EBIT

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Das EBIT (Abkürzung aus englisch earnings before interest and taxes, deutsch „Gewinn vor Zinsen und Steuern), auch als operatives Ergebnis bezeichnet, ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl und sagt etwas über den erzielten Bruttogewinn eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum aus. Es gehört zu den „Pro-Forma-Kennzahlen“ aus der Ergebnisrechnung nach IFRS, bei dem das Ergebnis um Steuern und Zinsen bereinigt wird.

Ermittlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das EBIT ist aus der Rechnungslegung nach US-GAAP entstanden und wird meist auch bei IFRS ausgewiesen. Es bezeichnet den um Zinsen und Steuern bereinigten Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag und errechnet sich wie folgt:[1]

   Umsatzerlöse
   +/- Bestandsveränderungen
   + aktivierte Eigenleistungen
   - Materialaufwand
   - Personalaufwand
   - Abschreibungen auf das Anlagevermögen
   - sonstige betriebliche Aufwendungen
   + sonstige betriebliche Erträge
   = Betriebsergebnis 
   + Zuschreibungen zum Anlagevermögen
   + Erträge aus Finanzanlagen
   = EBIT

Das Betriebsergebnis ist ein Zwischenergebnis bei der Ermittlung des EBIT, es enthält also weder Zuschreibungen noch Erträge aus Finanzlagen. Zinsen, sonstige Finanzierungsaufwendungen oder -erträge, Beteiligungserträge und Steuern werden beim EBIT ignoriert, weil alle diese Positionen nicht durch die eigentliche betriebliche Tätigkeit entstanden sind:

   Jahresüberschuss
   + Steueraufwand (z. B. Ertragsteuern)
   - Steuererträge (z. B. aus Steuerrückerstattungen)
   = EBT
   + Zinsaufwand und sonstiger Finanzaufwand
   - Zinserträge und sonstige Finanzerträge
   = EBIT

Anhand des EBIT können Finanzanalysten und Controller zum Beispiel den betrieblichen Gewinn verschiedener Geschäftsjahre, Quartale oder Unternehmensbereiche direkt vergleichen, ohne dass die Resultate durch schwankende Steuersätze, vom Schuldenstand abhängige Zinsaufwendungen oder ähnliche Faktoren verzerrt würden. Es ist ein Maß für die Profitabilität des Geschäfts.

Eine weitere Anwendung ist die Schätzung des Unternehmenswertes mit Hilfe der Multiplikatormethode.

Verwandte Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kennzahlen EBITA und EBITDA berücksichtigen zusätzlich auch die Abschreibungen oder Teile davon:[2]

   EBIT
   + Abschreibungen auf Sachanlagevermögen und immaterielles Anlagevermögen
   = EBITDA 

EBIT-Marge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die EBIT-Marge (englisch EBIT margin) ist das Verhältnis von EBIT zu Umsatz:[3]

Die EBIT-Marge drückt aus, welches operative Ergebnis durch einen Jahresumsatz erzielt worden ist. EBIT-Margen sagen auch mittelbar etwas über den Wettbewerb in einer Branche aus, da oligopolistische oder gar monopolistische Strukturen tendenziell größere Preisfreiheiten zulassen und deshalb höhere EBIT-Margen erzielt werden können. Kostengünstig produzierende Unternehmen haben größere Vorteile, höhere EBIT-Margen zu erzielen als Unternehmen mit hohem Kostenblock. Hohe Ertragskraft weisen – branchenabhängig – Unternehmen mit einer EBIT-Marge von über 15 % auf, während bei EBIT-Margen von weniger als 3 % hohe Rentabilitätsrisiken vorhanden sind. Die EBIT-Marge ist weltweit insbesondere bei Publikums-Aktien ein beliebter Indikator für die Umsatzrentabilität, etwa bei der Bildung einer Rangfolge.[4] Ähnlich wie die Umsatzrendite sagt die EBIT-Marge etwas über die Rentabilität eines Unternehmens aus, ist aber wie das EBIT unabhängig von Finanzergebnis, außerordentlichen Positionen und Steuern. Die EBIT-Marge dient häufig als Grundlage für Rentabilitätsziele eines Unternehmens, wenn sich etwa ein Unternehmen zum Ziel setzt, eine EBIT-Marge von mindestens 9 % innerhalb der kommenden zwei Geschäftsjahre zu erreichen.

EBIT Deutschland 2017

Die weltweite Konjunkturerholung trieb Deutschlands führende Unternehmen 2017 zu Rekorden bei Umsatz, Gewinn und Beschäftigung. Der Gesamterlös der 100 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Konzerne stieg in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp sieben Prozent auf den Bestwert von 1,25 Billionen Euro, der Gewinn stieg um 21 Prozent auf knapp 109 Milliarden Euro. Dementsprechend legte auch die Profitabilität zu, denn die durchschnittliche EBIT-Marge stieg von 7,7 auf 8,7 Prozent. Das geht aus einer Auswertung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young hervor.[5]

Andere Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das EBIT kann wiederum Grundlage für die Ermittlung weiterer Kennzahlen sein, so etwa beim Zinsdeckungsgrad, Schuldendienstdeckungsgrad oder der Eigenkapitalrentabilität.

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die EBIT-Marge kann Bestandteil von Anleihebedingungen oder Kreditverträgen im Rahmen der Covenants sein. Dabei verpflichtet sich der Schuldner gegenüber seinen Gläubigern, eine bestimmte vertraglich festgelegte Untergrenze der EBIT-Marge nicht zu unterschreiten. Kommt es zur Unterschreitung, so liegt eine Vertragsverletzung (englisch covenant breach) vor, die zunächst meistens eine Heilungsperiode (englisch remedy/grace period) zur Folge hat, die dem Kreditnehmer die nachträgliche Erfüllung der vorgegebenen Kennzahl ermöglichen soll. Gelingt dies jedoch weiterhin nicht, wird eine höhere Kreditmarge oder gar ein außerordentliches Kündigungsrecht des Kreditgebers ausgelöst.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: EBIT – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • manager-magazin.de – Manager Magazin vom 16. Dezember 2003, Fredmund Maliks Kritik an der falschen Verwendung von EBIT

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Wöhe/Ulrich Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, 2013, S. 756
  2. Günter Wöhe/Ulrich Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, 2013, S. 756
  3. Götz von Berkstein, Wirtschaftshandbuch der Formeln und Kennzahlen, 2010, S. 22
  4. Börsennews.de über die 100 führenden Unternehmen nach EBIT-Marge
  5. Ernst & Young vom 26. Dezember 2017, Rekordjahr 2017 für Deutschlands Top-Unternehmen: Umsatz, Gewinn und Beschäftigung legen kräftig zu, abgerufen am 9. Oktober 2018