Echte Rose von Jericho

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Echte Rose von Jericho
Anastatica hierochuntica in Blüte

Anastatica hierochuntica in Blüte

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Anastaticeae
Gattung: Anastatica
Art: Echte Rose von Jericho
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Anastatica
L.
Wissenschaftlicher Name der Art
Anastatica hierochuntica
L.
Dieses trockene Exemplar besitzt einen Durchmesser von 22 cm

Die Echte Rose von Jericho (Anastatica hierochuntica), auch Wüstenrose, Jerichorose, Jerusalemrose oder Marienrose[1] genannt, ist die einzige Pflanzenart der Gattung Anastatica in der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Sie ist in den Wüstengebieten von Israel, Jordanien, auf dem Sinai und Teilen Nordafrikas beheimatet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Echte Rose von Jericho wächst als einjährige krautige Pflanze, die 5 bis etwa 15 Zentimeter hoch wird. Sie bildet eine Pfahlwurzel aus. Sie ist von der Basis an verzweigt mit aufsteigenden Ästen, die sich in Trockenphasen nach innen rollen. Ihre Oberfläche ist dicht mit Sternhaaren besetzt.

Die wechselständigen, spateligen, verkehrt-eiförmigen und kurz weißlich behaarten Blätter sind etwa 15 bis 30 Millimeter lang und bis 20 Millimeter breit, im vorderen Bereich teils grob drei- bis fünfzähnig oder ganzrandig. Ihr Blattstiel ist kürzer als die Blattspreite.[2]

Die Pflanze blüht im Frühling (im Iran im März bis April). Es werden etwas borstige, achselständige und traubige, kurze Blütenstände gebildet. Die fast sitzenden, sehr kleinen, weißen und zwittrigen, vierzähligen Blüten sind nur etwa 2 Millimeter groß. Die behaarten Kelchblätter erreichen 1,5 mm, die genagelten Kronblätter 2 mm Länge. Die sechs tetradynamischen Staubblätter sind mit 1,5 bis 1,7 mm Länge kürzer als die Kronblätter.[2] Der behaarte Fruchtknoten ist oberständig mit kurzem Griffel und kopfiger Narbe. Es sind Nektarien unten bei den Staubfäden vorhanden.

Die Früchte sind ei- bis kugelförmige, behaarte, mehrsamige und schwer öffnende, zweifächerige Schötchen von bis 4 Millimeter Durchmesser. Die Fächer sind jeweils mittig geteilt. Die Früchte sind mit dem Griffel geschnäbelt und mit oben, seitlich, bis etwa 2 mm großen, etwas becher-, öhrchen-, löffelartigen Anhängseln, Flügeln. Die rundlichen bis eiförmigen, bräunlichen und myxospermen Samen sind 1,3–2 mm groß.[2] Durch die bei Benetzung schleimig-klebrige Samenschale kleben sie am Boden fest.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.[3]

Nach dem Absterben der Pflanzen sind die trockenen Zweige kugelig einwärts gekrümmt und beschützen so die Früchte. Bei Befeuchtung breiten sie sich jedes Mal wieder aus und die Samen werden freigesetzt (Hygrochasie, Hydrochorie). Die frühere Vermutung, dass die trockenen Pflanzen vom Wind über den Boden gerollt würden und dabei ihre Samen ausbreiten, hat sich aber nicht bestätigt.[4]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet von Anastatica hierochuntica liegt in Südwestasien und umfasst Nordafrika, Ägypten, Arabien, Jordanien, Irak, Iran und Pakistan.[2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstbeschreibung von Anastatica hierochuntica L. als einzige Art der Gattung Anastatica L. erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum. S. 641.[5]

„Wiederbelebung“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ende der Wachstumsphase rollt sich die Pflanze ein. Die tote Pflanze dient dann dem zwischenzeitlichen Schutz der Samen, die nun (in der Natur nach einem kräftigen Regenguss) sofort zu keimen beginnen. Der Keimling besitzt kleine grüne Blätter. Bei jeder Wasserzufuhr wird nur ein Teil der Samen freigegeben.

