ESG (Unternehmen)

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ESG Elektroniksystem-und Logistik-GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1967
Sitz DeutschlandDeutschland München
Leitung Kai Horten [1]
Mitarbeiter 1600 (2014)[2]
1200 (2008)[3]
  800 (1997)[4]
Umsatz 262 Mio € (2015)[2]
202 Mio € (2008)[3]
100 Mio € (1997)[4]
Branche System- und Softwarelösungen
Website www.esg.de

Die ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH ist ein System- und Softwarehaus mit Sitz in München und Firmenzentrale in Fürstenfeldbruck. Die ESG entwickelt, integriert und betreibt komplexe, sicherheitsrelevante Elektronik- und IT-Systeme für Militär, Behörden und Unternehmen. Ihre Logistiklösungen sorgen für eine hohe Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit dieser Systeme im Einsatz. Die Cyber- und IT-Services des Unternehmens leisten dabei signifikante Beiträge zur Sicherheit im Cyber-Raum. Unter anderen gehören Firmen der Automobil-, der Luftfahrtindustrie und aus den Bereichen Gebrauchs- und Investitionsgüter zu den Kunden. Die ESG ist unabhängiger Technologie- und Prozessberater, führt Studien und Simulationen für neue Systeme durch und unterstützt das Management großer IT-Projekte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund zahlreicher Probleme im Zusammenhang mit der Beherrschbarkeit des F-104G Starfighters, in dessen Folge es zu vielen Abstürzen und tragischen Todesfällen kam, beauftragte das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) 1963 deutsche Elektronikfirmen, die Einsatzbereitschaft und die Sicherheit des Starfighters signifikant zu verbessern. So kam es zur Gründung der Flug-Elektronik-Gesellschaft mbH (FEG) mit Sitz in München. Es gelang den Ingenieuren der FEG, das Flugzeug als ganzheitliches System zu betrachten und dadurch die Technik und die Logistik beherrschbar zu machen. So konnte das Störverhalten der Komponenten des Starfighters analysiert und entsprechende Verbesserungen umgesetzt werden.

Während dieses Prozesses wurde FEG zur Leitfirma Ausrüstung und damit verantwortlich für die technisch-logistische Betreuung aller fliegenden Waffensysteme der Bundeswehr. Das BMVg forcierte darüber hinaus die Gründung eines Unternehmens, das in der Lage war, die für ein derartiges Luftfahrzeug nötigen Elektroniksysteme nicht nur beherrschen, sondern auch eigenständig entwickeln zu können. So kam es 1967 zur Gründung der ESG Elektronik-System-Gesellschaft durch AEG-Telefunken, Rohde & Schwarz, SEL und Siemens. Der erste Auftrag der ESG war die Erarbeitung der Waffensystemelektronik für ein neues Kampfflugzeug. Die ESG legte dabei den Grundstein für die Planung, Entwicklung und die Integration des Elektroniksystems für den Tornado. Dessen Avioniksystem wurde zusammen mit der britischen Firma EASAMS und der italienischen Firma SIA entwickelt.

1970 übernahm die Gesellschaft die Mehrheit der Anteile der FEG, die Unternehmen wurden organisatorisch zusammengeführt. In dieser Zeit übernahm die FEG die Materialbewirtschaftung und technische Betreuung des Transportflugzeugs Transall C-160 und des Flugzeugs Fiat G.91. Weiterhin betreute sie technisch und logistisch den Hubschrauber Bell UH-1D und übernahm die Erstellung technischer Handbücher für den Hubschrauber CH-53 sowie weiterer fliegender Waffensysteme. Die ESG bewirtschaftet die Bundeseigene Lager (BEL) der deutschen Luftwaffe. Sie befinden sich bei 52 Unternehmen, die im Auftrag der Bundeswehr die Wartung und Reparatur fliegender Waffensysteme übernehmen. Die Unternehmen greifen für ihre Arbeit auf den Bestand der Lager zurück, alle Einzelteile bleiben aber im Eigentum der Bundeswehr. Zu den Aufgaben der ESG gehört die Ermittlung des Ersatzteilbedarfs und die Einleitung der Beschaffungen.[5]

