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Durchlässigkeit (Reiten)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ausbildungsskala der FN
Gleichgewicht

Durchlässigkeit

Die Durchlässigkeit ist die Fähigkeit und Bereitschaft des Pferdes auf Hilfen des Menschen zwanglos, gehorsam und ohne Zögern umzusetzen.[1]

Ein Pferd benötigt zu Beginn seiner Ausbildung noch deutlichere Hilfen und etwas Zeit, um die einfache Aufforderung zum Anreiten im Schritt zu verstehen und umzusetzen. Bei fortschreitende Ausbildung reagiert es schneller und benötigt weniger Hilfen. Das Anreiten fällt ihm leichter, es wird durchlässiger.[2] Bei neuen Aufgabenstellungen bedarf es einiger Übung, bis das Pferd diese ebenso prompt ausführen kann, wie einfache Aufgaben. Mit zunehmender Durchlässigkeit versteht das Pferd immer feinere Hilfen.[3] Die Hilfengebung wird für Außenstehende fast unsichtbar.

Beispielsweise lernt ein Pferd zunächst den einfachen Galoppwechsel über den Schritt. Die Hilfengebeng beim einfachen Galoppwechsel ist: Galopp, mehrere halben Paraden zur Vorbereitung, Schrittübergang bei der letzten halben Parade, in dem Moment, in dem das Pferd die halbe Parade zum Schritt annimmt, erfolgt eine nachgebende Zügelhilfe und Weitertreiben, Schritt, Umstellen durch Gewichts- (innere Hüfte vor), Schenkel- und Zügelhilfen, halbe Parade zur Vorbereitung, Galopphilfe durch Gewichts- (Impuls der inneren Hüfte), Schenkel- (innerer Schenkel treibt, der äußere verwahrt) - und Zügelhilfen (Galoppsprung herauslassen), Galopp. Das sind dutzende von Einzelhilfen, die das Pferd verstehen, verarbeiten und ausführen muss. Später kann es den fliegenden Wechsel, Serienwechsel und schließlich Einerwechsel von Sprung zu Sprung erlernen. Dabei reagiert es immer schneller und durchlässiger auf komplexe Hilfen.[4][5]

Auch im Verlauf einer Reitstunde verbessert sich die Durchlässigkeit. Daher ist es wichtig, das Pferd zu Beginn jeder Stunde abzureiten, um es zu lösen und durchlässiger zu machen, bevor schwierigere Lektionen folgen.

Durchlässigkeit: Energiefluss von der Hinterhand über den schwingenden Rücken (und das losgelassene Genick und Maul) zur Vorhand

In der Pferdeausbildung werden anhand der Ausbildungsskala verschiedene Bereiche, wie Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung verbessert und das Pferd gerade gerichtet, was auch die Durchlässigkeit erhöht.[6] Schenkelhilfen werden von der Hinterhand über den losgelassenen Rücken[7] und das losgelassene Genick zum angelehnten Maul und zur Vorhand durchgelassen. Umgekehrt werden die Zügelhilfen vom Maul über das losgelassene Genick, den Hals und den losgelassenen Rücken bis in die Hinterhand weitergeleitet, ohne durch Spannungen an einer Körperstelle blockiert zu werden.[8]

Zu den Lektionen, welche die Durchlässigkeit verbessern gehören Antraben und das Angaloppieren aus dem Halten ohne Zwischentritte,[9] aber auch Tempowechsel[10] oder Übergänge zwischen verschiedenen Seitengängen[11]. In der Hohen Schule wird die Durchlässigkeit des Schulpferdes bei Übergängen aus der Passage oder Piaffe in den Schultrab und umgekehrt abgefragt.[12]

Ein Pferd, das sich in allen drei Grundgangarten jederzeit versammeln lässt, hat einen hohen Grad an Durchlässigkeit erreicht.[13]

Ein „Prüfstein für die absolute Durchlässigkeit des Pferdes“ ist die sogenannte „Schaukel“, bei der das Pferd abwechselnd im Zwei- und Viertakt eine bestimmte Anzahl von Tritten zurück- und wieder vortritt, um dann nach dem letzten Rückwärtsrichten im Schritt, Trab oder Galopp anzureiten. Die Übergänge sollen „fließend und zwanglos“ erfolgen.[14]

Einzelnachweise

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  1. Waldemar Seunig: Von der Koppel bis zur Kapriole. Die Ausbildung des Reitpferdes. Mit einem Nachwort von Bertold Schirg. 2. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1943, Hildesheim usw. 2001 (Documenta Hippologica), ISBN 3-487-08348-5, S. 125.
  2. Seunig, S. 342.
  3. Seunig, S. 240.
  4. Rahmentrainingskonzeption im Reitsport des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei e.V. (DOKR), FN
  5. Seunig, S. 315.
  6. Seunig, S. 283
  7. Seunig, S. 342.
  8. Seunig, S. 209.
  9. Seunig, S. 318 f.
  10. Seunig, S. 217.
  11. Seunig, S. 219.
  12. Seunig, S. 330.
  13. Seunig, S. 243.
  14. Richtlinien für Reiten und Fahren. Bd. 2: Ausbildung für Fortgeschrittene. Hrsg. v. d. Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FNverlag), 12. Aufl., Warendorf 1997, ISBN 3-88542-283-2, S. 43.
  • Richtlinien für Reiten und Fahren. Bd. 2: Ausbildung für Fortgeschrittene. Hrsg. v. d. Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FNverlag), 12. Aufl., Warendorf 1997, ISBN 3-88542-283-2.
  • Waldemar Seunig: Von der Koppel bis zur Kapriole. Die Ausbildung des Reitpferdes. Mit einem Nachwort von Bertold Schirg. 2. Nachdruck der Ausgabe Berlin 1943, Hildesheim usw. 2001 (Documenta Hippologica), ISBN 3-487-08348-5.