Drugpa Künleg

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Drugpa Künleg (འབྲུག་པ་ཀན་ལེགས་; tib.: 'brug pa kun legs; auch: Künga Legpa, tib.: kun dga' legs pa; * 1455 im Ralung-Kloster, Lhasa; † 1529 (Lexikon der östlichen Weisheit: * 1455; † 1570)) war ein Meister des Mahamudra der Drugpa-Linie des tibetischen Buddhismus.[1] Er gilt als früher Befreier der Sexualität.[2]

Überlieferungen zum Leben Drugpa Künlegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drugpa Künlegs Vater wurde ermordet. 1458 beschämte er als Kleinkind Schriftgelehrte, da er fließend lesen konnte. Er wurde Novize in einem Kloster. Drugpa Künlegs Mutter verlangte 1500 von ihm, sich eine Gattin zu suchen. Auf einem Markt fand er eine zahnlose 100-jährige, die er seiner Mutter als zukünftige Gattin vorstelle. Daraufhin wollte seine Mutter lieber die Pflichten einer Schwiegertochter selber übernehmen. Drugpa Künleg forderte von seiner Mutter den ehelichen Beischlaf, mit deren Zusage er das Bett verließ und verkündete auf dem Markt:

Hört ihr Leute! Jeder kann, wenn er will, seine Mutter verführen.[2]

Drugpa Künleg durchwanderte anschließend Bhutan. In Lhasa traf auf er Bauern, Nomaden, Händler, Pilger, Lamas, Newaris, Ladakhis, Inder, Tibeter, Chinesen, Mongolen und Näldschorpas. Bekam Drugpa Künleg Schmuck geschenkt, gab er dieses Geschenk wieder an seinen Schenker zurück. Er behauptete in der Hölle gewesen zu sein, doch sein Weg dorthin sei von Mönchen des Klosters Sera vollgestopft gewesen. Zudem glaubte er daran, beim Einschlafen einer Zeremonie wieder als Tier zu reinkarnieren. Darmwinde verkniff er sich nicht, sondern wedelte sie an Mönchsnasen vorbei, um zu prüfen, ob sie gute Buddhisten seien. Babygeschrei signalisierte er als eindringendes Vaterglied in die Mutter.[2]

Mit der minderjährigen Nonne Tsewang Pälzom verkehrte er dreimal im Straßengraben. Gastgebende Eltern boten Drugpa Künleg stets ihre Tochter an. Seine Liebe zum Dschang(Reis-Getreide-Bier) erklärte er damit, dass er früher eine Biene gewesen sei, seine Faulheit begründete er damit, dass er früher mal ein Schwein gewesen sein, seine mangelnde Manieren erklärte er damit, dass er früher einmal ein Affe gewesen sei, sein fehlendes Schamgefühl erklärte er damit früher verrückt gewesen zu sein.[2]

Ochsen- und Ziegenfleisch genoss Drugpa Künleg nur wenn er dem verspeisten Tier das Leben wiedergeben konnte.[2]

In Pälnashog traf er den Greis Sundar, der ein Rollbild Drugpas angefertigt hatte, dem jedoch der goldene Rand fehlte. Drugpa Künleg urinierte kurzerhand auf das Bild und der Lama-Urin bildete den Goldrand.[2]

Attentate auf Drugpa durch Vergiftung und Pfeile überlebte er. Dass er einen Speer verknotete machte ihn im Lande berühmt. Einem Dämon aus Wodö rammte er seinen Penis, den flammenden Donnerkeil der Weisheit, in den Mund ein. Der Dämon verlor acht Zähne und trat zum Buddhismus über.[2]

Bis zu seinem 115. Lebensjahr soll Künleg mit 5000 Frauen Geschlechtsverkehr gehabt haben.[2]

Überliefert ist von Drugpa Künleg sein Briefwechsel mit dem Todesgott Yama.

Anekdoten des Drugpa Künleg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als „heiliger Narr“ (smyon) hat er Eingang in die mündliche Erzählliteratur in Tibet und im Himalaya, insbesondere Bhutan, gefunden. In diesen Geschichten von Drugpa Künleg gibt er den Menschen – ganz im Sinnes eines weisen Yogi – Belehrungen durch unkonventionelles Verhalten. Dabei werden häufig Begierden und andere im Buddhismus als Grundübel bezeichnete Gefühle aufgedeckt.

Wie bei Onkel Tönpa handelt es sich zum Teil um sexuelle Inhalte, jedoch nicht im gleichen Umfang. Darüber hinaus gibt es längere Erzählungen und kürzere, meist lustige Geschichten, deren Witz dem europäischen Zuhörer mitunter nicht spontan klar wird. Wer mit der politischen und Sozialgeschichte vertraut ist, wird darin allerdings häufig mehr oder weniger offene Gesellschaftskritik entdecken.

Lehre des Drugpa Künleg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drugpa Künleg lebte als freier Yogi in Tibet. Äußerlich lebte er nach seinem Vergnügen und innerlich nach einem klaren spirituellen System. Äußerlich war er heiter, liebte das Bier und die Frauen. Innerlich wirke er zum Wohle aller Wesen. Äußerlich schien er maßlos zu sein, aber innerlich tat er alles im richtigen Moment. Äußerlich war er ein zerlumpter Bettler und innerlich ein glückseliger Buddha im ewigen Licht. Er verband Spiritualität und Lebensfreude.

Drugpa Künleg stellte die Lehre von den drei Vergnügen auf:

Eine junge Frau findet Vergnügen an der Liebe.

Ein junger Mann findet Vergnügen am Sex.

Ein alter Mann findet Vergnügen an seinen Erinnerungen.

Wer die Wahrheit nicht kennt, der ist verwirrt. Wer keine Ziele hat, erbringt keine Opfer. Wer keinen Mut hat, wird kein Yogi. Das ist die Lehre von den drei fehlenden Dingen. Auch wenn ein Mensch den Weg der Weisheit kennt, ohne zu praktizieren erfolgt keine Verwirklichung. Auch wenn ein Meister dir den Weg zeigt, gehen musst du ihn selbst.[3]

Bemerkenswert ist auch sein Ausspruch: Ich lese die Bücher aller spirituellen Richtungen und praktiziere alles im richtigen Moment. Das Leben ist mein Lehrmeister und meine innere Weisheit, mein Führer.[3] Darin wird deutlich, dass er viele religiöse Bücher gelesen hat, sich aber in seiner eigenen Wahrheit verankerte und so seinen Weg der spirituellen Selbstverwirklichung fand.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das wundersame Leben eines verrückten Heiligen (竹巴衮烈传记), ’Brug pa kun legs

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Keith Dowman: Der heilige Narr - Das liederliche Leben und die lästerlichen Gesänge des tantrischen Meisters Drugpa Künleg. Barth, Frankfurt a. M. 2005, ISBN 978-3-502-61159-2.
  • Georg Feuerstein: Heilige Narren. Wolfgang Krüger, Frankfurt a. M. 1996, ISBN 3-8105-0632-X, S. 90–97.
  • Yonten Dargey: History of the Drukpa Kagyud School in Bhutan. Thimphu 2001, ISBN 99936-616-0-0, S. 91–110.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Biographie des Yogi der Drugpa-Linie vgl. die englische Seite Drukpa Kunley
  2. a b c d e f g h Ulrich Holbein: Narratorium. 255 Lebensbilder. Ammann Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-250-10523-7. S. 448 f.
  3. a b Dowman, Ehrhard (Übers.): Der heilige Narr. Frankfurt a. M. 2005