Dygowo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dygowo
Wappen der Gmina Dygowo
Dygowo (Polen)
Dygowo
Dygowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Kołobrzeg
Gmina: Dygowo
Geographische Lage: 54° 8′ N, 15° 43′ O54.13305555555615.721111111111Koordinaten: 54° 7′ 59″ N, 15° 43′ 16″ O
Einwohner: 1549
Postleitzahl: 78-113
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZKL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 163: KołobrzegBiałogard - Szczecinek - Wałcz
Schienenweg: Bahnstrecke Szczecinek–Kołobrzeg
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Landgemeinde
Gemeindegliederung: 22 Ortschaften
14 Schulzenämter
Fläche: 128,57 km²
Einwohner: 5632
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 44 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3208022
Verwaltung (Stand: 2015)
Gemeindevorsteher: Marek Pawel Zawadzki[2]
Adresse: ul. Kolejowa 1
78-113 Dygowo
Webpräsenz: ug.dygowo.pl



Dygowo (deutsch Degow) ist ein Dorf mit Sitz einer Landgemeinde (gmina wiejska) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern und gehört zum Powiat Kołobrzeski (Kreis Kolberg).

Dorf Dygowo (Degow)[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Dorf liegt etwa 110 Kilometer nordöstlich von Stettin und etwa 11 Kilometer südöstlich von Kołobrzeg (Kolberg), etwa 8 Kilometer südlich der Ostseeküste.

Durch den Ort verläuft die Woiwodschaftsstraße 163, die die Ostsee mit dem pommerschen Hinterland über Białogard (Belgard) und Szczecinek (Neustettin) verbindet und in ihrem Verlauf der ehemaligen deutschen Reichsstraße 124 folgt.

Bahnhofsgebäude (Aufnahme aus 2013)

Der Ort hat eine Bahnstation an der Bahnstrecke Szczecinek–Kołobrzeg.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichtliche Funde sind ein Steinkistengrab mit Mützenurne aus der Bronzezeit und Brandgräber aus der Eisenzeit.

Das Dorf Degow wurde im 13. Jahrhundert im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung im Herzogtum Pommern gegründet. Es wurde als Angerdorf so angelegt, dass der Ellerbach quer durch den Dorfanger verläuft.

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes, damals unter dem Namen „Daygowe“, erfolgte im Jahr 1276 in einer Urkunde des Camminer Bischofs Hermann von Gleichen.

Die nächste Nennung stammt aus dem Jahre 1281. Damals legte Bischof Hermann von Gleichen die Einkünfte der neugegründeten Kirche in Zernin fest. Dabei ordnete er eine Abgabe aus dem Dorf Mechenthin der neugegründeten Kirche in Zernin zu, bestimmte aber zugleich, dass die Einwohner von Mechenthin weiterhin zur Kirche in Degow gehören sollten. Aus dieser Urkunde ergibt sich also, dass damals bereits die Kirche in Degow bestand. Zugleich verwendete die Urkunde bereits die heutige Schreibweise „Degow“.

Im Jahr 1295 schenkten zwei Angehörige der adligen Familie Borcke dem Jungfrauen-Kloster zu Köslin das Patronat der Kirche und einige Hufen Landes. Die Borckes dürften die ursprünglichen Besitzer des Dorfes sein. Im Jahre 1334 kam der Camminer Bischof Friedrich von Eickstedt durch einen Tausch in den Besitz von Degow, doch bereits 1336 sah er sich gezwungen, das Dorf an Erben der Familie Stegheliz zu veräußern, da er dringend Geld brauchte, um ein verpfändetes Schloss wieder einzulösen.

Später muss Degow wieder in bischöflichen Besitz gelangt sein, da Bischof Konrad IV. (regierte 1317–1324) das Dorf dem Kolberger Domkapitel verkaufte. Von nun an blieb Degow im Besitz des Kolberger Domkapitels, bis dieses im Jahre 1811 aufgelöst wurde.

In Ludwig Wilhelm Brüggemanns Ausführlicher Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern (1784) ist Degow unter den Dörfern des Domkapitels Kolberg aufgeführt. Damals lag Degow an der „kleinen Landstraße“ von Kolberg nach Köslin. Es gab hier einen Prediger, zehn Vollbauern, fünf Halbbauern, vier Kossäten und ein Predigerwitwenhaus, insgesamt 21 Haushaltungen.[3]

Mit der Aufhebung des Kolberger Domkapitels im Jahre 1811 wurde Degow dem Amt Kolberg zugewiesen. Die Separation wurde 1835 durchgeführt. Die Verkehrsanbindung von Degow verbesserte sich durch den Bau einer Straße (Chaussee) von Kolberg nach Körlin, die am südlichen Ortsrand geführt wurde, und durch die Errichtung der Bahnstrecke Belgard–Kolberg mit dem Bahnhof Degow, etwa 1 Kilometer nördlich des Dorfes. Ferner war die Nähe des Flusses Persante für den Holzhandel hilfreich. Unter diesen günstigen Bedingungen entwickelte sich Degow im 19. Jahrhundert allmählich von einem Bauerndorf zu einer von Handwerk und Gewerbe geprägten Siedlung.

