Dreifaltigkeitskirche (Hamburg-Hamm)

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Koordinaten: 53° 33′ 21″ N, 10° 3′ 25″ O

Dreifaltigkeitskirche („Hammer Kirche“)
Lageskizze von Kirche und Friedhof

Die Dreifaltigkeitskirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche im Hamburger Stadtteil Hamm. Sie wurde 1956/57 nach einem Entwurf von Reinhard Riemerschmid als Nachfolgebau für die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Hammer Kirche aus dem Jahre 1693 erbaut. Der verklinkerte Betonbau mit seinen symbolträchtigen Formen zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten der Nachkriegszeit in Norddeutschland und steht seit 2002 unter Denkmalschutz.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreifaltigkeitskirche befindet sich im Horner Weg unweit des nach ihr benannten U-Bahnhofs Hammer Kirche. Aufgrund ihrer Lage am Geesthang ist ihr charakteristischer Turm weithin zu sehen und bildet so ein Wahrzeichen des Stadtteils. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die 1924/25 erbaute und nach Kriegszerstörung 1951/52 wiedererrichtete katholische Herz-Jesu-Kirche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alte Hammer Kirche von 1693
Barockportal der alten Kirche, Inschrift: „Deo triuno“ sowie das Baujahr 1718.
Innenansicht der alten Kirche mit Blick auf den Barock-Altar von Valentin Preuß, davor der Taufstein, Foto von Wilhelm Weimar um 1899

Die ursprüngliche Ham und Hörner Kirche zur Heiligen Dreyfaltigkeit wurde nach gut einjähriger Bauzeit am 30. August 1693 geweiht. Die Initiative zum Bau einer eigenen Kirche ging seinerzeit von wohlhabenden Kaufleuten aus, die Landhäuser in Hamm und Horn besaßen und den damals noch beschwerlichen Kirchweg nach St. Georg vermeiden wollten. Sie übernahmen auch den Großteil der Kosten für Bau und Unterhalt der neuen Kirche.[2]

Ihr Pfarrbezirk umfasste ursprünglich ganz Hamm und Horn sowie den Süden des heutigen Stadtteils Eilbek. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurden für die rasch anwachsende Bevölkerung mehrere Tochtergemeinden gegründet, zunächst in Eilbek (Friedenskirche 1885) und Horn (Martinskirche 1886), später auch im Süden Hamms (Dankeskirche 1895, Wichernkirche 1934). Bereits bestehende Pläne für weitere Kirchenneubauten im Nordteil Hamms konnten hingegen erst nach dem Zweiten Weltkrieg verwirklicht werden (Pauluskirche 1954/55, Simeonkirche 1965/66).[3]

Im Juli 1943 wurde die alte Dreifaltigkeitskirche durch alliierte Bombenangriffe im Zuge der Operation Gomorrha vollständig zerstört. Auch der umliegende Stadtteil wurde nahezu ausgelöscht, tausende Einwohner kamen im Feuersturm um. Nach Kriegsende wurde zunächst für einige Jahre eine hölzerne Notkirche aus Spenden des Weltkirchenrates errichtet, ehe 1953 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde, aus dem der Entwurf des Münchener Architekten Reinhard Riemerschmid (1914–1996) als Sieger hervorging. Die Grundsteinlegung erfolgte 1956 im Rahmen der 700-Jahr-Feier Hamms, die Einweihung der neuen Kirche am 20. Oktober 1957.[4]

Gebäude und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alte Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Kirche von 1693 war ein niederdeutscher Fachwerkbau von 32 Meter Länge und 12 Meter Breite, die Höhe des Dachfirstes betrug 10,5 Meter.[5] Die gemauerte Westfassade wurde 1718 um ein barockes Hauptportal mit der Inschrift „Deo triuno“ (Dem dreifaltigen Gott) ergänzt und später mehrfach erneuert, zuletzt nach der sog. Franzosenzeit. Damals wurden auch zwei Kanonenkugeln, die man 1814 in unmittelbarer Nähe gefunden hatte, als Erinnerung in die Fassade eingefügt.[5] 1883 wurde die Kirche auf der Südseite um einen Anbau erweitert, um die Zahl der Sitzplätze von vorher 550 auf etwa 800 zu erhöhen.[6]

Der Innenraum wurde dominiert von einem knapp 10 Meter hohen barocken Kanzelaltar des Bildschnitzers Valentin Preuß (ca. 1660–1725). Die von Moses und Johannes dem Täufer getragene Kanzel befand sich direkt über dem Altar mit einer Darstellung des Abendmahls und war von zahlreichen Putten, Engeln sowie den vier Evangelisten umgeben. Über der Kanzel erhob sich eine 2,5 Meter hohe Kreuzigungsdarstellung, die wiederum von der Figur des auferstandenen Jesus Christus überragt wurde.[5]

