Dux provinciae Sequanicae

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Heerführer der Comitatenses und Limitanei im 5. Jahrhundert n. Chr.
ND Dux Sequanica BL.jpg
Oben: Notitia Dignitatum: Die symbolische Darstellung des Castrum Olinone im Kapitel des Dux Provinciae Sequanicae als Zeichen seiner Zuständigkeit für den Grenzabschnitt am oberen Rheinlimes,
unten: Die spätantiken Provinzen in Gallien und Germanien (400 n. Chr.)

Der Dux provinciae Sequanicae (wörtlich: „Heerführer der Provinz Sequania“) war ein hoher Offizier in der spätantiken Armee des Weströmischen Reiches und Oberkommandierender der in der Provinz Maxima Sequanorum stationierten Limitaneieinheiten.

Der Kommandobereich des Dux umfasste den Abschnitt (tractus) der Rheingrenze zwischen Eschenz und Breisach am Rhein. Er unterstand dem Magister Peditum (Oberbefehlshaber der Infanterie) und dem Magister equitum (Oberbefehlshaber der Kavallerie).[1] Am kaiserlichen Hof zählte ein Dux limitis zur höchsten Rangklasse der viri spectabiles.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amt ist nur aus der westlichen Notitia Dignitatum bekannt. Im Zuge der Reichs- und Verwaltungsreform des Diokletian wurde das Territorium der Germania superior um 297 in zwei Provinzen neu organisiert, Germania I und Maxima Sequanorum. Da die militärischen Kommanden von den zivilen Aufgabenträgern getrennt worden waren, wurden, wie auch andernorts üblich, die dort stationierten Grenztruppen zwei Duces limites unterstellt, dem Dux Germaniae primae und dem Dux provinciae Sequanicae. In der Zeit der Abfassung der Notitia war die Provinzhauptstadt Vesontio vermutlich auch Sitz des Dux der Sequania. Ihren Truppen oblag der Grenzschutz am Hoch- und südlichen Oberrhein. Die Grenzbefestigungen der Provinz wurden unter Valentinian I. noch einmal erheblich ausgebaut. Hierbei wurden u. a. die rechtsrheinischen Brückenköpfe Sponeck und Basel/Basilia, aber auch das Castrum Rauracense errichtet bzw. renoviert. Zusätzlich wurden zahlreiche steinerne Wachttürme am Hochrhein erbaut. Hinzu kam noch ein Frühwarnnetz aus rechtsrheinischen Höhensiedlungen der Alamannen zur Vorfeldsicherung. Sie standen in engem Kontakt mit den Besatzungen der römischen Grenzkastelle. Der Dux wird zwar im Kapitel I der Notitia Dignitatum als einer der zwölf Dux limites des Westreichs angegeben, in der Liste des Oberbefehlshabers der westlichen Fußtruppen scheint er, wie auch der Dux tractus Armoricani et Nervicani, nicht mehr auf. Dies könnte bedeuten, dass das Dukat schon zur Zeit der mutmaßlichen Endfassung der westlichen Notitia (der Zeitraum zwischen 395 und 425) nicht mehr existierte. Ab 423 wurden im Limesabschnitt des Dux föderierte Burgunderstämme angesiedelt. Sie dehnten bald ihren Machtbereich aus und ersetzten spätestens ab 460 die römische Grenzverteidigung. Der Zusatz „provinciae“ kommt ansonsten nur bei den Heerführern der weströmischen Provinzen Tripolitania, Mauritaniae et Caesariensis und Valeria vor.[2]

Verwaltungsstab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Officium (Verwaltungsstab) des Dux umfasste folgende Ämter (Officium autem habet idem vir spectabilis dux hoc modo):

  • Principem ex officiis magistrorum militum praesentalium aparte peditum (Kanzleivorsteher aus den Reihen der Armee, vom Heermeister bestellt)
  • Numerarium ut supra (= wie oben, d. h. Zahlmeister der Armee, ebenfalls vom Heermeister bestellt)
  • Commentariensem ut supra (Rechtsgelehrte der Armee, vom Heermeister bestellt)
  • Adiutorem (Assistent)
  • Subadiuuam (Hilfskraft)
  • Regrendarium (Verwalter)
  • Exceptores (Juristen)
  • Singulares et reliquos officiales (Leibwächter und sonstige Beamte)

Truppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in der Notia überlieferte Truppenliste ist vermutlich unvollständig kopiert worden, da sie nur eine Einheit enthält. Sie kann jedoch nicht das gesamte Truppenaufgebot der Provinz im 5. Jahrhundert gestellt haben. Auch andere in der Notitia aufgelistete Einheiten könnten ursprünglich in der Sequania stationiert bzw. rekrutiert worden sein:

Einheiten Bemerkung Abbildung
Comitatenses
Legio prima Martia Für das frühe 4. Jahrhundert gibt es klare archäologische Hinweise auf die Anwesenheit dieser Comitatenseseinheit am Oberrhein. Sie ist vor allem durch Funde von Ziegelstempel bezeugt. Auf einigen von ihnen ist allerdings der Truppenname in so starker Ligatur wiedergegeben, dass deren Zuordnung nicht endgültig gesichert ist. Die Funde ihrer Ziegel im gesamten Raum der Sequania legen nahe, dass die Legion nach ihrem Einrücken in diesen Grenzabschnitt in Vexillationen aufgespalten und dann auf mehrere Standorte verteilt wurde.
Schildzeichen unbekannt
Ziegelstempel der Legio I Martia aus Kaiseraugst/Liebrüti
Vesontes Eine der acht Legiones comitatenses, die in der Truppenliste des Magister peditum angeführt sind. Sie dienten laut ND in der Feldarmee des Comes Hispaniarum. Ihr Name leitete sich vermutlich von der Provinzhauptstadt Vesontio ab.
Schildzeichen unbekannt
Sequani Diese Infanteristen zählten zu den auxilia palatina Einheiten (Garde) des Magister peditum und waren gegen Mitte des 5. Jahrhunderts Teil der Feldarmee des Comes Illyrici. Ihr Name wurde entweder vom Fluss Seine in Frankreich abgeleitet oder bezieht sich auf die keltoromanischen Sequaner.
Schildzeichen der Sequani (Notitia Dignitatum)
Ala secunda Valeria Sequanor Aus der Notitia ist diese Reitereinheit in der Armee des Dux Raetiae bekannt. Sie zählten zu den Limitanei und war im Kastell Vemania/Isny stationiert. Vermutlich handelte es sich bei den Angehörigen dieser Truppe in der Mehrzahl ebenfalls um Sequaner, die vielleicht ursprünglich in der Gegend von Vesontio (zwischen Saone und westlicher Schweizer Jura) angeworben worden waren.
Schildzeichen unbekannt
Limitanei
Milites Latavienses (= Batavi oder Latovici) Die einzige Einheit, die im Kapitel des Dux angegeben wird. Sie zählte zu den Limitanei und war im Kastell Olinone/Olitone stationiert. Vielleicht das heutige Besançon/Vesontio oder ein Kastell in Oelenburg bei Reiningue im Elsass.[3]
Schildzeichen unbekannt

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michaela Konrad, Christian Witschel (Veranstalter): Tagungsbericht zu dem internationalen Kolloquium „Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen“ – Nuclei spätantik- frühmittelalterlichen Lebens? Bayerische Akademie der Wissenschaften, München vom 28. bis 30. März 2006, S. 11–13. PDF (353 KB)
  • Michaela Konrad, Christian Witschel: Spätantike Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen des Imperium Romani. Ein Beitrag zur Kontinuitätsdebatte. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen - Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens?. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S. 3 ff.
  • Michael S. DuBois: Auxillae: A Compendium of Non-Legionary Units of the Roman Empire. Lulu Press 2015, ISBN 978-1-329-63758-0.
  • Michael Zerjadtke: Das Amt Dux in Spätantike und frühem Mittelalter: Der ducatus im Spannungsfeld zwischen römischem Einfluss und eigener Entwicklung. Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2018.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Notitia Dignitatum occ. V und VI.
  2. Michael Zerjadtke 2018, Abschnitt 7.2.2
  3. Notitia Dignitatum occ. XXXVI, 5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]