Dresdner Striezelmarkt

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578. Dresdner Striezelmarkt 2012
Blick auf den Striezelmarkt vom Turm der Kreuzkirche aus
Weltgrößte erzgebirgische Stufenpyramide
Der Striezelmarkt von oben

Der Dresdner Striezelmarkt ist einer der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands. Er wird seit 1434 im Advent meistens auf dem Altmarkt in Dresden veranstaltet. Vom 24. November bis 24. Dezember 2016 findet der 582. Striezelmarkt statt.

Ergänzt wird der Dresdner Striezelmarkt seit einigen Jahren durch die in unmittelbarer Nähe gelegenen, aber nicht zum eigentlichen Markt gehörenden Weihnachtsmärkte auf der Prager Straße, der Hauptstraße sowie von den nördlich benachbarten Weihnachtsmärkten „Advent auf dem Neumarkt“ vor der Frauenkirche und dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt im Stallhof.

Der Name des Striezelmarktes leitet sich vom Dresdner Stollen ab, der im Mittelhochdeutschen Strutzel oder Striezel genannt wird. Der Dresdner Striezelmarkt zieht jährlich ca. 2,5 Millionen Besucher an. Auf dem Markt gibt es ca. 230 Händler, davon 80 Prozent aus Sachsen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dresdner Striezelmarkt geht zurück auf ein Privileg, das der sächsische Kurfürst Friedrich II. am 19. Oktober 1434 ausstellte.[2] Ursprünglich handelte es sich um einen eintägigen Fleischmarkt, auf dem sich die Bewohner nach den vorweihnachtlichen Fastentagen ihren Weihnachtsbraten auswählen konnten. Später kamen weitere Verkaufswaren hinzu. Das Christbrot, auch Striezel oder Stollen genannt, gab dem am Montag vor Weihnachten stattfindenden Markt um 1500 den Namen Striezelmontag.[2]

Für den einst eintägigen Markt lohnte es sich nicht, Buden oder wettergeschützte Verkaufsstände zu errichten, daher wurden für die Striezel (Strutzel) einfache Bretter (Strutzelbretter) als Unterlage genutzt, welche der Rat zu Dresden gegen Gebühr leihweise abgab. Karren zum Transport wurden ebenfalls schon 1507 verliehen.[3]

Im 16. Jahrhundert lockte die steigende Nachfrage immer mehr Handwerker und Händler aus benachbarten Ortschaften, aus dem Erzgebirge, der Oberlausitz und aus Böhmen an. In dieser Zeit kam es auch zu ersten Streitigkeiten zwischen den ansässigen Handwerkern, Händlern und den zum Striezelmontag angereisten Verkäufern. Beschwerden, um die angereisten Händler vom Markt zu verbannen, weil diese oftmals ihre Waren billiger verkauften, wurden an den Rat zu Dresden schon 1649 gerichtet. Vorerst ohne Erfolg, denn weiterhin blieb das Feilhalten der Fremden am Striezelmontag gebräuchlich. Nebenher waren auf dem Markt zahlreiche Gaukler, Marktschreier und Liedersänger anzutreffen, ebenso Wunderdoktoren, Zahnkünstler und Bruchmeister. Später kam noch das Comödienspiel hinzu. Ab 1704 wurde die Anwesenheit von "fremden Händlern" auf dem Striezelmarkt durch einen kurfürstlichen Entscheid eingeschränkt.[3]

Nach 1700 wurde die Marktdauer verlängert und das Angebot deutlich erweitert. Mit dem Erlass vom 5. September 1721 war dann auch den fremden Händlern das Feilhalten zum Striezelmontag auf "zweene Tag nach einander hinfüro zu verstatten und deshalben das Nötige behörig zu verfügen". Der Dresdner Striezelmarkt zählte bald neben dem Nürnberger Christkindlesmarkt und dem Frankfurter Christkindchesmarkt zu den bedeutendsten deutschen Weihnachtsmärkten. Im Jahre 1706 war das Abhalten vom Striezelmarkt lange Zeit ungewiss, denn auch nach dem abgeschlossenen Friedensvertrag mit Schwedenkönig Karl XII., hielten sich dessen Truppen noch zahlreich im Lande auf.

Neben Töpferwaren bestimmten ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunehmend Spielzeugausladen mit gedrechseltem und geschnitztem „Puppenwerk“ das Bild des Marktes.[2] Besonders die sogenannten erzgebirgischen Schachtelleute bestimmten zum Ärger der Dresdner Drechslerinnung das Geschäft. Auch die Dresdner Töpfer beklagten sich oft über die angereiste Konkurrenz aus anderen sächsischen Städten. 1727 wurde den angereisten Töpfern nur ein Korb mit Ware zum Verkauf gestattet. Da die Händler nun mit größeren Körben nach Dresden kamen, prüfte ab 1728 ein Marktmeister deren Größe. Es durfte nun nicht mehr Ware im Korb sein, als in einem Korb getragen werden konnte. Grundsätzlich weggenommen wurde damals der gesamte Warenbestand, welcher durch Kontrolle beim verbotenen Hausierengehen gefunden wurde. Damit war der Streit nicht beendet. Im Jahre 1767 waren zum Beispiel die Töpfer aus Meißen vom Striezelmarkt verdrängt.

