Earth Overshoot Day

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Der Earth Overshoot Day (auch Ecological Debt Day, „Welterschöpfungstag“, „Weltüberlastungstag“, „Ökoschuldentag“ oder „Erdüberlastungstag“) ist in einer jährlichen Kampagne der Organisation Global Footprint Network der Tag des laufenden Jahres, an dem die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen das Angebot und die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Ressourcen in diesem Jahr übersteigt.

Dabei ergibt seine Berechnung eine vage Annahme unter Berücksichtigung zeitlicher und ressourcenabhängiger Trends:[1] Das jeweilige Datum wird berechnet, indem der globale ökologische Fußabdruck (die menschliche Nachfrage an natürlichen Ressourcen innerhalb des betreffenden Jahres) in ein Verhältnis zur gesamten globalen Biokapazität (die Menge der global zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen innerhalb des gleichen Jahres) gesetzt wird; analog wird die jeweilige jährliche Ressourceninanspruchnahme auf eine entsprechende Anzahl Erden hochgerechnet. Das Ziel der Kampagne ist es, die Begrenztheit und Endlichkeit der natürlichen Ressourcen und der Erde ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus einer ökonomischen Perspektive betrachtet befindet sich die Menschheit ab dem Earth Overshoot Day in einem Defizit, weil sie ihr ganzes Vermögen bereits aufgebraucht hat und sich deshalb Geld von der Bank – das heißt der Erde – leihen muss. Dieser Zustand wird mit overshoot bezeichnet.[1]

Das Konzept des Earth Overshoot Days wurde ursprünglich von Andrew Simms, Mitglied des britischen Think Tanks New Economics Foundation entwickelt. Das Global Footprint Network misst die menschliche Nachfrage nach und das globale Angebot an natürlichen Ressourcen und ökologischen Dienstleistungen. Global Footprint Network stellt fest, dass nach spätestens acht Monaten alle erneuerbaren Ressourcen und CO2-Abgaben eines ganzen Jahres verbraucht sind.[1] Die Organisation verwendet Begriffe der Ökonomie in der Hoffnung, nicht nur Wissenschaftler, sondern ein breiteres Publikum anzusprechen.

Im Jahr 2013 lag der Tag am 20. August. Der Trend der letzten 25 Jahre zeigt eine deutliche Vorverlegung zu einem früheren Datum. 2003 wurde der Tag für den 22. September berechnet, 1993 für den 21. Oktober,[1] wobei es aufgrund der inzwischen verfeinerten Methodik sowie neuer Erkenntnisse zu einer gewissen Schwankungsbreite kommt.[2][3]

Jahr Overshoot Day Verbrauch in Erde-Einheiten
1971 21. Dezember[4]
...
1987 19. Dezember
1990 7. Dezember
1995 21. November
2000 1. November
2005 20. Oktober
2007 26. Oktober
2008 23. September
2009 25. September
2010 21. August
2011 27. September
2012 22. August 1,5
2013 20. August
2014 19. August
2015 13. August
2016 3. August
2017 2. August 1,7[4]

Nationale Unterschiede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Deutschland wurde beispielsweise 2017 der 31. Mai als Datum seiner Ressourcenerschöpfung ausgerechnet, seine Lebensweise beanspruchte die Ressourcen von 3,2 Erden.[4]

Hintergrund: Entwicklung des menschlichen Ressourcenverbrauchs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon immer haben die Menschen natürliche Ressourcen verbraucht, um Städte und Straßen zu bauen, um Nahrungsmittel zu gewinnen oder andere Produkte herzustellen. Mitte der 1970er Jahre hat nach Darstellung des Global Footprint Network die Menschheit eine kritische Grenze überschritten: Die Nachfrage an natürlichen Ressourcen habe die globale Kapazität zur Reproduktion und zum Angebot neuer Ressourcen überstiegen. Die menschliche Nachfrage an erneuerbaren ökologischen Ressourcen und Dienstleistungen entspreche der Kapazität von anderthalb Erden. Bei gleichbleibender Entwicklung würden bis 2050 jährlich Ressourcen zweier Planeten beansprucht werden. Zu den entsprechenden Indikatoren dieses Phänomens werden gezählt: Treibhauseffekte, die schneller erzeugt werden als von Wäldern und Ozeanen absorbiert und abgebaut zu werden, Abholzung der Wälder, Rückgang der Artenvielfalt, Überfischung.[1]

Beurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Problematisieren des weltweiten Ressourcenverbrauchs wird von anderen Umweltorganisationen begrüßt: „Die Menschheit nimmt sich mehr von der Erde, als diese jährlich an natürlichen Ressourcen erneuern und an Treibhausgasen aufnehmen kann“, so die Umweltorganisationen WWF, GLOBAL 2000 und Greenpeace.[2] Kritik äußert Jürgen Knirsch von Greenpeace: „Die Methode hat Schwächen, und das Netzwerk arbeitet teilweise mit Daten, deren Herkunft unklar und auch nicht durch Rundungsfehler erklärbar ist.“[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Earth Overshoot Day auf www.footprintnetwork.org, abgerufen am 26. September 2013
  2. a b „Welterschöpfungstag“ fällt heuer auf den 22. August. In: Der Standard, 21. August 2012. Abgerufen am 25. August 2012.
  3. a b Earth Overshoot Day. Ab heute geht es an die Substanz. In: TAZ, 23. August 2012. Abgerufen am 25. August 2012.
  4. a b c Anna Parrisius: „Earth Overshoot Day 2017“: Rohstoffe ab jetzt auf Pump. In: Die Tageszeitung: taz. 2. August 2017, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. November 2017]).