Stellt man die trockene Pflanze ins Wasser, entfalten sich die trockenen, eingerollten Ästchen und färben sich innerhalb eines Tages dunkeloliv. Mit warmem, maximal mäßig heißem Wasser kann der Vorgang auf wenige Stunden verkürzt werden. In diesem Zustand kann man sie mit ihrem rudimentären Wurzelstummel voran für höchstens eine Woche in ein Glas mit Wasser stellen. Eine längere Zeit schadet ihr aber: Sie fängt dann an zu schimmeln, weswegen sie bald wieder in der Sonne getrocknet und für mindestens zwei Wochen trocken gehalten werden muss.

Anastatica hierochuntica nach wenigen Minuten in warmem Wasser

Diese „Wiederbelebungen“ können unbegrenzt wiederholt werden, jedoch ist ihr scheinbares Wiedererwachen ein rein physikalischer Vorgang. Sie ist keine wechselfeuchte (poikilohydre) Pflanze, die Dürrezeiten überlebt; die vertrocknet aussehende Pflanze ist tot. Bei der „Wiederbelebung“ saugen sich die Zellen von Anastatica hierochuntica durch Kapillarkräfte voll Wasser, unter der hydrostatischen Spannung entfaltet sich die Pflanze, ohne dass sie die Assimilation wieder aufnimmt. Da sich dieser Vorgang beliebig oft wiederholen lässt, wird sie auch "Auferstehungspflanze" genannt.

Unechte Rose von Jericho[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anastatica hierochuntica wird gelegentlich mit Pallenis hierochuntica sowie der Unechten Rose von Jericho, einem poikilohydren Moosfarn (Selaginella lepidophylla) aus Amerika, verwechselt. Im Internethandel wird oft Selaginella lepidophylla als Rose von Jericho verkauft und irreführenderweise mit den Kreuzfahrerlegenden versehen, die sich aufgrund der geographischen Herkunft nur auf Anastatica hierochuntica beziehen können.

Die Rose von Jericho als literarisches Motiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rose von Jericho wird in den Pilgerberichten früher deutscher Jerusalempilger erwähnt.[6] Im 14. Jahrhundert verortete Ludolf von Sudheim die Pflanze in der Wüste beim Berg Sinai und wies auf die Legende vom Gang Marias durch die Wüste und den Glauben der Beduinen, sie sei heilkräftig bei Geburten, hin.[7] Ebenfalls nahe dem Katharinenkloster, das sie von Gaza her erreichten, verwendeten Hans Tucher und seine Reisegefährten Exemplare der Wüstenpflanze als Zunder: "do selbst wachsen vil der blumen die man bey uns rosen von iericho nennet.. die an der cristnacht auff geen da mit wir offt unser feuer schurten. da bey zu kochen. wan man nit holtz an dem ende hat sunder allein kleine stauden."[8] Die vom Kanonen- und Glockengiesser Peter Füssli 1524 von seiner Jerusalem-Pilgerfahrt nach Zürich zurückgebrachte Rose von Jericho und weitere Reiseandenken bildeten den Grundstock einer Sammlung, die ein Nachfahr im 17. Jahrhundert dokumentierte. In den Beständen der Zürcher Bürgerlichen Bibliothek blieb eine Rose von Jericho aus der frühen Neuzeit erhalten, die der Schriftsteller David Hess in einer beigefügten Notiz dem Wundarzt und Orientreisenden Hans Jakob Ammann zuschrieb.[9]. Als Ausdruck einer oft als idyllisch verklärten Familienfrömmigkeit interpretierten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts das literarische Motiv.

Die Rose von Jericho im Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das wohl von einem Pilger um 1600 aus Palästina mitgebrachte Gewächs wurde dem Kloster Zum Heiligen Kreuz in Rostock geschenkt und ist dort heute als musealees Exponat zu sehen.

