Edgar Wunder

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Edgar Wunder (* 31. Oktober 1969 in Nürnberg) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler, Geograph, Anomalist und Politiker (Die Linke).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wunder studierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Geographie und Geologie und schloss 1999 mit einer Magisterarbeit zu einem familien- und religionssoziologischen Thema ab. 2004 promovierte er mit „Religion in der postkonfessionellen Gesellschaft“,[1] einer Studie zu Säkularisierungsprozessen und religiösem Wandel in der Moderne. Bis 2010 war er wissenschaftlicher Angestellter in der Abteilung für Wirtschafts- und Sozialgeographie[2] und ist seitdem Lehrbeauftragter am Geographischen Institut der Universität Heidelberg.[3] Seit 2015 ist er auch wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum.[4]

Seine Arbeiten als Sozialwissenschaftler konzentrieren sich auf Konflikte zwischen orthodoxen und heterodoxen Systemen des Wissens in Wissenschaft und Religion (vgl. Buch „Clashes of Knowledge“). Als sozialwissenschaftliche Studien zu nicht oder schwach institutionalisierten Sozialformen von Religion hat er unter anderem Bücher zum Astrologie- und zum UFO-Glauben veröffentlicht. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Religionsgeographie der Deutschen Gesellschaft für Geographie.[5]

Wunder gehörte 1987 zu den Begründern der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und war bis 1998 Redaktionsleiter der GWUP-Zeitschrift Der Skeptiker. Darin publizierte er u. a. ab 1992 eine jährliche Auswertung von Vorhersagen von Wahrsagern und Astrologen, die eine breite Resonanz in den Medien fand. 1999 trat er wegen zunehmender Differenzen aus der GWUP aus[6][7] und gründete mit anderen ehemaligen Mitgliedern der GWUP und Vertretern verschiedener Parawissenschaften das Forum Parawissenschaften, das später in Gesellschaft für Anomalistik umbenannt wurde und dessen Vorstand er weiterhin angehört.[8] In der Folgezeit trat er als Kritiker der GWUP und der Skeptikerbewegung hervor.[9][10]

Auch mit seiner Studie zum angeblichen Unglückstag Freitag, der 13.[11] fand Wunder größere mediale Aufmerksamkeit.[12][13] Er ist gefragter Experte zum Thema Aberglaube[14][15][16] und Astrologie.[17]

Edgar Wunder lebt in Edingen-Neckarhausen bei Mannheim, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wunder trat 2005 der WASG bei und ist seit 2009 Kreisrat im Rhein-Neckar-Kreis und Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag.[18] Er gehört dem Landesvorstand der Partei Die Linke Baden-Württemberg an und wurde von 2010 bis 2013 in das Präsidium des Bundesparteitags der Linken gewählt.

Wunder gilt als Experte für den Ausbau direktdemokratischer Instrumente der Bürgerbeteiligung und koordinierte den ersten Bürgerentscheid in Heidelberg, mit dem 2008 eine geplante Privatisierung städtischer Sozialwohnungen verhindert wurde.[19] Dafür wurde er mit der Demokratierose 2009 ausgezeichnet, einem Preis für vorbildliches bürgerschaftliches Engagement.[20] Bei der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 im Jahr 2011 gehörte er zu den leitenden Organisatoren der Landeskampagne für ein Ja zum Ausstieg aus Stuttgart 21.[21][22] Seit Anfang 2011 gehört Edgar Wunder dem Landesvorstand von Mehr Demokratie e.V. in Baden-Württemberg an.[23][24][25][26]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geburtshelfer Mond? Zum paranormalen Überzeugungssystem des Lunatismus und seiner empirischen Überprüfung. In: Skeptiker. 8, 1995, S. 7–14 und 51–57.
  • mit T. Klein: Regionale Disparitäten und Konfessionswechsel als Ursache konfessioneller Homogamie. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 48, 1996, S. 96.
  • mit T. Klein: Altenheimbewohner in Deutschland: Sozialstrukturelle Charakteristika und die Wahl des Heims. In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. 30, 1997, S. 54–67.
  • mit Dieter B. Herrmann: Astronomisches Wissen und astrologischer Glaube - gibt es Zusammenhänge? In: Sterne und Weltraum. 37, 1998, S. 732–735.
  • On the relationship between urbanisation and the spread of popular belief systems. In: Correlation. 20 (1), 2001, S. 37.
  • Die Wahrnehmung der Struktur der deutschsprachigen UFO-Szene: eine multidimensionale Skalierung von Expertenurteilen. In: Zeitschrift für Anomalistik. 1, 2001, S. 75.
  • mit Michael Schardtmüller: Moduliert der Mond die perioperative Blutungsgefahr und andere Komplikationsrisiken im Umfeld von chirurgischen Eingriffen? In: Zeitschrift für Anomalistik. 2, 2002, S. 91–108.
  • Erfahrung, Wissen, Glaube – ihr Beziehungsgeflecht bezüglich der Astrologie. In: Zeitschrift für Anomalistik. 2, 2002, S. 275–287.
  • Self-attribution, sun-sign traits, and the alleged role of favorableness as a moderator variable: Long-term effect or artefact? In: Personality and Individual Differences. 35, 2003, S. 1783.
  • Die Folgen von „Freitag, dem 13.“ auf das Unfallgeschehen in Deutschland. In: Zeitschrift für Anomalistik. 3, 2003, S. 47–55.
  • Das Wünschelrutenexperiment des Hans von Zeppelin. Ein Evaluierungsbericht. In: Zeitschrift für Anomalistik. 3, 2003, S. 231–250.
  • Was geschieht in Deutschland mit der Religion? In: Berichte zur deutschen Landeskunde. 78, 2004, S. 167.
  • UFO-Sichtungserfahrungen als potenzielle Begegnungen mit maximal Fremden. Einige wissenssoziologische Überlegungen. In: M. Schetsche (Hrsg.): Der maximal Fremde. Begegnungen mit dem Nichtmenschlichen und die Grenzen des Verstehens. Ergon-Verlag, Würzburg 2004, S. 57–74.
  • Religion in der postkonfessionellen Gesellschaft. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08772-9.
  • Die Welt der Astrologen. In: Astronomie heute Juni. 2005, S. 22–29.
  • mit Haiko Lietz, Matteo Leone und Jochen Ickinger: Die Diskussion um UFOs aus natur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Gesellschaft für Anomalistik, Heidelberg 2006, ISBN 3-937361-07-3.
  • Religionen - Schmieröl im Kampf der Kulturen? In: Geographie und Schule. 28, 2006, S. 15–19.
  • Thesen und Argumente zur Astrologie. Gesellschaft für Anomalistik, 2007.
  • Grenzgänger zwischen säkularen und religiösen Welten: Außerirdische als rationalisierte Engel. In: M. Ebertz (Hrsg.): Engel unter uns. Soziologische und theologische Miniaturen. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, S. 179–187.

