Egon Kapellari

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Bischof Egon Kapellari (2006)
Wappen Bischof Egon Kapellaris als Diözesanbischof der Diözese Graz-Seckau
Die österreichische Bischofskonferenz mit Diözesanbischof Kapellari als stellvertretendem Vorsitzenden 2014
Diözesanbischof Egon Kapellari zu Besuch im Akademischen Gymnasium Graz, 15. Februar 2005
Bischof Egon Kapellari und sein damaliger Generalvikar Heinrich Schnuderl unter dem Wappen der steirischen Diözesanbischöfe, 2011
Bischof Kapellari während des Requiems für Otto von Habsburg in Mariazell, 2011

Egon Kapellari (* 12. Jänner 1936 in Leoben, Steiermark, Österreich) ist ein emeritierter österreichischer römisch-katholischer Bischof und Jurist. Er war von 1982 bis 2001 Diözesanbischof der Diözese Gurk-Klagenfurt, von 2001 bis 2015 Diözesanbischof der Diözese Graz-Seckau und gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz.[1]

Leben[Bearbeiten]

Kapellari ging in Leoben zur Schule und maturierte dort 1953. Danach studierte er bis 1957 an der Universität Graz Rechtswissenschaften und wurde zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert. Anschließend studierte er Theologie an der Universität Salzburg und Universität Graz.

Am 9. Juli 1961 empfing er durch Bischof Josef Schoiswohl in Graz die Priesterweihe. Von 1962 bis 1964 war Kapellari Kaplan in der Grazer Kalvarienbergpfarre. Anschließend wurde er Hochschulseelsorger der Katholischen Hochschulgemeinde und Leiter des Afro-Asiatischen Instituts in Graz. Diese Ämter hatte er bis 1981 inne.

Ab 1968 arbeitete er bei der Leitung des Grazer Priesterseminars mit und am 15. September 1973 wurde er zum Monsignore (Kaplan seiner Heiligkeit) ernannt.

Am 7. Dezember 1981 wurde Kapellari zum Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt. Die Bischofsweihe am 24. Januar 1982 spendeten ihm Erzbischof Karl Berg sowie die Bischöfe Johann Weber und Maximilian Aichern. Sein Wahlspruch dazu: Omnia vestra, vos autem Christi (Alles ist Euer, Ihr aber gehört Christus).

Kapellari wurde 1986 Mitglied im Päpstlichen Rat für die Kultur und war von 1996 bis 1998 Mitglied im Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Zusätzlich wurde er 1997 Konsultor der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche in der österreichischen Bischofskonferenz.

Am 14. März 2001 übernahm er die Diözese Graz-Seckau. Er ist seit 4. April 2001 stellvertretender Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz. In der Bischofskonferenz leitet er gemeinsam mit Erzbischof Franz Lackner OFM und Bischof Klaus Küng die Referate Liturgie (mit „Theologie und Ordnung der Weiheämter und Dienste“) sowie Kultur und Medien.[2] Sein Rücktrittsgesuch als Diözesanbischof zum Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren wurde 2011 abgelehnt und ihm eine Verlängerung von zwei Jahren gewährt.[3]

Neben seinen vielfältigen Aufgaben als Bischof fand er immer wieder Zeit für das Schreiben theologisch und spirituell anspruchsvoller Bücher,[4] unter anderem über das Kirchenjahr und die Theologie der Symbole, die ihn im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt machten. Besonders beschäftigt sich Kapellari mit dem Thema Kunst.[5] Bekannt als Medien-Bischof ist er zudem Präsident der Katholischen Medien-Akademie Wien.[6]

Anlässlich der 54. Pfarrerwoche im September 2011 in Schloss Seggau sprach sich Kapellari für eine Geldstrafe für Priester aus, welche den Zölibat nicht einhalten.[7]

Zum Thema Pfarrerinitiative schrieb Kapellari 2012 in einem Hirtenbrief, er wolle alles tun, damit reformorientierte Katholiken „im großen Schiff der Diözese und der Weltkirche verbleiben“ könnten, wandte sich jedoch dagegen, dass „einige […] eigenmächtig das Steuerrad dieses Schiffes Kirche ergreifen“ wollten. Das führe zur „Spaltung“.[8]

Im März 2013 verhängte Kapellari ein Predigtverbot über Ostern gegen den Pfarrer von St. Veit am Vogau, Karl Tropper, wegen wiederholter verbaler Ausfälle gegen den Islam und Homosexuelle. Bei weiteren „Exzessen“ behielt sich der Bischof weiteres Einschreiten vor.[9]

Im September 2014 verbot Kapellari den „Gottesdienst am Rand“, eine Messfeier für Homosexuelle, wiederverheiratete Geschiedene und Alleinerziehende, die der Pfarrer des Pfarrverbandes Kirchberg an der Raab und St. Margarethen an der Raab, Bernhard Preiß, zum zweiten Mal feiern wollte, und bezeichnete sie als „nicht zu Ende gedachten Alleingang“. Er wolle jedoch mit Preiß im Gespräch bleiben. Aus Kirchberg verlautete, man wolle überlegen, wie man diese Gottesdienste in anderer Form weiterführen könne.[10]

