Eduard Duckesz

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Eduard Duckesz (geboren am 3. August 1868 in Szelepcsény; gestorben am 6. März 1944 im Konzentrationslager Auschwitz) war ein Rabbiner in Hamburg-Altona.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eduard Jecheskel (Enoch Isidor) Duckesz, Sohn der Kaufleute Yosef und Tereza Duckesz, kam 1891 nach seiner Ausbildung an der orthodoxen Jeschiwa Moses Sofers in Pressburg, die er von 1881 bis 1891 besuchte, in das damals noch selbständige Altona, wo er mit 22 Jahren zum 3. Klausrabbiner an der Klaus des Issachar Bär Hakohen berufen und zum Mitglied des Rabbinatsgericht bestimmt wurde. Er war verheiratet mit Eva Sasl/Saxl, die 1868 im tschechischen Boskowitz geboren wurde und mit der er fünf Kinder hatte: Leo/Jehuda (geb. 1894), Hanna (geb. 1895), Max/Mordechai (geb. 1896), Michael (geb. 1902) und Esther (geb. 1904), später verheiratet mit Abram Rosental (1906–1941), der als Offizier der Roten Armee in Charkow ums Leben kam.

Rabbiner in Altona und Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1891 bis 1939 3. Klausrabbiner und Dayan in Altona. 1906 Ernennung zum Hauptklausrabbiner. Im Ersten Weltkrieg Garnisonsrabbiner und Verweser des Oberrabbinats von Altona und des Landesrabbinats von Schleswig-Holstein. Seit 1918 Rabbinatsassessor am Oberrabbinat in Altona und zusammen mit Jacob B. Cohen Klausner an der Abraham-Sumbel-Klaus[1] sowie Dozent im Jugend-Lernverein Jessaudei Tauroh. Nachdem 1936 der Altonaer Oberrabbiner Joseph Carlebach zum Oberrabbiner der Hamburger Gemeinde gewählt wurde, übernahm Eduard Duckesz für kurze Zeit die religiöse und geistliche Leitung der Altonaer Gemeinde. Zusammen mit dem Rabbiner Jacob B. Cohen[2] und dem neu gewählten Oberrabbiner Theodor Weisz leitete er auch den Bet Din. Er veröffentlichte zahlreiche Studien in Zeitschriften und Kalendern wie dem Jahrbuch der Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft, Israelit, Jeschurun, Menorah, Jahrbuch Schleswig-Holsteins und der Hansestädten, Israelitischen Kalender für Schleswig-Holstein und Israelitischen Familienblatt Hamburg.

Epigraph und Genealoge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner Tätigkeit als Rabbiner, Lehrer und Seelsorger sowie als Garnisonsgeistlicher im Ersten Weltkrieg widmete sich Eduard Duckesz der Erforschung der jüdischen Geschichte der Dreigemeinde AHW, dem Verband der Gemeinden Altona, Hamburg und Wandsbek.[3] Eduard Duckesz verfasste in den 1890er Jahren den Bibliothekskatalog der Alten und Neuen Klaus und transkribierte die Grabinschriften der bekanntesten und bedeutendsten Rabbiner, Dajanim und Gelehrten, die auf dem Jüdischen Friedhof Altona an der Königstrasse und auf dem Jüdischen Friedhof Ottensen ihre letzte Ruhe gefunden hatten.[4] Seine Arbeiten zur hebräischen Inschriftenkunde waren wegweisend. Er befasste sich intensiv mit der jüdischen Genealogie und verfasste für die Mitglieder der Hamburger und Altonaer Jüdischen Gemeinden umfangreiche familienkundliche Studien, von denen einige sich als Typoskripte im Staatsarchiv Hamburg befinden. Weiterhin kopierte er wichtige Grabregister der Hamburger und Altonaer Gemeinden und übernahm 1937 bei der Auflassung des Jüdischen Friedhofs am Grindel eine wichtige Rolle.[5]

