Eckernförder Bucht

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Im Segelboot auf der Eckernförder Bucht, Sommer 1963, im Hintergrund die Fregatte F 221 der Bundesmarine.

Die Eckernförder Bucht oder Eckernförder Meerbusen (dänisch: Egernførde Fjord, Egernførde Bugt oder Egernfjord Bugt) ist eine Förde an der Ostsee und ein Seitenarm der Kieler Bucht in Schleswig-Holstein. Sie liegt zwischen dem Dänischen Wohld im Süden und Schwansen im Norden.

Die Eckernförder Bucht reicht 17 Kilometer tief in das Land hinein und ist an ihrer Einfahrt zehn Kilometer breit, wobei als Endpunkte Booknis-Eck (Gemeinde Waabs) und Dänisch-Nienhof (Gemeinde Schwedeneck) gelten. Im Sinne des Völkerrechts handelt es sich bei der Eckernförder Bucht um eine „echte Bucht“.[1]

Geologie und Naturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über die Eckernförder Bucht von Norden

Die Bucht entstand während der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit) vor 120.000 bis 10.000 Jahren durch eine Gletscherzunge. Nach Ansicht einiger Geologen soll die Tiefenlinie der Eckernförder Bucht schon vor der Eiszeit angelegt gewesen sein und trug nach dieser Annahme dazu bei, dass sich der „Eckernförder Lobus“ im Gebiet des heutigen Eckernförde in zwei Teileiszeitzungen teilte: der nördlichen „Windebyer-Noor-Zunge“ und der südlichen „Wittensee-Goossee-Zunge“.

Das ursprüngliche postglaziale Ende der Eckernförder Bucht, das heutige Windebyer Noor, ist durch eine Nehrung, auf der die Stadt Eckernförde entstand, inzwischen von der Ostsee abgetrennt. Die endgültige Trennung erfolgte 1929 künstlich durch Aufschüttungen – inzwischen existieren Pläne auf Wiederherstellung einer offenen Verbindung zwischen Eckernförder Bucht und Windebyer Noor.

Die Ufer der Bucht sind vom Wasser und der Brandung geformt. Besonders bei Wind aus Nordost und Südwest kann sich ein erheblicher Seegang aufbauen. Bei um 0,75 Meter erhöhten Wasserstand wird Sand und Kies von der Kliffküste abgetragen. An manchen Stellen weicht die Küstenlinie dadurch jährlich um 15 bis 20 Zentimeter zurück. Im Südosten werden dadurch die Hügel der Endmoränen der letzten Eiszeit angeschnitten. Vor Altenhof hat sich auf diese Weise eine 30 Meter hohe und 3,6 Kilometer lange Steilküste gebildet. Dessen stetig abgetragenes Material lagert sich zum Teil weiter westlich wieder ab und trennte den Goossee von der Eckernförder Bucht. Parallel zum Strand verlaufen einige Sandriffe im Wasser. Die Ufer sind überwiegend mit Laubbäumen bewaldet.

Städte und Gemeinden am Buchtrand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ufer des Eckernförder Meerbusens grenzt komplett an den Kreis Rendsburg-Eckernförde (Altkreis Eckernförde). Am Nordufer liegen die Gemeinden Waabs (an der Buchteinfahrt) und Barkelsby, am Südufer von Ost nach West die Gemeinden Schwedeneck (ebenfalls Buchteinfahrt), Noer und Altenhof. Die namensgebende Stadt Eckernförde befindet sich an der Westspitze der Bucht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Besiedlung Schwansens mit dänischen Siedlern ab etwa 700 und der des Dänischen Wohldes mit (nord-)deutschen Siedlern ab 1260 bildete die Eckernförder Bucht im Mittelalter eine Sprachgrenze zwischen dem Niederdeutschen im Süden und dem Dänischen/Angeldänischen im Norden. Dies ist heute noch an den nordischen Ortsnamen in Schwansen zu erkennen. Später breitete sich das Deutsche als Umgangssprache weiter nach Norden aus. In der Frühen Neuzeit waren sowohl Schwansen als auch der Dänische Wohld von Gutsherrschaft und Leibeigenschaft geprägt.

