Duale Hochschule Baden-Württemberg

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Duale Hochschule Baden-Württemberg
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Gründung 1. März 2009
Trägerschaft staatlich
Ort zwölf Standorte
Bundesland Baden-Württemberg
Land Deutschland
Präsident Arnold van Zyl
Studenten 33.717 (WS 2016)[1]
Mitarbeiter 2.004
davon Professoren ca. 650 (WS 2015)[1]
Jahresetat 203 Mio. (2015)[2]
Website www.dhbw.de
Duale Hochschule Baden-Württemberg (Baden-Württemberg)
Bad Mergentheim
Bad Mergentheim
Heilbronn
Heilbronn
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Horb
Horb
Standorte der DHBW (rosa: Außenstellen)
DHBW Stuttgart
DHBW Mannheim
DHBW Lörrach

Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ist seit dem 1. März 2009 eine staatliche duale Hochschule in Baden-Württemberg, die duale Studiengänge anbietet. Sie ist die größte Hochschule des Landes[3] und, wie die meisten Hochschulen in Baden-Württemberg, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Die Einrichtung umfasst als staatliche Institution die rechtlich unselbständigen Studienakademien[4] Heidenheim, Karlsruhe, Lörrach, Mannheim, Mosbach mit der Außenstelle Bad Mergentheim, Ravensburg mit der Außenstelle Friedrichshafen, Stuttgart mit der Außenstelle Horb sowie Villingen-Schwenningen und den seit 2014 von Mosbach unabhängigen Standort Heilbronn.[5] Das System der mehrere Standorte umfassenden Hochschule wurde in Anlehnung an das US-amerikanische state university system gestaltet.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß der Koalitionsvereinbarung vom 5. Mai 2006 wurden die bestehenden Berufsakademien in die Duale Hochschule Baden-Württemberg umgewandelt. Durch Beschluss des Landtages vom 3. Dezember 2008 wurde das Landeshochschulgesetz zum 1. März 2009 entsprechend geändert. Der Wegfall des Hochschulrahmengesetzes eröffnete den notwendigen rechtlichen Spielraum, die Berufsakademie ohne Verzicht auf deren bisherige Strukturmerkmale umzuwandeln.[6] Präsidenten waren bisher Hans Wolff (Gründungspräsident, 2009–2010) und Reinhold R. Geilsdörfer (2010–2016). Seit dem 1. Februar 2016 amtiert Arnold van Zyl als Präsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.[7]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das duale Studium besteht aus einem akademischen Studium sowie einem Praxisteil, der in einem externen Betrieb stattfindet. Theorie- und Praxisphasen sind miteinander inhaltlich verknüpft und wechseln im Rhythmus von etwa drei Monaten.

Der Betrieb, auch als Dualer Partner bezeichnet, kann ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung sein, der von der Hochschule als personell und sachlich geeignet befunden wurde. Die Bewerber schließen einen dreijährigen Ausbildungsvertrag mit dem Dualen Partner ab, bei dem die Hälfte der Ausbildung stattfindet. Der Ausbildungsvertrag wird vom Land vorgegeben und ist für den Betrieb bindend. Den Studenten wird daher auch ein Lohn bezahlt. Dessen Höhe richtet sich nach der Branche und dem Betrieb.[8]

Die spezifische Ausgestaltung des dualen Studiums an der DHBW (verknüpfte Theorie- und Praxisphasen und zugleich Ausbildungsvertrag der Studierenden mit nur einem Dualen Partner während der gesamten Ausbildungsdauer) stellt eine Sonderform im Bereich Cooperative Education dar, die als Job Integrated Learning bezeichnet wird.[9]

Die Hochschule verleiht nach Abschluss des dreijährigen Studiums den Bachelor als akademischen Grad;[10] je nach Studiengang den Bachelor of Arts, Bachelor of Engineering oder Bachelor of Science. Für ausgewählte Absolventen bietet die DHBW ein nicht-konsekutives Masterprogramm an.[11] Die Studiengänge werden in Zusammenarbeit mit den Dualen Partnern als berufsbegleitendes Studium angeboten. Teilweise wird bei den Masterangeboten auch mit anderen Hochschulen zusammengearbeitet.[12] Die Duale Hochschule hat kein Promotionsrecht und kein Habilitationsrecht.

Aktuell werden in über 20 Studiengängen etwa 100 Studienrichtungen aus den Bereichen Wirtschaft, Technik und Sozialwesen angeboten.

Zulassungsvoraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzung für ein Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg ist in erster Linie der Abschluss eines Ausbildungsvertrages mit einem Dualen Partner der Dualen Hochschule. Es ist zudem die allgemeine Hochschulreife oder die fachgebundene Hochschulreife für den entsprechenden Studiengang nötig. Der Hochschulzugang ist in bestimmten Fällen auch für qualifizierte Berufstätige ohne Hochschulzugangsberechtigung möglich.[13]

Akkreditierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Duale Hochschule lässt die Akkreditierung durch die Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur durchführen. An der Dualen Hochschule werden in Intensivstudiengängen pro Studienjahr 70 anstatt, wie an vielen anderen Hochschulen üblich, 60 ECTS-Punkte vergeben. Damit werden in sechs statt sieben Semestern 210 Punkte für den Bachelor-Abschluss erreicht.[14]

