EBIT

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der betriebswirtschaftlichen Kennzahl. Für die Bedeutung „Electron Beam Ion Trap“ siehe Electron Beam Ion Trap.

Der EBIT (engl. earnings before interest and taxes; wörtlich übersetzt „Gewinn vor Zinsen und Steuern“), der auch als operatives Ergebnis bezeichnet wird, ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl und sagt etwas über den Gewinn eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum aus. Er gehört zu den „Pro-Forma-Kennzahlen“ aus der Ergebnisrechnung nach IFRS, bei dem das Ergebnis um Steuern und Zinsen bereinigt wird.

Hintergründe[Bearbeiten]

Der EBIT ist aus der Rechnungslegung nach IFRS entstanden und bezeichnet den um Zinsen und Steuern bereinigten Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag. Nach HGB muss der EBIT zusätzlich um das außerordentliche Ergebnis bereinigt werden. Dieses wird in der Rechnungslegung nach IFRS nicht separat ausgewiesen. Außerordentliche, einmalige Kosten und Aufwendungen werden ebenso ignoriert wie Zinsen, sonstige Finanzierungsaufwendungen oder -erträge und Steuern, weil alle diese Positionen nicht durch die eigentliche betriebliche Tätigkeit entstanden sind. Man spricht hier auch von einer Bereinigung des Gewinns oder dem Herausrechnen bestimmter Positionen:

Umsatzerlös
- Materialaufwand
- Personalaufwand
- sonst. betr. Aufwendungen
+ sonst. betr. Erträge
- Abschreibungen auf das Anlagevermögen
+ Zuschreibungen zum Anlagevermögen
= EBIT

Die Abschreibungen auf das Anlagevermögen werden dabei um periodenfremde oder außergewöhnliche Bestandteile bereinigt, z. B. um Sonderabschreibungen auf Beteiligungen.

Jahresüberschuss
+ Steueraufwand (z.B. Ertragsteuern)
- Steuererträge
= EBT
+ Zinsaufwand
- Zinserträge
= EBIT

Der EBIT macht den Entscheidungscharakter dieser Größe (Zahl) besonders deutlich:

Das „before“ beim EBIT bedeutet „vor“ Steuern („taxes“) und den erst danach folgenden Größen der Gewinnverwendung (z.B. Ausschüttungen und Dividenden). Damit können Unternehmen offen über die Verwendung ihrer erwirtschafteten Gewinne („earnings“) für ihre Projekte entscheiden.

Bei Bedarf an neuem Eigenkapital können Unternehmen die Ziele für die Verwendung dieses Eigenkapitals offen kommunizieren. Natürlich müssen Fremdkapitalzinsen und Fremdkapitalrückzahlungen für vorhandenes Fremdkapital berücksichtigt werden, wobei schrittweise Eigenkapitalerhöhungen für den Abbau von Schulden im Vordergrund stehen könnten.

Anhand des EBIT können Finanzanalysten und Controller zum Beispiel den betrieblichen Gewinn verschiedener Geschäftsjahre, Quartale oder Unternehmensbereiche direkt vergleichen, ohne dass die Resultate durch schwankende Steuersätze, Zinsaufwendungen oder sonstige außerordentliche Faktoren verzerrt werden.

Eine weitere Anwendung ist die Schätzung des Unternehmenswertes mit Hilfe der Multiplikatormethode.

Verwandte Kennzahlen[Bearbeiten]

Die Kennzahlen EBITA und EBITDA rechnen zusätzlich auch die Abschreibungen oder Teile davon aus dem Gewinn heraus.

EBIT-Marge[Bearbeiten]

Die EBIT-Marge (englisch: EBIT margin) ist das Verhältnis von EBIT zu Umsatz:

\mbox{EBIT-Marge in Prozent} = \frac{\rm{EBIT}}{\rm{Umsatz}}

Die EBIT-Marge drückt aus, welches operative Ergebnis durch einen Jahresumsatz erzielt worden ist. EBIT-Margen sagen auch mittelbar etwas über den Wettbewerb in einer Branche aus, da oligopolistische oder gar monopolistische Strukturen tendenziell größere Preisfreiheiten zulassen und deshalb höhere EBIT-Margen erzielt werden können. Kostengünstig produzierende Unternehmen haben größere Vorteile, höhere EBIT-Margen zu erzielen als Unternehmen mit hohem Kostenblock. Hohe Ertragskraft weisen – branchenabhängig - Unternehmen mit einer EBIT-Marge von über 15 % auf, während bei EBIT-Margen von weniger als 3 % hohe Rentabilitätsrisiken vorhanden sind. Die EBIT-Marge ist weltweit insbesondere bei Publikums-Aktien ein beliebter Indikator für die Umsatzrentabilität, etwa bei der Bildung einer Rangfolge.[1] Ähnlich wie die Umsatzrendite sagt die EBIT-Marge etwas über die Rentabilität eines Unternehmens aus, ist aber wie das EBIT unabhängig von Finanzergebnis, außerordentlichen Positionen und Steuern. Die EBIT-Marge dient häufig als Grundlage für Rentabilitätsziele eines Unternehmens, wenn sich etwa ein Unternehmen zum Ziel setzt, eine EBIT-Marge von mindestens 9 % innerhalb der kommenden zwei Geschäftsjahre zu erreichen.

Andere Kennzahlen[Bearbeiten]

Das EBIT kann wiederum Grundlage für die Ermittlung weiterer Kennzahlen sein, so etwa beim Zinsdeckungsgrad, Schuldendienstdeckungsgrad oder der Eigenkapitalrentabilität.

Auswirkungen[Bearbeiten]

Der EBIT-Marge kann Bestandteil von Anleihebedingungen oder Kreditverträgen im Rahmen der Covenants sein. Dabei verpflichtet sich der Schuldner gegenüber seinen Gläubigern, eine bestimmte vertraglich festgelegte Untergrenze der EBIT-Marge nicht zu unterschreiten. Kommt es zur Unterschreitung, so liegt eine Vertragsverletzung (covenant breach) vor, die zunächst meistens eine Heilungsperiode (remedy/grace period) zur Folge hat, die dem Kreditnehmer die nachträgliche Erfüllung der vorgegebenen Kennzahl ermöglichen soll. Gelingt dies jedoch weiterhin nicht, wird eine höhere Kreditmarge oder gar ein außerordentliches Kündigungsrecht des Gläubigers ausgelöst.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Börsennews.de über die 100 führenden Unternehmen nach EBIT-Marge


 Wiktionary: EBIT – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen