Eberhardzell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Eberhardzell
Eberhardzell
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Eberhardzell hervorgehoben
Koordinaten: 48° 0′ N, 9° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Biberach
Höhe: 588 m ü. NHN
Fläche: 59,72 km2
Einwohner: 4402 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner je km2
Postleitzahl: 88436
Vorwahl: 07355
Kfz-Kennzeichen: BC
Gemeindeschlüssel: 08 4 26 038
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Burgstraße 2
88436 Eberhardzell
Webpräsenz: www.eberhardzell.de
Bürgermeister: Guntram Grabherr
Lage der Gemeinde Eberhardzell im Landkreis Biberach
Bayern Alb-Donau-Kreis Landkreis Ravensburg Landkreis Reutlingen Landkreis Sigmaringen Ulm Achstetten Alleshausen Allmannsweiler Altheim (bei Riedlingen) Attenweiler Bad Buchau Bad Schussenried Berkheim Betzenweiler Ummendorf (bei Biberach) Biberach an der Riß Burgrieden Dettingen an der Iller Dürmentingen Dürnau (Landkreis Biberach) Eberhardzell Erlenmoos Erolzheim Riedlingen Ertingen Gutenzell-Hürbel Hochdorf (Riß) Ingoldingen Kanzach Kirchberg an der Iller Kirchdorf an der Iller Kirchdorf an der Iller Langenenslingen Laupheim Laupheim Maselheim Mietingen Mittelbiberach Moosburg (Federsee) Ochsenhausen Oggelshausen Riedlingen Riedlingen Riedlingen Rot an der Rot Schemmerhofen Schwendi Seekirch Steinhausen an der Rottum Tannheim (Württemberg) Tiefenbach (Federsee) Ummendorf (bei Biberach) Unlingen Unlingen Uttenweiler Wain WarthausenKarte
Über dieses Bild
Eberhardzell 2005

Eberhardzell ist eine Gemeinde im Landkreis Biberach in Oberschwaben, Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Eberhardzell liegt im Südteil des Landkreises Biberach etwa auf halber Luftlinie zwischen Biberach an der Riß im Norden und Bad Wurzach im Süd-Südosten. Ihr gleichnamiger Kernort befindet sich am Südostrand der Hochfläche Hochgeländ und wird von einem Abschnitt des Riß-Zuflusses Umlach durchflossen. Das Gemeindegebiet liegt zwischen 560 (bei den nördlich von Eberhardzell gelegenen Weilern) und 712 m ü. NN (Hohbäumle bei Füramoos), der Kernort bei 588 m Höhe.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören neben dem namengebenden Eberhardzell (2149 Einwohner am 1. Januar 2005) die Ortsteile Füramoos (694 Einwohner), Mühlhausen (555 Einwohner) und Oberessendorf (648 Einwohner).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eberhardzell, früher auch Eberhardszell, Eberzell oder Mariazell geschrieben, wurde erstmals 1246 urkundlich erwähnt. 1331 verkauften die Herren von Walsee den Ort an die Habsburger, die die Pfarrei 1456 dem Kloster Schussenried schenkten. Durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 fielen deren Güter als Entschädigung für linksrheinische Gebietsverluste an den Grafen von Sternberg-Manderscheid. Seit 1520 gehörte der Ort Eberhardzell den Truchsessen von Waldburg-Wolfegg-Waldsee. Im Gefolge des Preßburger Friedens kam Oberschwaben unter die Hoheit des Königreichs Württemberg. Eberhardzell wurde als Gemeinde dem Oberamt Waldsee zugeordnet, ehe sie im Zuge der Kreisreform 1938 zum Landkreis Biberach kam.

Heinrichsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heinrichsburg, bis 1620 Herlisberg oder Herlinsberg genannt, oberhalb von Eberhardzell gelegen, war bis 1997 im Privatbesitz der Familie der Grafen von Waldburg-Wolfegg-Waldsee. Der letzte Besitzer war Heinrich Graf von Waldburg-Wolfegg-Waldsee, († 1972) verheiratet mit Maria-Antonia Prinzessin von Hohenzollern-Sigmaringen († 2011). Aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor.
siehe auch: Burg Eberhardzell, Alte Burg, Burg Hummertsried, Burg Voggen, Ruine Neideck, Burg Oberhornstolz

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eberhardzell ist von jeher römisch-katholisch geprägt. Noch heute gehören über 80 % der Bewohner der katholischen Kirche an. Während das katholische Pfarramt Eberhardzell in allen vier Ortsteilen über je eine Kirche verfügt, müssen Angehörige anderer Konfessionen oder Religionen zum Gottesdienst in umliegende Gemeinden fahren.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1931 wurden sämtliche Teilgemeinden gemäß Artikel 322 A 1 der Gemeindeordnung vom 19. März 1930 aufgehoben und zur (einfachen) Gemeinde Eberhardzell zusammengeschlossen.

Die Gemeinde wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Gemeinden Eberhardzell, Füramoos und Oberessendorf neu gebildet. Bereits am 1. März 1972 wurde Mühlhausen nach Eberhardzell eingemeindet.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 hatte die Gemeinde Eberhardzell 4.244 Einwohner.[3] laut Angaben des Statistischen Landesamtes wächst Eberhardzell nur durch Zuwanderung.[4] Von 1989 bis 1993 wuchs Eberhardzell infolge der Wiedervereinigung um 222 Einwohner. Von 1993 bis 1997 ging der Zuzug von Aus- und Übersiedlern zurück und von 1997 bis 2002 gab es wieder einen kontinuierlichen Anstieg, als Neubaugebiete erschlossen wurden.[5] In Eberhardzells Asylbewerberunterkunft von 20 Menschen legte 2016 ein algerischer Mann, dessen Asylantrag abgelehnt worden war, ein Feuer.[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in Eberhardzell lag die Wahlbeteiligung bei 58,7 % (2009: 61,9 %) und führte zu folgendem amtlichen Endergebnis:

Unabhängige Wähler (UW) 10 Sitze 53,3 % (2009: 52,7 %)
Freie Bürger (FB) 8 Sitze 46,7 % (2009: 47,3 %)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1981 führt die Gemeinde folgendes Wappen: In Silber zwischen einem roten Schildhaupt und einem roten Schildfuß ein schreitender, hersehender, rot bezungter schwarzer Löwe. Der Löwe symbolisiert die Zugehörigkeit zum Herrschaftsgebiet des Hauses Waldburg, die Farben weisen auf die Zugehörigkeit zu Vorderösterreich.

Vorher führte die Gemeinde: In Rot drei gestürzte silberne Muscheln schrägrechts übereinander.

Die Wappen der ehemaligen Gemeinden werden in heutigen den Ortsteilen noch inoffiziell verwendet:

  • Füramoos: In gespaltenem Schild vorne in Rot eine silberne Waage, hinten in Silber eine dreilatzige rote Fahne. Die dreilatzige Fahne verweist auf das Haus Montfort.
  • Mühlhausen: In von Silber und Rot geteiltem Schild oben ein halbes rotes Mühlrad an der Teilung, unten schwarz gefugtes Mauerwerk.
  • Oberessendorf: In goldbordiertem blauem Schild ein goldener Adler.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasmusik und Chorgesang bestimmen das kulturelle Leben in Eberhardzell und seinen Ortschaften. Mit den Musikvereinen Eberhardzell, Füramoos, Mühlhausen und Oberessendorf und den Chören des Liederkranzes Eberhardzell und den jeweiligen örtlichen Kirchenchören wird die Tradition der Musik in Oberschwaben eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Während der Fasnetszeit übernimmt die örtliche 1960 gegründete Narrenzunft Zeller Schwarze Katz e.V. die Herrschaft im Ort.

