Drewer

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Eine Beschreibung des Stadtteils von Marl befindet sich unter Drewer (Marl)

51.50074788.3719715294Koordinaten: 51° 30′ 3″ N, 8° 22′ 19″ O

Drewer
Stadt Rüthen
Wappen von Drewer
Höhe: 294 m
Fläche: 7,23 km²
Einwohner: 710 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 59602
Vorwahl: 02952
Blick auf Drewer

Blick auf Drewer

Drewer ist ein Stadtteil in der Stadt Rüthen im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen. Zum 31. Dezember 2013 hatte die Ortschaft 710 Einwohner.[1]

Lage[Bearbeiten]

Drewer liegt ca. 350 m über NN am Haarstrang und befindet sich nordöstlich von Belecke (Stadt Warstein). Die Gemarkung des Ortes hat eine Fläche von 7,23 km². Damit betrug die Einwohnerdichte 2009 108 Einwohner je km².

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort Drewer wurde erstmals im Jahre 793/795 urkundlich erwähnt. Der Name entstammt dem Begriff „trevere“, was so viel wie drei Männer bzw. drei Höfe bedeutete. Der Name „Treveresgau“ taucht 793/795 im Güterverzeichnis des Ludgerusklosters in Werden an der Ruhr auf (siehe hierzu das Jubiläumsbuch "250 Jahre St. Hubertus-Kirche Drewer" von 1987). "Treveresgau" ist zurückzuführen auf "thire, thrire, treuere, trevere", urspr. "triburi" und bedeutet ebenfalls Siedlung aus drei Gehöften, in einer Urkunde von 1020 auch als Haupthof in Drewer bezeichnet. Diese Ansiedlung der ersten drei Hofstellen befand sich an einer Quelle. Dieser sog. „Born“ sprudelt noch heute an der Milchstraße in der Ortsmitte. Die Geschichte der ersten Siedlung ist dort am eingefassten Wasserlauf in einer Steinskulptur dargestellt. Drewer gehörte seit 1536 zum Gogericht Rüthen im kurkölnischen Herzogtum Westfalen. In den 1590er Jahren wurde Drewer von der damaligen Hexenverfolgung heimgesucht. Im Jahre 1732 wurde der Schützenverein Drewer gegründet. 1737 wurde eine Kapelle zu Ehren des Hl. Hubertus erbaut. 1802 erfolgte die Annexion des Herzogtums Westfalens an Hessen-Darmstadt. Die Gografschaften wurden aufgelöst und 1811 entstand der Schultheißbezirk Drewer. 1815 kam Drewer an das Königreich Preußen und 1816 zum Kreis Lippstadt. 1826 entstand hieraus die Gemeinde Drewer, die der Bürgermeisterei Rüthen unterstellt wurde. 1837 löste sich die Bürgermeisterei Rüthen auf und Drewer kam in das Amt Altenrüthen. Dieses wurde 1937 in "Amt Rüthen" umbenannt. In den Jahren 1936-38 wurde die Kapelle nach Norden hin zu einer Kirche in Basilikaform erweitert. 1966 erhielt die Kirche in Drewer eine neue Orgel. 1974 wurde die Schützenhalle eingeweiht. Am 1. Januar 1975 erfolgte mit der Gebietsreform (kommunale Neugliederung) die Eingliederung der Gemeinde Drewer in die Stadt Rüthen.[2] Zu dieser Zeit vergrößerte sich die Ortschaft um zwei Neubaugebiete im Norden zum Haarstrang sowie im Osten „Am Wiggestät“, was sich auch im Zuwachs der Einwohnerzahl widerspiegelt. In den Jahren 1996/97 wurde die Schützenhalle um einen Gemeinschaftsraum erweitert. 1997 erfolgte eine umfangreiche Innenrenovierung der Kirche, wobei der alte Teil die alte Hubertuskirche restauriert und alte Fresken (von 1912?) unter den drei Rundbögen des zweijochigen Sterngewölbes wieder freigelegt wurden. Der goldfarbene Barockaltar kam 1998 in die frisch renovierte Kirche.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1861: 349 Einwohner
  • 1939: 481 Einwohner
  • 1950: 586 Einwohner
  • 1961: 513 Einwohner
  • 1970: 609 Einwohner
  • 1974: 661 Einwohner
  • 1975: 649 Einwohner
  • 1990: 813 Einwohner
  • 2000: 784 Einwohner
  • 2006: 770 Einwohner
  • 2009: 780 Einwohner
  • 2011: 720 Einwohner
  • 2013: 710 Einwohner
  • 2014: 703 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Ortsvorsteher ist Bernd Cordes (SPD).

