Edgar Snow

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Edgar Snow (links im Bild) mit Zhou Enlai und Deng Yingchao 1938 in Wuhan
Edgar Snows Grab auf dem Campus der Peking-Universität
Edgar Snow (links im Bild) mit Zhou Enlai und Deng Yingchao 1938 in Wuhan
Edgar Snows Grab auf dem Campus der Peking-Universität

Edgar Snow (* 17. Juli 1905 in Kansas City, Missouri; † 15. Februar 1972 in Genf) war ein amerikanischer Journalist, der dank seines Buches Red Star over China (1937, deutsche Ausgabe Roter Stern über China) über seine Begegnungen mit Mao Zedong international bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Snow studierte Journalismus an der Universität von Missouri, doch noch vor Abschluss des Studiums zog er nach New York.[1] Er verdiente mit Börsenspekulationen Geld und trat 1928 eine Weltreise an. Doch kam er nicht weiter als China, wo er bald als Korrespondent für das in Indianapolis erscheinende Magazin The Saturday Evening Post arbeitete.

Snow wurde als ihr Sympathisant von der kommunistischen Untergrundbewegung in Shanghai Mao empfohlen, der einen ausländischen Autoren für seine auf die internationale Leserschaft abzielende Biographie suchte. Auf diese Weise lernte Snow 1936 den Führer der chinesischen Kommunisten in der Basis der KPCh in Yan’an kennen und konnte ihn über längere Zeiträume immer wieder begleiten.[2]

In China erlebte er die Invasion durch japanische Truppen 1937, er berichtete über das Massaker von Nanking.[3] Rechtzeitig vor dem Angriff auf Pearl Harbour kehrte er 1941 in die USA zurück. Seine Redaktion entsandte ihn als Reporter erst zu den Kriegsschauplätzen in Asien, dann 1944 nach Moskau.[4] Nach seiner Rückkehr in die USA beteiligte er sich 1945 an der Kampagne sowjetfreundlicher Publizisten, unter ihnen Jerome Davis, John Hersey, Richard Lauterbach, Edmund Stevens und Alexander Werth, gegen das Buch „Report on the Russians“ des Publizisten und Verlegers William Lindsay White, der darin die Sowjetunion als wirtschaftlich und gesellschaftlich rückständiges Land mit einem repressiven System beschrieb.[5]

Während der McCarthy-Ära wurde er vom FBI zu seinen politischen Ansichten befragt. Er siedelte daraufhin in die Schweiz über.[6] 1971 riet der CIA dem Weißen Haus in Washington, die Einladung Snows zu einem Interview mit Mao zu unterstützen, um den Besuch Richard Nixons in Peking vorzubereiten. Mao hielt ihn in dieser Zeit nach Aussagen seines früheren Leibarztes für einen CIA-Agenten.[7]

Seine Witwe Lois Wheeler Snow kritisierte die Niederschlagung der Demonstrationen auf dem Tian’anmen-Platz in Peking im Juni 1989.[8]

Historische Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mao selbst hatte die Initiative zu seiner von Snow verfassten Biografie ergriffen.[9] Red Star over China entstand zu großen Teilen aus Interviews, die Mao und andere Kommunisten Snow über einen Zeitraum von drei Monaten im Sommer 1936 gaben. Mao überließ dabei nichts dem Zufall. Er antwortete schriftlich auf die Fragen, die Snow vorab einreichen musste. Hierdurch entstand nach Ansicht der Historiker eine Mixtur aus wertvollen Informationen und inhaltlichen Fälschungen. Dabei verfestigte Mao den zentralen Heldenmythos der Kommunistischen Partei Chinas, den Langen Marsch, indem er Snow erzählte, er habe bis auf seine Krankheitsphasen den größten Teil der 10.000 km langen Strecke wie die einfachen Soldaten zu Fuß zurückgelegt. Über seine damaligen Verbindungen zu Moskau und Stalin ließ Mao kein Wort verlauten, auch erfand er Schlachten und Heldentaten, das Ausmaß an Terror negierte er.[10]

Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt und trug erheblich dazu bei, Mao international populär zu machen und einen Stimmungsumschwung zu seinen Gunsten in der westlichen Welt herbeizuführen. Das Buch erschien auf Chinesisch unter dem Titel „Geschichte einer Reise in den Westen“. Snows Berichte zeigten durchweg eine deutliche Sympathie für die Politik der Volksrepublik China. Seine Berichterstattung hatte der zeitgeschichtlichen Forschung zufolge großen Einfluss auf das China-Bild im Westen.[11]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gast am anderen Ufer. Rotchina heute, München: Kindler, 1964.
  • Roter Stern über China. Frankfurt am Main: März, 1969. (Nachdrucke bei vers. Verlagen, z. B., 1983, ISBN 3-87512-215-1
  • So fing es an. Erfahrungen mit neuen Zeiten, Stuttgart: DVA, 1977. ISBN 3-426-03573-1 Auch mit anderem Untertitel
  • Die lange Revolution. China zwischen Tradition und Zukunft, Stuttgart: DVA, 1983. ISBN 3-423-01077-0
  • Rote Horizonte (Auszug aus Roter Stern über China), in MÄRZ-Texte 1. Frankfurt am Main: März, 1969. Wieder in: MÄRZ-Texte 1 & Trivialmythen. Erftstadt: Area, S. 236–249, 2004 ISBN 3-89996-029-7. Mit einem Foto: Snow mit Mao Zedong, 1967)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John Maxwell Hamilton: Edgar Snow: A Biography. LSU Press, Baton Rouge La. 2003 ISBN 978-0807129128
  • Jerry Israel, „Mao’s Mr. America“. Edgar Snow’s Images of China, in: Pacific Historical Review, vol. 47, no. 1 (Feb. 1978), S. 107-122.
  • S. Bernard Thomas: Season of High Adventure: Edgar Snow in China. University of California Press, Oakland Ca. 1996 ISBN 978-0520202764

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zuhause ist woanders. Schweizer Dokumentation von Peter Entell aus dem Jahr 2012 über Edgar Snow aus der Sicht seiner zweiten Ehefrau, der Hollywood-Schauspielerin Lois Wheeler Snow.[12]

Links[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. biografische Angaben laut: Edgar Snow Foundation, University of Kansas City
  2. Anne-Marie Brady: Making the Foreign Serve China: Managing Foreigners in the People's Republic. Lanham/Oxford 2003, S. 42-47.
  3. John Maxwell Hamilton: Edgar Snow. A Biography. Baton Rouge La. 2003, S. 92.
  4. Hamilton, a.a.O.
  5. Jean Folkerts, Report on the Russians: The Controversy Surrounding William Lindsay White’s 1945 Account of Russia, in: American Journalism, 3 July 2015, Vol.32(3), S.319-320.
  6. Stephen J. Farnsworth, Seeing Red: The FBI and Edgar Snow, in: Journalism History, 28 (3), 2002, S. 137–145
  7. Michael Schaller, Détente and Strategic Triangle, in: Robert S. Ross/Changbin Jiang: Re-examining the Cold War: U.S.-China Diplomacy, 1954-1973. Cambridge MA/London 2001, S. 371.
  8. China 'stole' Edgar Snow Mao memoir, says widow telegraph.co.uk, 26. August 2000.
  9. Jung Chang/Jon Halliday: Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes. München 2005, S. 13.
  10. Snow (Edgar Snow) Ostasieninstitut, Hochschule Ludwigshafen am Rhein
  11. „Mao’s Mr. America“. Edgar Snow’s Images of China, in: Pacific Historical Review, vol. 47, no. 1 (Feb. 1978), S. 107-122.
  12. Zuhause ist woanders. arte.tv, abgerufen am 3. Juli 2014.