Editta Braun

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Editta Braun (2008)

Editta Braun (* 25. Mai 1958 in Vöcklabruck, Österreich) ist eine österreichische Choreographin, Bühnentänzerin, Tanzpädagogin sowie Gründerin und Leiterin der Salzburger Tanzkompanie editta braun company.

Leben[Bearbeiten]

Editta Braun wurde als jüngstes von vier Kindern von Margarethe und Martin Braun im oberösterreichischen Salzkammergut geboren. Bereits im Alter von sechs Jahren erhielt sie Unterricht in klassischem Ballett und Klavierspiel. Von 1976 bis 1982 studierte sie an der Universität Salzburg Sportwissenschaften und Germanistik und schloss ihr Studium mit Arbeiten zu den Themen „Sport an Alternativschulen“ und „Kunst ist lamentieren, alles bezweifeln, was keine Frage ist – Maria Erlenbergers Werk aus feministischer Sicht“ ab. 1983 trat sie ihre Tanzausbildung in Paris, vorwiegend in der École Peter Goss und New York im Studio Eleo Pomare an, wobei sie insbesondere durch den Tanzunterricht von Cristina Caprioli, Sônia Mota, Peter Goss, Elio Pomare sowie den Schauspielunterricht von Walter Lott (method acting) geprägt wurde.

Seit 1987 lehrt Editta Braun am Interfakultären Fachbereich für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Salzburg sowie seit 1997 an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz (Österreich) Zeitgenössischen Tanz, Physical Theater, Choreographie, Improvisation, akrobatisch-turnerische und gymnastisch-tänzerische Bewegungsformen. Außerhalb ihrer Lehrtätigkeit wirkt Editta Braun tanzpädagogisch im Rahmen zahlreicher Workshops im In- und Ausland. Von 1992 bis 1997 arbeitete sie als Dozentin bei den Internationalen Tanzwochen Wien und von 1994 bis 1997 als Auftragschoreographin für die Ballettschule der Wiener Staatsoper. 2006 betreute sie das Jugendprojekt „wintertime“ am Festspielhaus St. Pölten.

Im Rahmen ihrer Lehrtätigkeiten sowie Kooperationen mit beispielsweise dem musischen Gymnasium Salzburg sowie zwischen 1991 und 1995 dem Wiener Tanzfestival ImPuls Tanz engagiert sich Editta Braun für Lebendigkeit sowie eine fundierte Ausbildung im Tanzbereich, indem sie erstrebt, junge Menschen zu professionellen körperlichen und kreativen Arbeitsweisen anzuleiten. Im Zuge dessen entwickelte sie vor allem im Laufe ihrer Lehrjahre am Institut for Dance Arts der Anton Bruckner Privatuniversität eine spezifische Arbeitsweise, um mit den Mitteln unterschiedlichster Improvisationstechniken kreative Prozesse im Bereich Tanz, Schauspiel und Performance bei den Studierenden zu befördern.

Künstlerische Laufbahn[Bearbeiten]

2009, Abseits, editta braun company

Inspiriert zur künstlerischen Zuwendung zum Zeitgenössischem Tanz wurde Editta Braun von Pina Bausch, deren einzigartigen Stil aus der Kombination von Tanz und Theater sie 1980 bei einer Aufführung in Wien erlebte.

1982 gründete sie das „Kollektiv Vorgänge“, das 1986 den damals international begehrtesten Choreographiepreis von Bagnolet gewann (ex equo mit Saburo Teshigawara).

1989 gründete sie in Salzburg die editta braun company, mit der sie seit ihrer Gründung jährlich mindestens ein abendfüllendes Tanzstück erarbeitet sowie mit dieser international tourt. Die Tanzstücke Editta Brauns finden international hohe Anerkennung und wurden bzw. werden in zahlreichen Ländern Europas, Afrikas und Asiens bei renommierten Festivals aufgeführt. Zahlreiche Tanzstücke wurden ausgezeichnet, darunter «Lufus» (Zweiter Preis und Preis für die Innovativste Choreographie beim Concours Chorégraphique International de Bagnolet in Paris für das Kollektiv Vorgänge, 1986) und “Nebensonnen” (Preis für die beste Regie beim Cairo International Festival for Experimental Theatre, 2001).