Um 1867 gehörten zur Gemeinde Degow neben dem Dorf selber ein nach der Separation angelegter Abbau, der 16 Büdnerhäuser und 167 Einwohner umfasste, die Windmühle, eine Mühlenbesitzung mit 22 Einwohnern, und der Bahnhof, der mit Nebengebäuden 37 Einwohner zählte. Insgesamt zählte die Gemeinde Degow damals 786 Einwohner.[4]

Im Jahre 1910 zählte Degow 1.073 Einwohner. Die Zahl stieg bis 1925 auf 1.161, betrug 1933 bereits 1.209 und kam schließlich bis 1939 auf 1.168.

Bis 1945 bildete Degow eine Gemeinde im Landkreis Kolberg-Körlin der Provinz Pommern. Das Gemeindegebiet umfasste neben dem Dorf Degow die Wohnplätze Bahnhof Degow, Ochsenwiese, Peuske und Siedlung nach Bartin[5] sowie, offiziell nicht als Wohnplatz zählend, Fuchsberg.

Seit 1945 gehört Degow unter der Bezeichnung Dygowo zu Polen. Es liegt im Powiat Kołobrzeski in der Woiwodschaft Westpommern (bis 1998 Woiwodschaft Köslin). Der Ort ist Teil und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde und zählt heute 1.549 Einwohner.

Kirche[Bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Neugotisches Kirchengebäude von 1879 (Aufnahme aus 2014)

Das mittelalterliche Kirchengebäude wurde im Jahre 1877 abgebrochen, da es baufällig war und für die wachsende Kirchengemeinde nicht mehr ausreichte.

Das heutige Kirchengebäude wurde im Jahre 1879 als evangelische Kirche im Stil der Neugotik errichtet. Aus der alten Kirche wurden die beiden Glocken, die aus den Jahren 1572 und 1618 stammten, übernommen.

Evangelische Kirchengemeinde und Pfarrer bis 1945[Bearbeiten]

Nach der Reformation war Degow Sitz eines evangelisches Kirchspiels, zu dem neben Degow auch die Nachbarorte Ganzkow, Mechenthin und Stöckow gehörten. Es lag im Kirchenkreis Kolberg im Ostsprengel der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1940 zählte das Kirchspiel 2000 Gemeindemitglieder.

Von der Reformation bis 1945 amtierten in Dygowo folgende evangelische Pfarrer:[6]

  • Johann Bohne, genannt 1561, war damals schon über 30 Jahre Pfarrer in Degow
  • Joachim Grünewald, ab 1573
  • Martin Schmides (Schmidt), 1616–1639
  • Martin Simonis, 1640–1658, begann mit der Anlage eines Kirchenbuchs
  • Laurentius Stockmann, 1658–1704
  • Johann Lorenz Stockmann, 1704–1731, Sohn des vorigen
  • Johann Lorenz Bernd, 1732–1770
  • Martin Christian Löper, 1770–1778
  • Christoph Wilhelm Pollnow, 1778–1811
  • Johann Ernst Ludwig Schlieben, 1812–1816
  • Johann Heinrich Klütz, 1817–1848
  • Gustav Eduard Robert Maaß, 1849–1892
  • Ludwig Wilhelm Paul Mahlendorff, 1892–1920
  • Ernst Ostermeier, 1920–1938

Ernst Ostermeier trat 1938 in den Ruhestand. Die Stelle wurde danach bis 1945 nicht mehr endgültig besetzt. 1939 war der Militärpfarrer Wilhelm Czeckay kommissarisch als Pfarrer in Degow tätig.

Römisch-katholische Kirchengemeinde und Geistliche seit 1945[Bearbeiten]

Seit 1945 wohnen überwiegend römisch-katholische Einwohner in Dygowo. Der Ort ist weiterhin Sitz einer Pfarrei, zu der heute allerdings die Filialkirchen Czernin (Zernin) und Świelubie (Zwilipp) gehören. Sie liegt im Dekanat Gościno (Groß Jestin) im Bistum Köslin-Kolberg der Katholischen Kirche in Polen und zählt etwa 3100 Gemeindemitglieder.

Das bisher evangelische Gotteshaus wurde zugunsten der katholischen Kirche enteignet und erhielt am 30. Mai 1946 eine neue Weihe als Kościół Wniebowstąpienia Pańskiego (Kirche Christi Himmelfahrt).

