Eberhard Havekost

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Eberhard Havekost (* 1967 in Dresden) ist ein zeitgenössischer deutscher Maler.

Von 1991 bis 1996 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. 1997 wurde er dort Meisterschüler unter Ralf Kerbach. 1999 erhielt er das Karl Schmidt-Rottluff Stipendium. Die Kunstakademie Düsseldorf berief ihn mit Wirkung zum Sommersemester 2010 zum Professor für Malerei. Havekost lebt und arbeitet in Berlin.

Aus der Tradition der realistischen Malerei und teilweise des Fotorealismus der 70er Jahre entwickelte Havekost einen Malstil, der gleichzeitig wahrheitsgetreu und augentäuschend ist. Außer den rein gegenständlichen Bildern gehören zu seinem Werk ebenso Abstraktionen, wobei Havekost mit den beiden Darstellungsweisen stets dasselbe Ziel verfolgt: die Mechanismen unserer visuellen Wahrnehmung zu erforschen. Er bricht mittels Verzerrungen bewusst mit den Sehgewohnheiten des Betrachters.[1]

Werke von Havekost befinden sich unter anderem in den Beständen des Museum of Modern Art in New York, der Rubell Family Collection, der Tate Modern London, des Städel Museums in Frankfurt a.M. sowie des Stedelijk Museum in Amsterdam.

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alleinstehende Objekte, Fassaden, Menschenakte, Verkehrsmittel, Pflanzen, Landschaften und seltener Figurenkonstellationen sind die erkennbaren Motive in Havekosts Gemälden. Das eigentliche Thema, das sich anhand von den ausgewählten Motiven realisiert, ist die Materialität der Wirklichkeit, die flüchtig wahrgenommen und häufig übersehen wird.

Als Vorlagen für seine Bilder benutzt Eberhard Havekost eigene oder aufgefundene Fotografien. Sie werden digital bearbeitet und es werden beispielsweise Helldunkelwerte und Farben verändert, Details verwischt oder verzerrt.[2] So verlieren die auf den Aufnahmen festgehaltenen Gegenstände oft ihre Erkennbarkeit [3] und relativieren unseren Blick auch die Realität.

Die Werke von Eberhard Havekost beschäftigen sich mit dem Prozess des Sehens und des Wahrnehmens und stellen oft unsere Sehgewohnheiten in Frage. Eine große Rolle spielt dabei die Subjektivität des Sehens, deren Zufälligkeit mit bildnerischen Mitteln in Havekosts Gemälden offenbart wird.[4] Die Tatsache, dass Menschen nicht unmittelbar sehen, sondern nur innerhalb der empirischen Strukturen die Dinge der Außenwelt identifizieren, veranlasst Havekost dazu, durch die visuellen Veränderungen der gewöhnlichen Objekte einen Weg aus dieser Determination vorzuschlagen und uns zum unabhängigen reinen Anschauen zu bewegen. Havekost geht es darum, „zu fragen, mit welchen Filtern wir wahrnehmen“, und diese Filter zu „dechiffrieren“.[5]


Die Welt der Dinge

Havekost konzentriert sich auf die Darstellung der Gegenstände - der Welt der Dinge. Häufig werden Objekte alleinstehend, ohne Kontext oder menschliches Zutun gezeigt. So wird ein Gegenstand von den Bedeutungen befreit, die ihm im Prozess der Funktionalisierung von Menschen zugeschrieben werden. Seine Gemälde suggerieren, „dass den Dingen eine Irreduzibilität, eine Lebendigkeit und Dichte zu eigen ist, die unabhängig von unserer Wahrnehmung besteht.“[4]

In Havekosts Bildern werden überwiegend Ausschnitte von Gegenständen dargestellt. Damit verschärft er unseren Blick auf Details, die die Gesamtheit der Realität bilden. Häufig wird ein und dasselbe Motiv in Serien von mehreren Werken behandelt. Mit dem Perspektivenwechsel ist eine ständige Veränderung verbunden: die geringste Versetzung führt dazu, dass jeweils ein etwas anderer Teil des Objektes sichtbar wird und der Betrachter jedes Mal einen anderen Gegenstand vor Augen hat. Durch den ständigen Wechsel des Blickwinkels zeigt Havekost die Vielschichtigkeit der Realität.


Oberfläche

Ein anderes wichtiges Merkmal ist die betonte Nahsicht auf die dargestellten Gegenstände. Havekost arbeitet mit der Oberfläche, die ein eigentlicher sichtbarer Teil der Objekte ist. Häufig wird diese Thematisierung im digitalen Kontext verstanden und mit dem Phänomen der Benutzeroberfläche verglichen. Dieser Begriff bezeichnet den sichtbaren Teil eines Computerprogramms, der für Interaktion mit dem Benutzer geeignet ist. Wichtig dabei ist, dass das eigentliche digitale System hinter dieser Oberfläche verborgen bleibt und für den gewöhnlichen Nutzer unsichtbar bleibt. Nach dieser Analogie präsentiert Havekost in seinen Bildern die sichtbare Wirklichkeit durch ihre Oberfläche. Um hinter die äußere Fassade zu gelangen, wird eine erhöhte Blickkonzentration gefordert. Havekost malt nicht die Objekte ab, die auf der Oberfläche zu sehen sind, sondern er malt die Benutzeroberfläche selbst.[6]


Distanz und Kälte

Um unseren Blick auf die Gegenstände so zu aktivieren, arbeitet Havekost mit den Gegensätzen wie Distanz und Nähe, Wärme und Kälte. Extreme Nahansichten und nüchterner Detailrealismus[4] sind kennzeichnend für seine Malerei. So entwickelt sich eine undurchdringliche Malweise, die unserem flüchtigen Blick auf die Außenwelt entspricht - gerade er wird in Havekosts Bildern thematisiert. In seiner Malerei unterliegt dieser Blick einem Verlangsamungsprozess.[2]

Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thobias Burg: Oszillationen zwischen Kunst und Wirklichkeit. In: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Hrsg.): Eberhard Havekost. Graphik 1999-2004. Köln 2004.
  2. a b Susanne Köhler: Destiny – Zur neuen Werkgruppe von Eberhard Havekost. In: Kunstmuseum Wolfsburg and Hatje Cantz Verlag (Hrsg.): Eberhard Havekost: Harmonie. Bilder 1998 – 2005. Ostfildern-Ruit 2005, ISBN 978-3-7757-1651-2.
  3. Barry Schwabsky: Phantombilder. In: Distanz Verlag (Hrsg.): Eberhard Havekost: Ausstellung. Berlin 2010, ISBN 978-3-942405-14-0.
  4. a b c Katy Siegel: Und der Mond kam näher. In: Walter Smerling (Hrsg.): Eberhard Havekost: TITEL. Köln 2013, ISBN 978-3-942405-72-0.
  5. Eberhard Havekost: Ich male, was ich nicht sehe. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Nr.12. 23. März 2003.
  6. Ludwig Seyfarth: Benutzeroberflächen. In: Kunstmuseum Wolfsburg and Hatje Cantz Verlag (Hrsg.): Eberhard Havekost: Harmonie. Bilder 1998 – 2005 Ort=Ostfildern-Ruit. 2005, ISBN 978-3-7757-1651-2.