Auf der Empore vor der Westwand befand sich ursprünglich eine Arp Schnitger-Orgel mit 21 Registern auf 2 Manualen, Pedal und 3 Bälgen. Nach den Zerstörungen der „Franzosenzeit“ wurde sie 1834 durch eine neue Orgel von Heinrich Rasche ersetzt. Zum 200-jährigen Jubiläum der Gemeinde wurde 1893 abermals ein neues Instrument von dem Orgelbauer Ernst Röver gebaut, das später mehrfach erweitert und modernisiert wurde.[6][7]

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Kirche von dem Architekten Julius Faulwasser umfassend restauriert. Dabei wurde unter anderem das Tonnengewölbe ausgemalt und eine elektrische Beleuchtung installiert. Außerdem wurden die Kirchenfenster mit den Familienwappen mehrerer Stifterfamilien versehen, die während des Zweiten Weltkrieges ausgelagert wurden, so die Zerstörung der Kirche 1943 überstanden und nach dem Krieg sowohl in der Notkirche als auch in der neuen Kirche wiederverwendet wurden.[8]

Die Notkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der vollständigen Zerstörung der alten Hammer Kirche im Zuge der Operation Gomorrha beschloss der Weltkirchenrat im Sommer 1946, der Hammer Gemeinde eine hölzerne Notkirche zu stiften. Der 20 mal 7 Meter große barackenartige Bau wurde aus Holzfertigteilen errichtet und am 1. Adventssonntag (8. Dezember 1946) eingeweiht. Der zunächst schmucklose Raum verfügte über knapp 200 Sitzplätze und wurde von der Gemeinde durch Spenden und Eigenarbeiten ausgestaltet. Ein als Altarbild dienender Wandbehang mit der Darstellung des Gleichnisses von den klugen und törichten Jungfrauen wird noch heute in dem als „Werktagskapelle“ genutzten Vorraum der neuen Kirche aufbewahrt.[9]

Anstelle einer Orgel gab es anfangs nur ein Harmonium, ehe 1951 eine zweimanualige Orgel der Firma Kemper & Sohn angeschafft werden konnte. Bereits 1949 war ein freistehender Glockenturm ergänzt worden, in dem die einzige erhaltene Glocke der alten Hammer Kirche aus dem Jahre 1829 ihren Platz fand.[9] Die Glocke befindet sich heute im Innern des 2006 eingeweihten Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Hammer Friedhof.

Die neue Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westfassade mit Betonrelief von Karlheinz Hoffmann
Glasfenster im Turm von Claus Wallner

Der anfangs sehr umstrittene Neubau wurde von Riemerschmid in modernen und symbolträchtigen Formen gestaltet: So sind Turm und Kirchenschiff in der Form von Alpha und Omega gebaut und symbolisieren Jesu Selbstbeschreibung als Anfang und Ende der Welt. Die breit ausladende – und ursprünglich der Straße zugewandte[10] – Westfassade soll ausgebreitete Arme darstellen und den Betrachter zum Betreten des Hauses einladen. Die Symbolik des Gebäudes wird vom Kunsthistoriker Hermann Hipp als „Erlösungshoffnung unter dem Eindruck des apokalyptischen Bombenkriegs“ gedeutet.[11] An der Schmalseite der Schildwand befindet sich ein Betonrelief von Karlheinz Hoffmann auf dem Szenen der Offenbarung des Johannes dargestellt sind. Diese Verweise sollen der Kirche gleichzeitig den Charakter eines Mahnmals für die Opfer des Bombenkrieges geben. In der eingehängten Glockenstube des 42 m hohen Turms befinden sich fünf Bronzeglocken aus der Glockengießerei Rincker.

Im Innern des weitgehend schmucklosen elliptischen Kirchenschiffs wirken neben dem gelben Ziegelmauerwerk sichtbare Betonpfeiler wie Zeltstangen, die an das wandernde Gottesvolk der Bibel und zugleich an die Heimatlosigkeit der Überlebenden des Bombenkriegs erinnern sollen.[4] Der große Raum bildet eine einheitliche Umfassung für Gemeinde und Altarraum, womit hier bereits die bestimmende Tendenz für Kirchengebäude der 1960er-Jahre erkennbar ist. Direkt unter der zum Altar hin um 9 m ansteigenden Decke befindet sich eine Reihe dreieckiger Fenster, deren Licht jedoch den Altarraum selbst bewusst unbeleuchtet lässt.

Auf dem einfach gestalteten Altar steht ein Bronzekreuz von Fritz Fleer, darüber hängt eine geschnitzte Darstellung der Dreifaltigkeit von Helmut Ammann von 1961/62. Die Glasfenster in der Taufkapelle sowie am Turm stammen von Claus Wallner, die Kanzel von Ursula Querner. Im Vorraum befindet sich ein Bronzekruzifix von Jürgen Weber. An der Südwand hängen Gemälde ehemaliger Hammer Pastoren, die aus der alten Kirche gerettet werden konnten, ebenso die gläsernen Wappenbilder Hammer Stifterfamilien, die an der Sakristeitür angebracht sind.[4]

In dankbarer Erinnerung an die Christen im Ausland, die nach Kriegsende den Wiederaufbau durch Spenden unterstützten, bewahrt die Kirche im Vorraum und in der Sakristei zudem mehrere Ausstattungsgegenstände aus der früheren Notkirche auf, darunter ein Antependium, ein hölzernes Taufbecken sowie der alte Altar.[4]

Orgeln der neuen Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptorgel der modernen Kirche wurde 1959 von der Firma Emanuel Kemper in Lübeck gebaut, 1983 durch die Fa. Karl Lötzerich umgebaut und auf 30 Register auf drei Manualen und einem Pedal erweitert. Ihre Disposition lautet:[12]

I Hauptwerk C–
1. Gedackt 16′
2. Prinzipal 8′
3. Rohrflöte 8′
4. Oktave 4′
5. Waldflöte 2′
6. Mixtur IV–V
7. Trompete 8′
Tremulant
II Rückpositiv C–
8. Spitzgedackt 8′
9. Prinzipal 4′
10. Rohrflöte 4′
11. Blockflöte 2′
12. Sesquialtera II
13. Scharff IV
14. Krummhorn 8′
Tremulant
III Brustwerk C–
15. Holzgedackt 8′
16. Spitzgedackt 4′
17. Prinzipal 2′
18. Quinte 13
19. Regal 8′
Tremulant
Pedal C–
20. Subbass 16′
21. Oktavbass 8′
22. Gedackt 8′
23. Oktave 4′
24. Nachthorn 2′
25. Posaune 16′
26. Trompete 8′

Zusätzlich verfügt die Kirche noch über eine kleine Chororgel der Firma Kemper aus dem Jahr 1957.[13]

Historischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Alter Hammer Friedhof

Östlich des Kirchengebäudes erstreckt sich der historische Friedhof mit zahlreichen Gräbern bedeutender Hamburger Persönlichkeiten, darunter Amandus Augustus Abendroth, Amalie Sieveking, Karl Sieveking und Johann Hinrich Wichern. Aufgrund seiner kulturhistorischen Bedeutung steht er seit 1923 unter Denkmalschutz.

Tochterkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Diersen: Aus der Geschichte der Hammer Dreifaltigkeitskirche, Holzminden 1957.
  • Michael Reiter: Hamburg-Hamm 1693–1993. Eine Chronik zum 300jährigen Bestehen der Hammer Dreifaltigkeitsgemeinde, Kiel 1993 ISBN 3-87503-055-9.
  • Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Junius Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 157.
  • Gertrud Schiller: Hamburgs neue Kirchen 1951 - 1961. Hrsg.: Evangelisch-lutherische Kirche Hamburg. Hans Christians Verlag, Hamburg 1961, S. 28–31, 75.
  • Karin Berkemann: "Baukunst von morgen!" Hrsg.: Denkmalschutzamt Hamburg. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-937904-60-3, S. 36 f.
  • Matthias Gretzschel: Kirchen in Hamburg: Geschichte, Architektur, Angebote. Axel Springer Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-921305-92-6, S. 60 f.
  • Friedhelm Grundmann, Thomas Helms: Wenn Steine predigen. Medien Verlag Schubert, Hamburg 1993, ISBN 3-929229-14-5, S. 135 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dreifaltigkeitskirche (Hamburg-Hamm) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg, Stand 13. April 2010 (Pdf; 915 kB) (Memento vom 27. Juni 2011 im Internet Archive) (PDF; 915 kB), Stand vom 21. November 2012, abgerufen am 29. November 2012.
  2. Diersen S. 9 ff., Reiter S. 5 ff. und 65 ff.
  3. Diersen S. 55, 63 f.
  4. a b c d Die Dreifaltigkeitskirche zu Hamburg-Hamm, Website der Hammer Kirchengemeinde, abgerufen am 29. November 2012.
  5. a b c Reiter S. 65.
  6. a b Reiter S. 68.
  7. Historische Disposition in der Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 23. April 2013.
  8. Reiter S. 68 f.
  9. a b Reiter S. 70 f.
  10. Die heute in den Horner Weg einmündende Straße „Bei der Hammer Kirche“ verlief ursprünglich vor der Kirche den Geesthang hinab bis zur Ecke Hammer Landstraße/Diagonalstraße und wurde erst in den 1960er Jahren beim Bau der U-Bahn verkürzt. Vgl. etwa diesen Hamburger Stadtplan von 1938 (R 10).
  11. Matthias Gretzschel: Kirchen in Hamburg: Geschichte, Architektur, Angebote. Axel Springer Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-921305-92-6, S. 60.
  12. Eintrag für die Hauptorgel in der Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 23. April 2013.
  13. Disposition der Chororgel auf der Orgeldatendank orgbase.nl. Abgerufen am 23. April 2013.