Egilsstaðir

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Egilsstaðir
Egilsstaðir (Island)
Koordinaten 65° 16′ N, 14° 24′ WKoordinaten: 65° 16′ N, 14° 24′ W
Basisdaten
Staat Island

Region

Austurland
Gemeinde Múlaþing
Einwohner 2501 (1. Januar 2019)
Postleitzahl 700, 701
Egilsstadir Iceland.JPG
Egilsstaðir

Egilsstaðir ['εiːjɪlsˌstaːðɪr̥] ist mit 2501 Einwohnern (Stand 1. Januar 2019) die größte Stadt im Osten von Island. Sie liegt in der Gemeinde Múlaþing.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Egilsstaðir liegt der Lagarfljót (auch Lögurinn genannt), ein langgestreckter See bzw. gleichnamiger Fluss, in welcher der Legende nach der Lagarfljótwurm, ein Seeungeheuer hausen soll. Unweit von Egilstaður dehnt sich auf einer Höhe von 50–200 m. ü. d. M. mit einer Fläche von 600 ha einer der größten Wälder Islands aus, der Egilstaðaskógur, in dem einige Bäume eine Höhe von 9 m erreichen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort entwickelte sich erst in den 1940er Jahren in der Nähe des gleichnamigen Gutshofs. Dieser war zu Beginn des 20. Jahrhunderts u. a. auf den Getreideanbau spezialisiert, aber auch größere Waldgebiete (in isländischem Maßstab) gehören zu ihm. Schon seit 1914 wird beim Hof auch ein Hotel betrieben.[2]

Die ersten Häuser der heutigen Kleinstadt wurden 1944 erbaut. Das Stadtrecht erwarb der Ort im Jahre 1987 und ist seither bis in die letzten Jahre stetig gewachsen von 1380 Einwohnern im Jahre 1988[3] auf 2237 Einwohner 2011. Man lebt von Handel und Dienstleistungen.

Die Stadt Egilsstaðir (Egilsstaðabær) war bis zum 7. Juni 1998 selbständig und gehörte dann zur Gemeinde Austur-Hérað, die am 1. November 2004 gemeinsam mit weiteren Gemeinden in der neuen Gemeinde Fljótsdalshérað aufging. Seit einer weiteren Fusion 2020 gehört Egilsstaðir zur neuen Gemeinde Múlaþing.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt unter anderem einige wichtige Läden, die sonst nicht in der Gegend vorhanden sind, wie einen Supermarkt und einen Baumarkt, ein Freibad, eine Gesamtschule, eine weiterführende Schule, eine Fachhochschule, die Gemeindebibliothek, das Regionalarchiv und das Bezirksgericht für Ostisland, eine Mehrzweckhalle, die vor allem als Jugendclub genutzt wird, eine Dampferanlegestelle am See, Hotels von der Luxusklasse bis zur Touristenunterkunft, mehrere Sportplätze, einen Golfplatz, ein großes Informationszentrum und einen Wohnwagen- und Zeltplatz. Des Weiteren findet man hier ein Gesundheitszentrum (isl. Heilsugæsla); das nächste Krankenhaus befindet sich hingegen in Neskaupstaður.

In der Nähe von Egilsstaðir steht der Sendemast Eiðar des isländischen Rundfunks.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flughafen Egilsstaðir ist gleichzeitig (neben Akureyri) ein Ausweichlandeplatz für Islands internationalen Flughafen Keflavík.

Durch Egilsstaðir verläuft der Hringvegur R1, die bedeutendste Straße Islands. Von hier verzweigen der Borgarfjarðarvegur S94, der Seyðisfjarðarvegur S93 und der Skriðdals- og Breiðdalsvegur S95.

Kultur, Kirchen und Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum Minjasafn Austurlands bietet einen guten Überblick über Geschichte und Kultur der Region.[4]

Die evangelische Kirchengemeinde der Egilsstaðakirkja, der die meisten Einwohner angehören, gehört zum Gemeindebezirk Múlaprófastsdæmi.[5] Das Kirchengebäude datiert von 1974 und steht auf dem Hügel Gálgaklettur nahe der höheren Schule Menntaskólinn á Egilsstöðum.[6]

Eine ehemalige Apotheke in Egilsstaðir wurde in ein katholisches Gemeindezentrum umgebaut, das zu der Pfarrei St. Thorlák im 34 km entfernten Reyðarfjörður gehört. Die Kapelle mit 50 Sitzplätzen wurde Ende 2009 eingeweiht[7].

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Áskirkja (1898)
Vallaneskirkja (1931)
Denkmal für Stefán Ólafsson
þingmúlakirkja
Valþjófsstaðarkirkja
Ausgrabungen Skriðuklaustur

Das Waldgebiet Selskógur am Fluss Eyvindará am östlichen Stadtrand von Egilsstaðir ist mit seinen Wanderwegen ein beliebtes Ausflugsziel.[8]

An der Landstraße 94 nach Bakkagerði ist die 1886 erbaute Kirche Eiðakirkja des Gehöftes Eiðar, das 12 km nördlich von Egilsstaðir liegt, sehenswert.[9]

Nördlich von Egilsstaðir dehnt sich zwischen den Flüssen Lagarfljót und Jökulsá á Brú das kaum besiedelte Tiefland Hróarstunga aus, durch das die Landstraße 925 (Hróarstunguvegur) führt. In dieser Landschaft, in der 1997 Reste einer Siedlung mit einem Langhaus aus der Zeit der Wikinger gefunden wurden, ist die originalgetreu rekonstruierte und 1999–2001 wieder aufgebaute Torfkirche Geirsstaðakirkja beachtenswert.[10]

Am Westufer des Sees Lagarfljót erhebt sich, 12 km von Egilsstaðir entfernt, die 1898 erbaute Holzkirche Áskirkja mit einem weithin sichtbaren Dachreiter an einer Stelle, an der bereits um 1200 eine Kirche stand.[11] Sie ist u. a. wegen ihres Retabels von 1850 bekannt.[12] Am Ostufer des Sees steht auf dem Gehöft Vallanes die relativ große Vallaneskirkja mit einem massiven Turm, die 1931 eingeweiht wurde und in ihrem Innern 100 Menschen Platz bietet.[13] Das Altargemälde von 1899 stellt Jesus dar, wie er dem Wasser und dem Wind Einhalt gebietet. Neben der Kirche wurde dem Dichter Stefán Ólafsson (1619–1688), der in Vallanes Pfarrer war, ein Denkmal errichtet. Die kleine Steinkirche Eiríksstaðakirkja des Gehöftes Eiríksstaður wurde 1915 erbaut.[14]

Nordwestlich von Egilsstaðir liegt 5 km abseits der Ringstraße in der Landschaft Jökuldalsheiði der 1843 aus Torf erbaute und bis 1943 bewirtschaftete Bauernhof Sænautasel, der 1992 als Museum originalgetreu wieder aufgebaut und 2010 renoviert wurde.[15] Der Hof, der 1875 nach einem Ausbruch des Vulkans Askja zeitweise verlassen war, vermittelt einen Eindruck von den Lebensbedingungen auf Island im 19. Jahrhundert. Sænautasel liegt am Südufer des 2,3 km² großen und bis zu 23 m tiefen Sees Sænautavatn, der 525 m ü. d. M. liegt.[16]