Ein Master-Abschluss (mindestens 300 ECTS-Punkte) kann daher auch mit einem entsprechend kürzeren Masterstudiengang von 90 statt 120 ECTS-Punkten erreicht werden, was jedoch bei wenigen Masterstudiengängen der Fall ist. Die DHBW ist seit Dezember 2011 von der ZEvA systemakkreditiert. Damit ist die DHBW die erste Hochschule in Baden-Württemberg und die dritte in Deutschland, für die eine Systemakkreditierung ausgesprochen wurde.[14] Seit 2014 werden alle Masterstudiengänge am Center for Advanced Studies auf dem Bildungscampus Heilbronn durchgeführt. Diese sind nicht konsekutiv und erfordern mindestens ein bis zwei Jahre Berufserfahrung.[15]

Nachgraduierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den früher verliehenen Abschlüssen der Berufsakademie änderte sich durch die Errichtung der Dualen Hochschule nichts. Die früheren Absolventen einer Berufsakademie können jedoch ihr Diplom (BA) als staatliche Abschlussbezeichnung in den entsprechenden akademischen Grad Diplom (DH) der Dualen Hochschule auf Antrag nachgraduieren lassen. Das verliehene Kürzel (DH) kann dabei nicht weggelassen werden, da akademische Grade so zu führen sind, wie sie verliehen wurden. Das Diplom (BA) kann nicht in einen Bachelorabschluss nachgraduiert werden.[16]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hochschule verfügt über die folgenden Gremien: Aufsichtsrat, Vorstand mit einem Präsidenten als Vorsitzenden sowie ein Senat. Dem Aufsichtsrat gehören 17 Mitglieder an, wobei mindestens acht Mitglieder aus den Reihen der Unternehmen und Einrichtungen kommen (als betriebliche Vorsitzende der Hochschulräte). Außerdem wechselt sich ein Beauftragter des Ministeriums mit einem Vertreter der dualen Partner im Vorsitz ab. In den Hochschulräten (bisherige Duale Senate) ist die Zahl der Vertreter der Studienakademie immer gleich mit der Zahl der Unternehmens- bzw. Institutionsvertreter. Über akademische Fragen, wie z. B. die Einrichtung neuer oder die Modernisierung bestehender Studiengänge, entscheidet der Senat. Auch in diesem sind die dualen Partner durch drei Mitglieder (Vorsitzende oder stellvertretende Vorsitzende der Fachkommissionen) vertreten.

Unterschiede zur Berufsakademie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Gegensatz zur bisherigen Organisation der Berufsakademien sind nun auch die Ausbildungsstätten Hochschulmitglieder und somit in den Gremien vertreten.
  • Die Duale Hochschule ist eine Hochschule im Gegensatz zur Berufsakademie und verleiht daher akademische Grade anstelle von staatlichen Abschlussbezeichnungen.
  • Die Duale Hochschule soll kooperative Forschungsprojekte durchführen.[17]
  • Die Besoldung der Professoren wird schrittweise auf die Besoldungsgruppe W2 umgestellt.[18] Die Bezüge können durch private Drittmittel aufgestockt werden.[19]

Duale Partner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund 9.500 Unternehmen (2014) arbeiten mit der DHBW als „Duale Partner“ zusammen.[1] Darunter befinden sich sowohl kleine und mittelständische Unternehmen als auch Großunternehmen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Duale Hochschule Baden-Württemberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Zahlen und Fakten zur DHBW. Abgerufen am 25. Januar 2017.
  2. Jahresbericht der DHBW 2015/2016. 1. März 2016, abgerufen am 9. Januar 2017 (PDF; 1,3 MB).
  3. a b Duale Hochschule Baden-Württemberg: Profil
  4. § 1 DH-ErrichtG (BW) in Verbindung mit § 76 ff. LHG (BW)
  5. Duale Hochschule Baden-Württemberg: Standorte
  6. Rüdiger Soldt: Der Weg zur „dualen Hochschule“. In: FAZ. 10. Januar 2008, ISSN 0174-4909, S. 10 (online).
  7. Amtsübergabe an Arnold van Zyl als Rektor der DHBW
  8. Duale Hochschule Baden-Württemberg: Vorteile einer dualen Partnerschaft
  9. Marcus Hoffmann, Brigitte Ilg: Taking Work Integrated Learning (WIL) One Step Further: A Case Study in Job Integrated Learning (JIL). epubli, Berlin 2016, ISBN 978-3-7418-0024-5.
  10. § 35 Abs. 1 i.V.m. § 1 Abs. 2 LHG
  11. Marcus Hoffmann, Ruth Melzer-Ridinger: Das duale Masterstudium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). In: Norbert Berthold, Michael Lingenfelder (Hrsg.): WiSt – Wirtschaftswissenschaftliches Studium. 45. Jg., Heft 11. Verlage C.H. Beck und Vahlen, München und Frankfurt a.M. 2016, S. 616–619.
  12. Duale Hochschule Baden-Württemberg: Masterstudium
  13. Duale Hochschule Baden-Württemberg: Zulassungsvoraussetzungen
  14. a b Duale Hochschule Baden-Württemberg: Abschlüsse
  15. Masterstudiengänge der DHBW, Website des DHBW CAS, Center for Advanced Studies
  16. Gesetz zur Errichtung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DH-Errichtungsgesetz – DH-ErrichtG) vom 3. Dezember 2008
  17. Duale Hochschule Baden-Württemberg: Zahlen & Fakten, Kooperative Forschung. Abgerufen am 30. März 2017.
  18. Art. 3 des Zweiten Gesetzes zur Umsetzung der Föderalismusreform im Hochschulbereich vom 3. Dezember 2008 (PDF)
  19. PM: Gesetz über die Umsetzung der Föderalismusreform im Hochschulbereich wird in Landtag eingebracht, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, 22. Oktober 2008.

Koordinaten: 48° 46′ 56″ N, 9° 10′ 34″ O