Züblin

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Dieser Artikel befasst sich mit dem deutschen Bauunternehmen Ed. Züblin AG, für andere Bedeutungen siehe Züblin (Begriffsklärung).
Ed. Züblin AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1898
Sitz Stuttgart, Deutschland
Leitung Vorstand:
  • Jörn Beckmann
  • Klaus Pöllath
  • Ulrich Weinmann
  • Jörg Wellmeyer
  • Edgar Schömig
  • Alexander Tesche[1]
Mitarbeiter 13.753 (2016)[2]
Umsatz 3,4 Mrd. Euro (2016)[2]
Branche Bauunternehmen
Website www.zueblin.de
Züblin-Haus in Stuttgart
Züblin-Baustelle 2013: Züblin stellt Rohbau für Doppel-Büroturm des Neubaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt fertig
Die Rhein Galerie Ludwigshafen
Neubau Opernturm in Frankfurt, September 2010
Züblin-Baustelle 2008: Züblin-Kran auf einer Baustelle in Hamburg
Züblin-Baustelle 2004: Neues Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart

Die Ed. Züblin AG ist eines der großen deutschen Bauunternehmen mit Niederlassungen und Tochtergesellschaften im In- und Ausland. Kernmärkte sind Deutschland und die Beneluxländer. Der Stammsitz ist Stuttgart. Züblin gehört zum Konzern der österreichischen Strabag. Der Geschäftsbericht 2015 weist eine Gesamtleistung in Höhe von 3,4 Milliarden Euro für den Konzern aus; die Gesellschaft verfügt dabei über einen Anteil von 27 Prozent an Auslandsbauleistungen. Die Zahl der Mitarbeiter beträgt 13.983[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1898 wurde das „Ingenieur-Bureau für Cement-Eisenconstructionen“ durch den Schweizer Ingenieur Eduard Züblin in Straßburg/Elsass gegründet. 14 Jahre später wurde das Einzelunternehmen umgewandelt in die „Ed. Züblin & Cie. Kommanditgesellschaft“, und die „Ed. Züblin & Cie. AG“ wurde in Zürich vollzogen. 1919 fand die Gründung der „Ed.Züblin & Cie. Aktiengesellschaft“ mit deutschem Personal aus dem Stammhaus in Straßburg statt. Unternehmenssitz war Stuttgart. Der Unternehmensname (Firma) wurde 1951 erneut in „Ed. Züblin Aktiengesellschaft“ geändert.

Nach der Insolvenz der Walter Bau AG 2005 stimmte das Bundeskartellamt der Übernahme der Aktienmehrheit an der Züblin AG, deren Muttergesellschaft die Walter Bau AG war, durch das Bauunternehmen Strabag zu, um „schweren Schaden für die Ed. Züblin AG abzuwenden“.[4] 2006 übernahm die Züblin AG den Hoch- und Ingenieurbau der deutschen Strabag AG, einschließlich der Dywidag Bau GmbH.

2011 erwarb Züblin die Gesellschaft BFB Behmann Feuerfestbau GmbH in Bremen und Schwedt/Oder. Behmann ist eine mittelständische Unternehmensgruppe mit einer Bauleistung von rund 20 Mio. € in den Geschäftsfeldern Feuerfestbau, Schornsteinbau und technische Isolierung und ergänzt die bereits bestehenden Aktivitäten der Züblin Gesellschaft Ooms-Ittner-Hof. Mit Wirkung zum 1. Juli 2012 wurden die beiden Behmann-Gesellschaften auf die OOMS-ITTNER-HOF GmbH verschmolzen. Die Gesellschaft tritt nun unter dem Namen "Züblin Chimney and Refractory GmbH" weltweit am Markt auf.[5]

Rückwirkend zum 1. Januar 2011 erwarb Züblin die NE Sander Gruppe und stärkt damit ihre Stahlbau-Aktivitäten. Die Gesellschaft ist vor allem in der Konstruktion, Fertigung und Montage von Stahlbrücken, Stahlwasserbauten sowie Stahlhoch- und Industriebauten tätig. Die Produktion von Schiffsbauteilen, die Errichtung und Sanierung von Krananlagen sowie Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten zählen ebenfalls zum Leistungsspektrum.[6]

Ed. Züblin AG erwarb 2011 ebenfalls Teile der insolventen Wolfer & Goebel Bau und Projekt GmbH, Stuttgart, und sicherte damit nahezu 100 Arbeitsplätze.[7]

Mit dem Erwerb der Geschäftsaktivitäten eines Holzbaubetriebs durch die Stephan Holzbau GmbH, einer Tochtergesellschaft der Züblin Bau GmbH, wurde Ende 2011 der Einstieg in den konstruktiven Ingenieurholzbau begonnen. Die Züblin Bau GmbH hat zudem Anfang 2012 Mitarbeiter sowie wesentliche Vermögenswerte der Merk Project GmbH übernommen. Vor dem Hintergrund der zunehmend ökologischen Überlegungen der Auftraggeber ist die Ed. Züblin AG überzeugt, dass der Holzbau zukünftig erheblich an Bedeutung gewinnt. Mit weiteren Akquisitionen (2012: Erwerb Holzbauaktivitäten von Merk-Project GmbH, 2013: Erwerb Metsä Wood Merk GmbH) wurde die Leistungspalette in diesem Geschäftsfeld ausgebaut und weitere Synergien im Zusammenwirken mit dem Hoch- und Ingenieurbau generiert werden.[8]

2016 erwirbt die österreichische STRABAG SE die Anteile der Minderheitsaktionäre und hält 100 % an Züblin.

