Eckart Roloff

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Eckart Klaus Roloff (* 1944) ist ein deutscher Journalist, Medienforscher und Buchautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eckart Roloff ist der jüngste der vier Söhne des Arztes und Tuberkuloseforschers Wilhelm Roloff und dessen Frau Ingeborg.[1] Er wuchs in Bayern auf: im Allgäu, in Donaustauf bei Regensburg, Lochham bei München und Bad Wiessee. Als Gymnasiast erhielt er mit seiner Klasse 1964 für eine Schülerarbeit über die politischen Beziehungen zwischen Frankreich und Rotchina den 1. Preis bei einem Wettbewerb des Bayerischen Landtags für Klassen an Gymnasien.[2] Nach dem Abitur am Gymnasium Tegernsee[3] studierte er, unterbrochen durch den 18-monatigen Zivildienst als Hilfspfleger in einem Frankfurter Krankenhaus, Publizistik, Soziologie, Politologie und Germanistik an der Freien Universität Berlin, der Universität München und der Universität Salzburg. Als Praktikant war er in dieser Zeit an der Redaktion der Tiroler Tageszeitung in Innsbruck und in der Setzerei der Süddeutschen Zeitung in München tätig. 1972 wurde er an der Universität Salzburg mit einer Dissertation über Medizinjournalismus zum Dr. phil. promoviert.

Von 1972 bis 1974 war er Volontär und Redakteur bei der Tageszeitung Main-Echo in Aschaffenburg, danach Mitglied der Studiengruppe „Wissenschaft und Journalismus“ am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Nach 1974 hatte er Lehraufträge an Publizistik-Instituten und Journalistenschulen in Münster, Duisburg, Hagen, Bonn, Bochum, Eichstätt und Köln. Von 1975 bis 1988 war Roloff Referent im Bonner Bundespresseamt mit dem Aufgabenbereich Presseauswertung für Bundeskanzler und Regierungssprecher, Medienforschung.[4] Von 1988 bis Ende 2007 leitete er beim Rheinischen Merkur das Wissenschaftsressort und die Leserbriefredaktion; dort war er auch 14 Jahre lang Vorsitzender des Betriebsrates. Von 1987 bis 1996 gehörte er zum Beirat der evangelischen Medienzeitschrift "medium".

Gemeinsam mit seinen drei Brüdern Dieter, Volker und Gösta stiftete er 1996 zur Erinnerung an seinen Vater und seine Mutter den Wilhelm und Ingeborg Roloff-Preis der Deutschen Lungenstiftung, mit dem alle zwei Jahre hervorragende journalistische Beiträge zur Lungenheilkunde ausgezeichnet wurden.[5] Der Preis wurde 2019 zum letzten Mal verliehen; bis dahin hatten ihn 50 Journalistinnen und Journalisten bekommen.[6]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Salzburger Publizistik-Institut arbeitete Roloff unter Günter Kieslich an Projekten zur Bonner Bundespressekonferenz, zur Ausbildung von Journalisten in Deutschland[7] und zur Struktur der österreichischen Tagespresse mit. Seine Dissertation Die Berichterstattung über Herztransplantationen in der westdeutschen Presse. Eine aussagenanalytische Fallstudie zu Phänomenen des Medizinjournalismus[8] war 1972 die für den deutschsprachigen Raum erste empirische Studie zum Medizinjournalismus. Gemeinsam mit Walter Hömberg und Manfred Hellmann erarbeitete Roloff danach am ZiF Bielefeld die erste große Studie zur Lage des deutschen Wissenschaftsjournalismus.

1982 lebte er fünf Monate in Norwegen. Dort begann er, als erster Ausländer die Geschichte und Struktur des dortigen Presse-, Rundfunk- und Buchmarktes zu erforschen; seitdem hat er dazu rund 100 Beiträge in Publikums- und Fachmedien veröffentlicht.[9][10][11][12] Er schrieb auch über die Medienlandschaft der samischen Minderheit in Norwegen[13][14] und über die Rolle der deutschen Landeskunde im norwegischen Unterricht.[15] 1982 war Roloff Mitbegründer der Deutsch-Norwegischen Gesellschaft. Von 1988 bis 1990 war er deren 1. Vorsitzender. Er hatte auch später weitere leitende Funktionen inne und ist seit 2022 Ehrenmitglied.[16]

Daneben beschäftigt er sich hauptsächlich mit Wissenschaftsjournalismus, den journalistischen Darstellungsformen, der Mediensprache, mit Wissenschaftssatiren (Marginalistik) wie etwa den Sprachen und Dialekten des Essbestecks[17] sowie mit der Medien-, Medizin- und Technikgeschichte.[18] Zu zwei weiteren Themen – den deutschen Museen für Medizin und Pharmazie sowie deutschen Medizin-, Pflege- und Pharmaskandalen – schrieb er gemeinsam mit der Wissenschaftsjournalistin Karin Henke-Wendt Bücher, die bei Hirzel erschienen.

