ESG (Unternehmen)

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ESG Elektroniksystem-und Logistik-GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1967
Sitz München, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Kai Horten[1]
Mitarbeiter 1.600 (2014)[2]
Umsatz 262 Mio € (2015)[2]
Branche Elektronik, Software
Website www.esg.de

Die ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH ist ein vorwiegend im Rüstungsbereich tätiges System- und Softwarehaus mit Sitz in München und Firmenzentrale in Fürstenfeldbruck. Die ESG entwickelt, integriert und betreibt komplexe, sicherheitsrelevante Elektronik- und IT-Systeme für Militär, Behörden und Unternehmen. Wichtigster Großkunde ist die Bundeswehr; daneben gehören vor allem Firmen der Automobilindustrie, aber auch der Luftfahrt-, Konsum- und Investitionsgüterindustrie zum Kundenkreis. Die ESG stellt selbst keine Hardware her, sondern fungiert als herstellerunabhängiger Technologie- und Prozessberater, führt Studien und Simulationen für neue Systeme durch und unterstützt das Management großer IT-Projekte. Die Geschäftstätigkeit ist in drei Unternehmensbereiche aufgeteilt: Automotive, Cyber/IT und Defence & Public Security.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund zahlreicher Probleme im Zusammenhang mit der Beherrschbarkeit des Lockheed F-104G Starfighters, in dessen Folge es zu vielen Abstürzen und tragischen Todesfällen kam, verlangte das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) 1963 von den acht deutschen Elektronikfirmen, die am Lizenznachbau des Flugzeugs beteiligt waren, Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit und Einsatzbereitschaft des Starfighters. So kam es zur Gründung der Flug-Elektronik-Gesellschaft mbH (FEG) mit Sitz in München. Indem die Ingenieure der FEG das Flugzeug als ganzheitliches System betrachteten, gelang es ihnen, das Störverhalten der Starfighter-Komponenten zu analysieren und Verbesserungen umzusetzen, die die Technik und die Logistik beherrschbar machten.

Im Rahmen des Aufbaus einer eigenen wehrtechnischen Industrie der Bundesrepublik Deutschland drängte das BMVg auf die Gründung eines Unternehmens, das die wehrtechnischen Entwicklungskompetenzen der Elektronikindustrie bündeln und damit dazu beitragen sollte, die bisherige Lizenzfertigung von Waffensystemen durch Eigenentwicklungen abzulösen.[3] So kam es 1967 zur Gründung der ESG (Elektronik-System-Gesellschaft mbH) durch AEG-Telefunken, Rohde & Schwarz, SEL und Siemens. Der erste Auftrag der ESG war die Erarbeitung eines Projektvorschlags für die Waffensystemelektronik eines neuen Kampfflugzeuges, des späteren Tornado, dessen Avioniksystem von der ESG zusammen mit der britischen Firma EASAMS und der italienischen Firma SIA entwickelt wurde.

1970 erwarb die ESG die Mehrheit der Anteile der FEG, die Unternehmen wurden organisatorisch zusammengeführt und als Leitfirma Ausrüstung verantwortlich für die Materialbewirtschaftung und technisch-logistische Betreuung der Elektronik aller fliegenden Waffensysteme der Bundeswehr. Darüber hinaus übernahm die ESG auch die komplette Materialbewirtschaftung und technische Betreuung einzelner Flugzeugmuster wie des Transportflugzeuges Transall C-160, des Erdkampfflugzeuges Fiat G.91 und des Hubschraubers Bell UH-1D.[4] 1992 fusionierten die ESG und die FEG zur ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH.

Für das deutsche Heer entwickelte die ESG unter anderem ein digitales Feuerleitsystem für den Flugabwehrkanonenpanzer Gepard, den Artillerie-Rechnerverbund ADLER und das mobile Führungs- und Informationssystem HEROS.[3]

Die ESG bewirtschaftet die Bundeseigenen Lager (BEL) der deutschen Luftwaffe bei 52 Unternehmen, die im Auftrag der Bundeswehr die Wartung und Reparatur fliegender Waffensysteme durchführen. Diese Unternehmen greifen für ihre Arbeit auf den Bestand der Lager zurück, alle Einzelteile bleiben aber im Eigentum der Bundeswehr. Zu den Aufgaben der ESG gehört die Ermittlung des Ersatzteilbedarfs und die Einleitung der Beschaffungen.[5]