Die Familie Duckesz in der Shoah[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Novemberpogromen 1938 stellte Eduard Duckesz einen Auswanderungsantrag mit dem Reiseziel Niederlande, von dort wollte er weiter nach New York. Am 31. Dezember 1938 emigrierte er in die Niederlande. Aus einer seiner letzten Postkarten geht hervor, dass er wegen eines Unfalls ins jüdische Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert werden musste. 1943 wurde er von den deutschen Besatzern in das Durchgangslager Westerbork deportiert und von dort 1944 in das KZ Auschwitz-Birkenau, wo er im Alter von 75 Jahren am 6. März 1944 ermordet wurde.[6] 1943 gratulierte ihm aus New York Carlo Koppel in Unkenntnis seiner Emigrationsgeschichte zum 75. Geburtstag.[7] Seine Tochter Hanna de Lange wurde mit ihrem Mann, dem holländischen Rabbiner Georg de Lange, 1943 ebenfalls nach Westerbork deportiert und später in das Vernichtungslager Sobibor, wo beide kurz nach ihrer Ankunft 1943 ermordet wurden.[8] Die Kinder Esther und Leo emigrierten 1936 in das Völkerbundsmandat für Palästina, Michael 1938 nach Argentinien. Ihr Sohn Max lebte schon seit 1924 in den USA. Von Westerbork wurde Eduard Duckesz 1944 nach Auschwitz deportiert und dort am 6. März 1944 ermordet.[9]

Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem bewahren die Fotosammlung von Eduard Duckesz sowie seinen in den 1890er Jahren verfassten Bibliothekskatalog der Alten und Neuen Klaus.[10] Das Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg besitzt einige seiner unveröffentlichten Manuskripte, das Leopold-Zunz-Archiv einen undatierten Brief. [11]

Posthume Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eduard-Duckesz-Haus
  • Seit 2004 erinnert in Altona ein Stolperstein vor dem Haus Biernatzkistraße 14, in dem er einst wohnte, an Eduard Duckesz.[12] Ein weiterer Stolperstein in Erinnerung an ihn wurde am 2. August 2012 vor dem Eingangstor zum Jüdischen Friedhof Altona/Königstrasse 10a verlegt.[13]
  • Das 2007 eröffnete Besucherzentrum des Jüdischen Friedhofs Altona an der Königstraße in Altona heißt „Eduard-Duckesz-Haus“,[14] auch die dortige Eduard-Duckesz-Bibliothek ist nach ihm benannt.[15][16]
  • Seit 2010 fördert die Hermann Reemtsma Stiftung das am Hamburger Institut für die Geschichte der deutschen Juden (IGDJ) angesiedelte Eduard-Duckesz-Fellowship, das derzeit von dem Linguisten Michael Studemund-Halévy wahrgenommen wird.[17]
  • 2017 wird in der Neue Mitte Altona eine Straße nach Rabbiner Eduard Duckesz benannt werden.