als Herausgeber:

  • Thesen und Argumente zur Astrologie. Gesellschaft für Anomalistik, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-937361-08-6.
  • mit Peter Meusburger, Michael Welker u. a.: Clashes of Knowledge. Orthodoxies and Heteorodoxies in Science and Religion. Springer, Dordrecht 2008, ISBN 978-1-4020-5554-6.
  • mit Peter Meusburger, Joachim Funke u. a.: Milieus of Creativity. An Interdisciplinary Approach to Spatiality of Creativity. Springer, Dordrecht 2009, ISBN 978-1-4020-9876-5.
  • mit Peter Meusburger, Michael Heffernan u. a.: Cultural Memories. Springer, Dordrecht 2011, ISBN 978-90-481-8944-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edgar Wunder: Religion in der postkonfessionellen Gesellschaft. Stuttgart 2005.
  2. Abteilung für Wirtschafts- und Sozialgeographie, Geographisches Institut der Universität Heidelberg
  3. Dr. Edgar Wunder, Geographisches Institut der Universität Heidelberg
  4. Homepage am Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum
  5. Arbeitskreis Religionsgeographie
  6. Edgar Wunder: Das Skeptiker-Syndrom.
  7. Zum 'Rauswurf' von Edgar Wunder aus der GWUP Stellungnahme der GWUP
  8. Gesellschaft für Anomalistik
  9. Edgar Wunder: Die 'Skeptiker'-Bewegung in der kritischen Diskussion. 2000. (PDF-Datei; 246 kB)
  10. Christoph Drösser: Grabenkämpfe. Die Skeptiker gebärden sich wie eine Politsekte. In: Die Zeit. 05/1999.
  11. Edgar Wunder: Die Folgen von „Freitag dem 13.“ auf das Unfallgeschehen in Deutschland. (PDF-Datei; 154 kB). In: Zeitschrift für Anomalistik. Band 3, 2003.
  12. Moderne Mythen: Aber heute ist doch... In: Die Zeit. 13. April 2007.
  13. Drei Unglückstage in einem Jahr. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Januar 2012.
  14. Von Mondholz und Vollmondbier (Memento vom 1. Februar 2013 im Internet Archive) Bayern 2 Radiowissen vom 14. Februar 2008.
  15. Mythos Mond 3sat Nano vom 9. Juli 2009.
  16. Siegeszug der Mondkalender. In: Die Zeit. 15. November 2010.
  17. Edgar Wunder: Die Kunst der Sterndeuter. In: Gehirn und Geist, März 2008. Abgerufen am 30. Dezember 2013 (PDF).
  18. Kreisrat Dr. Edgar Wunder, DIE LINKE
  19. Der erste Heidelberger Bürgerentscheid - Eine Kurzzusammenfassung
  20. "Demokratie-Rose" 2009 geht nach Heidelberg. (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv archive.is) Pressemitteilung der Stadt Heidelberg vom 19. Mai 2009.
  21. JA zum Ausstieg aus Stuttgart 21 Webseite Landesbündnis "Ja zum Ausstieg"
  22. Volksentscheid: Stuttgart-21-Gegner wollen Quorum nicht akzeptieren. In: Badische Zeitung. 19. September 2012.
  23. Mehr Demokratie e.V. Landesverband Baden-Württemberg
  24. Bürgermeister: Nur noch sechs Jahre Amtszeit? In: Stuttgarter Zeitung. 22. Juli 2012.
  25. @1@2Vorlage:Toter Link/www.rnz.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven) Verein legt Gesetzentwürfe für mehr Bürgerbeteiligung vor. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 23. Mai 2012.
  26. Bürgerlobby treibt Regierung an. In: Badische Zeitung. 22. Mai 2012.