Early Goal-Directed Therapy

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Early Goal-Directed Therapy (EGDT, seltener werden die Übersetzungen frühe zielgerichtete Therapie und frühe zielorientierte Therapie in der deutschsprachigen Literatur verwendet) ist ein Behandlungsprotokoll bei schwerer Sepsis. Das Konzept der EGDT wurde 2001 von dem US-amerikanischen Arzt Emanuel Rivers und Kollegen im New England Journal of Medicine erstmals veröffentlicht.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein doppellumiger zentraler Venenkatheter

Die Maßnahmen der EGDT sind auf eine frühzeitige hämodynamische Stabilisierung der Patienten ausgerichtet. Die wesentlichen Zielparameter sind dabei der arterielle Mitteldruck, der zentrale Venendruck und die zentralvenöse Sauerstoffsättigung (ScvO2). Dazu erhalten die Patienten in den ersten sechs Stunden der Behandlung eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr, häufiger das Inotropikum Dobutamin und mehr Bluttransfusionen.[2] Der ScvO2-Wert wird mittels eines mit einer Faseroptik versehenen zentralen Venenkatheters in der Vena cava superior (obere Hohlvene) oder zentralvenösen Blutgasanalysen gemessen. Bei der Behandlung wird ein ScvO2-Wert von mindestens 70 % angestrebt. Wenn dies mittels Flüssigkeitszufuhr und Dobutamin oder anderen Katecholaminen nicht gelingt, wird der Hämatokrit-Wert durch Bluttransfusionen auf 30 % erhöht.[1][3] Rivers konnte mit diesem Behandlungschema die 28-Tage-Letalität von Patienten mit schwerer Sepsis beziehungsweise septischem Schock von 46,5 auf 30,5 % (p=0,009) senken und die Krankenhausverweildauer bei den überlebenden Patienten um 3,8 Tage verkürzen.[2]

Die Early Goal-Directed Therapy sollte bereits in der Notaufnahme beginnen und die Patienten sollen innerhalb von sechs Stunden auf die Intensivstation verlegt werden.[4]

Leider scheiterte die Early Goal-Directed Therapy in nachfolgenden Interventionsstudien.[5][6]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b E. Rivers, B. Nguyen, S. Havstad, J. Ressler, A. Muzzin, B. Knoblich, E. Peterson, M. Tomlanovich: Early goal-directed therapy in the treatment of severe sepsis and septic shock. In: The New England journal of medicine. Band 345, Nummer 19, November 2001, S. 1368–1377, ISSN 0028-4793. doi:10.1056/NEJMoa010307. PMID 11794169.
  2. a b F. Bloos, K. Reinhart: Zentralvenöse Sauerstoffsättigung zur Abschätzung der Gewebeoxidierung. In: Dtsch Med Wochenschr. Band 129, 2004, S. 2601–2604. doi:10.1055/s-2004-836082
  3. K. Reinhart, F. M. Brunkhorst, F. Martin: Fortschritte in der Therapie der Sepsis. In: Dtsch Arztebl. Band 100, 2003, S. A-2080/B-1731/C-1635.
  4. A. E. Jones, A. Focht u. a.: Prospective external validation of the clinical effectiveness of an emergency department-based early goal-directed therapy protocol for severe sepsis and septic shock. In: Chest. Band 132, Nummer 2, August 2007, S. 425–432, ISSN 0012-3692. doi:10.1378/chest.07-0234. PMID 17573521. PMC 2703721 (freier Volltext).
  5. ARISE Investigators und ANZICS Clinical Trials Group: Goal-Directed Resuscitation for Patients with Early Septic Shock. N Engl J Med 2014; 371:1496-150 doi:10.1056/NEJMoa1404380
  6. Mouncey PR, Osborn TM, et al.: Trial of Early, Goal-Directed Resuscitation for Septic Shock. N Engl J Med 2015; 372:1301-1311 doi:10.1056/NEJMoa1500896