Echtes Tausendgüldenkraut

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Echtes Tausendgüldenkraut
Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea)

Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Gattung: Tausendgüldenkraut (Centaurium)
Art: Echtes Tausendgüldenkraut
Wissenschaftlicher Name
Centaurium erythraea
Rafn

Das Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), auch Kopfiges Tausendgüldenkraut genannt,[1] ist eine formenreiche Pflanzenart in der Gattung der Tausendgüldenkräuter (Centaurium). Das Echte Tausendgüldenkraut wurde 2004 zur Heilpflanze des Jahres gekürt.[2]

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration
Teilblütenstand mit geschlossenen und offenen Blüten (hier sehr späte Blütezeit im Oktober)
Fruchtstand

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Das Echte Tausendgüldenkraut wächst als ein- bis sommergrüne zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 50, selten bis zu 60 Zentimetern. Der meist aufrechte Stängel ist hohl.

Die kahlen, ganzrandigen, einfachen Laubblätter stehen in einer auffälligen grundständigen Rosette zusammen und sind kreuzgegenständig am Stängel verteilt. Die Grundblätter sind bei einer Länge von 20 bis 40 Millimetern breit-länglich mit gerundetem oberen Ende. Die sitzenden Stängelblätter sind bei einer Länge von meist 1 bis 3 Zentimetern sowie einer Breite von 5 bis 15 Millimetern verkehrt-eiförmig bis länglich-elliptisch oder lanzettlich, aber ihr oberes Ende ist spitz; sie werden mit zunehmender Höhe am Stängel kleiner.[3][4][5]

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Hauptblütezeit reicht von Juni bis September. Es wird ein lockerer bis dichter, zusammengesetzter, trugdoldiger Blütenstand gebildet, deren zymöse Teilblütenstände oft oben abgeflacht sind. Fast direkt über jeweils zwei Trägblättern befinden sich die mehr oder weniger sitzenden Blüten.[4][5]

Die zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser von 9 bis 15 Millimetern radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind verwachsen; der Kelch ist mit 4 bis 7 Millimeter Länge, halb bis zwei Drittel so lang wie die Kronröhre. Die fünf zumeist hell-roten bis kräftig rosafarbenen, selten weißlichen Kronblätter sind röhrig verwachsen. Die Krone ist 12 bis 15 Millimeter lang. Die Kronlappen sind 5 bis 7 Millimeter lang und fein-flaumhaarig.[4][5] Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Die 2 bis 3 Millimeter langen Staubbeutel ragen aus der Blüte heraus und bleiben geschlossen. Die Griffel sind verschieden lang (Heterostylie). Die Narbe ist länglich.[4]

Die zweiklappige, 7 bis 9 Millimeter lange Kapselfrucht bleibt vom Kelch umschlossen.[5]

Dei Chromosomenzahl beträgt meist 40.[6]

Ökologie[Bearbeiten]

Das Echte Tausendgüldenkraut ist einjährig, sommerannuell oder eine winterannuelle bis zweijährige Halbrosettenpflanze, ein Therophyt.

Blütenökologisch handelt es sich um „Pollen-Stieltellerblumen“, die nur bei Sonne und mindestens 20° C geöffnet sind. Statt Nektar werden „anbohrbare Gewebe“ angeboten. Es findet reicher Insektenbesuch statt, u.a. auch durch Falter. Die Bestäubung erfolgt durch Bienen, Fliegen und Käfer. Vielleicht ist auch Selbstbestäubung möglich. Die Lebensdauer einer Blüte beträgt etwa fünf Tage.[7]

Die abgestorbenen Pflanzen sind Windstreuer. Außerdem werden die Samen wohl auch durch Regen verschwemmt. Es sind Lichtkeimer.[7]

Vorkommen[Bearbeiten]

Das in Deutschland (auf Grundlage der Bundesartenschutzverordnung) besonders geschützte Echte Tausendgüldenkraut ist in fast ganz Europa mit Ausnahme des nordwestlichen Skandinaviens natürlich verbreitet. Es kommt zerstreut auf sonnigen, halbtrockenen bis frischen Wiesen und Waldlichtungen bis in Höhenlagen von gut 1200 m vor.[3]

Nach Ellenberg ist das Echte Tausendgüldenkraut eine Lichtpflanze, intermediär und ein Frischezeiger. Es ist eine Klassencharakterart der Waldlichtungs-Fluren und -Gebüsche (Atropetalia).

