dort versucht der US-amerikanische Parömiologe Archer Taylor einen Kontext zum – im frühen vierzehnten Jahrhundert in England im Gesta Romanorum verzeichneten – mittellateinischen Sprichwort „Audi, vide, tace, si vis vivere in pace“ („Höre, sieh und schweige, wenn du in Frieden leben willst!“) herzustellen. Röhrich vertritt die Ansicht, es handelt sich um eine verzwickte Überlieferungsgeschichte, wobei die japanische Variante die vertraute europäische Variante mit der Zeit überlagert haben dürfte. Verstärkt wurde der Ersatz – eines bis Ende des 19. Jahrhunderts bekannten Sprichwortes – durch die ursprünglich aus Nikko stammenden Affensouvenire. Erste englischsprachige Reiseführer, in denen die Drei-Affen-Kōshin-Steine ausführlicher beschrieben wurden, tauchten bereits ab 1884 auf. Erstmals ab 1901 dann auch mit Skizze im Handbook for Travellers in Japan von Basil Hall Chamberlain.[4] Sehr schnell wurde Nikko zum Mekka westlicher Touristen und die Mitbringsel verbreiteten sich in der Welt.[5] Die ursprünglich religiöse Bedeutung ging immer mehr verloren und aus einem englischen Versandhauskatalog von 1927 geht hervor, dass „The Three wise monkeys. Speak no evil, see no evil, hear no evil. Pear group of three monkeys -/14“ als Billigware angeboten wurden. Laut Mieder verbreiteten sich die drei Affen in Deutschland erst nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden zunächst direkt aus Japan bezogen – also ohne die moderne englische lingua franca und somit lässt sich erklären, dass in der deutschen Sprichwortentlehnung „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ ursprünglich keine Rede vom „Bösen“ ist, welche im Englischen prägend ist.[6]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von dem US-amerikanischen Künstler Keith Haring wurde das Bild der drei Affen in Form menschlicher Umrisse Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre aufgegriffen. Er forderte damit zu mehr Zivilcourage im Kampf gegen AIDS auf.

Unicode-Zeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Affen-Emoticons sind im Unicodeblock Smileys enthalten und werden von der Schriftart Symbola[7] unterstützt.

Mizaru Kikazaru Iwazaru
🙈 🙉 🙊
Augen verschließender Affe Ohren verschließender Affe Mund verschließender Affe
SEE-NO-EVIL MONKEY HEAR-NO-EVIL MONKEY SPEAK-NO-EVIL MONKEY
1F648 1F649 1F64A

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Mieder: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“. Die drei weisen Affen in Kunst, Literatur, Medien und Karikaturen (= Kulturelle Motivstudien. Band 5). 1. Auflage. Praesens Verlag, Wien 2005, ISBN 3-7069-0248-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Martin Thiele: Die Drei Affen. Zu der Bedeutung eines Symbols und dem Verzicht auf Kommunikationskanäle. 1. Auflage. GRIN Verlag, München 2013, ISBN 978-3-640-55880-3. (Studienarbeit)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Drei Affen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 論語: 顏淵. In: 中國哲學書電子化計劃 ‚Chinese Text Project‘. Donald Sturgeon, abgerufen am 20. August 2014 (chinesisch). Lun Yu. Gespräche. Eugen Diederichs, Düsseldorf / Köln 1975, Buch 12, Abschnitt 1, S. 121. Michael Holzinger (Hrsg.): Lun Yu. Gespräche. Berliner Ausgabe Auflage. CreateSpace Independent Publishing Platform, 2013, ISBN 978-1-4942-5319-6 (Volltext. Bei Zeno.org. [abgerufen am 20. August 2014] Neusatz).
  2. Frequent questions and answers about the three monkeys. Sometimes I see a figurine with 4 monkeys. What is the idea? Abgerufen am 23. August 2012 (englisch): „A fourth monkey (usually called ‘Do no Evil, Have no Fun or Have no Sex’) is a later addition to the well-known trio […].“
  3. Wolfgang Mieder: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“. Die drei weisen Affen in Kunst, Literatur, Medien und Karikaturen (= Kulturelle Motivstudien. Band 5). 1. Auflage. Praesens Verlag, Wien 2005, ISBN 3-7069-0248-6, Kapitel 7: Die Erweiterung zu vier Affen, S. 97–118, hier: S. 97 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Basil Hall Chamberlain: Handbook for Travellers in Japan – Internet Archive. 1901, S. 50 f., siehe dort Koshin / Three Monkeys Abb. links unten
  5. Wolfgang Mieder: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“. Die drei weisen Affen in Kunst, Literatur, Medien und Karikaturen. Praesens Verlag, Wien 2005, S. 14–20
  6. Wolfgang Mieder: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“. Die drei weisen Affen in Kunst, Literatur, Medien und Karikaturen. Praesens Verlag, Wien 2005, S. 22
  7. Unicode Fonts for Ancient Scripts. George Douros, abgerufen am 10. September 2014 (englisch).