ERF Medien (Deutschland)

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Dieser Artikel erläutert den deutschen ERF Medien e. V.; zu ERF Medien in anderen Ländern siehe ERF Medien (Schweiz), ERF Medien Österreich und ERF Südtirol.
ERF Medien
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Zweck: Christliche Medienproduktion, insbesondere in Rundfunk und Internet
Vorsitz: Jörg Dechert
Gründungsdatum: 1959
Mitgliederzahl: 150
Mitarbeiterzahl: 230
Sitz: Wetzlar
Website: erf.de
Jubiläumslogo (2009)

Der ERF Medien e. V. mit Sitz in Wetzlar produziert als gemeinnütziger Verein Radio- und Fernsehprogramme sowie Internetangebote mit christlich-evangelikalen Inhalten. Er wurde 1959 als Evangeliums-Rundfunk (ERF) gegründet. Theologisch steht er der Evangelischen Allianz nahe.[1]

Trägerschaft und Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ERF ist ein Medienunternehmen, das – nach eigenem Selbstverständnis – durch seine Inhalte in Radio, Fernsehen und Internet Menschen dazu verhelfen möchte, den Glauben an Jesus Christus zu entdecken und in Gemeinde und Gesellschaft zu leben (Leitsatz des ERF seit 2009). Er betreibt seine Programme, um „durch Radio- und Fernsehsendungen mitzuhelfen, dass Menschen Christen werden und Christen Christen bleiben“ (Webseite des ERF). Hinzugekommen sind 2002 die Christliche InterNet-Arbeitsgemeinschaft (CINA, heute ERF Online) und eine Stiftung (2001), die nach eigenem Bekunden die „Förderung des geistlichen und kulturellen Lebens sowie sozialer und diakonischer Belange durch Medienarbeit“ und die „Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus durch Wort und Bild“ zur Aufgabe hat.

Vorstand und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vorsitzender des Aufsichtsrats wurde der Wirtschaftswissenschaftler Jürgen von Hagen am 2. Mai 2011 von den Vereinsmitgliedern gewählt.

Derzeit sind rund 230 Mitarbeiter bei ERF Medien e. V. angestellt; hinzu kommen Kreise von jeweils ca. 800 ehrenamtlichen Autoren und Seelsorgern und Lebensberatern sowie Kontaktern für die Öffentlichkeitsarbeit.

ERF Medien e. V. ist der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angeschlossen und ist offizieller Medienpartner der EKD sowie vom Massenevangelisationsveranstalter ProChrist.

Neben dem ERF Medien e. V. in Deutschland gibt es noch den ERF Medien (Schweiz) in der Schweiz, ERF Medien Österreich und ERF Südtirol als jeweils eigenständige Vereine.

Der ERF pflegt seit seiner Gründung eine Partnerschaft mit der internationalen christlichen Radiomission Trans World Radio (TWR). Er tritt als deutschsprachiger Zweig von TWR auf, obwohl er anders organisiert ist. Der ERF ist Programmanbieter, während TWR bis vor allem Sender betreibt und an christliche Organisationen weitervermietet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des ERF Südtirol
Logo des ERF für Kinder

Am 19. Oktober 1959 gründete sich der Verein Evangeliums-Rundfunk e. V. in Wetzlar. Beweggrund für die meisten Gründungsmitglieder war, dass über die öffentlich-rechtlichen Sender zu wenig christliches Programm gesendet wurde. Vor allem Andachten, biblische Themen, aber auch Musik mit geistlichen Inhalten wurden vermisst. Da es in Deutschland noch keinen zugelassenen privaten Rundfunk gab, entschloss man sich zur Zusammenarbeit mit Trans World Radio, einem amerikanischen Verein, der weltweit Sender betreibt und bereitwillig Sendeanlagen für deutschsprachige Sendungen zur stundenweisen Miete anbot. So wurden die ersten Sendungen am 5. Februar 1961 über Kurzwelle von Monte Carlo ausgestrahlt. Es folgten weitere Sendeanlagen in Bonaire, Swasiland (deutsche und ausländische Sendungen für Südafrika). Maßgeblich am Aufbau beteiligt waren Walter Quiring und Horst Marquardt, der bis Ende 1993 Leiter des Evangeliums-Rundfunk und danach bis 1997 einer der Internationalen Direktoren der Radiomission Trans World Radio (TWR) war.