Am 24. Jänner 2015 gab Kapellari in einem Hirtenbrief seinen in wenigen Tagen folgenden Rücktritt bekannt.[11] Sein Schritt ist bemerkenswert: Kapellari trat nach mehr als vierjährigem erfolglosen Warten auf seine altersbedingte Abberufung und auf einen Nachfolger an der Spitze der Diözese ab und wartete nicht mehr auf eine Entscheidung aus Rom.[12] Der Rücktritt wurde am 28. Jänner 2015 kirchenrechtlich nach Can. 401 §1 des Codex Iuris Canonici wirksam, nachdem die entsprechende Verlautbarung seines Rücktrittes in einem Bulletin des Heiligen Stuhls bekanntgegeben wurde.[13]

Das Grazer Domkapitel übernahm am 28. Jänner 2015 gemäß Can. 419 des Codex Iuris Canonici (CIC) als Konsultorenkollegium interimistisch die Leitung der Diözese und wählte für die Zeit der Sedisvakanz der Diözese Graz-Seckau gemäß Can. 421 §1 CIC den bisherigen Generalvikar Heinrich Schnuderl zu deren Diözesanadministrator.[14][15][16][17][18]

Die Ernennung des Nachfolgers Kapellaris und neuen Bischofs von Graz-Seckau, Wilhelm Krautwaschl, durch Papst Franziskus erfolgte am 16. April 2015 und wurde am selben Tag durch ein Bulletin des Heiligen Stuhls bekanntgegeben.[19] Bischof Kapellari fungierte bei der Weihe Bischof Krautwaschls am 14. Juni 2015 im Grazer Dom neben dem Hauptkonsekrator Erzbischof Franz Lackner als Mitkonsekrator.[20]

Mitgliedschaften und Ehrungen (Auszug)[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Bei Styria Verlag veröffentlicht:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Portrait Bischof Kapellaris, Website der Diözese Graz-Seckau, 24. Jänner 2015.
  2. Portrait Bischof Kapellaris, Website der Österreichischen Bischofskonferenz, www.bischofskonferenz.at, abgerufen am 28. Jänner 2015.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKapellaris Amtszeit um zwei Jahre verlängert. orf.at, abgerufen am 25. Januar 2011.
  4. Egon Kapellari im Porträt, kleinezeitung.at, 24. Jänner 2015.
  5. Bischof Kapellari über das unverzichtbare Verhältnis zwischen Religion und Kunst, zenit.org, 24. Jänner 2015.
  6. Website der Katholischen Medien-Akademie, abgerufen am 22. Juni 2011.
  7. Kapellari fordert Geldstrafe bei Zölibatsbruch derstandard.at, 21. Oktober 2011.
  8. „Das führt zu Spaltung oder ist schon Spaltung“, kleinezeitung.at, 14. März 2012.
  9. Kapellari zu homophobem Pfarrer: „So geht’s nicht“ derstandard.at, 25. März 2013.
  10. Kapellari verbietet Gottesdienst für „Menschen am Rand“., religion.orf.at, 11. September 2014.
  11. Hirtenbrief Bischof Egon Kapellaris vom 24. Jänner 2015: Ein Wort zum Abschied, Website der Diözese Graz-Seckau, 24. Jänner 2015.
  12. Grazer Bischof Kapellari geht: Lautes Aus eines Leisen, diepresse.com, 24. Jänner 2015.
  13. Rinunce e nomine, 28. Januar 2015, press.vatican.va, abgerufen am 28. Jänner 2015.
  14. Schnuderl zum Diözesanadministrator gewählt, Website der Diözese Graz-Seckau, abgerufen am 28. Jänner 2015.
  15. Kapellari: Papst akzeptierte Rücktritt, steiermark.orf.at, abgerufen am 28. Jänner 2015.
  16. Diözese Graz: Schnuderl Diözesanadministrator, religion.orf.at, abgerufen am 28. Jänner 2015.
  17. Kapellari-Rücktritt: Domkapitel wählte Administrator, religion.orf.at, abgerufen am 29. Jänner 2015.
  18. Nach Kapellari-Rücktritt: Schnuderl ist Administrator, kleinezeitung.at, abgerufen am 28. Jänner 2015.
  19. Nomina del Vescovo di Graz-Seckau (Austria). In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 16. April 2015, abgerufen am 16. April 2015 (italienisch).
  20. Bishop Wilhelm Krautwaschl, Seite auf catholic-hierarchy.org, abgerufen am 15. Juni 2015.
  21. "Einspielerpreis" an ORF-Generalintendant Gerhard Weis und Landesintendant Gerhard Draxler. APA-Meldung vom 16. November 2000, abgerufen am 21. März 2015.