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Leistungsspektrum beinhaltet alle baurelevanten Aufgaben: vom komplexen Schlüsselfertigbau, Ingenieur-, Brücken-, Tunnelbau, Spezialtiefbau, bis Public Private Partnership. Das Kerngeschäft von Züblin ist unterteilt in die drei Geschäftsfelder Schlüsselfertigbau, Ingenieurbau sowie Werke und Sonderbereiche.

Schlüsselfertigbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier bündelt das Unternehmen alle in- und ausländischen Hochbauaktivitäten. Die Tätigkeit der Züblin umfasst: Neubau, Erweiterung und Bauen im Bestand. Realisiert werden z.B. Wohnanlagen, Krankenhäuser, Schulen und Universitäten, Industriebauten und Hotels. Kernländer sind Deutschland, Belgien, Dänemark und die Niederlande, 

Ingenieurbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In diesem Geschäftsbereich plant, koordiniert und baut Züblin technische Bauwerke (u.a. Kraftwerke, Tunnel, Spezialtiefbauten, Wasserbau).

Werke und Sonderbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Holzingenieurbau
  • Stahlbau (Züblin Stahlbau GmbH, Hosena)
  • Altlastensanierung in den Gebieten Grundwasser-, Boden- und Bodenluftreinigung, Schadstoffsanierung, Rückbau (Züblin Umwelttechnik GmbH, Stuttgart)
  • Feuerfest- und Industrieschornsteinbau (Züblin Chimney and Refractory GmbH, Köln)
  • Wärme-, Kälte-, Luft-, Klima- und Sanitärtechnik, MSR-Technik und Medienversorgung (Züblin Gebäudetechnik GmbH, mehrere Standorte)
  • Bewirtschaftung von fast 20.000 Stellplätze in über 50 Parkhäusern, Shopping-Centern, Krankenhäusern etc. (PARK SERVICE HÜFNER GmbH + Co. KG, Stuttgart)  

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beteiligungen hat das Unternehmen unter anderem an der

  • STRABAG Real Estate GmbH (ehemals Züblin Development GmbH)
  • Züblin International GmbH
  • Züblin Spezialtiefbau GmbH
  • Züblin Stahlbau GmbH
  • Züblin Umwelttechnik GmbH
  • Dywidag Bau GmbH
  • Züblin Gebäudetechnik GmbH
  • SF-Ausbau GmbH
  • Merk Timber GmbH
  • Blees Kölling-Bau GmbH
  • Josef Riepl GmbH
  • Eberhard Pöhner GmbH

Züblin-Haus, Stuttgart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Züblin-Haus ist der Unternehmenssitz in Stuttgart-Möhringen. Der Bürobau in Stahlbeton-Fertigteilbauweise wurde von 1983 bis 1984 nach Plänen des Architekten Gottfried Böhm und des Bauingenieurs Jörg Schlaich erbaut. Der glasüberdachte Innenhof dient mehrmals jährlich als Ort für Musikveranstaltungen und Schauspielaufführungen, bekannt unter dem Namen „Sommer im Züblin-Haus“.

Neben dem Züblin-Haus umfasst der Firmensitz in Stuttgart zwei weitere Bürogebäude. Alle drei Gebäude sind von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert. 2009 erhielt Züblin das Silber-Zertifikat für das Bürogebäude Z-Zwo von Eike Becker_Architekten (Baujahr 2002). Im November 2014 wurden das Züblin-Haus (Bronze-Zertifikat) und das Bürogebäude Z3 (Gold-Zertifikat) zertifiziert. Damit ist Züblin das erste Unternehmen mit Sitz in Deutschland, das für alle Bauten am Firmensitz die Zertifizierung der DGNB erhalten hat.[9]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einsatz von Zwangsarbeitern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 22. August bis zum 24. November 1944 wurden durch Züblin in Zusammenarbeit mit der SS 1700 ungarische Jüdinnen im Alter zwischen 14 und 46 Jahren als Zwangsarbeiterinnen beim Ausbau des Frankfurter Flughafens eingesetzt, die im KZ-Außenlager Walldorf inhaftiert waren[10][11] Nach Wiederentdeckung der Lagergeschichte, Bekanntwerden und Herantreten an die Firma Züblin verweigerte sich diese stets einer Wiedergutmachung. Entschädigungszahlungen, ein offiziellen Statement der Entschuldigung oder des Bedauerns wurden stets abgelehnt.[12][13] Seit 1991 in Firmenverbünden ist Züblin aber indirekt am Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter beteiligt.[12]

