Dzierzgoń

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Dzierzgoń. Für den gleichnamigen Fluss siehe Dzierzgoń (Fluss).
Dzierzgoń
Wappen von Dzierzgoń
Dzierzgoń (Polen)
Dzierzgoń
Dzierzgoń
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Sztum
Fläche: 3,88 km²
Geographische Lage: 53° 55′ N, 19° 21′ OKoordinaten: 53° 55′ 0″ N, 19° 21′ 0″ O
Einwohner: 5571
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 82-440
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: GSZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 515: SuszMalbork
DW 527: Dzierzgoń–MorągOlsztyn
Schienenweg: PKP-Linie 222: MałdytyMalbork
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 32 Ortschaften
Fläche: 131,40 km²
Einwohner: 9498
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 72 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2216013
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Elżbieta Domańska
Adresse: pl. Wolności 1
82-440 Dzierzgoń
Webpräsenz: www.dzierzgon.pl



Dzierzgoń [ˈʥɛʒgɔɲ], (deutsch: Christburg, prußisch Grewose) ist eine Kleinstadt im Powiat Sztumski der polnischen Wojewodschaft Pommern. Sie ist umgeben von der Stadt- und Landgemeinde Dzierzgoń.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen am Fluss Sorge (Dzierzgoń), etwa 23 Kilometer südöstlich von Marienburg (Malbork) und 25 Kilometer südlich von Elbing (Elbląg).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christburg (Christb.) südöstlich von Marienburg und südlich von Elbing auf einer Landkarte von 1908
Stadtpanorama von Süden, 2007
Ausschnitt aus einem Stadtplan vom ersten Quartal des 20. Jahrhunderts mit dem Stadtkern, dem Schloss, dem St.-Anna-Berg und dem Flüsschen Sorge.

Der prußische Name Grewose beschreibt die Lage des Ortes an einer Flussstelle bzw. in einem Dreiecksland zwischen Flüssen. Die Festung Christburg stand oft im Mittelpunkt des 53-jährigen Bekehrungskriegs des Deutschen Ordens gegen die Prußen.[2] 1234 wurde der Ort von Heinrich von Meißen erobert, jedoch 1242 von den Prußen zurückgewonnen. Heinrich von Lichtenstein gelang 1247 eine erneute Einnahme. Weil die Burg aber wieder von den Prußen eingenommen wurde, suchten sich die Ordensritter den strategisch günstigeren Standort auf dem Schlossberg aus und gründeten die neue Christburg, einige Kilometer entfernt von der alten Christburg, oberhalb der Sorge. Alt-Christburg wurde den bekehrten und loyalen Prußen überlassen. Während des großen Aufstandes wurde die Christburg eingeäschert.

1249 wurde unter der Vermittlung des päpstlichen Legaten Jacob von Lüttich, des späteren Papstes Urban IV., der Vertrag von Christburg geschlossen, der als Friedensvertrag den besiegten Prußen ihre Freiheit garantierte, wenn sie zum Christentum übertraten und das Verhältnis von Prußen und siegreichem Deutschen Orden regelte.[3] Der Vertrag legte weiterhin fest, dass in Christburg (novo Christiborc) von den Prußen eine Kirche errichtet werden sollte.[4]

Bereits 1254 wurde die Stadt Christburg urkundlich erwähnt; 1288 wird ihr der Gebrauch des Kulmer Stadtrechts bestätigt.[5] 1312 erhielt der Ort die Handfeste durch Günther von Arnstein. In der Ordenszeit war Christburg lange Sitz eines Komturs. Mit dessen Amt war zugleich der Titel des obersten Trappiers verbunden, der den Komtur in Christburg als einen der fünf Großgebietiger des Ordens auszeichnete.[3]

Im Zweiten Thorner Frieden verlor 1466 der Deutsche Orden die Herrschaft über Christburg.[3] Die Stadt und ihre Umgebung, im Vertrag als opidum et districtus Cristburg alias Drzgon[6] bezeichnet, kamen zusammen mit dem autonomen Preußen Königlichen Anteils unter die Hoheit der polnischen Krone. 1492 wurde Nicolaus von Zehmen Burggraf von Stuhm und Christburg. Weiterhin wurde Achatius von Zehmen Starost auf Stuhm und Christburg, wo er auch wohnte. 1517 wurde er Unterkämmerer der Marienburg, 1531 Kastellan von Danzig und 1546 Woywode der Marienburg. Nachdem der polnische Reichstag dem Achaz I. von Zehmen alle Krongüter aberkannt hatte, stürmten seine Söhne, die Reichsfreiherren Christoph, Achaz II. und Fabian II., im Dezember 1576 die Christburg. Gegen eine Abfindung von 24.000 fl., zu zahlen an das Königreich Polen, konnten schließlich die Brüder Christburg behalten.