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
  • Henryk Świerkowski, 1945–1949
  • Kizimierz Antosz, 1949–1955
  • Marian Grabianka, 1955–1959
  • Ludwik Chamski, 1959–1985
  • Stanisław Wojnar, 1985–1988
  • Jan Nowak, 1988–1989
  • Edward Skwira, 1989–1998
  • Ireneusz Żejmo, seit 1998

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

  • Gerhard Wunsch (* 1924), deutscher Elektrotechniker und Hochschullehrer

Mit dem Ort verbunden[Bearbeiten]

  • Karl Firzlaff (1846–1912), deutscher Zimmermeister und Politiker, war Inhaber eines Baugeschäfts in Degow

Gmina Dygowo[Bearbeiten]

Die Lage der Gmina Dygowo im Powiat Kołobrzeski

Allgemeines[Bearbeiten]

Das Dorf Dygowo ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde. Sie umfasst eine Fläche von 128,57 km², was 17,7 % der Gesamtfläche des Powiat Kołobrzeski entspricht, zu dessen Bereich sie gehört. Mit 5.600 Einwohnern steht sie zahlenmäßig an 83. Stelle der 114 Gemeinden der Woiwodschaft Westpommern. Sie Süd- und Westgrenze der Gmina Dygowo wird vom Flusslauf der Persante (polnisch: Parsęta) bestimmt.

Nachbargemeinden von Dygowo sind:

Die Gmina Dygowo ist in die beiden Postleitzahl-Regionen Dygowo = 78-113 und Wrzosowo (Fritzow) unterteilt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Insgesamt 22 Ortschaften gehören zur Gmina Dygowo. Sie sind 15 Ortsteilen („Schulzenämtern“) zugeordnet:

  • Ortsteile:
  • Bardy (Bartin)
  • Czernin (Zernin)
  • Dębogard (Damgardt)
  • Dygowo (Degow)
  • Gąskowo (Ganzkow)
  • Jazy (Jaasde)
  • Łykowo (Leikow)
  • Miechęcino (Mechenthin)

Im Gemeindegebiet liegen ferner die Wüstungen der Wohnplätze Fähre bei Peterfitz und Fähre bei Zwilipp.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Mitten durch die Gmina Dygowo verläuft die Nord-Süd-Woiwodschaftsstraße (DW) 163, die Kołobrzeg an der Ostsee mit dem pommerschen Hinterland verbindet und über Karlino, Białogard, Połczyn Zdrój und Szczecinek bis nach Wałcz führt. In ihrem gesamten Verlauf folgt sie der ehemaligen deutschen Reichsstraße 124.

Die DW 163 vernetzt die Region mit drei sehr bedeutenden polnischen Verkehrsachsen:

Schienen[Bearbeiten]

Die Gmina Dygowo verfügt über fünf Bahnstationen an der Bahnlinie 404 der Polnischen Staatsbahn: Stramnica (Alt Tramm), Dygowo (Degow), Jazy (Jaasde) und Wrzosowo (Fritzow). Die Bahnstrecke führt von Kołobrzeg (Kolberg) über Białogard (Belgard) nach Szczecinek (Neustettin).

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeisterwahlen[Bearbeiten]

Bürgermeisterwahl 2010
(Stimmen in %, gerundet)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
68,01 %
23,47 %
8,53 %
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Bei den Wahlen zum Bürgermeister der Gemeinde Dygowo im Jahre 2010 ging der parteiunabhängige Marek Zawadzki mit 68,01 % der Stimmen als Sieger hervor. Ihm folgte die Kandidatin der Mitte-rechts orientierten Polnischen Bauernpartei Helena Rudzis-Gruchała mit 23,47 % vor Gabriel Dondajski von der rechtskonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit mit 8,53 %.[7]

Kandidat Partei Stimmen in Prozent Stimmenanzahl
Marek Zawadzki Wyborców Marka Zawadzkiego (parteiunabhängig) 68,01 % 1388
Helena Rudzis-Gruchała Polskie Stronnictwo Ludowe (Polnische Bauernpartei) 23,47 % 479
Gabriel Dondajski Prawo i Sprawiedliwość (Recht und Gerechtigkeit) 8,53 % 174

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Vollack: Das Kolberger Land. Seine Städte und Dörfer. Ein pommersches Heimatbuch. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1999, ISBN 3-88042-784-4, S. 154–166.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dygowo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 31. Dezember 2014.
  2. Website der Stadt, wójt, abgerufen am 27. Januar 2015
  3. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2. Stettin 1784, S. 613, Nr. 4 (Online).
  4. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil III, Band 1. Anklam 1867, S. 257–258 (Online).
  5. Eintrag im privaten Informationssystem Pommern
  6. Ernst Müller: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. Teil 2. Stettin 1912, S. 208–209. ( Digitalisat).
  7. http://www.e-kg.pl/wojt-gminy-dygowo.html