Außerdem befasste sich Roloff in seinem Buch Göttliche Geistesblitze mit Theologen, die als Erfinder und Entdecker tätig wurden. Aufgrund seiner Publikationen und Vorträge zu diesem Thema beschloss der Rat der Stadt Querfurt 2014, in der Querfurter Altstadt eine Gasse nach Jakob Christian Schäffer zu benennen.[19] Außerdem gab die Lüftelberger Dorfgemeinschaft eine Bronzeskulptur zu Johann Adam Schall von Bell in Auftrag, die der Quedlinburger Künstler Jochen Müller gestaltete. Sie wurde am 14. September 2014 in der Petrusstraße in Lüftelberg, einem Stadtteil von Meckenheim, enthüllt.[20] Am 3. Juni 2018 wurde an der Querfurter St. Lamperti-Kirche das bundesweit erste Denkmal zu Jacob Christian Schäffer enthüllt, von Jochen Müller auf Roloffs Anregung gestaltet.[21]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Vyslozil, Heinz Pürer, Eckart Klaus Roloff: Die Struktur der österreichischen Tagespresse 1971. St. Pölten 1973.
  • Eckart Klaus Roloff: Journalistische Textgattungen. Oldenbourg, München 1982, ISBN 3-486-85141-1.
  • Eckart Roloff: Göttliche Geistesblitze. Pfarrer und Priester als Erfinder und Entdecker. Wiley-VCH, Weinheim 2010 (2., aktualisierte Auflage 2012, ISBN 978-3-527-32864-2)
  • Eckart Roloff: Die publizistische Entdeckung des Patienten. Eine Presseanalyse zum Medizinjournalismus und zu den ersten Herztransplantationen. Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8487-0731-7 (leicht bearbeitete Fassung der Dissertation mit einem ausführlichen Vorwort von Beatrice Dernbach und einem Nachwort des Autors von 2013).
  • Eckart Roloff, Karin Henke-Wendt: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Hirzel, Stuttgart. Band 1: Norddeutschland. 2015, ISBN 978-3-7776-2510-2, und Band 2: Süddeutschland. 2015, ISBN 978-3-7776-2511-9.
  • Eckart Roloff, Karin Henke-Wendt: Geschädigt statt geheilt. Große deutsche Medizin- und Pharmaskandale. Hirzel, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-7776-2763-2.

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eckart Roloff (Hrsg.): Journalisten-Werkstatt. Schreibprozesse – zehn Beispiele aus der Praxis. Sauerländer, Aarau/ Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-7941-3218-1.
  • Walter Hömberg, Eckart Klaus Roloff (Hrsg.): Jahrbuch für Marginalistik I. Lit, Münster 2000, ISBN 3-8258-2385-7.
  • Walter Hömberg, Eckart Roloff (Hrsg.): Jahrbuch für Marginalistik II. Lit, Münster 2011, ISBN 978-3-8258-6052-3.
  • Walter Hömberg, Eckart Roloff (Hrsg.): Jahrbuch für Marginalistik III. Lit, Berlin/ Münster 2014, ISBN 978-3-643-99840-8.
  • Walter Hömberg, Eckart Roloff (Hrsg.): Jahrbuch für Marginalistik IV. Lit, Berlin 2016, ISBN 978-3-643-99793-7.

Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald L. Tveterås: Geschichte des Buchhandels in Norwegen. Aus dem Norwegischen übersetzt von Eckart Klaus Roloff. Verlag Harrassowitz, Wiesbaden 1992, ISBN 3-447-03172-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eckart Roloff: Die Geschichte des Wilhelm und Ingeborg Roloff-Preises der Deutschen Lungenstiftung. In: Lunge, Luft und Leben. 9. Jahrgang, Nr. 21, 2005, S. 17–18 (lungenstiftung.de [PDF]): „[…] entschlossen sich die Söhne Dieter, Volker, Gösta und Eckart, diesen Preis zu stiften […]“
  2. Der Preis des Bayerischen Landtags wird als Hauptaufmacher einer Lokalseite erwähnt im "Münchner Merkur" vom 30. September 1964. Darin heißt es auch, dass es 47 Einsendungen aus ganz Bayern gab; die Tegernseer Gymnasialklasse 8b von 1963/64 bekam den ersten Preis, den Landtagspräsident Rudolf Hanauer in München überreichte. Koordinator der eingereichten Arbeit und Klassensprecher war seinerzeit Roloff.
  3. Eckart Roloff: Auf ewig umgarnt vom 'Genius loci tegernseensis'. Unauslöschliche Erinnerungen an die Schulzeit im Schloss. In: Tegernseer Tal. Nr. 172, 2020, S. 40–42.
  4. Eckart Roloff: Lesen und denken, von fünf Uhr an. In: Neues Deutschland (Hrsg.): www.nd-aktuell.de. 30. Dezember 2021 (nd-aktuell.de).
  5. Eckart Roloff: Die Geschichte des Wilhelm und Ingeborg Roloff-Preises der Deutschen Lungenstiftung. In: Lunge, Luft und Leben. 9. Jahrgang, Nr. 21, 2005, S. 17–18 (lungenstiftung.de [PDF]): „[…] entschlossen sich die Söhne Dieter, Volker, Gösta und Eckart, diesen Preis zu stiften […]“
  6. Eckart Roloff: WIR-Preis der Deutschen Lungenstiftung zum letzten Mal überreicht - doch es wird weitergehen. In: Lunge, Luft und Leben. 24. Jg. 2019, Nr. 45, S. 21–22.
  7. Siehe z. B. Günter Kieslich: Der journalistische Nachwuchs in der Bundesrepublik Deutschland. Daten zur Volontärausbildung in der Tagespresse. Bearbeitet von Eckart Klaus Roloff. Bund-Verlag, Köln 1974, ISBN 3-7663-0080-6.
  8. Eckart Klaus Roloff: Die Berichterstattung über Herztransplantationen in der westdeutschen Presse. Eine aussagenanalytische Fallstudie zu Phänomenen des Medizinjournalismus. Phil. Diss., Salzburg 1972.
  9. Presseforschung in Norwegen. In: Publizistik. Heft 4/1982, S. 596–604.
  10. Oslo und seine Zeitungen. Aufklärung über eine unbekannte Pressestadt. In: Kurt Koszyk, Volker Schulze (Hrsg.): Die Zeitung als Persönlichkeit. Verlag Droste, Düsseldorf 1982, ISBN 3-7700-4036-8, S. 305–318.
  11. Als Gutenberg nach Volda kam. Die norwegische Provinz Møre og Romsdal – ein Paradies für Pressehistoriker, Zeitungsstatistiker und Journalistenausbilder. In: Beate Schneider, Kurt Reumann, Peter Schiwy (Hrsg.): Publizistik. Beiträge zur Medienentwicklung. UVK Konstanz 1995, ISBN 3-87940-551-4, S. 353–371.
  12. Eckart Klaus Roloff und Gunnar Köhne: Das Rundfunksystem in Norwegen. In: Hans-Bredow-Institut (Hrsg.): Internationales Handbuch für Rundfunk und Fernsehen 1990/91. Nomos, Baden-Baden/Hamburg 1990, S. 160-D 167, ISBN 3-7890-1991-7.
  13. Eckart Klaus Roloff: Sámi Radio Kárašjohka – Massenmedium einer Minderheit. Der Hörfunksender im norwegischen Teil Lapplands. In: Rundfunk und Fernsehen. Band 35, Nr. 1, 1987, S. 99–107.
  14. Eckart Klaus Roloff: Lapplands unbeachtete Literatur. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. Band 42, Nr. 30, 1986, S. 1050–1053.
  15. Eckart Klaus Roloff: Zur Funktion der Landeskunde im Fremdsprachenunterricht. In: Wolfgang Feigs, Sigmund Kvam (Hrsg.): Deutsche Landeskunde im Fremdsprachenunterricht. Beiträge von der Landeskundetagung auf Hankø/Norwegen 1984. Tapir, Trondheim 1986, ISBN 82-519-0723-3, S. 31–42.
  16. dng-bonn.de
  17. Wie Messer und Gabel auf den Zeiger gehen können. Aufklärung über die Bestecksprache. In: Walter Hömberg (Hrsg.): Marginalistik. Almanach für Freunde fröhlicher Wissenschaft. Allitera Verlag. München 2019, ISBN 978-3-96233-179-5, S. 181–200.
  18. Eine starke Stimme für die Frauen. Hedwig Dohm. In: Michael Haller, Walter Hömberg (Hrsg.): „Ich lass mir den Mund nicht verbieten!“ Journalisten als Wegbereiter der Pressefreiheit und Demokratie. Reclam Verlag, Ditzingen 2020, ISBN 978-3-15-011277-9, S. 114–117.
  19. alt-querfurt.de
  20. rundschau-online.de
  21. Universalgenie Jacob Christian Schäffer (Memento vom 12. Juni 2018 im Internet Archive)
  22. Broschüre zur Vergabe des Theodor-Wolff-Preises 1993, hrsg. vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, S. 50.
  23. Zur Auszeichnung und zum Thema Schizophrenie schrieb Michael Rutz, damals Chefredakteur des Rheinischen Merkur, in der Ausgabe vom 15. Oktober 1999 im Editorial auf S. 2 unter „E. K. R. - preiswürdig“ mehr zum Preis und dessen Träger.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]