Die Ortsgruppe Eberhardzell des Schwäbischen Albvereins wurde im Jahr 2001 mit der Eichendorff-Plakette ausgezeichnet.[7]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrichsburg um 1900
Oberessendorf um 1900
Eberhardzell
  • Pfarrkirche St. Maria
  • Pfarrhaus[8]
  • Rathaus von 1746
  • Heinrichsburg
Füramoos
  • Kirche St. Michael
Mühlhausen
  • Kirche St. Ottilia
Oberessendorf
  • Kirche St. Michael

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Naturschutzgebiet Mauchenmühle liegt beim südlichen Ortsteil Mühlhausen.
  • Das Wettenberger Ried, das sich wenige Kilometer östlich des Kernorts von Hochdorf auf dem Hochgeländ befindet, ist ein Hochmoor- und Bannwaldgebiet, das als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde.
  • Hohbäumle, Aussichtsberg und mit 712 Meter Höhe der zweithöchste Berg des Landkreises Biberach im Teilort Füramoos

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptstandort der Gewerbebetriebe ist Oberessendorf an der B 30/B 465. Die Gewerbestruktur der Gesamtgemeinde Eberhardzell ist hauptsächlich gekennzeichnet durch die Branchen Holzverarbeitung, Kies/Beton/Recycling, Software sowie Landmaschinen- und Stalltechnik. Die Firma Holzwerke Schneider, Eberhardzell-Kappel beschäftigt 2017 ca. 300 Mitarbeiter.[9]

Oberessendorf war auch Sitz der mittlerweile mit anderen Unternehmen verschmolzenen All for One Systemhaus AG. Das aus der 1978 gegründeten Unternehmensberatung Härle hervorgegangene Systemhaus hatte Tochterunternehmen in Italien, den USA und Kanada. Das rund 250 Mitarbeiter zählende Unternehmen mit 6 Standorten (Stand: 2008) wurde 2008 100%ige Tochtergesellschaft der systema Deutschland und 2009 rückwirkend zum 30. September 2008 auf die systema Deutschland GmbH verschmolzen.[10] Der bereits 2006 ausgegliederte Bereich All for One Systemhaus GmbH Midmarket Solutions wurde von der AC-Service AG übernommen und in All for One Midmarket Solutions & Services GmbH umfirmiert. 2008 erfolgte die Zusammenführung zur All for One Midmarket AG.[11]

In der Heinrichsburg, einem landwirtschaftlichen Anwesen das auf der Gemarkung von Eberhardzell liegt, hat seit 1994 die MALI Unternehmensgruppe ihren Firmensitz. Eigentümer der Firma war bis zu seinem Tod im Jahr 2010 Markus Liebherr, ein Sohn von Hans Liebherr. Die Firma versucht dort, mit einer Gruppe von Spezialisten, einen größeren Traktor für die Serienproduktion zu entwickeln.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Gebhard-Müller-Schule verfügt Eberhardzell über eine eigene Grund- und Hauptschule. In Eberhardzell, Füramoos und Oberessendorf gibt es jeweils einen gemeindlichen Kindergarten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schalmeienzug Eberhardzell - Narrensprung Rot an der Rot (2013)

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Daniel Georg v. Memminger: Gemeinde Eberhardszell, aus Beschreibung des Oberamts Waldsee. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1834 (Volltext bei Wikisource)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eberhardzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 525 und 545.
  3. Statistisches Bundesamt Gewerbesteuerhebesatz für Eberhardzell ANGEL ADVERTISING e.K., abgerufen 7. Februar 2017
  4. Stadt Biberach Bevölkerungsentwicklung und Wohnbauflächenbedarf Flächennutzungsplan (FNP) 2020, abgerufen 7. Februar 2017
  5. Stadt Biberach Entwicklung der Verwaltungsraum-Gemeinden/Flächendarstellun Flächennutzungsplan (FNP) 2020, pdf Seite 117, abgerufen 7. Februar 2017
  6. SWR2 Versuchter Mord in 20 Fällen 11.10.2016, abgerufen 7. Februar 2017
  7. Ehrungen in Blätter des Schwäbischen Albvereins Heft 2/2002, S. 26
  8. Sabine Kraume-Probst, Michael Ruhland: Im Schatten des Kirchturms. Drei ländliche Pfarrhäuser in Oberschwaben. [Dürnau, Otterswang, Eberhardzell] In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 32. Jg. 2003, Heft 2, S. 173–181 (PDF)
  9. Firma Holzwerke Schneider Firmenwebseite, undatiert, abgerufen 7. Februar 2017
  10. Historie der systema Deutschland
  11. Historie der All for One Midmarket AG