Eduard Kasimirowitsch Tisse

Eduard Kasimirowitsch Tisse (russisch Эдуард Казимирович Тиссэ, lettisch Eduards Tisē; * 1. Apriljul. / 13. April 1897greg. in Libau; † 18. November 1961 in Moskau) war ein russischer beziehungsweise später sowjetischer, Kameramann und Filmregisseur lettischer Herkunft. Er wurde vor allem für seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Sergei Eisenstein bekannt.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eduards Tisē besuchte die Seekadettenanstalt in seiner Heimatstadt. Schon seit 1911, noch während seiner Schulzeit, und mit voller Kraft nach deren Ende 1913 begann er, sich bei Ernst Grenzing in Libau, der dort seit 1903 ein renommiertes Fotostudio aufgebaut hatte,[1] zum Fotografen auszubilden.[2] Ernst Grenzing ermöglichte Eduards Tisē zudem, mit einer Pathé-Kamera erste Filme zu drehen.
1914 beendete Tisē seine Ausbildung und begann als Kameramann zu arbeiten. In den Jahren 1916 bis 1918 war er Kameramann an den Fronten des Ersten Weltkriegs, wobei er bei einem Giftgaseinsatz verwundet wurde.[3] Während der Jahre der russischen Revolution und des Bürgerkriegs, von 1918 bis 1921, drehte er als Kameramann für die Wochenschau und inszenierte so rund 200 Filmreportagen, bei denen er auch den Schnitt ausführte. Im Jahre 1918 war er an seinem ersten Spielfilm als Kameramann beteiligt, Signal von Alexander Arkatow.
1921 wurde Tisse (so die Schreibweise seines Namens seit der Übersiedlung nach Moskau) Professor an der Allunions-Institut für Kinematographie in Moskau und er unterrichtete das Fach Kamera. Zwei Jahre später wurde er ausgewählt, für Sergei Eisenstein an dessen Film Streik als Kameramann mitzuwirken. Der Film wurde 1925 fertiggestellt. Im gleichen Jahr entstand Panzerkreuzer Potemkin, bei dem Tisse wieder für die Kameraarbeit zuständig war. Zudem war er an Alexei Granowskis Film Jüdisches Glück beteiligt. 1926 besuchten Tisse und Eisenstein die Filmstudios der UFA in Berlin, um sich mit den Entwicklungen der Filmtechnik vertraut zu machen.
1927 drehte Tisse mit Eisenstein den Revolutionsfilm Oktober. Von 1926 bis 1928 arbeiteten beide an dem Film Die Generallinie sowie in Deutschland an Giftgas. 1930 trat Tisse erstmals als Regisseur in Erscheinung und inszenierte den Schweizer Film Frauennot – Frauenglück.
In den folgenden Jahren reisten Tisse und Eisenstein bis 1933 durch Westeuropa, die Vereinigten Staaten sowie Mexiko. Gemeinsam wollten sie die Tontechnik in den verschiedenen Ländern studieren. Zudem drehten sie in Mexiko den Film Que viva Mexico!, der jedoch unvollendet blieb, da sie plötzlich in die Sowjetunion zurückbeordert wurden. 1938 drehten Tisse und Eisenstein den Historienfilm Alexander Newski.
Tisse war einer der wenigen prominenten Kommunisten lettischer Herkunft in der Sowjetunion, der die Lettische Operation des NKWD überlebte. Über die Gründe ist (bisher) nichts bekannt.
Tisse drehte noch drei weitere Filme als Regisseur, unter anderem 1949 den Film Begegnung an der Elbe (Originaltitel: Встреча на Эльбе, Wstretscha na Elbe) und Die unsterbliche Garnison, ein Film, der zu den 17. Internationalen Filmfestspielen von Venedig 1956 eingeladen wurde. Als Kameramann war er weiterhin für Eisenstein tätig und wirkte in den 1940er und 1950er Jahren an dessen Werken Iwan der Schreckliche I und Iwan der Schreckliche II mit.
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1935 wurde Tisse der Titel „Verdienter Kunstschaffender der RSFSR“ verliehen.
- 1946 wurde Tisse beim Internationalen Filmfestival von Locarno in der Kategorie Kameraarbeit für seinen Beitrag zum Film Iwan der Schreckliche I ausgezeichnet.
- 1948 wurde Tisse der Titel „Verdienter Kunstschaffender der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik“ verliehen.[4]
- Für Iwan der Schreckliche, für den Dokumentarfilm Владимир Ильич Ленин (Wladimir Iljitsch Lenin, 1949) sowie für Begegnung an der Elbe erhielt Tisse den Stalinpreis.[5]
- In seiner Heimatstadt Liepāja wurde eine Straße nach Eduards Tisē benannt.[2]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Vilnis Folkmanis: Eduards Tisē. Dzīvei un darbam veltīta foto izstāde, 1971. g. janvāris [anlässlich der Ausstellung seiner Fotografien zum Thema „Leben und Arbeit“ im Kinohaus Riga des Lettischen Verbandes für Kinematographie im Januar 1971]. Tipogrāfija Nr. 1 „Cīņa“, Riga 1970 (lettisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eduard Kasimirowitsch Tisse bei IMDb
- Jürgen Keiper: Eduard Tissé. In: deutsches-filminstitut.de.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Fotogrāfija Liepājas Brīvprātīgo ugunsdzēsēju biedrības komandas biedrs Gotlībs Alpe, abgerufen am 8. Juli 2026 (lettisch).
- 1 2 Wandmalerei zu Ehren des Weltkinoklassikers Eduard Tisse, abgerufen am 8. Juli 2026.
- ↑ Jürgen Keiper: Eduard Tissé. In: deutsches-filminstitut.de. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Tisē, Eduards, 1897–1961 in der lettischen Nationalbibliografie, abgerufen am 9. Juli 2026.
- ↑ Biografie. kino-teatr.ru, abgerufen am 29. Juni 2026 (russisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tisse, Eduard Kasimirowitsch |
| ALTERNATIVNAMEN | Тиссэ, Эдуард Казимирович (russisch); Tisē, Eduards (lettisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | russischer Kameramann und Filmregisseur |
| GEBURTSDATUM | 13. April 1897 |
| GEBURTSORT | Libau |
| STERBEDATUM | 18. November 1961 |
| STERBEORT | Moskau |