Franz Schneider Verlag

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Franz Schneider Verlag GmbH
Egmont Schneiderbuch

Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1. April 1913
Sitz Berlin
Branche Verlag
Website www.schneiderbuch.de/

Der Franz Schneider Verlag war ein deutscher Verlag mit einem Schwerpunkt im Druck und Vertrieb von Kinderbüchern. Im Jahr 2003 wurde der Verlag in die Egmont Verlagsgesellschaften gegliedert und damit aufgelöst. Dabei blieb bis heute der Markenname Schneiderbuch erhalten. 2020 wurde Schneiderbuch an die britische Unternehmensgruppe HarperCollins verkauft.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1913–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1913 gründete Franz Schneider (* 1875; † 13. Januar 1946 in Wittenberg) den Franz Schneider Verlag in Schöneberg bei Berlin. Zu den ersten Publikationen gehörten vor allem Kinder- und Märchenbücher, z. B. von Sophie Reinheimer. In den Jahren um 1922 wurde die Reihe Schneiders Bühnenführer herausgegeben, in dem meist moderne Dramatiker wie Frank Wedekind und George Bernard Shaw mit ihren Werken vorgestellt wurden. In der Reihe Luxusgrafiken erschienen Dramentexte mit Illustrationen von Grafikern.[2]

Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft im Jahr 1933 wurden im Franz Schneider Verlag auch Titel wie Ulla, ein Hitlermädel[3], Kinder, was wißt ihr vom Führer?[4] und Der Kampf um die Feldherrnhalle[5] verlegt. Spätestens seit 1936 erschienen im Franz Schneider Verlag auch Bücher, die den Krieg verherrlichten, zum Beispiel von Albert Benary und Helmuth Koschorke.[6][7]

Insgesamt 125 Titel des Verlages von 1913 bis 1945 wurden danach in der SBZ bzw. DDR in verschiedenen Ausgaben erschienenen Liste der auszusondernden Literatur erfasst.

Seit 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod des Gründers Franz Schneider 1946 führte seine Frau Luise Schneider den Familienbetrieb gemeinsam mit dem Sohn Franz-Joachim Schneider. Dieser leitete das Unternehmen dann von 1964 bis 1985 als Alleininhaber.[8] 1985 verkaufte er Verlag und Marke an die dänische Unternehmensgruppe Egmont. 2003 übernahm die Egmont Verlagsgesellschaft Köln den Vertrieb und Verkauf und benannte die Marke in Schneiderbuch um. Hauptstandorte der Geschäftstätigkeit sind seitdem neben Berlin auch Köln und München.

2020 wurde Schneiderbuch an die britische Unternehmensgruppe HarperCollins verkauft.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. April 1913 Schöneberg bei Berlin, Kaiser-Friedrich-Straße 4[9][10]
  • vor 1918 Leipzig, Nebensitz
  • 28. Oktober 1920 Berlin, Dessauer Straße 10, neuer Hauptsitz
  • 1. Juni 1927 Leipzig, Nonnenstraße 10, Nebensitz (?)
  • 7. April 1936 Berlin-Grunewald, Douglasstraße 30, Hauptsitz (?)
  • 1949 Augsburg Schrannenstraße 2
  • 1953 München, Frankfurter Ring 158
  • Berlin
  • 2003 Köln, München, Nebenstandorte

Historische Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sophie Reinheimer: Bunte Blumen, 1913
  • Sophie Reinheimer: Von Sonne, Regen, Schnee und Wind und anderen guten Freunden, 1918
  • Max Jungnickel: Jakob Heidebuckel, 1918
  • Max Jungnickel: Aus den Papieren eines Wanderkopfes, 1918
  • Paul Gärtner (Hrsg.): Der Frühling. Dichtungen aus Lenz und Leben, 1918
  • Max Jungnickel: Gäste der Gasse, 1919
  • Rudolf Winkler, Paul Gärtner: Der Riese Mugel, Märchen-Bilderbuch, 1919
  • Anselm Ruest: Des Junkers Schelmuffsky wahrhaft kuriose und sehr gefährliche Reisebeschreibunhg zu Wasser und zu Lande. Nach Chr. Reuter für die Jugend wiedererzählt, 1920
  • Lotte Haedicke (Hrsg., Übers.): Unter Gnomen und Trollen im nordischen Märchenwald, 1920