Freizeit und Sport[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

  • Karnevalsverein Drewer
  • Katholische Landjugendbewegung [KLJB]
  • kfd Drewer
  • Landfrauenverein Drewer
  • Landwirtschaftlicher Ortsverein
  • Musikkapelle Drewer
  • Sportverein Drewer Breitensport e. V.
  • Schützenverein St. Hubertus Drewer e. V.

Der Schützenverein nimmt auch in diesem Ort eine zentrale Funktion ein. In der Ortsmitte wurde 1974 die St.-Hubertus-Schützenhalle in Eigenleistung der Schützen errichtet. Sie dient als Mehrzweckhalle mit einem Sportboden vielen Aktivitäten aller ortsansässiger Vereine sowie Ferienfreizeiten von Jugendorganisationen. 1997 wurde das Gebäude um einen zeitgemässen Gesellschaftsraum erweitert. Die Karnevalsvereine und Gruppierungen nehmen in jedem Jahr mit zahlreichen Wagen und Fußgruppen am Rosenmontagszug in Belecke teil. Außerdem werden in jedem Jahr zwei Kappensitzungen veranstaltet, deren Programm sich größtenteils aus heimischen Akteuren zusammenstellt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In einem Stollen bei Drewer – „Vollands Knapp“ genannt – wurden kleinere Mengen Kohle abgebaut. Sie diente dem örtlichen Schmied als Brennstoff. Im 19. Jahrhundert wurde in zwei Steinbrüchen außerhalb des Ortes Quarzgestein für den Straßenbau abgebaut. In der Ortsmitte befand sich lange Jahre eine Molkerei, dessen Gebäude später einer Spezialschraubenfabrik diente. Ende der fünfziger Jahre baute die bäuerliche Genossenschaft ein großes Wirtschaftsgebäude.

Im Zuge von Strukturveränderungen des ländlichen Raumes verlor der Ort Grundschule, Postfiliale und Geldinstitut. Die landwirtschaftliche Genossenschaft fusionierte und siedelte, wie auch die Fabrik, in ein Gewerbegebiet aus. Das Wirtschaftsgebäude wurde abgerissen, es entstanden Bauplätze. Das einzig verbliebene Lebensmittelgeschäft schloss, ebenso wie der Gasthof des Ortes. Aktuell ist Drewer ein von der Landwirtschaft geprägter Ort, wenngleich von einer Vielzahl (noch bis in die frühen 1980er Jahre) aktiv bewirtschafteter Höfe, nur noch wenige große Betriebe arbeiten. Zahlreiche Ackerflächen in der Feldflur am Haarstrang sind nun Standorte für Windräder zur Energiegewinnung und gehören zu NRWs größtem Windpark. In den Hallen der Spezialschraubenfabrik siedelten im Laufe der Zeit neue Unternehmen an, so findet sich jetzt ein Transport und Containerservice sowie ein Veranstaltungsservice in den Gebäuden.

Bildung[Bearbeiten]

Drewer besaß eine Dorfschule, neben der (katholischen) St.Hubertus Kirche. Später dann eine Grundschule mit einem Einzugsbereich der umliegenden Dörfer Effeln (bis 1975) Menzel und Altenrüthen. Die Schule wurde aufgrund stetig sinkender Schülerzahlen, bedingt durch den demographischen Wandel zum Schuljahresende 2005/2006 geschlossen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Am 31.März 2011 beschloss die Stadtvertretung Rüthen eine sozialethische Rehabilitation der im Bereich der heutigen Stadt Rüthen während des 16. und 17. Jahrhunderts im Rahmen der Hexenverfolgungen unschuldig verurteilten und hingerichteten Personen.

Literatur[Bearbeiten]

Geschichte der Stadt Rüthen. Im Auftrag der Stadt Rüthen herausgegeben von Wolfgang Bockhorst und Wolfgang Maron. Paderborn 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Rüthen: Ortschaften, abgerufen am 8. September 2014
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 335.