Ab 1787 konnten die Händler eine feste, d. h. nicht übertragbare und lebenslange Stelle für 16 Groschen bei der Stadtbehörde durch Eingabe erwerben. Im Jahre 1811 gab es auf dem Dresdner Striezelmarkt insgesamt 271 fest eingeschriebene Plätze. Ab dem Jahre 1791 wurde jedem Händler, der die letzten drei Märkte nicht nach Dresden gekommen war, der weitere Besuch des Striezelmarktes verboten. Der Kleinhandel auf dem Markt und in den umliegenden Straßen wurde um 1800 besonders von Kindern betrieben. Sie bereicherten den Striezelmarkt mit handgefertigten Papierlaternen, Puppen, Pflaumentoffel und anderen weihnachtlichen Gegenständen. Nach der Verordnung vom 28. November 1850 wurde den Kindern der Handel die letzten 14 Tage vor Weihnachten erlaubt.

Eine besondere Rolle nahmen die Friedrichstädter Bäcker (Dresden-Friedrichstadt) ein, welchen der Verkauf auf dem Striezelmarkt bisher untersagt war. Sie bildeten zwar seit 1765 eine zünftige Innung, doch galten sie als Fremde und wurden nicht mit ihren Verkaufsständen geduldet. Ab 1791 galten dann alle Händler aus der Stadt Dresden und deren Vorstädte als gleichberechtigt. Die Marktbestimmungen wurden streng durch die Mitglieder der Handelsinnung überwacht. Wurde ein Händler beim vorzeitigen Verkauf ertappt, dann musste dieser 10 Taler Strafe bezahlen. Die für das Jahr gültigen Marktbestimmungen wurden ab 1864 im Dresdner Anzeiger veröffentlicht. Ab 1879 durften die Inhaber von Christmarktständen nur ihre Angehörigen oder Personen zum Verkauf beschäftigen, welche sich in ihren persönlichen Diensten befanden, oder die in der Stadt Dresden wohnten. Bei Zuwiderhandlung drohte das Schließen vom Stand und eine Geldstrafe von bis zu 60 Mark.

Ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts fand der Dresdner Striezelmarkt nicht immer am Altmarkt statt. Der Standort wechselte und wurde oft in der Neustadt am Goldenen Reiter und auf der Hauptstraße abgehalten.

Der Dresdner Striezelmarkt hatte oft prominenten Besuch. Am Abend des 22. Dezember 1852 wurde der Kaiser Franz Joseph von Österreich von der Königlichen Familie über den Striezelmarkt geführt. Einige Mitglieder der königlichen Familie besuchten regelmäßig den Striezelmarkt.[3]

1945 bis 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der traditionelle Dresdner Striezelmarkt musste nach der Zerstörung der Innenstadt und ihren Plätzen für einige Jahre in die Dresdner Stadthalle am Nordplatz ausweichen. Dort fand 1945 eine Weihnachtsmesse und ab 1946 gleichzeitig ein Striezelmarkt mit Weihnachtsmesse statt. Im Erdgeschoss der Halle waren nach alter Sitte Verkaufsbuden aufgestellt und in der oberen Etage stellte das Spielzeugmuseum Sonneberg/Thüringen einige Exponate aus. Daneben wurde auch selbstgebasteltes Spielzeug von Schülern zur Schau gestellt. Im zweiten Stock gab es meist eine Modelleisenbahnanlage zu bewundern. Weihnachtsmesse und Striezelmarkt fanden in der DDR über viele Jahre gleichzeitig statt. Im Jahre 1967 waren bereits wieder 87 Verkaufsbuden zum Striezelmarkt rings um den Altmarkt aufgestellt. Eröffnet wurde der Striezelmarkt in dieser Zeit mit dem Anschneiden eines zwei Meter langen Stollens.

Auch in der Zeit von 1954 bis 1976 wechselte der Dresdner Striezelmarkt oft seinen Standort: Theaterplatz, Altmarkt, Webergasse, Wallstraße, Gewandhausstraße, Weiße Gasse und Kreuzstraße. Für einige Jahre zog der Striezelmarkt dann in die damaligen Ausstellungshallen am Dresdner Fučíkplatz (Straßburger Platz) um, kehrte aber 1977 wieder zum Altmarkt zurück.