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Verlagslogo vor 1985 von einem Buchdeckel
Logo eines „Goldenen Schneider-Buchs“

Bekannte Buchreihen sind unter anderem die Hanni-und-Nanni-Serie für Mädchen und die Burg-Schreckenstein-Serie für Jungen. Auflagen von über 100.000 erhielten die Auszeichnung Goldenes Schneider-Buch.

Der Slogan Kinder lieben Schneider-Bücher war unten auf der Buchrückseite aufgedruckt. Zudem war oft eine Altersempfehlung (von-bis) angegeben.

Auf dem Buchrücken war unten nur das „S“-Logo vorhanden. Bücher für Jungen hatten dort ganz oben oft die Kennzeichnung „J“; außerdem war der Name des Autors in hellblauer Schrift geschrieben. Bei Büchern für Mädchen war der Autorenname in roter/violetter Schrift, und mit der Kennzeichnung „M“ am oberen Buchrücken. Bücher für Jungen und Mädchen waren zunächst ebenfalls rot, später gelb gekennzeichnet.

Seit dem Jahr 2003 wird die Zielgruppe schwerpunktmäßig auf Kinder und Jugendliche bis zwölf Jahre gelegt. Dabei werden Comics, Märchen- und Abenteuerromane als Schwerpunkt veröffentlicht, wobei auch Filmbegleitbücher, Storybooks oder Themenwelten eine wichtige Rolle spielen.

Allerdings werden auch klassische Schneiderbuchreihen wie die Burg Schreckenstein immer wieder neu aufgelegt.

Weitere Buchreihen sind dabei Bibi Blocksberg, Kommissar Kugelblitz, Ein Fall für dich und das Tiger-Team und Commander Perkins. Zu einigen Kinderbüchern entstanden auch Kinofilme, zu denen Schneiderbuch dementsprechende Filmbegleitbücher herausbrachte.

Comic-Romane bei Schneiderbuch sind unter anderem Dork Diaries, Olivia Viewegs Bin ich blöd, oder was?! sowie Bücher der Reihen Tom Gates, Oscar, Luisa und Ein Fall für Kitti Krimi.

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Autoren des Verlags gehören unter anderem Enid Blyton, Tina Caspari, Alfred Bekker, Sabine Bohlmann, Thomas C. Brezina, Erhard Dietl, H. G. Francis, Klaus Jamin, Tommy Krappweis, Dagmar H. Mueller, Rachel Renee Russell, Ursel Scheffler, Jens Schumacher, Vincent Andreas, Betina Gotzen-Beek, Gerhard Hahn, Ute Krause und Bernd Perplies.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. HarperCollins übernimmt Schneiderbuch, boersenblatt.net, 1. April 2020, abgerufen am 9. Mai 2020.
  2. Luxusgrafik Schneider WorldCat
  3. [1]
  4. [2]
  5. [3]
  6. Werke aus dem Franz Steiner Verlag (1940) WorldCat
  7. Werke von Albert Benary im Franz Schneider Verlag WorldCat
  8. @1@2Vorlage:Toter Link/www.boersenblatt.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  9. Franz Schneider Verlag. In: Berliner Adreßbuch, 1915, I. Teil, S. 2805 (auch in weiteren Adressbüchern).
  10. Reinhard Würfell: Lexikon deutscher Verlage, 2000, mit Adressenänderungen, nach Jahrbüchern des deutschen Buchhandels, zitiert in LCCN von Franz Schneider Verlag