Neben ihrem Wirken im Tanzbereich hat Editta Braun im Bereich der Verfilmung von Tanz bereits früh durch Filmproduktionen in Zusammenarbeit mit u.a. Othmar Schmiderer, Wolfram Paulus und Hannes Klein Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Ihr erfolgreichster Film ist „Collision“, entstanden 1993 unter Regie Othmar Schmiderers. Der Film wurde 1995 mit der Bronzemedaille beim New York Film Festival ausgezeichnet.

Stil[Bearbeiten]

2001, Luvos vol.2, editta braun company

Editta Brauns Tanzstücke besitzen durchweg einen expressiven, theatralen Stil, welcher ihnen einen unverwechselbaren Charakter verleiht. Humor und Pathos stehen dabei oft dicht beieinander, immer auch verwoben mit einem entschieden gesellschaftskritischen Engagement. Der besondere Stil der Tanztheaterstücke Editta Brauns ergibt sich auch durch die besondere Arbeitsweise der Choreographin im schöpferischen Schaffensprozess. Gerda Poschmann-Reichenau (Dramaturgin und Autorin) formulierte in Hinblick darauf:

Editta Braun ist Tänzerin, Choreografin, Künstlerin, mag sein eine „grande dame“, vielleicht auch eine „wilde Hummel“, wie andere sagen… vor allem anderen aber ist sie ein Mensch. Als Mensch arbeitet sie mit Menschen und für Menschen. Was banal klingt, ist wesentlich. Ist zentral für sie, für ihr schöpferisches Arbeiten und für die Ergebnisse dieser Arbeit. Menschlichkeit macht das Wesen ihrer Arbeit aus und prägt das Resultat, das – ganz menschlich – übrigens nie fertig ist, nie wirklich „Resultat“ und damit Objekt, sondern immer im Werden, Projekt.

Editta Brauns Produktionen zeichnen sich demnach durch ihr „Werden“, ihre Wandelbarkeit und ihre Lebendigkeit aus. Die Schöpfung derer ist gekennzeichnet durch die drei Eckpfeiler Vertrauen, Freiheit und Verantwortung, welche Editta Braun der kreativen Zusammenarbeit mit allen am Stück Mitwirkenden zugrunde legt.

Charakteristisch für die kreative Arbeit von Editta Braun ist die enge Zusammenarbeit mit Komponisten und Live-Musikern sowie Künstlern außerhalb Österreichs. Prägend für sie war insbesondere die Zusammenarbeit mit dem französischen Choreographen und Tänzer Jean-Yves Ginoux, dem berühmten französischen Tänzer und Choreographen Jean Babilée, dem ägyptischen Regisseur Mahmoud Aboudoma, den Lichtdesignern Peter Thalhamer und Thomas Hinterberger sowie mit den Tänzern Céline Guillaume, Barbara Motschiunik, Tomaz Simatvic und Juan Dante Murillo Bobadilla.

Seit 1996 ist die Entstehung ihrer Stücke eng mit der Musik des Komponisten und Musikers Thierry Zaboitzeff verbunden. Von Anfang an pflegte sie auch international Kontakte und Kooperationen, die in Österreich auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Es ist ihr dabei gelungen, mit Personen zu arbeiten, die ihrerseits großen Einfluss auf die Entwicklungen in ihren Ländern hatten und so den guten Ruf der „österreichischen Tanzszene“ in Europa mit zu begründen. Herausragend dabei ist die Zusammenarbeit mit der französischen Tanzlegende Jean Babilée, im Rahmen welcher 1993/94 in Paris und Salzburg das Tanztheaterstück „La vie, c’est contagieux“ entstanden ist. Das Stück bearbeitet das Thema der Vater-Tochter-Beziehung im Verlauf eines Frauenlebens:

Auf der Bühne viele kleine Lampen, ein gemütliches Sofa und eine Komposition aus biederen Lampenschirmen. Sonst nichts als ein Vater, der mit den verschiedenen Stadien seiner Tochter konfrontiert wird. Zuerst die 13jährige, spielerisch, temperamentvoll, individuell, aber in seinen Schritten wandern – Arm in Arm. Dann die 22jährige, erwachsen werdend. Stark und doch nicht unabhängig. Die erste Liebe ist, wie die folgenden, geprägt von der Vater-Figur. Bei der 33jährigen noch immer.[1]

Eine der international erfolgreichsten Produktionen und allgemein wohl eines der am häufigsten aufgeführten Stücke ist „Luvos, vol.2“, welches als Weiterentwicklung zum Stück „Lufus“ 2001 in Salzburg entstanden ist.