Eduard-Duckesz-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sefer Iwah leMoschaw. Enthaltend Biographien und Grabstein-Inschriften der Rabbiner der 3 Gemeinden Altona, Hamburg, Wandsbeck. Verlag Eisig Gräber, Krakau 1903.[19]
  • Chachame AHW. Biographien und Grabstein-Inschriften der Dajanim, Autoren und der sonstigen hervorragenden Männer der 3 Gemeinden Altona, Hamburg, Wandsbeck. Ins Deutsche übertragen von Salomon Goldschmidt. A. Goldschmidt Verlag, Hamburg 1908. (hebräisch und deutsch) vorgestellt werden die „Chachame“, die „Weisen“, d.h. die Gelehrten aus der Geschichte der Dreigemeinde AHW[20]
  • Zur Geschichte und Genealogie der ersten Familien der hochdeutschen Israeliten-Gemeinden in Hamburg-Altona. Anlässlich des 250jährigen Stadtjubiläums von Altona. Verlag Max Leßmann, Hamburg 1915.
  • Zur Genealogie Samson Raphael Hirsch, in: Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft, 1926.
  • Familiengeschichte des Rabbi Lase Berlin in Hamburg. Verlag Max Täschner Nachfolger, Hamburg 1929.
  • Warburg-Familie. Geschichte des Geschlechts Warburg. Bearbeitet von Eduard Duckesz und Otto Hintze. Manuskript, 1928/1929.[21]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Brocke, Julius Carlebach (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner. Teil 2: Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945. Band 1: Aaron – Kusznitzki. bearbeitet von Katrin Nele Jansen. Saur, München 2009, ISBN 978-3-598-24874-0. Darin: Eduard Duckesz. S. 164–166.
  • Birgit Gewehr: Stolpersteine in Hamburg-Altona. Landeszentrale für Politische Bildung, Hamburg 2015, ISBN 978-3-929728-99-6. Darin: Eduard Duckesz. S. 62-65.
  • Ina S. Lorenz & Jörg Berkemann: Die Hamburger Juden im NS-Staat 1933 bis 1938/39, 7 Bde. Wallstein, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1811-3.
  • Gerhard Paul & Miriam Gillis-Carlebach (Hrsg.): Menora und Hakenkreuz, Neumünster 1998, Ss.74-77.
  • Michael Studemund-Halévy: Duckesz, Eduard. In: Hamburgische Biografie. Band 4, Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0229-7, S. 87–88.
  • Michael Studemund-Halévy: Im jüdischen Hamburg. Ein Stadtführer von A bis Z. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg/ München 2011, ISBN 978-3-937904-97-9. Darin: Aus dem Fotoalbum des Rabbiners Eduard Duckesz. S. 211–223.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Studemund-Halévy: Im Jüdischen Hambburg. Hamburg 2011, S. 15
  2. Michael Studemund-Halévy: Sefarad in Aschkenaz. Die Familie des Martin Cohen, in: Michael Studemund-Halévy&Anna Menny: Ort und Erinnerung, Hamburg 2013, Ss.73-193
  3. dasjuedischehamburg.de
  4. Sefer Iwah leMoschaw. Enthaltend Biographien und Grabstein-Inschriften der Rabbiner der 3 Gemeinden Altona, Hamburg, Wandsbeck. Verlag Eisig Gräber, Krakau 1903; jüdischer-friedhof-altona.de
  5. Gil Hüttenmeister&Eberhard Kändler&Michael Studemund-Halévy: Der Grindel.-Ersatzfriedhof auf dem jüdischen Friedhof Ohlsdorf, Hamburg 2013
  6. dasjuedischehamburg.de
  7. Aufbau (New York) 3. September 1943, S. 29.
  8. Birgit Gewehr: Stolpersteine in Hamburg-Altona, Hamburg 2015, Ss. 63-64
  9. „Page of Testimony“ im Archiv von Yad Vashem, ausgefüllt von seiner Tochter (Central Database of Shoah Victims' Names), abgerufen am 20. Oktober 2012.
  10. cahjp.huji.ac.il
  11. Has-Sifriya hal-Le'ummit <Yerûsalayim> ; Leopold-Zunz-Archiv ; Signatur: ARC 4° 792/Z8a-31, Mappe Z8a
  12. stolpersteine-hamburg.de
  13. http://www.jüdischer-friedhof-altona.de/aktuelles.html abgerufen am 12. Oktober 2012.
  14. jüdischer-friedhof-altona.de
  15. sub.uni-hamburg.de
  16. jüdischer-friedhof-altona.de
  17. jüdischer-friedhof-altona.de
  18. http://www.jüdischer-friedhof-altona.de.
  19. Alternative Transkriptionen des Haupttitels in Bibliothekskatalogen: Ivah le-moshav und Iwoh le-Moschaw.
  20. Alternative Transkriptionen des Haupttitels in Bibliothekskatalogen: Hakhme Ahu. Helek sheni mi-sefer Ivah le-moshav oder Hakhme AHV oder Sefer hakmê A. H. W.
  21. Nachgewiesen in: Max Kreutzberger (Hrsg.): Leo Baeck Institute New York – Bibliothek und Archiv. Katalog. Band 1: Deutschsprachige jüdische Gemeinden. Mohr, Tübingen 1970, S. 474.