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Centaurium erythraea erfolgte 1800 durch Carl Gottlob Rafn in Danmarks og Holsteens Flora, 2, S. 75–77.[8] Das Artepitheton erythraea bedeutet rötlich. Synonyme für Centaurium erythraea Rafn sind: Erythraea centaurium L., Centaurium minus auct., Centaurium umbellatum Gilib. nom. inval.,[1] Centaurium minus Moench, Centaurium minus subsp. austriacum (Ronniger) O.Schwarz, Centaurium umbellatum subsp. austriacum Ronniger, Erythraea capitata Willd. ex Roem. & Schult., Erythraea lomae Gilg,[8] Centaurium latifolium (Sm.) Druce, Erythraea centaurium (L.) Pers., Centaurium erythraea subsp. austriacum (Ronniger) Holub, Centaurium erythraea subsp. austriacum (Ronniger) Kožuharov & Petrova, Centaurium erythraea subsp. capitatum (Willd.) Jovet & R.Vilm., Centaurium umbellatum subsp. capitatum (Willd.) P.Fourn., Centaurium minus subsp. transiens (Wittr.) Bjelcić.[9][9]

Von Centaurium erythraea gibt es viele Unterarten:

  • Centaurium erythraea Rafn subsp. erythraea
  • Centaurium erythraea subsp. apertum (H.Lindb.) Greuter
  • Centaurium erythraea subsp. bernardii (Maire & Sauvage) Greuter
  • Centaurium erythraea subsp. bifrons (Pau) Greuter
  • Centaurium erythraea subsp. enclusense (O.Bolòs, Molin. & P.Monts.) O.Bolòs & Vigo
  • Centaurium erythraea subsp. grandiflorum (Biv.) Melderis
  • Centaurium erythraea subsp. grandiflorum (Pers.) Melderis
  • Centaurium erythraea subsp. limoniiforme (Greuter) Greuter
  • Centaurium erythraea subsp. majus (Hoffmanns. & Link) M.Laínz
  • Centaurium erythraea subsp. rhodense (Boiss. & Reut.) Melderis
  • Centaurium erythraea subsp. rumelicum (auct. Velen., non Heldr. & Sart. ex Boiss.) Melderis
  • Centaurium erythraea subsp. ruthenicum (auct. Velen., non Heldr. & Sart. ex Boiss.) Melderis
  • Centaurium erythraea subsp. suffruticosum (Griseb.) Greuter
  • Centaurium erythraea subsp. turcicum (auct. Velen., non Heldr. & Sart. ex Boiss.) Melderis

Nutzung und wichtige Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Die medizinisch vielfältig genutzte Droge (getrocknete, oberirdische Teile der blühenden Pflanze) weist folgende wichtige Inhaltsstoffe auf wie z. B. Bitterstoffe, Flavonoide, Xanthone und Phenolcarbonsäuren.[10]

Das Echte Tausendgüldenkraut wurde früher in der Volksheilkunde bei Erkrankungen der Leber und Galle sowie bei Fieber eingesetzt.[11]

Nach der Kommission E kann ein Aufguss der bitter schmeckenden zerkleinerten Arzneidroge bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden helfen. Die Kontraindikationen sind Magen- und Darmgeschwüre.[10]

Pflanzenteile sind Bestandteile einiger Kräuterliköre.

Namensgebung[Bearbeiten]

Der deutsche Name Tausendgüldenkraut ist aus „tausend Gulden wert“ abgeleitet, der die Bedeutung dieser Pflanze wiedergibt.[11]

Weitere Trivialnamen für das Echte Tausendgüldenkraut sind Bitterkraut, Erdgallenkraut, Gottesgnadenkraut, Fieberkraut, Hundertguldenkraut, Laurin, Magenkraut, Roter Aurin, Sanktorikraut.[11]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Centaurium erythraea im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 18. August 2015.
  2. nabu.de: Heilpflanze des Jahres 2004.
  3. a b Erich Oberdorfer:  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 7., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1994, ISBN 3-8252-1828-7.
  4. a b c d Jepson eFlora.
  5. a b c d G. J. Harden: Datenblatt in der New South Wales Flora Online.
  6. Centaurium erythraea bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  7. a b  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  8. a b Centaurium erythraea bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 18. August 2015.
  9. a b Karol Marhold, 2011: Datenblatt Centaurium erythraea. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Zuletzt abgerufen am 18. August 2015
  10. a b Willibald Pschyrembel: Pschyrembel Naturheilkunde und alternative Heilverfahren. 3. Auflage. Berlin, New York: de Gruyter, 2006. ISBN 3-11-018524-5
  11. a b c Karl Hiller, Matthias F. Melzig, Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, 2 Bände, Genehmigte Sonderausgabe für den area verlag, 2006, ISBN 3-89996-682-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien