Dschunkensegel

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Eine Dschunke in Hongkong (bei diesem Schiff wird an jeder Segellatte eine eigene Schot geführt)

Ein Dschunkensegel ist ein im ostasiatischen Raum verbreitetes, voll durchgelattetes, meist vier- oder fünfeckiges Segel.

Ähnlich dem Luggersegel überragt ein Teil des Segels den Mast nach vorn. Das Segel wird an einer Spiere geheißt. Die Latten sind ursprünglich aus Bambus, manchmal aus biegsamem Holz, moderne Varianten gibt es auch aus Aluminiumlegierungen oder Kunstfaser (GFK, CFK). Die unterste Latte ist oft schwerer und stabiler, z. B. aus Holz statt Bambus oder mit Blei oder Eisen beschwert, und ersetzt den Baum.

Zum Reffen und Bergen werden die Latten einfach aneinander gebunden. Das Dschunkensegel kommt mit weniger und einfacherer Technik aus, bietet aber am Wind ähnlich guten Auftrieb (Tragflügel-Effekt wegen Durchlattung) und raumschots oder vor dem Wind eine größere Fläche als ein modernes dreieckiges Bermudasegel. Deshalb ist es oft das einzige Segel auf Dschunken-getakelten Seglern.

Wegen der

  • einfachen Handhabung,
  • Vielseitigkeit (gute Leistung auf allen Kursen zum Wind),
  • Robustheit (Low-Tech),
  • geringem Preis (Low-Tech, keine weiteren anders geschnittenen Segel nötig),
  • und geringerer Unfallgefahr (kein Baum)

wird es auch in der westlichen Welt von einigen Langfahrten-Seglern geschätzt.

Wenden können sehr einfach gefahren werden. Auch die Gefahr einer Patenthalse ist deutlich verringert. Das Reffen ist einfach, schnell und kommt ohne Reffbändsel aus. Zum Segelsetzen muss nicht in den Wind gedreht werden. Vor dem Wind ist das Dschunkensegel einem Bermudasegel meist überlegen; auf Am-Wind-Kursen ist es meist weniger leistungsfähig. Letzteren Nachteil verringert man seit einigen Jahren, indem ein aerodynamisches Profil (camber) in das Segel eingenäht wird. Der Mast eines Dschunkensegels ist in der Regel freistehend. Oft ist er um einige Grad zum Bug hin geneigt, was Wenden vereinfacht. Durch gleichmäßigere Verteilung der Windkräfte über das Segel auf den Mast kommt dieser in der Regel ohne Stehendes Gut aus. Aus dem gleichen Grund wird das Segeltuch weniger beansprucht und kann aus leichterem Material gefertigt werden.

Nachteilig ist das schwerere Aufheißen (Hochziehen), da die obere Spiere mit hochgezogen werden muss. Die größere Anzahl an Schoten ist dagegen kein Nachteil, denn diese werden nur zum Trimmen des Segels gebraucht.

Nach westlicher Kategorisierung kann das Dschunkensegel als eine Abart des Luggersegel gesehen werden – es gibt aber gravierende Unterschiede, die das Dschunkensegel als eigenständigen Segeltyp ausweisen:

  • volle Durchlattung
  • Schoten an jeder oder den meisten Latten
  • kein Baum

Siehe auch: Dschunke

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hasler / McLeod: Practical Junk Rig: Design, Aerodynamics & Handling.
  • Annie Hill: Voyaging on a small income