Drobyzkyj Jar

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Eine siebenarmige Menora als Denkmal für die Opfer in Drobyzkyj Jar (2007)

Drobyzkyj Jar (ukrainisch Дробицький Яр; russisch Дробицкий Яр)/Drobizki Jar ist eine Schlucht im Osten der ukrainischen Stadt Charkiw (russ. Charkow), in der während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg bis 1943 Massenerschießungen vorgenommen wurden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Wehrmacht besetzte Charkiw am 24. Oktober 1941. Bereits am 5. Dezember begann eine Volkszählung, bei der die Juden in besondere Listen eingetragen wurden. Am 14. Dezember 1941 wurden sie auf Befehl des Generalleutnants Alfred von Puttkamer gezwungen, sich innerhalb von zwei Tagen in einem Ghetto aus ehemaligen Arbeiterbaracken der Traktorenfabrik zu versammeln. Täglich wurden von dort Gruppen von 250 bis 300 Menschen zur Erschießung nach Drobyzkyj Jar gebracht. In dem zusätzlich eingesetzten Gaswagen wurden hauptsächlich Frauen und Kinder getötet.

Kurz nach Einnahme der Stadt übernahm der Stab des LV. Armeekorps die Funktion als Stadtkommandantur. Die 57. Infanterie-Division wurde als Sicherungstruppe eingesetzt. Der Kommandeur der 57. Infanterie-Division, Generalmajor Anton Dostler, fungierte bis 13. Dezember als Stadtkommandant, als Charkow dann Heeresgebiet wurde und Alfred von Puttkamer das Amt des Stadtkommandanten übernahm. Die Administration der Stadt fiel in das Aufgabengebiet der Stadtkommandantur und der Feldkommandantur 757. Am 14. Dezember befahl der Stadtkommandant, die jüdische Bevölkerung in einer Siedlung vor Charkow zu sammeln. In zwei Tagen sammelten sich dort rund 20.000 Juden. Das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C der SS, welches hinter der Frontlinie operierte, erschoss die ersten dieser Juden noch im Dezember. Nachkriegspropaganda berichtete davon, dass in dieser Siedlung die meisten Juden angeblich durch sog. „Gaswagen“ getötet worden seien, doch eine derart große Menge an „Gaswagen“, dazu noch unmittelbar hinter der Front, ist sehr unwahrscheinlich. Demnach wurden die meisten von ihnen erschossen oder erhängt.

Im Frühjahr 1942 wurde das Ghetto geschlossen. In der Folgezeit wurden in Drobyzkyj Jar sowjetische Kriegsgefangene sowie psychisch kranke Menschen erschossen.

Nach Angaben des Staatsarchivs der Oblast Charkiw wurden etwa 16.000 Menschen in Drobyzkyj Jar ermordet.

Die Gedenkstätte für die Opfer des Massenmordes in Drobyzkyj Jar wurde 2002 eingeweiht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drobyzkyj Jar Gedenkstätte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.93299636.439874Koordinaten: 49° 55′ 59″ N, 36° 26′ 24″ O