Seit 1966 gibt es Sendungen auf Mittelwelle (Monte Carlo). Seit dem 1. April 1996 bis 2011 nutzte der Evangeliums-Rundfunk auch einen Mittelwellensender in Mainflingen, mit dem früher der Deutschlandfunk das Gebiet der DDR versorgte. Seit 2011 wird das Radioprogramm auf DAB+ ausgestrahlt.[4]

Seit 1971 besteht ein eigenes Medienhaus mit verschiedenen Studios und Büroräumen in Wetzlar-Dalheim. Später wurden Tochterunternehmen gegründet in der Schweiz (heute ERF Medien), in Österreich (ERF Medien Österreich), in Südtirol (ERF Südtirol) und in Pretoria (Südafrika), sowie mehrere weitere Geschäftsstellen in Deutschland. Seit 1974 gibt es Sendungen für ausländische Mitbürger, zusätzlich zu fremdsprachigen Sendungen für Christen in Osteuropa, die bis zum Ende des Eisernen Vorhangs ebenfalls aus Monte Carlo gesendet werden mussten. Danach stand sogar bis 1996 für einige Jahre ein Mittelwellensender in Russland für die Ausstrahlung deutsch- und fremdsprachiger Sendungen zur Verfügung.

1977 gründete der Evangeliums-Rundfunk den ERF-Verlag, der über mehrere Jahrzehnte vor allem Hörproduktionen in Form von Vorträgen, Konzeptprojekten wie Lebensbilder, Kinderhörspielen und Hörbüchern veröffentlichte. Ebenfalls zeichnete er sich verantwortlich für die seine Synchronisationen erster christlicher Filme für den deutschsprachigen Markt. Nachdem der Verlag 2001 zunächst der Stiftung Christliche Medien beigetreten war, ist er 2007 gemeinsam mit weiteren Unternehmen der Stiftung im SCM-Verlag aufgegangen. Hier existierte der Name noch mehrere Jahre in Form der Marke SCM ERF-Verlag fort.[5]

Seit 1985 gibt es Sendungen in Privatradios (Beteiligung am Kabelpilotprojekt in Ludwigshafen am Rhein und später im ganzen deutschsprachigen Europa), später auch im privaten Fernsehen, z. B. eine eigene Sendeschiene von 2006 bis 2008 („UnsER Feierabend“) auf Bibel TV. Es folgten ebenso Videoangebote im Internet (life-tv.net). Der ERF betrieb mit CrossChannel.de ein christliches Internetradio für Jugendliche, das 2004 aus dem ERF-Jugendprogramm „Junge Welle“ hervorgegangen war. Dieses Webradio wurde 2014 eingestellt.

Mit der Übernahme der Christlichen InterNet-Arbeitsgemeinschaft wird das Internet zum dritten Standbein des ERF. 2008 wird die CINA zu ERF online. Alle Radio- und Fernsehangebote lassen sich auf der Website des ERF (www.erf.de) anhören bzw. ansehen. ERF online stellt noch weitere Websites zur Verfügung.

2009 wurde das Fernsehangebot zu einem eigenen Fernsehkanal (ERF eins) ausgebaut, der über ASTRA digital sowie über einige Kabelbetreiber zu empfangen ist. Zum 1. Juli 2014 wird im Zuge einer neuen TV-Strategie[6] die Ausstrahlung des Angebotes über ERF eins eingestellt, einzelne Fernsehsendungen des ERF in Partnerschaft mit Bibel TV ausgestrahlt,[7] die digitale Fernseh-Mediathek und Aktivitäten in den sozialen Medien ausgebaut.[8] Über Das Vierte wurden wochentags ebenfalls Sendungen des ERF ausgestrahlt.

Am 1. Oktober 2014 gab Jürgen Werth das Amt des Vorstandsvorsitzenden nach 20 Jahren an Jörg Dechert weiter.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Finanzierung erfolgt fast ausschließlich durch Spenden der Hörer, Zuschauer, Onlinenutzer und Freunde bei Jahreseinnahmen von 15,38 Millionen Euro (Stand 2016).[9] Außerdem gibt es seit 2001 eine „ERF-Stiftung“,[10] deren satzungsmäßiger Zweck darin besteht, den Sender finanziell zu unterstützen.[11]

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ERF Radio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ERF und seine Tochterunternehmen betreiben folgende Radiosender:

  • ERF Plus: siehe Hauptartikel (mit Beschreibung der Webradios)
  • ERF Pop, ein musikorientiertes Internetradio für die 30- bis 50-jährige Kernzielgruppe (seit April 2009)

Hauptsächlich sendet der ERF seine Radioprogramme über die ASTRA-Satelliten und in verschiedenen Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern und in Teilen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) im Kabel. Die Einspeisung des Programms im analogen Kabelradio entfällt ab der Jahreswende 2012/2013 in Hessen sowie in den Teilen Nordrhein-Westfalens, in denen ein guter Empfang über DAB+ gewährleistet ist. Der Empfang im digitalen Kabelradio wird aber auch dort fortgeführt.[12] Im Internet werden die Sender auch via Livestream verbreitet. Podcast-Angebote gibt es zu ausgewählten Sendebeiträgen, sowie zu ERF Plus, ERF Pop und CrossChannel.de. Außerdem sind die Radiosendungen von ERF Plus, ERF Pop und CrossChannel über Telefon zu hören.

