Egmont Zechlin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Egmont Zechlin (* 27. Juni 1896 in Danzig; † 23. Juni 1992 in Selent) war ein deutscher Historiker und Universitätsprofessor.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Egmont Zechlin stammte ähnlich wie sein älterer Kollege Friedrich Meinecke aus einem bürgerlichen preußisch-protestantischen Elternhaus. Egmonts Vater Lothar war wie Meinecke in Salzwedel aufgewachsen und mit diesem seit Kindertagen befreundet. Egmont Zechlins Großvater Theodor Zechlin hatte sich als Kommunalpolitiker und Heimathistoriker der alten Hansestadt und ihrer altmärkischen Umgebung einen Namen gemacht. In seinem autobiografischen Werk „Erlebtes und Erforschtes 1896–1919“ (erschienen postum 1993) beschreibt Zechlin ausführlich seine weitläufige Familie und seine bewegte Kindheit als Sohn eines Militärpfarrers, der häufig dienstbedingt seinen Wohnort wechseln musste.

1914 meldete sich Zechlin als Achtzehnjähriger freiwillig zum Kriegsdienst, 1916 wurde er schwer verwundet und verlor seine linke Hand. Nach dem Abitur und erneutem Fronteinsatz in Mazedonien wurde er schließlich Kriegsberichterstatter für die Norddeutsche Allgemeine Zeitung, zunächst im Großen Hauptquartier in Spa. 1918/19 erlebte er die Revolutionstage und den Spartakusaufstand in Berlin.

1919 begann er ein Studium der Geschichtswissenschaft, zunächst bei Friedrich Meinecke in Berlin und dann bei Hermann Oncken in Heidelberg, wo er 1922 promoviert wurde, gefolgt von einer Assistententätigkeit bei Oncken. Erste Publikationen folgten, 1929 dann die Habilitation in Marburg mit dem Titel Bismarck und die Grundlegung der deutschen Grossmacht. 1931/32 war Zechlin Rockefeller-Stipendiat in den USA und in Ostasien, wo er Augenzeuge des japanischen Einmarsches in der Mandschurei wurde.

Im November 1933 gehörte Zechlin zu den Unterzeichnern des Bekenntnisses der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat. 1934 erhielt er seinen ersten Ruf an die Universität Marburg, gefolgt von Rufen nach Hamburg (1936), Lissabon (1937), 1939 wurde er Ordinarius an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Universität. Während dieser Zeit spezialisierte er sich immer mehr auf Überseegeschichte. Zechlin fungierte bis 1945 als Direktor des Reichsinstituts für Seegeltungsforschung im Deutschen Seegeltungswerk; eine Institution, die sich den germanischen Wurzeln und den militärischen sowie kolonialen Voraussetzungen „deutscher Seemacht“ widmete. Zechlin war seit 1933 Mitglied der NSDAP und SA. Trotzdem wurde er als politisch „unbelastet“ eingestuft, da er Kontakte zur Widerstandsgruppe der „Roten Kapelle“ nachweisen konnte. Von zahlreichen Personen erhielt er außerdem „Persilscheine“.[1] Zechlin war privat mit Gegnern des Naziregimes wie Arvid Harnack und seiner Frau Mildred Harnack befreundet.

Seit 1945 lebte Zechlin in Selent (Holstein) und war arbeitslos. 1947 erhielt er einen erneuten Ruf an die Universität Hamburg, wo er Ordinarius für Mittlere und Neuere Geschichte wurde und Direktor des Historischen Seminars. Daneben baute er das Hans-Bredow-Institut für Rundfunk und Fernsehen an der Universität Hamburg mit auf, das er von 1950 bis 1967 leitete. Bekanntheit in den Medien erreichte Zechlin im Jahre 1961 als Sachverständiger beim „Anastasia-Prozess" vor dem Oberlandesgericht Hamburg.

Sein wissenschaftliches Hauptforschungsgebiet war weiterhin die Überseegeschichte, allerdings wurde er Anfang der sechziger Jahre in die berühmte Fischer-Kontroverse verwickelt, wo er einer der Hauptkontrahenten seines Hamburger Kollegen Fritz Fischer wurde. Infolge dieser Auseinandersetzung entstanden in den sechziger und siebziger Jahren zahlreiche Arbeiten über den Ersten Weltkrieg. Daneben galt sein Interesse wieder wie in den dreißiger Jahren dem Themenkomplex „Bismarck und die deutsche Reichsgründung 1871“. 1967 wurde Zechlin mit 70 Jahren emeritiert, blieb aber bis zu seinem Tode 1992 wissenschaftlich tätig.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gedenkreden auf Egmont Zechlin, Ansprachen auf der Akademischen Gedenkfeier am 16. Dezember 1992. Hrsg. von der Pressestelle der Universität Hamburg. Hamburg 1993 (Hamburger Universitätsreden, Band 52).
  • Daniela Frees: Egmont Zechlin (1896–1992). Biographische Studie eines Historikers vom Kaiserreich bis zum Ende des Nationalsozialismus, zwischen wissenschaftlicher Autonomie und politischer Anpassung. Dissertation, Universität Oldenburg 2004 (online).
  • Günter Moltmann: Nekrolog Egmont Zechlin 1896–1992. In: Historische Zeitschrift, Bd. 256 (1993), 3, S. 831–834.
  • Klaus Saul: Egmont Zechlin 90 Jahre alt. In: Uni HH, Bd. 17 (1986), 4, S. 44 und 46.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Andreas Eckert: Von der Kolonial- und Überseegeschichte zur modernen außereuropäischen Geschichte. In: Rainer Nicolaysen/Axel Schildt (Hg.), 100 Jahre Geschichtswissenschaft in Hamburg, Berlin 2010, S. 83–102, hier: S. 91.