Am südlichen Ende des Sees erhebt sich, 39 km von Egilsstaðir entfernt, auf dem Gehöft Valþjófsstaðir die relativ große Valþjófsstaðarkirkja mit einem massiven, weithin sichtbaren Turm, die 1966 eingeweiht wurde und 95 Sitzplätze bietet.[17] Die Kirchentür ist eine originalgetreue Nachbildung der ursprünglichen mit Schnitzereien verzierten Eingangstür, die möglicherweise aus dem 13. Jahrhundert stammte und heute unter dem Namen Valþjófsstaðarhurð im Nationalmuseum in Reykjavík ausgestellt ist.[18] Die Tür mit einer Höhe von 2,05 m wurde 1851 nach Kopenhagen verkauft und 1930 anlässlich des tausendjährigen Bestehens des isländischen Parlaments nach Island zurückgebracht.[19] Unweit davon befindet sich in einem 1939 von dem deutschen Architekten Fritz Höger erbauten Landsitz das Museum Skriðuklaustur, das dem Leben und Werk des isländischen Schriftstellers Gunnar Gunnarsson gewidmet ist, der hier lebte und die Gebäude 1948 dem isländischen Staat vermachte.[20] Hier fanden 2002–2012 archäologische Ausgrabungen statt, und dabei wurden die Fundamente eines 1493–1552 bestehenden Klosters freigelegt, die man besichtigen kann.[21] Die teilweise zweistöckigen Gebäude des Klosters mit seiner 1512 geweihten Kirche und eines angeschlossenen Hospitals bedeckten eine Fläche von insgesamt 700 m², und daneben fand man einen Friedhof mit 242 Gräbern.[22]

An der Landstraße 95 liegt 27 km südlich von Egilsstaðir das Gehöft þingmúli mit einer kleinen, 1886 erbauten und 1976 renovierten Holzkirche (Þingmúlakirkja) ohne Turm, deren Altargemälde 1916 von Þórarinn Benedikt Þorláksson (1867 – 1924), einem der ersten zeitgenössischen Maler Islands, gestaltet wurde.[23] Die Kirche, deren Altar von 1869 ursprünglich in der 1895 abgerissenen Kirche in Hallormstaður stand, hat eine Grundfläche von 8,5 × 5,5 m.[24] þingmúli war früher Sitz eines Things.

Töchter und Söhne der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Egilsstaðir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Egilsstaðir – Reiseführer

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://geo.alta.is/nms/?nr=3.6&lng=-14.3769074868382&lat=65.2429341240118&z=14
  2. Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 2. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 618
  3. Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 2. bindi. Hg. T. Einarsson, H. Magnússon. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, 616
  4. https://www.minjasafn.is/english
  5. Þjóðkirkjan (Memento des Originals vom 22. Juli 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/kirkjan.is (isländisch); Zugriff: 1. September 2011
  6. Kirkjukort (isländisch); Zugriff: 1. September 2011
  7. Bonifatiusblatt, Juli-September 2010, S. 14.
  8. https://visitegilsstadir.is/ahugavert/selskogur/
  9. http://www.kirkjukort.net/kirkjur/eidakirkja_0131.html
  10. http://www.kirkjukort.net/kirkjur/geirsstadakirkja_0396.html
  11. http://www.kirkjukort.net/kirkjur/askirkja_032.html
  12. https://is.nat.is/geirsstadakirkja-2/
  13. http://www.kirkjukort.net/kirkjur/vallaneskirkja_035.html
  14. https://egilsstadaprestakall.com/soknir-og-kirkjur/eiriksstadasokn/
  15. https://is.nat.is/saenautasel/
  16. https://is.nat.is/saenautavatn/
  17. http://www.kirkjukort.net/kirkjur/valthjofsstadarkirkja_031.html
  18. https://is.nat.is/valthjofsstadarkirkja/
  19. https://egilsstadaprestakall.com/soknir-og-kirkjur/valthjofsstadarsokn/
  20. https://visitegilsstadir.is/ahugavert/skriduklaustur/
  21. https://visitegilsstadir.is/en/things-to-see/skriduklaustur/
  22. http://www.skriduklaustur.is/minjar/is/
  23. http://www.kirkjukort.net/kirkjur/thingmulakirkja_036.html
  24. https://egilsstadaprestakall.com/soknir-og-kirkjur/thingmulasokn/