Korruption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1989 wurde der Bauingenieur und Prokurist der Züblin AG Eugen Becker im Zusammenhang mit dem Bau der IG Metall Bildungsstätte in Lohr wegen Beihilfe zur Untreue durch die Große Strafkammer des Landgerichts Frankfurt verurteilt.[14][15] Auswertungen der bei Becker beschlagnahmten Unterlagen ergaben, dass die Züblin AG durch ihn systematisch Bestechungsgelder an Mitarbeiter der jeweiligen Auftraggeber und an Bevollmächtigte der Bauherren auszahlte.[16]

Bis Ende 1998 soll ein staatlicher Bauleiter für Staudammprojekte in Südafrika 2 Mio. DM an Bestechungsgeldern durch das mit dem Bau beauftragte Unternehmenskonsortium erhalten haben. Mehr als 800 000 DM sollen dabei von der Züblin AG gekommen sein, was der damalige Vorstandsvorsitzende Manfred Nußbaumer allerdings dementierte.[17]

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Benachteiligung osteuropäischer Arbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 2006 und 2007 hielt die Züblin AG wegen Mängeln Zahlungen an ein Subunternehmen zurück, das Arbeiter aus Osteuropa beschäftigte.[18]

Missachtung der Arbeiterrechte in den Vereinigten Arabischen Emiraten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einem Bericht von Human Rights Watch missachten die Unternehmen Al Jaber, Arabtec, Saif Bin Darwish, Abu Dhabi National Hotels(ADNH), Leighton International und die Ed. Züblin AG bei den Bauarbeiten auf der zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehörenden Insel Saadiyat die dort geltenden Arbeiterschutzgesetzte und -rechte, indem sie für Überstunden den gleichen Lohn wie für normale Arbeitsstunden zahlen.

Auch wenn keine Arbeitsschutzgesetze verletzt werden, wird kritisiert, dass Arbeiter der Ed. Zueblin AG gezwungen werden, ihren Reisepass abgeben, zu dem sie jedoch laut Unternehmen jederzeit Zugang haben. Auch der Tageslohn ungelernter Kräfte von $8 wird in dem Bericht gerügt.[19]

Ehemalige Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1950–1960 Ludwig Lenz
  • 1961–1965 Anton Withum
  • 1966–1987 Dietrich Lenz
  • 1988–1996 Konrad Hinrichs
  • 1997–2005 Manfred Nußbaumer

Bekannte realisierte Bauprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Senta Everts-Grigat, Karlheinz Fuchs: Züblin – 100 Jahre Bautechnik 1898–1998. Ed. Züblin AG, Stuttgart 1998, ISBN 3-00-003696-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ed. Züblin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zueblin.de: Vorstand
  2. a b zueblin.de: Auftragslage bei ZÜBLIN gut wie noch nie
  3. Geschäftsbericht 2015. Ed. Züblin AG, abgerufen am 29. Juli 2015.
  4. Bericht des Bundeskartellamtes über seine Tätigkeit in den Jahren 2005/2006 sowie über die Lage und Entwicklung auf seinem Aufgabengebiet, S. 33. Deutscher Bundestag, 15. Juni 2007, abgerufen am 18. Februar 2017 (PDF; 2,2 MB).
  5. Geschäftsbericht 2012. Ed. Züblin AG, abgerufen am 9. September 2013.
  6. Pressemitteilung. Ed. Züblin AG, 28. Juni 2011, abgerufen am 1. Februar 2013.
  7. Pressemitteilung. Ed. Züblin AG, 29. Juli 2011, abgerufen am 1. Februar 2013.
  8. Geschäftsbericht 2013. Ed. Züblin AG, abgerufen am 3. Juli 2013.
  9. zueblin.de: DGNB Zertifikate für das Züblin-Haus und Z3
  10. "Die Opfer aus Ungarn". Abgerufen am 17. Juli 2011.
  11. "Zwangsarbeiterinnen bei Züblin? Klar doch!" Abgerufen am 17. Juli 2011.
  12. a b "Die Firma Züblin und die Entschädigung der Opfer". Abgerufen am 23. Januar 2017.
  13. "Zwangsarbeiterinnen bei Züblin? Klar doch! Verantwortung? Nein Danke!" Abgerufen am 23. Januar 2017.
  14. Machen wir daraus vier Hauptzahlungen … In: Der Spiegel. Nr. 11, 1989 (online).
  15. Offenkundig unreell, am Vorstand vorbei. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1989 (online).
  16. Zwei Blaue extra. In: Der Spiegel. Nr. 50, 1994 (online).
  17. Schmiergelder: Rückkehr zur Ehrlichkeit? In: Der Spiegel. Nr. 44, 1999 (online).
  18. Gastarbeiter: Im Ländle der Lohnpreller. In: Die Zeit, Nr. 20/2007
  19. "The Island of Happiness" - Human Rights Watch. Human Rights Watch, 19. Mai 2009, abgerufen am 14. August 2010.