Effelter

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Effelter
Gemeinde Wilhelmsthal
Koordinaten: 50° 21′ 22″ N, 11° 25′ 4″ O
Höhe: 571 m ü. NHN
Einwohner: 315 (2010)
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Effelter (Bayern)
Effelter

Lage von Effelter in Bayern

Effelter ist ein Ortsteil der Gemeinde Wilhelmsthal im oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern. Der Ort hat 315 Einwohner (Stand: 2000).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Effelter liegt im Naturpark Frankenwald auf einem Bergsattel auf einer Höhe von 600 m ü. NN, etwa 17 km nördlich der Kreisstadt Kronach. Zu beiden Seiten des Bergsattels erstrecken sich die Täler der Grümpel im Osten und des Dober und der Kremnitz im Westen.

Das Dorf ist ein typisches Quellangerdorf in Sattellage mit Waldhufenflur. Die Anwesen sind rund um die Dorfmitte angeordnet. Von ihnen ausgehend verlaufen Flurstreifen (sogenannte Hufen) parallel bis zur Gemarkungsgrenze. Die Häuser sind um zwei Quellmulden an den Enden des Dorfangers angeordnet. Dadurch ergibt sich ein Ortsbild, das einer Ellipse gleicht. Westlich unterhalb des Dorfes schließen sich um den Mühlaltn-Teich einige Anwesen neueren Baudatums an. Im Tal des Dober unterhalb des Dorfes liegt die Effeltermühle.

Der Ortsname geht zurück auf die althochdeutsche Wortwurzel apholtra und weist auf die Nähe von Apfelbaumpflanzungen hin. Wegen dieser Namensherleitung feiern die Effelter im zweijährlichen Turnus jeweils Anfang September das Apfelfest und küren eine Apfelkönigin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Besiedelung des Frankenwaldes (Nortwald) durch Rodungssiedlungen begann auf Geheiß der Bamberger Bischöfe Mitte des 12. Jahrhunderts. Es wird davon ausgegangen, dass die Ortsgründung zwischen 1187 und 1210 erfolgte. Die Ortschaft Effelter wurde 1223 erstmals in einer Stiftungsurkunde des Herzogs Otto VII. von Meranien erwähnt. Bis 1388 war der Ort im Besitz des Klosters Langheim, Anfang des 14. Jahrhunderts wurde er Eigentum des Hochstifts Bamberg. Dieser Rechtszustand blieb bis zur Säkularisation des Erzbistums Bamberg im Jahr 1803 erhalten. 1803 wurde der Ort im Zuge der Mediatisierung und Arrondisierung Teil des neugeschaffenen Königreichs Bayern. 1807 zerstörte ein Großbrand einen Großteil des Dorfes. Die Filialkirche St. Peter und Paul erhielt im Zuge des Wiederaufbaus 1809 ihre heutige Gestalt. Im Jahr 2000 feierte Effelter seinen 777. Geburtstag mit zahlreichen Veranstaltungen. Am 1. Mai 1978 wurde Effelter in die Gemeinde Wilhelmsthal eingegliedert.[1]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Baudenkmäler in Effelter

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

98 % der Einwohner sind katholisch. Sie gehören der Filialkirchengemeinde St. Peter und Paul an. Diese gehört zur fast 700 Jahre alten Pfarrei St. Ägidius im Nachbarort Lahm.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forstwirtschaft und Flößerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forstwirtschaft bildete lange neben der Landwirtschaft das wirtschaftliche Rückgrat des Ortes. Im Zusammenhang mit der Forstwirtschaft wurde von den Dorfbewohnern lange auch die Flößerei betrieben. Die im Winter geschlagenen Langhölzer wurden mit dem Schmelzwasser in Richtung Main geflößt, wo sie zu Mainflößen zusammengebaut und teilweise bis in die Niederlande geflößt wurden. Der Flößerei haben die Effelterer ihren Necknamen „Effeltere Katznflüeße“ (Effelterer Katzenflößer) zu verdanken. Nach einer Anekdote sollen Effelterer Flößer einst eine Katze vor dem Ersaufen gerettet haben und am Floß festgebunden haben, so dass das Tier die gesamte Floßreise mitmachen musste.

Bioenergiedorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nachhaltige Energieversorgungskonzept des „Bioenergiedorfs“ Effelter wurde mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Preis Bioenergiedörfer 2010 des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz[2] und der Bayerischen Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt.[3]

Effeltermühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Füßen des Dorfes im Naturschutzgebiet Dobertal befindet sich, durch eine Ortsstraße angebunden, die Effeltermühle. Bis 1979 wurde sie als Schneidmühle betrieben. Der Betrieb der Getreidemühle wurde bereits etwa um 1955 eingestellt. Die Mühle steht heute im Eigentum des evangelischen Dekanats Kronach, das die Gebäude als Dekanatsjugendheim nutzt. Dort gibt es auch einen Jugendzeltlagerplatz, dessen Geräte in den Nebengebäuden der Mühle untergebracht sind. Mit der Einrichtung des Jugendheims wurden versetzte der Förderverein Effelter-Mühle den Mühlteich und die Schneidmühle wieder in funktionstüchtigen Zustand. Im Jahr 2007 feierte man das 500-jährige Bestehen der Mühle.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Effelter liegt an der Staatsstraße 2200 von Tschirn nach Kronach. Es besteht eine Busverbindung mit der Kreisstadt Kronach.

Söhne und Töchter der Ortschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klemens Löffler: Effelter – Geschichte und Volkskultur

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 690 und 691.
  2. Internetseiten des Bundeswettbewerbs Bioenergiedörfer, abgerufen am 5. Juli 2012
  3. Internetseite des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit, abgerufen am 5. Juli 2012