Egå-Stein

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Der Runenstein von Egå.

Der Egå-Stein (dänisch: Egå-stenen), nach der Rundata-Liste auch als Danish Runic Inscription 107 oder DR 107 bezeichnet, ist ein Runenstein und Denkmal aus der Wikingerzeit, der in dem Ort Egå gefunden wurde, einen heutigen Vorort der Stadt Aarhus, der in der Region Midtjylland liegt und ein Teil der Aarhus Kommune in Dänemark ist.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Runenstein wurde 1814 in den damaligen dänischen Dorf Egå, das heute ein Vorort von Aarhus ist, gefunden. Der Stein war in einer Steinmauer an der alten Egå-Brücke (Egå bro) eingemauert, die am Brobjerg-Hügel (Brobjergbakke) stand, und kam bei deren Abriss zum Vorschein. Es fehlte allerdings der obere Teil des Runensteines, dieser befand sich nicht in dieser Egåer Mauer. In früheren Zeiten erkannte man die historischen Bedeutung der Runensteine nicht und sie wurden oftmals als Baumaterial zum Bau von Brücken, Mauern sowie Gebäuden verwendet. Der Fund wurde nach seiner Freilegung in der Nähe der erneuerten Brücke einige Zeit als Sitzgelegenheit bzw. als Bank genutzt.[1] Des Weiteren konnte der Runenstein auch mit einigen lokalen Grabhügeln in Zusammenhang gebracht werden. Bei der Umsetzung einer weiteren Steinmauer 1834 in Egå wurde schließlich auch das fehlende Kopfstück des Steines gefunden und der Runenstein danach wieder zusammengesetzt und restauriert.[1] Der Runenstein wurde nach Kopenhagen verbracht und befindet sich jetzt im Dänischen Nationalmuseum.

Der komplettierte Runenstein erreicht eine Höhe von 108 cm, hat eine Breite von 80 cm und ist 35 cm tief. Der Stein besteht aus Granit. Die Inschrift besteht aus drei Runen-Textbändern, die in den Stein mit Buchstaben nach dem Runen-Alphabet Futhark gehauen sind. Die Textbänder sind in Bogenform mit dem dritten Band in der Mitte verbunden. Die Inschrift wurde klassifiziert nach dem Runenstein-Schriftsystem RAK, wo die Runenschrift gerade Enden hat, ohne einer anschließenden Schlange oder anderen Tierköpfen, bzw. Symbolik.[1] Sie wird auf die Jahre von 970 bis 1020 datiert.

Die Text besagt, dass der Stein als Denkmal von Alfkell und seinen Söhne in Erinnerung an seinem verstorbenen Verwandten Manne aufgestellt wurde. Das Wort hirđiR oder landhirđiR hat nichts mit dem Wort "Hirten" zu tun, dem Hüter einer Herde, zu tun, sondern bedeutet eher Statthalter oder Hüter bzw. Wächter des Landes. Daher wird das altnordischen Wort landhirþiR oder landhirdhi als "Wächter des Landes" gedeutet, wird aber oft auch als "Landesherr" oder "Verwalter" übersetzt. Eine andere Inschrift, der diesen Begriff verwendet, ist der Runenstein 1 DR 134 von Ravnkilde.[1][2][3] Als Eigentümer des Landes wird hier "Ketill der Norweger" benannt. Hier wird das Wort "Norrøna" für Normannen eingesetzt, das auch in Dänemark zu dieser Zeit verwendet wurde, um einen Norweger bezeichnen. Ein kleines Kreuz wurde an der Spitze des Steins innerhalb der Runenbänder gehauen und trennt die Worte suniR und risþu.[4]

Der Runenstein ist lokal bekannt als Egå-sten (Egå-Stein) und wurde unter der DK-Nr. MJy 67 in Dänemark katalogisiert.

Inschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transliteration der Runen in lateinische Buchstaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

alfkil ÷ uk ÷ hns ÷ suniR ÷ risþu : stin : þansi : ift : ¶ * mana : sin : frinta : þans × uas * lantirþi ÷ kitils ÷ þis ÷ ¶ nuruna ÷[5]

Transkription ins Altnordische[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alfkel ok hans syniR resþu sten þænsi æft Manna, sin frænda, þans was landhirþiR Kætils þæs norrøna.[5]

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprache Übersetzung der Runeninschriften[5]
Dänisch Alfkil og hans sønner rejste denne sten efter Manne, deres frænde, som var landbestyrer for Ketil den norske.
Deutsch Alfkell und seine Söhne stellten diesen Stein zur Erinnerung an Manne, ihren Verwandten, der Landesverwalter war für Ketil den Norweger.
Englisch Alfkell and his sons raised this stone in memory of Manni, their kinsman, who was Ketill the Norwegian's estate-steward.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lis Jacobsen, Erik Moltke: Danmarks Runeindskrifter. Text, sp. 679–680. Kopenhagen. 1942
  • Raymond Ian Page: Chronicles of the Vikings: Records, Memorials and Myths. University of Toronto Press 1995, ISBN 0-8020-0803-8
  • Stefan Brink: Franks, Northmen, and Slavs: Identities and State Formation in Early Medieval Europe. Brepols 2008, ISBN 978-2-503-52615-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d George Stephens: The Runic Hall in the Danish Old-Northern Museum. Michelsen und Tillege, 1868, S. 9–10.
  2. Raymond Ian Page: Chronicles of the Vikings: Records, Memorials and Myths. University of Toronto Press, 1995, ISBN 0-8020-0803-8, S. 169.
  3. Stefan Brink: People and Land in Early Scandinavia. In: Patrick J. Geary (Hrsg.): Franks, Northmen and Slavs: Identities and State Formation in Early Medieval Europe. Brepols, 2008, ISBN 978-2-503-52615-7, S. 99.
  4. Egå-stenen. In: Danske Runeindskrifter. Dänisches Nationalmuseum. Abgerufen am 9. Februar 2011.
  5. a b c Project Samnordisk Runtextdatabas Svensk - Rundata-Eintrag für DR 107.