Unter dem Eindruck erschreckender Perspektiven des gentechnischen Fortschritts wird das preisgekrönte Kurzstück „Lufus“ (Vorgänge, 1985) in rein weiblicher Besetzung weiter entwickelt. Ein Körperillusionstheater, das einzelne Gliedmaßen isoliert.[2]

Ditta Rudle schrieb im Juni 2008 auf www.tanz.at:

Abstruse, obszöne, beklemmende aber auch überaus komischer Bilder: Mit „Luvos, vol.2“ hat Editta Braun etwas geschaffen (und geschafft), was bisher eher aus einer ganz anderen Generation, der des klassischen Balletts bekannt ist: ein Dauerbrenner.

„Luvos, vol.2“ wurde zwischen 2001 und 2009 an 23 verschiedenen Orten, u.a. in Marseille, Brüssel, Thessaloniki, Dortmund, Edinburgh, Novosibirsk (Sibirien), Jerusalem, Tel Aviv und Limassol (Zypern) aufgeführt.

Gesellschaftskritisches und ökologisches Engagement[Bearbeiten]

Editta Braun entwickelt sozial engagierte Projekte (vor allem in Afrika und Asien) mit Tänzern, Schauspielern, Autoren und Choreografen und konfrontiert und verbindet deren Kultur- , Geschichts- und Sozialidentität mit mitteleuropäischen Traditionen. Die im Rahmen interkultureller Produktionen entstandenen Stücke werden weltweit gezeigt.

Ziel Editta Brauns gesellschaftskritischer Arbeit ist es, dem "enger werdenden Maschennetz des systemischen Sachzwangs die Konfrontation mit den Produktionsbedingungen der sogenannten „Dritten Welt“ entgegenzusetzen."[3]

Durch künstlerische Produktionen in Indien, Uzbekistan, Ägypten oder im Senegal sammelt sie Erfahrungen im realen „Draußen“ und holt diese sodann herein in unseren Gesellschaftsraum, um der hiesigen Gesellschaft auf diesem Wege ihre Schwächen aufzuzeigen.

Eines der in diesem Zuge entstandenen Stücke ist „manifest“, 2002 im Senegal und in Salzburg unter Mitwirkung von Christoph Kail (Schauspiel) und Ibrahima Sene (Martial Arts) entstanden:

Ausgangspunkt sind eine Streitschrift des Soziologen Manfred Wöhlcke über die unausweichliche Selbstvernichtung der Gattung Mensch und die Begegnung mit dem senegalesischen Kampf-Künstler Ibrahima Sene. Zum interkulturellen Projekt, mitteleuropäisches wissenschaftliches Denken mit afrikanischem Leben und fernöstlicher Philosophie zu konfrontieren, kommt die Mischung verschiedener Bühnendisziplinen (Tanz, Schauspiel, Martial Arts).[4]

Peter Arp, der die Regie zum Stück führte, formulierte:

Um den Umgang mit der Ausweglosigkeit geht es natürlich wesentlich. Der Text, für sich genommen, ließe keine Hoffnung aufkommen. Nur: Der Tänzer aus dem Senegal lebt ja unter genau solchen Umständen, wie Wöhlcke sie scharfzüngig umreißt. Aber er findet seinen eigenen Umgang damit (…).[5]

Weitere in interkultureller Zusammenarbeit entstandene Stücke sind „Voyage à Napoli“ (1994), „India“ in Bangalore und Salzburg (1998), „oXalis“ in Athen und Salzburg (2005), „Coppercity 1001“ in Alexandria/Ägypten und Salzburg (2007) sowie „Abseits“ in Montemor/Portugal und Salzburg (2009).

Werke[Bearbeiten]

Abendfüllende Stücke[Bearbeiten]

