Dystokie

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Klassifikation nach ICD-10
O62.4 Hypertone, unkoordinierte und anhaltende Uteruskontraktionen
– Uterine Dystokie o.n.A.
O66 Sonstiges Geburtshindernis
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Eine Dystokie (altgriechisch δυστοκἰα dystokia schwere Geburt von δυς dys übel, und τἰκτω tikto gebären mit τὁκος tokos Geburt) ist ein gestörter Geburtsverlauf im Sinne einer erschwerten Entbindung[1]. Willibald Pschyrembel definierte die Dystokie als Wehenanomalie mit Dauerkontraktionen (Tetanus uteri), mit zu starken Wehen (Hypersystolie), mit zu häufigen Wehen (Polysystolie) oder mit einem erhöhten Grundtonus[2]. Diese enge Definition im Sinne zu starker Wehen wird in seinem Wörterbuch jetzt weiter gefasst: Die Dystokie bezeichnet heute jeden gestörten Geburtsverlauf infolge mechanischer, organischer oder funktioneller Ursachen. Es gibt die vier Formen Beckendystokie, Schulterdystokie, Wehendystokie und Zervixdystokie[3]. Etwa sechs Prozent aller Entbindungen sind solche Risikogeburten. Man spricht von der schweren Geburt[4]. Das Gegenteil der Dystokie ist die normale Geburt (Eutokie)[5]. Im Französischen wird mit den Begriffen Dystocie maternelle und Dystocie foetale zwischen mütterlichen und kindlichen Ursachen unterschieden[6].

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den meisten Fällen handelt es sich bei der Dystokie um nicht voranschreitende Wehen (Wehenschwäche). Bei einer Schulterdystokie ist eine Schulter des Kindes im Geburtskanal eingeklemmt. Andere Ursachen sind kindliche oder mütterliche Anomalien wie die Querlage des Kindes, ein Hydrozephalus, ein zu enges mütterliches Becken, eine Weichteilrigidität, eine Placenta accreta, eine Placenta adhaesiva, eine Placenta praevia, eine zervikale Striktur (Zervixdystokie), ein Uterusspasmus[7] oder Siamesische Zwillinge.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vordergrund steht die gründliche körperliche Untersuchung. Hilfreich sind außerdem die Sonographie und die Kardiotokographie und mit Einschränkungen auch die Amniozentese und das Partogramm. Röntgendiagnostik, Computertomographie und Magnetresonanztomographie nur in Ausnahmefällen.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den umfangreichen Möglichkeiten der konservativen Geburtshilfe muss an die Schnittentbindung (Kaiserschnitt) gedacht werden. Es gibt wehenfördernde (zum Beispiel Dinoproston) und wehenhemmende (zum Beispiel Fenoterol, Atosiban) Medikamente.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 48. - 53. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin 1942, Seite 162.
  2. Willibald Pschyrembel: Praktische Geburtshilfe und geburtshilfliche Operationen, 14. Auflage, de Gruyter, Berlin und New York 1973, ISBN 3110016834, Seite 774.
  3. Pschyrembel (Medizinisches Wörterbuch), 266. Auflage, de Gruyter, Berlin und Boston 2014, ISBN 9783110339970, Seite 536.
  4. Otto Dornblüth: Wörterbuch der klinischen Kunstausdrücke, Verlag von Veit & Comp., Leipzig 1894, Seite 35.
  5. Maxim Zetkin und Herbert Schaldach: Wörterbuch der Medizin, 15. Auflage, Verlag Ullstein Mosby, Berlin 1992, ISBN 3861260182, Seite 536.
  6. Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch, 3. Auflage, Verlag von Veit & Comp., Leipzig 1907, Seite 62.
  7. Günter Thiele (Herausgeber): Handlexikon der Medizin, Urban & Schwarzenberg, München, Wien, Baltimore 1980, Band 1, Seite 586.
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