Während des Gefechts bei Eckernförde 1849 wurde das dänische Linienschiff Christian VIII. und die dänische Fregatte Gefion von Strandbatterien schleswig-holsteinischer Truppen beschossen, wobei das Linienschiff explodierte, die Fregatte sich ergeben musste und von der deutsch ausgerichteten schleswig-holsteinischen Armee übernommen wurde.

Einige Jahre später führte das Ostseesturmhochwasser 1872 zu schweren Schäden an den Küstenorten der Eckernförder Bucht. Besonders die Stadt Eckernförde trug schwere Schäden davon.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlagen der WTD 71 in Eckernförde.

Der Eckernförder Meerbusen ist ein beliebtes Ferienziel. Das Ostseebad Eckernförde verzeichnet rund 135.000 Übernachtungen im Jahr, zudem liegen elf Campingplätze rund um die Bucht. Außerdem ist das Segelrevier Ausgangspunkt der Aalregatta zur Kieler Woche.

Rund um die Eckernförder Bucht hat die Bundeswehr einige Liegenschaften in Betrieb. So befindet sich am südöstlichen Ende der Bucht, am gegenüberliegenden nordöstlichen Ufer (noch in Eckernförde) und am südwestlichen Ausgang der Bucht in Surendorf, Abteilungen der Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD 71). In Surendorf existiert eine Seebrücke, die jedoch zum militärischen Sperrgebiet gehört und daher nicht betreten werden darf.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Goossee und Eckernförder Bucht verläuft heute die B 76 von Eckernförde nach Kiel. Schon um 1500 ist hier auf dem Strandwall, der später zu einem Damm ausgebaut wurde, eine Straße nachgewiesen. Der Damm wurde beim Ostseesturmhochwasser 1872 stark beschädigt, so dass die inzwischen gebaute Chaussee nicht mehr passierbar war. Beim Neubau der Straße wurde der Damm erhöht. Ihre heutige Form erhielt die Straße im Jahr 1965.

Parallel dazu verläuft die Bahnstrecke Kiel–Flensburg (erbaut durch die Kiel-Eckernförde-Flensburger Eisenbahn-Gesellschaft), die heute von der Regionalbahn Schleswig-Holstein betrieben wird.

Häfen und Anlegerstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Boje Ringelnatter (1952).

Unter der Definition der Booknis-Eck-Dänisch-Nienhof-Linie als östliches Ende des Eckernförder Meerbusens bestehen Hafenanlagen nur in Eckernförde: Der Eckernförder Stadthafen dient unter anderem als Fischerei- und Traditionsseglerhafen. Dort gibt es eine kleine Werft. Außerdem existieren in Eckernförde ein Marinehafen („Kranzfelder Hafen“, benannt nach Alfred Kranzfelder), zwei Yachthäfen und ein Schiffsanleger an der Torpedoschießbahn (militärisches Sperrgebiet der Eckernförder Bucht). Darüber hinaus bestehen die bereits erwähnte Seebrücke in Surendorf und ein zum Anlegen von Yachten geeigneter „Naturhafen“ in der Aschauer Lagune innerhalb der Gemeinde Altenhof.

Die Ringelnatter – eine Boje – grenzt in der Eckernförder Bucht den Gesamtbereich der Eckernförder Häfen inklusive der Reede-Seeflächen ab. Sie dient der Orientierung für Schiffe, die Eckernförde anlaufen. Noch in den 1980er Jahren reichte eine Umrundung der Ringelnatter mit einem Passagierschiff oder Fischkutter zum zollfreien Einkauf.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erwin Beckert, Gerhard Breuer: Öffentliches Seerecht. de Gruyter, Berlin/ New York 1991, ISBN 3-11-009655-2, S. 54.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eckernförder Bucht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 54° 29′ 55″ N, 10° 0′ 54″ O