  • 1989: Die Jagd
  • 1990: Materialien für Tanz & Musik
  • 1991: Collision (Duett mit Jean-Yves Ginoux)
  • 1991: Bonjour Adieu (Auftragsarbeit für die Luxemburg Dance Company)
  • 1992: But kind old sun will know
  • 1993: La vie, c’est contagieux (mit Jean Babilée)
  • 1994: Voyage à Napoli (Rock’n Roll und Tanz)
  • 1995: Titania (Duett mit Céline Guillaume über Kaiserin Sisi)
  • 1996: Im Dschungel des Pianisten
  • 1997: Heartbeat - Concerto for Dance & Music (Duo mit dem Musiker und Komponisten Thierry Zaboitzeff)
  • 1998: India (entstanden in Südindien)
  • 1999: Miniaturen (Auftragswerk für das Eröffnungsfest der Salzburger Festspiele)
  • 2000: Nebensonnen (Quartett)
  • 2001: Luvos, vol. 2 (Quintett)
  • 2002: manifest (Schauspiel, Tanz und Martial Arts; entstanden im Senegal)
  • 2003: Tajine (Improvisationsprojekt für Tanz und Musik)
  • 2004: Eurydike
  • 2005: oXalis (entstanden in Griechenland und Österreich)
  • 2006: Eurydike revisited (Auftragsarbeit für das Welttheaterfestival Carnuntum)
  • 2006: Matches of Time (entstanden in Italien und Österreich)
  • 2007: Coppercity 1001 (Schauspiel und Tanz; entstanden in Ägypten und Österreich)
  • 2008: Wenn ich einmal tot bin, komme ich ins Paradies (Tanz und Livemusik; entstanden in Salzburg)
  • 2009: Abseits (entstanden in Portugal und Österreich)
  • 2010: König Artus (Tanz und Schauspiel)
  • 2011: schluss mit kunst (Tanz und Schauspiel)
  • 2012: planet LUVOS (Tanz/Körpertheater)

Kurzstücke[Bearbeiten]

  • 1991: listen to the moment (Auftragsarbeit für die Luxemburg Dance Company)
  • 1994: Welcome to Salzburg (Auftragsarbeit für die Ballettschule der Wiener Staatsoper)
  • 1995: Grey Blue Sky (Auftragsarbeit für die Ballettschule der Wiener Staatsoper, 15 min.)
  • 1996: Tutu. Ça va? (Rock-Ballet, 10 min.)
  • 1997: Fahrradwerkstatt (Auftragsarbeit für die Ballettschule der Wiener Staatsoper, 9 min.)
  • 1998: Fish (12 junge Tänzerinnen, 15 min.)
  • 1998: Fragile (23 junge Tänzerinnen, 20 min.)
  • 1999: Dornröschen schläft (Auftragsarbeit für die Ballettschule der Wiener Staatsoper, 8 min.)
  • 2000: Prêt-à-Porter (9 junge Tänzerinnen, 20 min.)
  • 2001: Mozart (Quartett, 13 min.)
  • 2002: Zwei Sonnen (Duo, 30 min., Auftragsarbeit für das HumoFestival Taschkent/Usbekistan)
  • 2003: La Boîte (livemusic & dance, 25 min.)
  • 2010: Kellerkids (Tanz, 20 Minuten)
  • 2011: We are the 99% (physical theater, 20 Minuten)

Filme[Bearbeiten]

  • 1986: Lufus (Regie: Kurt Liwehr, ORF-Kunststücke)
  • 1986: Monaksia (Regie: Rainer Berson, Tanzfiktion)
  • 1993: Collision (Regie: Othmar Schmiderer, Tanzfiktion; Bronzemedaille beim New York Film Festival)
  • 1994: La Vie, c’est contagieux (Regie: Wolfram Paulus, Doku)
  • 2003: editta braun company at Kaay Fecc Festival in Dakar (Regie: Hannes Klein, Doku für den ORF)
  • 2007: e.poration (Regie: Hannes Klein, Kurzfilm)

Preise[Bearbeiten]

  • 1986: Zweiter Preis und Preis für die Innovativste Choreographie beim Concours Chorégraphique International de Bagnolet in Paris für «Lufus» des Kollektivs Vorgänge
  • 1995: Bronzemedaille beim New York Film Festival for „Collision“, Regie Othmar Schmiderer
  • 2001: Preis für die beste Regie beim Cairo International Festival for Experimental Theatre für “Nebensonnen”

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Editta Braun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ilse Retzek in Oberösterreichische Nachrichten, Linz, 28. Mai 1994
  2. Auszug aus: Tanz Kunst Leben. 20 Jahre editta braun company, Gerda Poschmann-Reichenau (Hg.), Norderstedt 2009 S. 36
  3. Editta Braun auf ihrer Website
  4. Auszug aus: Tanz Kunst Leben. 20 Jahre editta braun company, Gerda Poschmann-Reichenau (Hg.), Norderstedt 2009 S. 90
  5. Auszug aus: Tanz Kunst Leben. 20 Jahre editta braun company, Gerda Poschmann-Reichenau (Hg.), Norderstedt 2009 S. 90