Eberhard Kleinschmidt

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Eberhard Kleinschmidt, 2008

Eberhard Kleinschmidt (* 4. September 1939 in Hannover) ist ein deutscher Lyriker, Sprachdidaktiker und Literaturwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinschmidt studierte Germanistik, Romanistik und Fachdidaktik Französisch in Göttingen, Wien, Besançon und Gießen, promovierte zum Dr. phil., war kurze Zeit Gymnasiallehrer für Deutsch und Französisch und von 1972 bis 2004 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Romanischen Seminaren der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Hannover befasst mit Literaturwissenschaft und Fachdidaktik Französisch.

Seine Vorbilder für lyrische Dichtung sind neben den Franzosen François Villon, Charles Baudelaire, Paul Verlaine, Arthur Rimbaud und dem Engländer William Shakespeare vor allem die deutschen Dichter des Barock, der Klassik und Romantik. Auch das französische Chanson in Geschichte und Gegenwart hat seine Lyrik maßgeblich bestimmt. Im Gegensatz zur post-post-modernen Lyrik bevorzugt er die gebundene Rede und die klanglichen und rhythmischen Möglichkeiten der deutschen Sprache von heute. Es geht ihm um Rückbesinnung auf den Sprach- und Formenreichtum lyrischer Dichtung früherer Jahrhunderte und deren Erneuerung im Sinne der heutigen Zeit. Seine Lieblingsidee ist ein Gedichttext, umgeben von Bildern und Musik, vorgetragen und dargeboten unter Einsatz von Mimik, Gestik und Körper. Was den Vortrag anlangt, ist für ihn hier der belgische Chansonsänger Jacques Brel das große Vorbild, dessen Vortragskunst er wissenschaftlich untersucht hat (vgl. Kleinschmidt 1989 und 2005). Auf dieser Linie liegend, interessiert er sich in jüngster Zeit auch für den deutschen Poetry Slam.

Außer den in seiner Homepage veröffentlichten Gedichten liegen bislang drei lyrische Werke in gedruckter Form vor: Die Jakobkemenate (2009), Der andere Frühling (2010), Stationen (2012). Da geht es zum einen nach Bänkelsängerart um Eine balladeske Chronik in alter Manier, in der mit Text, Bild und Ton die architektonische Auferstehung einer aus Kriegstrümmern geretteten mittelalterlichen Kemenate lyrisch dargeboten wird. Zum anderen ermuntert Ein lyrisch-musikalischer Spaziergang, der in Gedichtform – wiederum in Text, Bild und Ton – den Frühlingsbeginn in den Blick nimmt, den Leser dazu, dem Aufbruch der Natur in ein neues Leben nach langer, kahler Winterzeit zu folgen und ihn als Aufforderung zu begreifen, sich selbst noch einmal neu auf den Weg zu machen. Und zum Dritten versucht der 154 Sonette umfassende Zyklus Sonette um Freundschaft und Liebe zum ersten Mal in der Literaturgeschichte die im Shakespearschen Zyklus abgebildete Beziehungsgeschichte "neu-gewandet" als neues "Beispiel für des Lebens Spiel" (Prolog) "dem Vorbild nah, bald fern, bald von ihm abgekehrt" (Epilog) nachzuzeichnen.

Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Fachdidaktik Französisch galt neben der Chansondidaktik Kleinschmidts Hauptinteresse der Richtlinien- und Lehrwerkkritik und hier besonders der kommunikativen Gestaltung gebundener mündlicher Übungen. Anlass zur Untersuchung letzterer war die zunehmende Kritik an der Sprachlaborarbeit der 1970er Jahre. Unter Zuhilfenahme von Analysemethoden und Erkenntnissen der Sprechhandlungstheorie und Gesprächsanalyse wurde nachgewiesen, dass Übungsmaterial des Typs "Gebundene Sprachproduktion" in kommunikativer Hinsicht stark defizitär ist. Als Folgerung daraus ergab sich, dass nicht mehr nur die Einübung typischer morpho-syntaktischer Strukturen der Fremdsprache, sondern auch die Einübung typischer Sequenzstrukturen von Gesprächsrepliken sowie die Einübung typischer Hör-Sprech-Muster bei der Übungsgestaltung Berücksichtigung finden sollte. Übungsplanung muss sowohl auf der Grundlage eines "Grammatischen Minimums" als auch auf der eines "Kommunikativen Minimums" erfolgen (vgl. besonders Kleinschmidt 1988).

Werke und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Jakobkemenate – Eine balladeske Chronik in alter Manier. (Text-/Bildband + CD). (Musik: Peer Kleinschmidt). Döring, Braunschweig 2009, ISBN 978-3-925268-29-8.
  • Der andere Frühling – Ein lyrisch-musikalischer Spaziergang durch Riddagshausen. (Text-/Bildband + CD). (Musik: Peer Kleinschmidt). Döring, Braunschweig 2010, ISBN 978-3-925268-33-5.
  • Stationen – Sonette um Freundschaft und Liebe – Ein Zyklus. Döring, Braunschweig 2012, ISBN 978-3-925268-46-5.

Fachdidaktik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Peter Nübold: Situation des Sprachlabors. Eine Untersuchung an niedersächsischen Schulen. Leuchtturm-Verlag, Alsbach 1982, ISBN 3-88064-100-5.
  • Das kommunikative Potential französischer Strukturübungsprogramme. Ein lehrwerkkritischer Beitrag zur Erarbeitung Kommunikativer Minima. Narr, Tübingen 1988, ISBN 3-87808-440-4.
  • Fremdsprachenunterricht zwischen Sprachenpolitik und Praxis. Festschrift für Herbert Christ zum 60. Geburtstag. Narr, Tübingen 1989, ISBN 3-8233-4191-X.

Aufsätze (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eine poetische Reise. Das Buch von meiner Poeterey. In: SV-Zeitung. 115. Jahrgang., Nr. 3, Juli, August, September 2013, S. 56–57.

Literaturwissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mimik, Gestik und Körperhaltung im Chanson: Die zu Unrecht vernachlässigte visuelle Dimension. In: E. Kleinschmidt (Hrsg.): Fremdsprachenunterricht zwischen Sprachenpolitik und Praxis. Narr, Tübingen 1989, ISBN 3-8233-4191-X, S. 180–191.
  • Mehr als nur Text und Musik … - Die visuelle Dimension des französischen Chansons. In: H. Pürschel, Th. Tinnefeld (Hrsg.): Moderner Fremdsprachenunterricht zwischen Interkulturalität und Multimedia. Reflexionen und Anregungen aus Wissenschaft und Praxis. AKS-Verlag, Bochum 2005, ISBN 3-925453-46-6, S. 266–280.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Homepage von Eberhard Kleinschmidt [1]
  • Literatur von Eberhard Kleinschmidt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek [2]
  • Martin Jasper über Stationen [3]
  • Wilhelm Ruprecht Frieling über Stationen [4]
  • Susanne Jasper über Eberhard Kleinschmidts „poetische Reisen“ [5]