Seit Mai 2000 betreibt die ESG das „Zentrale Bundeseigene Lager (ZEBEL)“ des Heeres in Kaufungen. Dort werden alle Ersatzteile der Teilstreitkraft gelagert, die vom Partner Schenker AG überall in Deutschland innerhalb von 24 Stunden angeliefert werden können. Die mehr als 50.000 verschiedenen Artikel sind in einem Hochregallager in einer 120 m langen Halle auf 12.000 Quadratmetern Lagerfläche mit mehr als 13.000 Palettenstellplätzen eingelagert. Durch die damit verbundene Auflösung der über ganz Deutschland verteilten Einzellager konnte der Bestandswert der Ersatzteile auf 80 Mio. Euro gesenkt werden.[6]

Anfang der 80er Jahre begann das bis dahin rein militärtechnische Unternehmen auch in den zivilen Sektor zu expandieren, insbesondere in den Bereich der Automobilindustrie, die seit dem Ende der Neunzigerjahre als Kunde der ESG immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Über Regionalbüros in München, Ingolstadt, Rüsselsheim, Wolfsburg, Köln und Stuttgart sowie international in Detroit und Shanghai werden Entwicklungsdienstleistungen in den Bereichen Fahrerassistenzsysteme, Connected Car, Fahrzeugdiagnosesysteme, Elektromobilität, Benutzerschnittstellen und Infotainment sowie Trainingslösungen, Prozessmanagement und Tests & Integration angeboten.[7][8]

Geleitet wurde das Unternehmen jeweils von einem kaufmännischen und ein bis zwei technischen Geschäftsführern. Von 1999 bis 2013 war Gerhard Schempp als technischer Geschäftsführer Vorsitzender der Geschäftsführung. Schempp, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik ist, wurde zum 1. Januar 2015 von Kai Horten abgelöst.

Die Gesellschafter waren bis August 2015 Airbus Defence and Space, Rohde & Schwarz, Thales mit jeweils 30 % sowie Northrop Grumman mit 10 %,[9] die ihre Anteile dann an die private Beteiligungsgesellschaft Armira Partners GmbH & Co KG mit Sitz in München verkauften.[10][11] Zu den Anteilseignern der Investmentgesellschaft gehörte unter anderem bis zum Frühjahr 2016 die Bielefelder Gesellschaft GB GbR mit Carl Christian Oetker, Richard Oetker und Ludwig Graf Douglas als Gesellschafter. Daneben zählen der Verlagserbe Michael Jahr, Albrecht Fürst zu Oettingen-Spielberg und Mitglieder der Familie von Staff genannt von Reitzenstein zu den Investoren.[12]

Zahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Mitarbeiter Umsatz
1997 800[13] 100 Mio. €[13]
2008 1.200[14] 202 Mio. €[14]
2014 1.600[2]
2015 262 Mio. €[2]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tochtergesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ESG Automotive Inc. (100 %)
  • ESG Automotive China (100 %)
  • ESG Consulting GmbH (100 %)
  • ServiceXpert GmbH (100 %)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. esg.de: Geschäftsführung
  2. a b c d Seite „Facts & Figures“ des Firmenwebsites. Abgerufen am 24. September 2015.
  3. a b Partnerschaft durch dick und dünn. (ESG-Firmenzeitschrift Spektrum, Ausgabe zum 50. Geburtstag der Bundeswehr 2005; PDF, Zugriff 10. Oktober 2016)
  4. ESG blickt auf 40 Jahre Partnerschaft mit Bundeswehr und Industrie. (ESG-Firmenzeitschrift Spektrum, Ausgabe III/2003 zum 40. Firmenjubiläum; PDF, Zugriff 10. Oktober 2016)
  5. Bewirtschaftung der Bundeseigenen Lager der Luftwaffe
  6. Das Kooperationsprojekt ZEBEL
  7. Henning Krogh: Neue Führungskraft bei ESG: Puchta soll Fahrzeug-Geschäft leiten. In: Automobilwoche. 8. Dezember 2014.
  8. Portfolio der Automotive Division von ESG. ESG.
  9. Seite „Facts & Figures“ des Firmenwebsites. ESG. Archiviert vom Original am 9. Juni 2015.
  10. Pressemitteilung: Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München übernimmt sämtliche Anteile. ESG. 31. Juli 2015.
  11. Elektronikspezialist: Airbus trennt sich von ESG. In: Der Spiegel. 31. Juli 2015.
  12. Gerhard Hegmann: Oetker und Adelige kaufen sich Rüstungsfirma. In: Die Welt. 18. September 2015.
  13. a b Wirtschafts- und Personaldaten. ESG. Archiviert vom Original am 15. Februar 1998.
  14. a b Seite „Facts & Figures“ des Firmenwebsites. ESG. Archiviert vom Original am 12. Mai 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 11′ 15″ N, 11° 36′ 7″ O