Ein Schwerpunkt des Glaubens an die orakelhafte Tauglichkeit der Jerichorose findet sich besonders in den katholischen Regionen Südwestdeutschlands und der Schweiz. Dem verbreitet gewesenen Volksglauben nach öffnete die Blüte sich in der Weihnachtsnacht. Das Aufgehen einer zum Christfest in ein Wasserglas gestellten "Weihnachtsblume" wurde als Anzeichen für gutes Wetter und Fruchtbarkeit im kommenden Jahr gedeutet. In Norddeutschland war solcher Glaube selten, ist aber auch in protestantischen Regionen nicht ganz unbelegt. Jerichorosen wurden im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit von Reisenden mitgebracht. In ganz Südeuropa, wie schon im vorderen Orient, wurde die Jerichorose als geburtsfördendes Mittel angesehen. Hier spielte das Aufgehen der Zweige als Symbol oder Analogie der Öffnung des Muttermundes vermutlich eine Rolle. Die Jerichorose war ein beliebtes Souvenir von Jerusalempilgern und Palästinareisenden.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hazim S. Daoud: Flora Of Kuwait. Vol 1, Routledge, 1985, 2013, ISBN 0-7103-0075-1, S. 87 f.
  • Jacob Friedman, Zipporah Stein: The Influence of Seed-Dispersal Mechanisms on the Dispersion of Anastatica Hierochuntica (Cruciferae) in the Negev Desert, Israel. In: Journal of Ecology. Vol. 68, No. 1, 1980, S. 43–50, doi:10.2307/2259242.
  • Klaus Kubitzki, Clemens Bayer: The Families and Genera of Vascular Plants. Vol. V: Flowering Plants Dicotyledons, Springer, 2003, ISBN 978-3-642-07680-0, S. 81, 83, 105.
  • K. van Rheede van Oudtshoorn, M. W. van Rooyen: Dispersal Biology of Desert Plants. Springer, 1999, ISBN 3-540-64886-0, S. 72.
  • Barbara Schmid: Der Jerusalempilger Peter Füssli und seine Rose von Jericho. In: Peter Niederhäuser, Regula Schmid (Hrsg.): Querblicke. Zürcher Reformationsgeschichten. Chronos, Zürich 2019 (= Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Band 86: 183. Neujahrsblatt), S. 183–187.
  • Ursula Brunold-Bigler: Die Rose von Jericho (Anastatica Hierochuntica), eine weihnächtliche Orakelpflanze. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde / Archives suisses des traditions populaires. Band 73, 1977, Heft 3–4 (Geburtstagsausgabe für Hans Trümpy), S. 121–126 (PDF; 3,4 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 26, archive.org.
  2. a b c d S. M. H. Jafri: Anastatica hierochuntica In: Flora of Pakistan. Band 45: Brassicaceae. Abgerufen 12. August 2014.
  3. Anastatica hierochuntica bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  4. Peter Sitte, Hubert Ziegler, Friedrich Ehrendorfer, Andreas Bresinsky: Strasburger, Lehrbuch der Botanik. 33. Auflage. Gustav Fischer, Stuttgart / Jena / New York 1991, ISBN 3-437-20447-5, S. 468.
  5. Carl von Linné: Erstbeschreibung von Anastatica hierochuntica. In: Species Plantarum. 1753, S. 641. (online bei BHL).
  6. Barbara Schmid: Der Jerusalempilger Peter Füssli und seine Rose von Jericho. In: Peter Niederhäuser, Regula Schmid (Hrsg.): Querblicke. Zürcher Reformationsgeschichten (= Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Nr. 86). 183. Neujahrsblatt. Chronos, Zürich 2019, S. 185–186.
  7. Ursula Brunold-Bigler: Die Rose von Jericho (Anastatica Hierochuntica), eine weihnächtliche Orakelpflanze. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde / Archives suisses des traditions populaires. Band 73, 3-4 (Geburtstagsausgabe für Hans Trümpy), 1977, S. 121–122 (e-periodica.ch).
  8. Hans Tucher: Reisebuch. Konrad Zeininger, Nürnberg 1482, S. 41.
  9. Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung.
  10. Hanns Bächtold-Stäubli: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens, Bd. 4, Berlin 1932, S. 655–659.