1992 fusionierten die ESG und die FEG zur ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH. Seit Mai 2000 betreibt die ESG das „Zentrale Bundeseigene Lager (ZEBEL)“ in Kaufungen für das deutsche Heer. Dort werden alle Ersatzteile der Teilstreitkraft gelagert, die innerhalb von 24 Stunden überall in Deutschland mit dem Partner Schenker geliefert werden können. Die Lagerfläche beträgt 12.000 Quadratmeter mit mehr als 13.000 Palettenstellplätzen in einem Hochregallager in einer Halle von 120 Metern. Mehr als 50.000 verschiedene Artikel sind eingelagert. Mit dem Aufbau eines Zentrallagers schaffte das Heer die über die Republik verteilten Einzellager ab, und so konnte der Bestandswert der Ersatzteile auf 80 Mio. Euro gesenkt werden.[6]

Seit dem Ende der Neunzigerjahre gewann die Automobilindustrie als Kunde der ESG zunehmend an Bedeutung, aktuell wird diese von Regionalbüros in München, Ingolstadt, Rüsselsheim am Main, Wolfsburg, Köln und Stuttgart sowie international in Detroit und Shanghai mit einem Portfolio von Entwicklungsdienstleistungen aus ADAS & Embedded Software, Connected Car, Diagnostics, eMobility, HMI & Infotainment, Training & Learning Solutions, Process Management sowie Test & Integration bedient.[7][8]

Die Gesellschafter waren bis August 2015 Airbus Defence and Space, Rohde & Schwarz, Thales (jeweils zu 30 %) sowie die Northrop Grumman (10 %),[9] die ihre Anteile dann an eine private Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München verkauften.[10][11] Zu den Anteilseignern der Investmentgesellschaft Armira gehört unter anderem die Bielefelder Gesellschaft GB GbR mit Carl Christian Oetker, Richard Oetker und Ludwig Graf Douglas als Gesellschafter. Daneben zählen der Verlagserbe Michael Jahr, Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg und Mitglieder der Familie von Staff genannt von Reitzenstein zu den Investoren.[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 wurde ESG vom ehemaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth als Mentor des „Top-100“-Projekts als eins der drei besten Unternehmen ausgezeichnet.[13] In 2012 erhielt ESG das Gütesiegel bereits zum vierten mal.[14] Auch 2014 wurde ESG wieder als „Top-Innovator“ ausgezeichnet.[15] Ranga Yogeshwar, Mentor von Top 100, zeichnete die ESG im Jahr 2016 erneut für ihr Technologie- und Innovations-Management als Top-Innovator aus.[16]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ESG Automotive Inc. (100 %)
  • ESG Automotive China (100 %)
  • ESG Consulting GmbH (100 %)
  • ServiceXpert GmbH (100 %)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. esg.de: Geschäftsführung
  2. a b Seite „Facts & Figures“ des Firmenwebsites. Abgerufen am 24. September 2015.
  3. a b Seite „Facts & Figures“ des Firmenwebsites. ESG. Archiviert vom Original am 12. Mai 2009.
  4. a b Wirtschafts- und Personaldaten. ESG. Archiviert vom Original am 15. Februar 1998.
  5. Bewirtschaftung der Bundeseigenen Lager der Luftwaffe
  6. Das Kooperationsprojekt ZEBEL
  7. Henning Krogh: Neue Führungskraft bei ESG: Puchta soll Fahrzeug-Geschäft leiten. In: Automobilwoche. 8. Dezember 2014.
  8. Portfolio der Automotive Division von ESG. ESG.
  9. Seite „Facts & Figures“ des Firmenwebsites. ESG. Archiviert vom Original am 9. Juni 2015.
  10. Pressemitteilung: Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München übernimmt sämtliche Anteile. ESG. 31. Juli 2015.
  11. Elektronikspezialist: Airbus trennt sich von ESG. In: Der Spiegel. 31. Juli 2015.
  12. Gerhard Hegmann: Oetker und Adelige kaufen sich Rüstungsfirma. In: Die Welt. 18. September 2015.
  13. Joachim Hackmann: Ausgezeichnete Unternehmen: Innovationen aus Deutschland. In: Computerwoche. 1. Juli 2010.
  14. Pressemeldung: Die ESG erhält erneut das Top-100 Gütesiegel. ESG. 25. Juni 2012.
  15. Götz Fuchslocher: ESG: Top-Innovator. In: Automobil Produktion. 30. Juni 2014.
  16. https://www.top100.de/die-top-innovatoren/detail/esg-elektroniksystem-und-logistik-gmbh.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 11′ 15″ N, 11° 36′ 7″ O