Drove

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Koordinaten: 50° 43′ 51″ N, 6° 30′ 50″ O

Drove
Gemeinde Kreuzau
Höhe: 176 m
Fläche: 4,81 km²
Einwohner: 2132 (31. Okt. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 443 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 52372
Vorwahl: 02422
Fachwerkhaus an der Drovestraße

Drove ist ein Ortsteil der Gemeinde Kreuzau im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drove liegt zwischen der Zülpicher Börde und dem Eifelnordrand in der Rureifel im Naturpark Nordeifel. Nachbarorte sind Boich, Thum, Kreuzau und Soller. Direkt an Drove grenzt das Naturschutzgebiet Drover Heide, das 2004 unter Schutz gestellt wurde, nachdem der dortige Truppenübungsplatz aufgehoben worden war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drove ist uralter Siedlungsraum. Bodenfunde lassen auf eine keltoromanische Besiedlung schließen.

Zwischen 1450 und 1700 wurde am Drover Berg am Nordhang der Mausauel reger Bergbau auf Blei, Kupfer und Eisen betrieben. Hier wurde schon zu Zeiten der Römer geschürft.

Früher war Drove eine eigene Herrschaft im Herzogtum Jülich. In der Nähe der Kirche sind heute noch die Reste einer Motte zu sehen, einer frühen Befestigung. Zwischen 1728 und 1741 wurde in der unmittelbaren Nähe von den Herren von Drove die heutige Burganlage neu errichtet. Im Giebelfeld der Torburg befindet sich neben der Jahreszahl 1741 auch das Wappen der Erbauer, derer von Rohe und von Blanckart.

Die Herrschaft wurde in der Franzosenzeit dann zur Mairie (im Canton Froitzheim und Arrondissement d’Aix-la-Chapelle) und unter Preußen Bürgermeisterei/Amt.

Nach Auflösung des Amtes Drove im Jahre 1932 kam der Ort als selbständige Gemeinde zum Amt Kreuzau. Am 1. Juli 1969 wurde die Gemeinde Drove mit sechs weiteren Orten in die Gemeinde Kreuzau eingegliedert.[2]

Tunnelaquaedukt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Drove und Soller verläuft ein römischer Tunnel. Er ist eines der bedeutendsten Bodendenkmäler des Landes. Der einzig bekannte antike Tunnelbau in Nordrhein-Westfalen ist 1.660 Meter lang und führt durch den Drover Berg. Er diente zur Wasserversorgung einer römischen villa rustica bei Soller mit Wasser aus dem Heiligen Pütz (Helje = Hügel), einer römischen Quellfassung.[3] Man hat den Tunnel, wie in der Antike üblich, nicht nur von den beiden Mundlöchern aus gebaut, sondern zusätzlich rund hundert Bauschächte angelegt, mit deren Hilfe eine sehr hohe Genauigkeit des Verlaufs erzielt werden konnte. Diese Bauschächte sind heute noch teilweise als Erdtrichter sichtbar. Der Drover-Berg-Tunnel-Wanderweg wurde durch eine Förderung der Konejung Stiftung: Kultur errichtet und am 13. September 2009 offiziell eröffnet[4]. Das römische Tunnelbauwerk gilt als einzigartig in Nordrhein-Westfalen.

Siehe auch Drover-Berg-Tunnel

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche in Drove

Die neugotische dreischiffige Hallenkirche ist dem hl. Martin geweiht. Sie wurde 1929 neu errichtet. Aus dem spätgotischen Vorgängerbau aus dem 16. Jahrhundert ist noch der nördliche Nebenchor erhalten. Im südlichen Chor steht eine Mensa, ein Altartisch aus dem 12. Jahrhundert. Das Patrozinium St. Martin lässt noch ältere Vorgängereinrichtungen vermuten.

Siehe auch: St. Martin (Drove)

Ehemalige jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Drove eine große jüdische Gemeinde. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Juden bereits 1938 nach Lendersdorf in ein Sammellager gebracht und nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges von dort aus (1942) in das eroberte Polen deportiert und dort umgebracht. Zwischen Drove und Thum gibt es einen jüdischen Friedhof. Die in der Pogromnacht um den 9. November 1938 niedergebrannte Synagoge wurde nach dem Kriege nicht wieder aufgebaut. An diese Dinge erinnert ein Gedenkstein am Platz der alten Synagoge.[5]

Heinrich Böll, der im vier Kilometer entfernten Langenbroich eine Zeit lang wohnte, hat ein Essay über diese Ereignisse geschrieben.[6]

Hauptartikel: Synagoge Drove

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang des Ortes führt die L249 von Kreuzau nach Nideggen. Die Bundesstraße 56 verläuft parallel jenseits der Heide und verbindet mit Düren beziehungsweise Euskirchen und den Autobahnauffahrten der A 4 und A 1. Der Ort wird durch Busse der Dürener Kreisbahn erschlossen.

Schule, Kindergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Drove gibt es eine Gemeinschaftsgrundschule. Der Kindergarten im Ort wird von der Pfarrgemeinde (Kirchengemeindeverband Kreuzau/Hürtgenwald) betreut und bietet Platz für zwei Gruppen, also 50 Kinder.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einer Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Kreuzau gibt es im Dorf eine Gymnastikgruppe, den Heimat- und Geschichtsverein, einen Sportverein, eine Karnevalsgesellschaft, den Kirchenchor, einen Mandolinenclub, die Sportschützen, eine St. Matthiasbruderschaft und ein Tambourcorps sowie eine Maigesellschaft.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Grewe, Historische Tunnelbauten im Rheinland. Materialien zur Bodendenkmalpflege im Rheinland 14 (Köln 2002).
  • Klaus Grewe, Der Aquaedukttunnel durch den Drover Berg bei Vettweiß-Soller, Kreis Düren. Ausgr. Rheinland '81/82, 1983, 159-163.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Drove – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.kreuzau.de/ug/zadafa/index5.php
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 98.
  3. Peter Squentz: Tippeltour 269, Pause am Heiligen Pütz in Kölner Stadtanzeiger 22./23. Dezember 2007
  4. Mit-dem-Handy-in-die-Roemerzeit
  5. Squentz
  6. Heinrich Böll: Die Juden von Drove, in Bd. 22 des Gesamtwerkes, Köln 1984