1678 erfolgte die Gründung eines Franziskanerklosters in Christburg. Seine Gebäude entstanden an der Stelle des mittelalterlichen Heilig-Geist-Spitals, zerstört 1414. Erhaltene Teile des Spitals wurden in den Klosterbau integriert, beispielsweise das Torhaus als Eingangsportal und Teile der Klosterkirche, die aus dem 13. Jahrhundert stammten. Das Klausurgebäude nördlich der Kirche entstand aus Steinen der Ordensburg.[7]

Christoph Hartknoch beschreibt Christburg 1684 treffend als Stadt unten am Berge, oben auf dem Berg nennt er ein verwüstes und verfluchtes Schloss von den Ordensherren her, auf dem zugehörigen Stich als Ruine dargestellt. Zudem wird erklärt, auf dem Schloss spuke der Geist eines Chorherrn, dessen Tod Komtur Albrecht von Schwarzburg vor der Schlacht bei Tannenberg durch eine Fluch verursacht haben sollte. Die Ruine soll außerdem im 17. Jahrhundert Ziel von Schatzgräbern gewesen sein.[8]

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit Christburg unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. Anschließend gehörte Christburg zur neugeschaffenen Provinz Westpreußen des Königreichs Preußen. Ab 1818 war Christburg dem Landkreis Stuhm im Regierungsbezirk Marienwerder angegliedert. 1871 wurde die Stadt mit Preußen Teil des neu gegründeten Deutschen Kaiserreiches.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags musste nach dem Ersten Weltkrieg der größte Teil der Provinz Westpreußen zur Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Im ganz im Osten der Provinz gelegene Kreis Stuhm wurde eine Volksabstimmung durchgeführt, die klar zugunsten Deutschlands ausging. Christburg blieb daraufhin deutsch und wurde nach der Auflösung der Provinz Westpreußen 1922 an Ostpreußen angegliedert.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt am 22. Januar 1945 geräumt. Am nächsten Tag verließ der letzte Flüchtlingszug zusammen mit dem Militär die Stadt. Sie wurde am 24. Januar von der Roten Armee kampflos eingenommen. Große Teile der Stadt wurden nach Plünderung und blutiger Ausschreitung gegenüber der verbliebenen Restbevölkerung niedergebrannt. Vom Brand betroffen waren auch der, das Bild des Platzes prägende, Laubengang an der oberen, westlichen Seite des Marktes.[9]

Bald darauf wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Zuwandernde Polen und Ukrainer begannen nun, sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Stadtbewohner zu bemächtigen und die Einwohner daraus zu verdrängen. Gleichzeitig begann die örtliche polnische Verwaltungsbehörde mit der Vertreibung der in der Stadt verbliebenen Einwohner. Die deutsche Stadt Christburg wurde in Dzierzgoń umbenannt.

Die zuwandernden Polen und Ukrainer kamen zunächst vorwiegend aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, wo sie völkischen Minderheiten angehört hatten. Diese Gebiete waren im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach Ende des Zweiten Weltkriegs an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige von Minderheiten in diesen Gebieten waren von den örtlichen Sowjetkommandanturen vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatszugehörigkeit zu akzeptieren oder aussiedeln zu müssen.

Bevölkerungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1669 gab es in Christburg keinen einzigen Katholiken, im Jahr 1742 befanden sich hier etwa zehn Katholiken.[10]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1772 727 [11]
1776 1.473 [11]
1777 1.377 [11]
1782 1.505 in 266 Wohnhäusern, teils Lutheraner, teils Katholiken,
teils deutscher, teils polnischer Muttersprache[12]
1793 1.695 [13]
1804 2.104 Christen, in 233 Wohngebäuden[11]
1831 2.183 [14]
1852 2.765 [15]
1864 3.254 davon 1.974 Evangelische und 977 Katholiken[16]
1875 3.303 [17]
1880 3.284 [17]
1890 3.113 davon 2.016 Protestanten, 898 Katholiken und 193 Juden [17]
1895 3.218 davon 954 Katholiken und 167 Juden[18]
1900 3.116 meist Protestanten[19]
1925 2.920 meist Protestanten (640 Katholiken)[20]
1933 3.366 [17]
1939 3.603 [17]
2012 5.638 Stand vom 30. Juni 2012[21]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen stellt Katharina von Alexandrien mit den Attributen Schwert, Rad und Märtyrerkrone auf goldenem Schild dar. Das Wappen wurde nach den Bildern mittelalterlicher Siegel des 13. Jahrhunderts vom deutschen Heraldiker Otto Hupp im 19. Jahrhundert entworfen.[22]

Stadt- und Landgemeinde Dzierzgoń[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Dzierzgoń gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name (bis 1945)
Ankamaty Ankemitt
Bągart Baumgarth
Blunaki Blonaken
Bruk Bruch
Budzisz Budisch
Chartowo Hartwigsfelde
Chojty Choyten (1929-45 Koiten)
Dzierzgoń Christburg
Jasna Lichtfelde
Jeziorno Lautensee
Judyty Judittenhof
Kamienna Góra Steinberg
Kuksy Kuxen
Lisi Las Friedrichsfelde
Litewki Litefken
Minięta Menthen
Morany Morainen
Nowa Karczma Neukrug
Nowiec Neuhöferfelde
Nowiny Neuhof
Pachoły Pachollen
Pawłowo Petershof
Piaski Sztumskie Sandhuben
Poliksy Polixen
Prakwice Prökelwitz
Spalonki Bärenwinkel
Stanówko Klein Stanau
Stanowo Groß Stanau
Stara Wieś Altendorf
Tywęzy Tiefensee
Żuławka Sztumska Posilge

Partnergemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partnergemeinden von Dzierzgoń sind:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Schirlitz (1893–1978), deutscher Marineoffizier, zuletzt Vizeadmiral im Zweiten Weltkrieg und Festungskommandant von La Rochelle, wurde am 7. September 1893 im ehemaligen Christburg geboren

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dzierzgoń – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 26. Dezember 2014.
  2. Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste (Samuel Ersch und J. G. Gruber, Hrsg.), Band 17, Leipzig 1828, S. 66-67.
  3. a b c Ostpreußen und Westpreußen (= Hartmut Bookmann: Deutsche Geschichte im Osten Europas). Siedler, Berlin 1992, ISBN 3-88680-212-4
  4. Christburger Vertrag 1249, Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg, abgerufen: 25. Mai 2016
  5. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 490-491
  6. Vertrag von Thorn 1466, Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg, abgerufen: 25. Mai 2016
  7. Otto Piepkorn, 1962, vergl. Literatur
  8. Christoph Hartknoch: Alt- und Neues Preussen. 1684, S. 388.
  9. Otto Piepkorn, 1962, vergl. Literatur
  10. Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Geschichte des Stuhmer Kreises. Thorn 1868, S. 189.
  11. a b c d Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Geschichte des Stuhmer Kreises. Thorn 1868, S. 188.
  12. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Part II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 19–20.
  13. Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 27–28.
  14. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 445, Nr. 60.
  15. Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1865, S. 95.
  16. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868. Ortschaft-Verzeichnis des Regierungsbezirks Marienwerder, S. 196–197, Nr. 24.
  17. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Stuhm (2006).
  18. Brockhaus' Konversations-Lexikon, 14. Auflage, Band. 4, Berlin und Wien 1998, S. 272.
  19. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 4, Leipzig und Wien 1908, S. 102.
  20. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 4, Leipzig 1929, S. 96–97.
  21. http://www.stat.gov.pl/cps/rde/xbcr/gus/l_ludnosc_stan_struktura_30062012.pdf
  22. Herb Dzierzgonia. Gmina Dzierzgoń, abgerufen am 25. Mai 2016 (polnisch).