Seit August 2011 wird das Radioprogramm von ERF Plus auch über DAB+ verbreitet. Die Ausstrahlung soll bis Ende 2015 deutschlandweit erfolgen.

ERF Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: ERF 1

Die Anfänge der Fernseharbeit des ERF liegen in den späten 1970er Jahren, als international erfolgreiche, christliche Kinderfilme synchronisiert und verliehen wurden. Sendemöglichkeiten ergaben sich erst mit den ersten privaten Fernsehanbietern Mitte der 1980er Jahre.

Als Mitgesellschafter bestritt ERF Fernsehen von 2006 bis 2008 einen wesentlichen Teil des Programms von Bibel TV. Von 2009 bis Juni 2014 betrieb der ERF einen eigenen Fernsehkanal über den Satellit Astra Digital. Anfänglich wechselte ab 1. Januar 2009 die Sendereihe UnsERFeierabend von Bibel TV auf die neue Medienplattform ERF eins,[13] ab März 2009 war dann ein 24-Stunden-Programm verfügbar. Seit 1. Juli 2014 wurde eine neue Zusammenarbeit mit Bibel TV begonnen. Neben dem 24-Stunden-Programm im ERF-Livestream werden die beliebtesten Sendungen nun via Bibel TV mit größerer Reichweite ausgestrahlt.[14]

ERF Online[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drittes Standbein der ERF-Arbeit ist ERF Online (früher: Christliche Internetarbeitsgemeinschaft, CINA) mit mehr als 15 verschiedenen Angeboten. Darüber hinaus ist das Radioprogramm als Livestream und das komplette Fernsehangebot verfügbar. Datenbanken mit Informationen zu christlichen Gemeinden, Urlaub und Freizeit, Stellenangeboten etc. ergänzen das Angebot. Gemeinsam mit anderen Kooperationspartnern, unter anderem Bibelgesellschaften und Verlagen, werden auf Bibleserver.com verschiedene Bibelübersetzungen bereitgestellt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antenne – zweimonatlich erscheinendes Magazin des ERF, unter anderem mit Programmübersicht und anderen Themen mit einer Auflage von 120.000 Exemplaren (Stand: 2015)
  • Hanni Lützenbürger: … aber Gottes Wort ist nicht gebunden. Evangeliums-Rundfunk, Auftrag und Dienst. ERF, Wetzlar 1977

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die „Mediengemeinde“ wächst. Jürgen Werth im Interview mit Helmut Matthies. ead.de, 22. Oktober 2009
  2. erf.de: Stabwechsel bei ERF Medien
  3. Am 1. September 2015 wurde Thomas Woschnitzok Nachfolger von Ulrich Rüsch Geschäftsführer im ERF-Vorstand. IdeaSpektrum 2015.33/34, S.10.
  4. ERF Medien startet am 1. August über DAB+. Pressemitteilung vom 22. April 2011. Abgerufen am 23. April 2011.
  5. Geschichte des SCM-ERF-Verlag, abgerufen am 1. Januar 2014
  6. ERF mit neuer TV-Strategie, erf.de
  7. ERF Medien mit neuer TV-Strategie. ERF-Pressemeldung, abgerufen am 1. April 2014
  8. Der ERF stellt sich neu auf, erf.de, Interview vom 23. April 2014.
  9. Vision von ERF Medien: Bis 2019 50 Prozent mehr Menschen erreichen, idea.de, Artikel vom 8. Mai 2017.
  10. Vorstellung der Stiftung auf einer Seite des ERF
  11. Informationen des ERF zu Geldzuwendungen über die ERF-Stiftung
  12. Verbreitung über Digitalradio löst teilweise analoge Kabelübertragung ab. Pressemitteilung des ERF. 7. Dezember 2012. Abgerufen am 15. Dezember 2012.
  13. „UnsERFeierabend“ ab Januar auf neuem Kanal „ERF eins“. erf.de, Pressemeldung vom 20. Oktober 2008
  14. Überblick über die Fernsehsendungen von ERF Medien