Im Jahre 1973 verzeichnete man bereits am 9. Dezember über 270.000 Besucher. Besuchermagnet war meist ein riesiger Adventskalender. Weitere Kennzeichen waren damals ein Schnee-, ein Berg- und ein Räuchermann sowie ein Pflaumentoffel von sieben Meter Höhe. Zwischen dem Striezelmarkt und der Kreuzkirche am Altmarkt existierte eine enge Verbindung, u. a. durch die Veranstaltungen „Adventsmusik zum Striezelmarkt“ in der Kreuzkirche.

Es gab oft ein Sonderpostamt mit Sonderstempel der Deutschen Post der DDR auf dem Dresdner Striezelmarkt, welches Sammler und Besucher gern für ihre Weihnachtspost nutzten. Das Reisebüro der DDR bot Sonderfahrten mit Bus und Bahn zum Dresdner Striezelmarkt an.[4]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2004 beginnt der Striezelmarkt mit einem ökumenischen Gottesdienst in der benachbarten Kreuzkirche, den der Dresdner Kreuzchor und die Dresdner Kapellknaben musikalisch gestalten.

Als Höhepunkt des Marktes feiert man am Sonnabend vor dem 2. Advent seit 1994 das Dresdner Stollenfest, für das ein Riesenstollen gebacken wird. Dieser wird in einer Zeremonie dann auf dem Dresdner Striezelmarkt angeschnitten. Der Erlös kommt einem guten Zweck zugute. Weiterhin gibt es das Pflaumentoffelfest, das Pfefferkuchenfest, das Pyramidenfest und das Schwibbogenfest. Auch öffnet der Weihnachtsmann täglich für die Kinder eine Tür im Adventskalender, hinter denen sich Bilder befinden.

In der Mitte des Platzes steht mit 14,62 Meter Höhe die weltgrößte erzgebirgische Stufenpyramide. Sie wurde 1999 in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Die Figuren sind aus sächsischen Hölzern wie Buche, Ahorn und Esche gefertigt und bis zu 1,80 Meter groß. Die Kosten für die Pyramide betrugen 250.000 D-Mark.[5]

Das Tor zum Dresdner Striezelmarkt bildet der größte begehbare erzgebirgische Schwibbogen der Welt. Er ist 13,5 Meter breit und mehr als fünf Meter hoch.

Auf dem Markt wird unter anderen Holzschnitzerei aus dem Erzgebirge angeboten (Erzgebirgische Volkskunst). Ebenso kann man Pulsnitzer Pfefferkuchen, Dresdner Stollen und Pflaumentoffel kaufen. Letzteres sind kleine Männchen aus Backpflaumen, die erstmals 1801 erwähnt wurden. Der Glücksbringer ist den kleinen, oft erst sieben Jahre alten Schlotfegerjungen mit Umhang und Leiter nachgebildet, die mit ihren Kehrbesen in die Kamine kletterten, um diese von innen zu reinigen.[6]

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fortlaufende Zählung des seit 1434 regelmäßig im Advent auf dem Altmarkt in Dresden veranstalteten Striezelmarktes lässt ein Jahr vermissen. Welches genau das war, ist jedoch nicht bekannt. Der Dresdner Maler Julius Otto Fritzsche hat den Striezelmarkt auf dem Gemälde Der Dresdner Striezelmarkt am Goldenen Reiter in der Neustadt, im Jahre 1910, stimmungsvoll dargestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. Hantzsch, Geschichte des Dresdner Christmarkts, Mitteilungen des Vereins für Geschichte Dresdens, Achtes Heft, 1888.
  • Heidrun Wozel: Der Dresdner Striezelmarkt. Geschichte und Tradition des ältesten deutschen Weihnachtsmarktes. Husum Verlag, Husum 2009, ISBN 978-3-89876-455-1.
  • Monika Grützner: Der Dresdner Striezelmarkt - Impressionen. (Fotografische Impressionen, aufgenommen von erfahrenen Freizeitfotografen des Fotoklub EXAKTA Dresden), Verlag edition nordwest, Dresden 2010, ISBN 978-3-9813657-2-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dresdner Striezelmarkt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sächsische Zeitung vom 11. November 2014.
  2. a b c H. Wozel: Der Dresdner Striezelmarkt. Geschichte und Tradition des ältesten deutschen Weihnachtsmarktes. Husum Verlag, Husum 2009, S. 7–10.
  3. a b c A. Hantzsch, "Geschichte des Dresdner Christmarkts", Mitteilungen des Vereins für Geschichte Dresdens, Achtes Heft, 1888
  4. Neue Zeit vom 7. Dezember 1950, Berliner Zeitung vom 25. November 1967, Neues Deutschland vom 1. Dezember 1969, Neues Deutschland vom 1. Dezember 1973, Neue Zeit vom 19. Dezember 1987.
  5. Sarah Grundmann: Tradition im XXL-Format. In: Sächsische Zeitung. 14. Dezember 2015.
  6. R. Hanusch: Sächsische Pflaumentoffel: Schwarz, klebrig und zuckersüß. Husum Dr.- und Verl.-Ges., Husum 2011.